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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Emmanuel, er ist aufgebracht über die Fulani-Frauen. Die Ibo glauben, dass Zwillinge ein schlechtes Zeichen sind – wenn bei ihnen eine Frau Zwillinge bekommt, setzt sie sie zum Sterben aus. Emmanuel, er möchte die Fulani mit Kapitän Jackson fortschicken, sie so schnell wie möglich aus dem Haus haben. Aber Mr. Bonnet, er sagt, er wartet auf die Herren von den Westindischen Inseln, es bringt ihm mehr Geld.«

»Herren von den Westindischen Inseln – was denn für Herren?«

Phaedre zog die Schultern hoch.

»Ich weiß nicht. Er handelt mit ihnen, glaube ich. Sicher Zuckerpflanzer. Esst das, ich komme gleich wieder.«

Phaedre wandte sich zum Gehen, doch plötzlich rief Brianna ihr nach.

»Warte! Du hast mir gestern gar nicht gesagt – wer hat dich aus River Run fortgebracht?«

Die junge Frau wandte sich mit widerstrebender Miene wieder um.

»Mr. Ulysses.«

»Ulysses?«, fragte Brianna ungläubig nach. Phaedre hörte den Zweifel in ihrer Stimme und warf ihr einen wütenden Blick zu.

»Was, glaubt Ihr mir nicht?«

»Doch, doch«, versicherte Brianna ihr hastig. »Ich glaube Euch. Nur – warum?«

Phaedre holte tief durch die Nase Luft.

»Weil ich ein verdammter Dummkopf bin«, sagte sie bitter. »Meine Mama hat es mir gesagt, sie hat gesagt, leg dich nie, niemals mit Ulysses an. Aber habe ich auf sie gehört?«

»Mit Ulysses«, sagte Brianna perplex. »Wie hast du dich denn mit ihm angelegt?« Sie wies auf das Bett und lud Phaedre ein, sich hinzusetzen. Die junge Frau zögerte einen Moment, doch dann setzte sie sich und strich sich unablässig über das weiße Tuch auf ihrem Kopf, während sie nach Worten suchte.

»Mr. Duncan«, sagte sie schließlich, und ihr Gesicht erhellte sich ein wenig. »Er ist so ein liebenswürdiger Mensch. Wisst Ihr, dass er noch nie mit einer Frau geschlafen hatte? Als Junge hat ihn ein Pferd getreten, er dachte, er kann es nicht.«

Brianna nickte; ihre Mutter hatte ihr von Duncans Problem erzählt.

»Nun ja«, sagte Phaedre mit einem Seufzer. »Da hat er sich geirrt.« Sie musterte Brianna argwöhnisch, um zu prüfen, wie sie dieses Geständnis wohl aufnehmen würde. »Er hatte nichts Böses im Sinn und ich auch nicht. Es ist einfach – passiert.« Sie zuckte mit den Achseln. »Aber Ulysses, er hat es herausgefunden; früher oder später bekommt er alles heraus, was auf River Run vor sich geht. Vielleicht hat es ihm eins von den Mädchen erzählt, vielleicht irgendwie anders, aber er hat es gewusst. Und er hat mir gesagt, es ist nicht richtig, und ich soll sofort damit aufhören.«

»Aber das hast du nicht getan?«, riet Brianna.

Phaedre schüttelte langsam den Kopf und presste die Lippen zusammen.

»Ich habe ihm gesagt, ich höre auf, wenn Mr. Duncan es nicht mehr will – dass es nicht seine Sache ist. Ich hatte gedacht, Mr. Duncan ist der Herr. Aber das stimmt nicht. Ulysses, er ist der Herr auf River Run.«

»Dann hat er dich – fortgebracht – verkauft? –, damit du nicht mehr mit Duncan schlafen kannst?« Warum sollte ihn das interessieren?, fragte sie sich. Hatte er Angst, dass Jocasta dahinterkommen und sich verletzt fühlen würde?

»Nein. Er hat mich verkauft, weil ich ihm gesagt habe, wenn er mich und Mr. Duncan nicht in Ruhe lässt, verrate ich das mit ihm und Miss Jo.«

»Ihm und …« Brianna kniff die Augen zu. Sie konnte nicht glauben, was sie da hörte. Phaedre sah sie mit einem kleinen, ironischen Lächeln an.

»Er teilt seit zwanzig Jahren Miss Jos Bett. Schon bevor der alte Master gestorben ist, hat meine Mama gesagt. Alle Sklaven dort wissen es, aber keiner ist so dumm, es ihm ins Gesicht zu sagen, nur ich.«

Brianna wusste, dass ihr Mund offen stand wie bei einem Goldfisch, aber sie konnte es nicht ändern. Hundert winzige Details, die sie auf River Run beobachtet hatte, Myriaden kleiner Intimitäten zwischen ihrer Tante und ihrem Butler, nahmen plötzlich eine neue Bedeutung an. Kein Wunder, dass ihre Tante alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um ihn nach Leutnant Wolffs Tod zurückzubekommen. Und genauso wenig war es ein Wunder, dass Ulysses ohne Umschweife zur Tat geschritten war. Ob man Phaedre geglaubt hätte oder nicht; die bloße Beschuldigung wäre sein Ende gewesen.

Phaedre seufzte und rieb sich das Gesicht.

»Er hat keine Zeit verloren. In derselben Nacht ist er mit Mr. Jones gekommen, und sie haben mich in eine Decke gewickelt und in einem Wagen fortgebracht. Mr. Jones hat zwar gesagt, er handelt nicht mit Sklaven, aber er tut es Mr. Ulysses zu Gefallen. Also hat er mich nicht behalten, sondern mich flussabwärts gebracht und mich in Wilmington an einen Mann verkauft, der ein Wirtshaus hatte. Das war nicht so schlimm – aber dann ist Mr. Jones ein paar Monate später wiedergekommen und hat mich zurückgeholt. Wilmington war Ulysses nicht weit genug. Also hat er mich Mr. Butler gegeben, und der hat mich nach Edenton gebracht.«

Sie senkte den Blick. Ihre Lippen waren angespannt, ihr Gesicht war schwach errötet. Brianna fragte lieber nicht, was sie in Edenton für Butler getan hatte, hielt es aber für wahrscheinlich, dass sie in einem Bordell gearbeitet hatte.

»Und … äh … Stephen Bonnet hat dich dort gefunden?«

Phaedre nickte, ohne den Kopf zu heben.

»Hat mich beim Kartenspiel gewonnen«, sagte sie knapp und stand auf. »Ich muss gehen; ich habe genug davon, mich mit schwarzen Männern anzulegen – will keine Prügel mehr von diesem Emmanuel.«

Brianna tauchte langsam aus dem Schockzustand auf, in den sie die Neuigkeit von Ulysses und ihrer Tante versetzt hatte. Plötzlich kam ihr ein Gedanke, und sie sprang aus dem Bett und beeilte sich, Phaedre zu erwischen, bevor sie die Tür erreichte.

»Warte, warte! Eines noch – weißt du – wissen die Sklaven auf River Run von dem Gold?«

»Was, im Grab des alten Masters? Sicher.« Phaedres Gesicht drückte zynische Überraschung darüber aus, dass jemand das bezweifeln konnte. »Aber niemand rührt es an. Alle wissen, dass ein Fluch darauf liegt.«

»Weißt du etwas darüber, wie es verschwunden ist?«

Phaedres Gesicht wurde ausdruckslos.

»Verschwunden?«

»Oh, warte – nein, das kannst du ja nicht wissen; du … warst ja schon lange fort, als es verschwunden ist. Ich habe mich nur gefragt, ob Ulysses vielleicht etwas damit zu tun hatte.«

Phaedre schüttelte den Kopf.

»Davon weiß ich nichts. Aber Ulysses traue ich alles zu, Fluch oder nicht.« Auf der Treppe waren schwere Schritte zu hören, und sie erbleichte. Ohne ein Wort oder eine Geste des Abschieds schlüpfte sie zur Tür hinaus und schloss sie; Brianna hörte auf der anderen Seite das hektische Klappern des Schlüssels, und dann klickte das Schloss.

Lautlos wie eine Eidechse brachte ihr Emmanuel am Nachmittag ein Kleid. Es war zu kurz und oben herum zu eng, doch es war aus schwerer blauer Seide und ordentlich genäht. Auch war es eindeutig schon getragen; es hatte Schweißflecken, und es roch – nach Angst, glaubte sie und unterdrückte einen Schauer, als sie sich hineinkämpfte.

Sie schwitzte selbst, als Emmanuel sie die Treppe hinunterführte, obwohl ein angenehmer Lufthauch durch die offenen Fenster wehte und die Vorhänge hob. Der Großteil des Hauses war ziemlich schlicht, die Holzfußböden waren nackt, das Mobiliar kaum mehr als Hocker und Bettgestelle. Das Zimmer in der unteren Etage, in das Emmanuel sie jetzt führte, stand in solchem Kontrast dazu, dass es zu einem völlig anderen Haus hätte gehören können.

Prachtvolle Orientteppiche bedeckten den Fußboden. Sie überlappten sich in einem Wirrwarr von Farben, und das Mobiliar war zwar eine bunte Stilmischung, doch alle Stücke waren solide gearbeitet, mit Schnitzereien verziert und mit Seide gepolstert. Silber und Kristall glitzerten auf jeder verfügbaren Oberfläche, und ein Kronleuchter mit Kristallanhängern – der viel zu groß für das Zimmer war – überzog den Raum mit winzigen Regenbögen. Es entsprach der Vorstellung, die ein Pirat vom Zimmer eines reichen Mannes hatte – grenzenloser Überfluss, der ohne jeden Sinn für Stil oder Geschmack zur Schau gestellt war.

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