Revolte gegen die Unsterblichen [=Die Augen Heisenbergs / The Eyes of Heisenberg - de]
- Автор: Херберт Фрэнк
- Год: 1968
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Leni Sobez
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Revolte gegen die Unsterblichen [=Die Augen Heisenbergs / The Eyes of Heisenberg - de]». Краткое содержание книги:
»Sobald wir können«, versprach Igan. »Keine Sorge. Das ist ganz normal.« Er wandte sich um und kroch zurück durch das Loch.
»Was ist denn los?« fragte Lizbeth.
»Es ist nur der Embryo«, antwortete Harvey. »Hast du es nicht gehört?«
»Ja, doch. Der Kopf tut mir weh.«
Igan kehrte mit einer Kapsel und einem Becher Wasser zurück und beugte sich über Lizbeth. »Hier, nehmen Sie das. Es beruhigt den Magen.«
Harvey stützte sie, als sie sich aufsetzte, um die Kapsel zu schlucken. Sie trank das Wasser und gab den Becher zurück. »Es tut mir so leid, daß ich soviel …«
»Oh, das geht schon in Ordnung«, antwortete Igan und sah Harvey an. »Sie bringen sie am besten in den anderen Raum hinüber. Glisson wird bald zurückkommen. Er wird einen Führer und etwas zu essen mitbringen.«
Harvey half seiner Frau, als sie Igan in den vorderen Raum folgte. Svengaard war inzwischen erwacht und starrte auf seine gefesselten Hände.
»Hast du zugehört?« fragte Igan.
»Ja«, antwortete er und sah Lizbeth an.
»Hast du über Seatac nachgedacht?«
»Ja, das habe ich.«
»Sie denken ja gar nicht daran, ihn freizulassen«, sagte Harvey.
»Er hält uns zu sehr auf, und freilassen können wir ihn nicht«, erwiderte Igan.
»Dann müßte ich seinetwegen etwas tun«, meinte Harvey.
»Was schlagen Sie vor, Durant?« fragte Boumour.
»Er ist eine Gefahr für uns«, erklärte Harvey.
»Ah«, machte Boumour, »dann werden wir ihn Ihnen überlassen.«
»Harvey!« bat Lizbeth. War er denn plötzlich verrückt geworden? War das die Antwort auf ihre Bitte, Svengaard möge ihr Arzt sein?
»Wenn es um ihn und um meinen Sohn geht«, antwortete Harvey, »dann fällt mir die Wahl leicht.«
Lizbeth griff nach Harveys Hand. Was tust du? Das ist doch nicht dein Ernst?
Warte. Gib acht, signalisierte er. »Was ist er denn eigentlich?« wandte er sich an Igan.
Lizbeth las nun ihren Mann und drehte sich um.
»Er ist Genchirurg«, fuhr Harvey fort. »Er hat ihnen gedient. Er ist unfruchtbar, ein Nichts. Er hat keine Zukunft.«
»Ist das Ihre Wahl?« fragte Boumour.
Svengaard sah Harvey an. »Heißt das, daß Sie mich ermorden wollen?« fragte er. Seine Stimme klang unbewegt, und das erstaunte Harvey.
»Sie protestieren gar nicht?«
»Warum streiten?« fragte Svengaard. »Vieles, was er sagt, stimmt, und er hat sich ja bereits entschieden.«
»Wie soll es geschehen?« fragte Harvey.
»Strangulieren«, meinte Boumour. Harvey erkannte in seiner Stimme schon die klinische Gefühllosigkeit der Cyborgs.
»Ein rascher Schlag in den Nacken ist besser«, riet Igan. »Oder eine Injektion. Ich habe etwas in meiner Tasche.«
Harvey fühlte, wie Lizbeth zitterte. Er tätschelte ihr beruhigend den Arm. »Harvey!« bat sie. Er schüttelte den Kopf und trat zu Svengaard.
Igan zog sich zu Boumour zurück und wartete.
Harvey kniete neben Svengaard nieder und legte seine Hände um die Kehle des Chirurgen. Er beugte sich zu seinem Ohr hinab. »Denen ist es gleich, wie ich Sie umbringe«, flüsterte er. »Was meinen Sie dazu?«
Svengaard fühlte die Hände an seiner Kehle. Er konnte versuchen, mit seinen gefesselten Händen diese Finger zu lösen, doch er wußte, es würde ihm nicht gelingen. Harvey war zu stark.
»Und Ihre eigene Wahl?« flüsterte Harvey.
»Tu es endlich!« rief Boumour.
Vor wenigen Sekunden noch hatte Svengaard seinen Tod herbeigesehnt. Jetzt wußte er ganz plötzlich, daß er leben wollte, leben …
»Ich will leben«, röchelte er.
»Ist das Ihre Wahl?«
»Ja.«
»Und warum wollen Sie leben?« fragte Harvey laut. Der Druck seiner Hände ließ nach; es war eine geheime Verständigung. Selbst ohne Training konnte man das lesen.
»Ich habe niemals wirklich gelebt«, antwortete Svengaard. »Ich will es jetzt versuchen.«
»Und wie wollen Sie Ihre Existenz rechtfertigen?« Seine Finger drückten kaum merklich auf Svengaards Kehle. Der sah Lizbeth an und erriet schließlich die Richtung von Harveys Gedanken. Dann warf er Boumour und Igan einen Blick zu.
»Was reden Sie da mit unserem Gefangenen?« protestierte Boumour.
»Sind diese beiden Cyborgs?« fragte Svengaard.
»Unwiderruflich«, erklärte Harvey. »Ohne menschliche Gefühle, oder so nahe daran, daß es nichts mehr ausmacht.«
»Wie können Sie ihnen dann Ihre Frau anvertrauen?«
Harveys Finger lockerten sich.
»So könnte ich meine Existenz rechtfertigen«, sagte Svengaard.
Harvey nahm die Hände von Svengaards Kehle und drückte die Schultern des Mannes. Das war mehr als Worte, als ein Versprechen. Svengaard wußte, daß er nun einen Verbündeten hatte.
Boumour trat zu ihnen. »Bringst du ihn jetzt endlich um oder nicht?«
»Niemand hier wird ihm ein Haar krümmen«, erklärte Harvey bestimmt.
»Was tust du dann noch?«
»Ich löse ein Problem.« Harvey legte eine Hand auf Svengaards Arm. Der verstand sofort die Bedeutung des unmerklichen Druckes: Warte. Verhalte dich ruhig. Laß mich handeln.
»Und was geschieht jetzt mit dem Gefangenen?« fragte Boumour.
»Ich werde ihn befreien und meine Frau seiner Fürsorge anvertrauen«, antwortete Harvey.
»Und wenn wir damit nicht einverstanden sind?« knurrte Boumour.
»Welche Idiotie!« schrie Igan. »Wie kann man ihm vertrauen, solange wir da sind?«
»Das ist ein Mensch«, erwiderte Harvey. »Was er für meine Frau tut, das tut er aus Menschlichkeit; er behandelt sie nicht mechanisch wie eine Maschine, die einen Embryo trägt.«
»Unsinn!« fauchte Igan. Aber er wußte nun, daß Harvey sie beide als Cyborgs erkannt hatte.
Boumour hob eine Hand. »Du hast noch nicht gesagt, was du tun wirst, wenn wir dagegen sind«, warf er ein.
»Ihr seid noch keine ganzen Cyborgs. Das erkenne ich an eurer Unsicherheit, an eurer Angst. Ihr ändert euch noch, und für euch ist noch alles neu. Wahrscheinlich seid ihr noch sehr verletzlich.«
»Und Glisson?« fragte Boumour und trat ein paar Schritte zurück.
»Glisson braucht vertrauenswürdige Verbündete«, antwortete Harvey, »und ich gebe ihm einen.«
»Wie weißt du, daß du Svengaard vertrauen kannst?« fragte Igan.
»Mit euren Fragen beweist ihr nur, daß ihr noch nicht fertig seid.« Harvey löste Svengaards Fesseln, erst an den Händen, dann an den Füßen.
»Ich sehe mich nach Glisson um«, erklärte Igan und ging hinaus.
Harvey stand auf und sah Svengaard in die Augen. »Was weißt du über den Zustand meiner Frau?« fragte er.
»Ich habe Igan zugehört«, antwortete er. »Jeder Arzt studiert die Geschichte der genetischen Ursprünge. Ich habe einiges akademische Wissen über ihren Zustand.«
Boumour knurrte verächtlich.
»Hier ist Igans Tasche«, sagte Harvey. »Nun erkläre mir, weshalb meine Frau sich krank fühlte.«
»Bist du nicht zufrieden mit Igans Erklärung?« grollte Boumour. Der Gedanke schien ihn wütend zu machen.
»Er behauptete, das sei ganz natürlich. Aber wie kann Krankheit natürlich sein?«
»Sie hat Medikamente erhalten«, sagte Svengaard. »Weißt du, was es war?«
»Es scheint ein Beruhigungsmittel gewesen zu sein.«
Svengaard trat zu Lizbeth, besah sich ihre Augen, betastete ihre Haut. »Bring die Tasche«, bat er und nickte Harvey zu. Er führte Lizbeth zu einem leeren Polster. Der Gedanke an diese Untersuchung faszinierte ihn. Früher einmal hatte er sie ekelhaft gefunden; jetzt, da Lizbeth auf uralte Art einen Embryo in ihrem Leib trug, war er von diesem Geheimnis gefesselt.
Gehorsam ließ sich Lizbeth auf das Polster fallen. Sie hatte Angst — nicht vor Svengaard, denn seine Hände wirkten beruhigend auf sie, sondern sie fürchtete die Wirkung der Droge, die Igan ihr gegeben hatte.