Revolte gegen die Unsterblichen [=Die Augen Heisenbergs / The Eyes of Heisenberg - de]
- Автор: Херберт Фрэнк
- Год: 1968
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Leni Sobez
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Revolte gegen die Unsterblichen [=Die Augen Heisenbergs / The Eyes of Heisenberg - de]». Краткое содержание книги:
»Hör auf ihn, du Cyborgnarr«, riet Calapine.
»Wir wollen das Wort ›Narr‹ nicht allzu freizügig anwenden«, schlug Svengaard vor.
»Hüte deine Zunge, Svengaard«, tadelte Calapine, »unsere Geduld ist nicht unerschöpflich.«
»Auch nicht Eure Dankbarkeit, eh?« fragte Svengaard.
Sie lächelte bitter. »Wir reden doch vom Überleben, nicht wahr?«
Svengaard seufzte. Konnte es wirklich gelingen, ihnen diese Illusion von ewigem Leben zu nehmen?
»Also Überleben«, sagte Svengaard.
»Wir wollen doch versuchen, einander zu verstehen«, schlug Calapine vor. »Es gibt viele unter uns, die darauf bestehen, es sei eure Pflicht gewesen, uns zu helfen. Ihr seid immer noch unsere Gefangenen. Es gibt andere, die verlangen, daß ihr eure ganze Untergrundbewegung aufdeckt und uns ausliefert.«
»Ja, wir wollen einander doch verstehen«, pflichtete ihr Svengaard zu. »Wer sind Eure Gefangenen? Ich — kein Mitglied des Untergrunds, der wenig davon weiß; Glisson, der mehr weiß, aber sicher nicht alles; Boumour, einer der entkommenen Pharmazeuten, der noch weniger weiß als Glisson; dann die Durants, deren Wissen möglicherweise ein wenig über ihre Zelle hinausreicht. Was wollt Ihr damit erreichen, wenn Ihr uns aussaugt?«
»Deinen Plan, uns zu retten«, gab Calapine zur Antwort.
»Mein Plan verlangt Zusammenarbeit, keinen Zwist«, entgegnete Svengaard.
»Und er wird uns nur ein Fortleben garantieren, nicht aber den ursprünglichen Zustand, nicht wahr?« fragte Calapine.
»Das sollte Euch doch genügen«, meinte Svengaard. »Es würde Euch die Möglichkeit zur Reife, zur Nützlichkeit geben.« Er deutete auf ihre Umgebung. »Ihr seid hier in Eurer Unreife erstarrt! Ihr habt nur gespielt — und ich biete Euch eine Chance, wirklich zu leben.«
Ist dieses neue Lebensgefühl eine Folge des Wissens, daß wir sterben müssen? überlegte Calapine.
»Ich bin nicht sicher, daß wir mitarbeiten werden«, warf Glisson ein.
Das genügte Harvey. Er sprang auf und funkelte Glisson an. »Du Roboter möchtest wohl, daß die menschliche Rasse ausstirbt? Ihr seid ebenso eine Sackgasse.«
»Leeres Geschwätz!« fauchte Glisson.
»Hört mal«, forderte Calapine sie auf und begann die Sprechkanäle zu öffnen. Satzfetzen waren in der Halle zu vernehmen:
»Wir können mit eigenen Möglichkeiten unser Enzymgleichgewicht erhalten … Löscht diese Kreaturen aus … Was plant er? … Wie lange haben wir Zeit, wenn … Zweifellos können wir …«
Calapine schaltete die Stimmen ab. »Wir müssen abstimmen lassen, denkt daran.«
»Und Ihr werdet sterben, und das bald, wenn wir nicht mittun«, drohte Glisson, »ich möchte, daß das absolut klar ist.«
»Kennst du Svengaards Plan?« fragte Calapine.
»Seine Gedanken sind durchsichtig für mich«, erklärte Glisson.
»Ich glaube nicht. Ich sah ihn, als er sich um Nourse kümmerte. Er verabreichte ihm eine Überdosis Aneurin und Inostol. Ich frage mich nun selbst, wie viele von uns bei dem Versuch, diesen Prozeß aufzuhalten, sterben müssen? Hätte ich an mir selbst eine solche Überdosis versucht? Will jemand von uns, der diese Erregung kennengelernt hat, in Langeweile zurückfallen? Das sind meine Fragen.« Sie sah Svengaard an.
»Ich kenne seinen Plan«, knurrte Glisson. »Eure Gefühle sollen aufgeschwemmt werden, jeder von Euch soll eine ganze Enzymapotheke eingepflanzt bekommen. Er will Cyborgs aus Euch machen.« Er fletschte grinsend die Zähne. »Das ist Eure einzige Hoffnung. Akzeptiert Ihr sie, dann habt Ihr am Ende gegen uns verloren.«
Calapine sah ihn erschreckt an.
Der schneidende Wahnsinn in Glissons Worten ließ Harvey aufhorchen. Vom Untergrund her wußte er, daß die Cyborgs zu berechnend, zu engstirnig waren, als daß sie menschliche Entscheidungen hätten begreifen können. Noch niemals hatte er einen so klaren Beweis dafür erhalten.
»Ist das dein Plan, Svengaard?« fragte Calapine.
»Nein!« rief Harvey und sprang auf.
»Du glaubst zu wissen, was ich, ein Cyborg, nicht weiß?« höhnte Glisson.
Svengaard hob die Brauen und sah Harvey an.
»Embryos«, sagte Harvey.
Svengaard nickte. »Ich schlage vor, ständig lebende Embryos in Euch eingepflanzt zu erhalten«, sagte er, »denn lebende Monitore werden für Eure eigenen Bedürfnisse sorgen. Ihr werdet Eure Emotionen wiederfinden, Eure Lebenslust, die Aufregung, die Ihr so preist.«
»Dann willst du uns also zu lebenden Bruttanks für Embryos machen?« staunte Calapine.
»Der Entwicklungsprozeß kann auf Jahrhunderte verzögert werden«, erklärte Svengaard. »Selbst bei Männern läßt er sich durchführen, gibt man entsprechende Hormone. Selbstverständlich Kaiserschnitt — er braucht nicht oft zu erfolgen und auch nicht schmerzhaft zu sein.«
Calapine überlegte. Weshalb stieß dieser Vorschlag sie nicht ab? Früher einmal hatte die Vorstellung, Lizbeth trage in ihrem Leib einen lebenden Embryo, sie angewidert. Jetzt fühlte sie Eifersucht auf sie.
»Calapine!« rief Glisson, »Ihr werdet doch diesen verrückten Vorschlag nicht annehmen?«
Dieser Roboter lehnt jede lebensnahe Lösung ab, dachte sie. Sie wandte sich an Boumour. »Was sagst du dazu?«
»Ja, Boumour, sprich!« forderte Glisson, »beweise, wie unlogisch dieser Vorschlag ist.«
Boumour musterte Glisson, sah Svengaard an, die Durants, dann Calapine. Sein Gesicht drückte verborgenes Wissen aus. »Ich erinnere mich, wie es war … einmal … und ich glaube, es war besser, bevor ich mich … änderte.«
»Boumour!« mahnte Glisson.
Triff seinen Stolz, dachte Svengaard.
Glisson blickte mit mechanischer Eindringlichkeit zu Calapine hinauf. »Es ist noch lange nicht sicher, daß wir Euch helfen werden.«
»Wer braucht euch schon?« fragte Svengaard. »Ihr habt kein Monopol für eure Techniken. Ihr würdet uns ein bißchen Zeit und Mühe sparen, das ist alles. Embryos finden wir selbst.«
»Aber so ist der Computer nicht programmiert!« antwortete Glisson. Dann schwieg er. Seine Augen wurden glasig.
»Doktor Svengaard«, sagte Calapine, »kannst du uns gesunde, lebensfähige Embryos besorgen — so wie das der Durants? Du hast doch die Argininintrusion gesehen. Nourse glaubt, das sei möglich.«
»Es ist möglich«, erklärte Svengaard und überlegte. »Ja, wahrscheinlich.«
Calapine sah zu den Spionen hinauf. »Wenn wir dieses Angebot annehmen, werden wir weiterleben. Fühlt ihr, daß wir jetzt leben? Vor kurzem haben wir noch nicht gelebt.«
»Wenn wir müssen, werden wir helfen«, antwortete Glisson mürrisch.
Nur Lizbeth erkannte aus ihrem Zustand der Schwangerschaft heraus den logischen Grund für den Meinungsumschwung Glissons. Fügsame Menschen konnte man unter Kontrolle halten, dachte er. Sie las es in ihm und verstand seinen Gedankengang, nun, da sie wußte, daß auch er Zorn und Stolz kannte.
Calapine setzte die Analogatoren auf Antwort; sie ließ nicht auf sich warten: »Dieser Prozeß kann nicht nur uns, sondern auch dem Volk zehn- bis zwölftausend zusätzliche Lebensjahre bringen.«
»Auch dem Volk«, flüsterte Calapine. Einen Sicherheitsdienst brauchte man nicht mehr. Auch die Kontrollkugel hatte Mängel und Grenzen, und Glisson wußte das. Svengaard mußte sich darüber klar sein, vielleicht wußten es sogar die Durants. Nun wußte sie auch, was sie zu tun hatte. Es würde leicht sein, in diesem Augenblick zu verlieren — ganz und gar.
»Wenn es getan wird«, bestimmte Calapine, »dann für jeden, der es wünscht — Volk oder Regenten.« Das ist Politik, so würde die Tuyère es machen, selbst Schruille. Besonders Schruille. Kluger Schruille. Toter Schruille. Sie hörte ihn fast kichern.
»Kann es auch für das Volk getan werden?« fragte Harvey.
»Für jeden«, bestätigte sie und lächelte Glisson an, da sie nun gewonnen hatte. »Ich denke, wir können darüber abstimmen.«