Revolte gegen die Unsterblichen [=Die Augen Heisenbergs / The Eyes of Heisenberg - de]
- Автор: Херберт Фрэнк
- Год: 1968
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Leni Sobez
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Revolte gegen die Unsterblichen [=Die Augen Heisenbergs / The Eyes of Heisenberg - de]». Краткое содержание книги:
Svengaard öffnete die Tasche und rief sich seine Studienjahre ins Gedächtnis zurück; er prüfte nach, was man ihn zu prüfen gelehrt hatte: Blutdruck, Enzyme, Hormonproduktion, Körpersekrete. Dann setzte er sich zurück und runzelte die Brauen.
»Ist etwas nicht in Ordnung?« fragte Harvey.
Boumour stand mit gekreuzten Armen hinter Harvey. »Ja, sag es uns.«
»Der Komplex der Menstrualhormone ist viel zu hoch«, erklärte Svengaard.
»Der Embryo steuert diesen Wechsel«, knurrte Boumour.
»Ja. Aber warum stimmt dann die Hormonproduktion nicht?«
»Du weißt ja mehr, also kannst du es uns sagen«, murmelte Boumour.
Svengaard überhörte den Spott darin und sah ihn an. »Du hast das doch schon öfter gemacht. Hattest du dabei Fälle von spontanen Fehlgeburten?«
»Ja«, gab Boumour zögernd zu.
»Ich vermute, der Embryo ist mit dem Endometrium noch nicht fest verbunden«, erläuterte Svengaard seine Überlegungen. »Mit der Wand des Uterus«, fügte er für Harvey hinzu. »Der Embryo klammert sich an die Uteruswand, nistet sich dort ein. Zyklushormone bereiten den Uterus darauf vor.«
Boumour zuckte die Achseln. »Nun ja, wir rechnen immer mit dem Verlust eines gewissen Prozentsatzes.«
»Meine Frau ist nicht ein gewisser Prozentsatz«, knurrte Harvey. Er warf Boumour einen so wütenden Blick zu, daß dieser drei Schritte zurücktrat.
»Aber das kommt vor«, antwortete Boumour. »Und was tust du jetzt?« fragte er, als Svengaard eine Ampulle aus Igans Tasche aufzog.
»Ich gebe ihr ein Anregungsmittel zur Hormonproduktion«, erklärte er. Auf Durants Gesicht spiegelte sich Unruhe. »Das ist das Beste, was wir jetzt tun können, Durant. Es wird auch wirken, wenn all dies das ganze System nicht schon zu sehr durcheinandergebracht hat.« Mit einer Handbewegung deutete er Flucht, Gefühlsbelastung und Anstrengung an.
»Tu nur, was du für gut hältst«, meinte Harvey, »ich weiß, du tust dein Bestes.«
Svengaard setzte die Spritze an und tätschelte Lizbeths Arm. »Versuchen Sie jetzt zu schlafen. Entspannen, bitte. Nicht herumlaufen, wenn es nicht unbedingt nötig ist.«
Lizbeth nickte. Sie konnte Svengaard und seine echte Sorge um sie genau lesen. Sein Versuch, Harvey zu beruhigen, hatte sie gerührt, doch ihre Angst vermochte sie nicht zu verbergen.
»Glisson«, flüsterte sie.
Svengaard wußte, was sie meinte. »Ich werde ihm nicht erlauben, Sie zu transportieren, bevor Sie ganz in Ordnung sind«, versprach er. »Er und sein Führer müssen solange warten.«
»So? Du wirst es nicht erlauben?« schnaubte Boumour.
Als sollten diese Worte unterstrichen werden, begann die Erde unter ihnen zu rumpeln und zu zittern. Staub fegte durch den niederen Eingang herein; es war wie ein Zaubertrick: als sich der Staub verzog, stand Glisson da.
»Keine sonischen Waffen«, erklärte Glisson. Seine sonst fast ausdruckslose Cyborgstimme war ein näselnder Singsang.
»Er hat keine Arme«, bemerkte Harvey.
Dann erst sahen es auch die anderen. Von den Schultern baumelte, da wo früher Glissons Arme waren, nur das leere Verbindungsglied zu den Prothesen.
»Die haben uns hier eingesperrt«, fuhr Glisson fort; irgend etwas schien in ihm zerbrochen zu sein. »Wie ihr seht, habe ich keine Arme mehr. Belustigt euch das nicht? Versteht ihr jetzt, warum wir sie niemals offen angreifen konnten? Wenn sie wollen, dann können sie alles zerstören, alles und jeden …«
»Igan?« flüsterte Boumour.
»Igans sind leicht zu zerstören, das habe ich gesehen. Ihr müßt die Tatsachen akzeptieren.«
»Was werden wir jetzt tun?« fragte Harvey.
»Tun?« wunderte sich Glisson und sah ihn an. »Wir werden warten.«
»Gewalttaten sind nicht meine Aufgabe«, sagte Glisson. »Ihr werdet sehen.«
»Was werden sie jetzt tun?« flüsterte Lizbeth.
»Was immer sie wollen«, antwortete Glisson.
18
»So, das wäre geschafft«, sagte Calapine. Sie sah im Reflektor zu Schruille und Nourse hinüber.
Schruille deutete auf den kinesthetischen Analogator an der Innenwand der Kugel. »Hast du Svengaards Gefühle verfolgt?«
»Er war richtig erschrocken«, meinte Calapine.
Nourse warf einen Blick hinauf zu den Spionen. Alle waren besetzt. Fast ausnahmslos überwachten alle Regenten die weitere Entwicklung.
»Wir müssen eine Entscheidung treffen«, mahnte Nourse.
»Du siehst blaß aus, Nourse«, stellte Calapine fest, »hast du Schwierigkeiten?«
»Auch nicht mehr als du«, wehrte er ab. »Eine einfache Enzymheterodomie. Ist schon fast überstanden.«
»Bring sie jetzt hierher«, sagte Schruille.
»Wozu?« fragte Nourse. »Wir haben ihren Fluchtweg ziemlich genau festgehalten. Sollen wir sie vielleicht wieder entkommen lassen?«
»Ich liebe es gar nicht, wenn unregistrierte lebensfähige Keimträger irgendwo herumlaufen«, erwiderte Schruille, »und wer weiß, wie viele.«
»Weißt du denn bestimmt, daß wir sie lebend bekommen?« fragte Calapine.
»Die Cyborgs geben zu, daß sie gegen uns machtlos sind«, stellte Schruille fest.
»Wenn das nicht nur ein Trick ist«, wandte Nourse ein.
»Das glaube ich nicht«, widersprach Calapine. »Haben wir sie erst einmal hier, bekommen wir aus ihren Gehirnen alle nötigen Informationen, und zwar ganz genau.«
Nourse drehte sich zu ihr um. Er verstand nicht mehr, was mit Calapine los war. Sie sprach mit der ruhigen Brutalität einer Frau aus dem gewöhnlichen Volk. Sie redete wie eine Teufelin. Dieser Gedanke erschütterte ihn.
»Wenn sie aber Mittel haben, sich selbst zu zerstören?« überlegte Nourse. »Erinnert euch nur an die Computerassistentin und eine Anzahl unserer eigenen Chirurgen, die mit diesen Kriminellen im Bund zu stehen schienen. Wir waren machtlos, als sie sich selbst zerstörten.«
»Wie gefühllos du bist, Nourse«, tadelte Calapine.
»Ich und gefühllos?« Er schüttelte den Kopf. »Ich will nur weitere Leiden verhindern. Sollen sie uns auslöschen und damit davonkommen?«
»Glisson ist ein voller Cyborg«, sagte Schruille. »Kannst du dir vorstellen, was seine Gedächtnisbank enthüllen würde?«
»Ich erinnere mich an den einen, der Potter begleitete«, meinte Nourse. »Wir dürfen kein Risiko eingehen. Seine Ruhe könnte ein Trick sein.«
»Ich schlage ein Kontaktnarkotikum vor«, sagte Schruille.
»Bist du sicher, daß es bei einem Cyborg wirkt?« wandte Nourse ein.
»Dann könnten sie noch mal entkommen.« Schruille zuckte die Achseln. »Was würde das schon ausmachen?«
»In eine andere Hauptstadt, meinst du das?« fragte Nourse.
»Wir wissen, diese Infektion ist weit verbreitet«, gab Schruille zu. »Sicher, es gab Zellen hier in der Zentrale. Die haben wir ausgemerzt. Aber die …«
»Und ich sage, sie werden jetzt aufgehalten!« fuhr Nourse auf.
»Schruille hat recht«, widersprach Calapine. »Was riskieren wir schon dabei?«
»Je eher wir sie aufhalten, desto eher können wir zu unseren eigenen Plänen zurückkehren«, sagte Nourse.
»Das sind unsere eigenen Pläne«, beharrte Schruille.
»Dir gefällt wohl der Plan, eine weitere Hauptstadt zu sterilisieren, nicht wahr, Schruille?« fauchte Nourse. »Welche ist es diesmal? Wie wäre es mit Loovil?«
»Eine reicht«, erklärte Schruille. »Aber Vorlieben und Abneigungen haben damit wirklich nichts zu tun.«
»Dann stimmen wir eben ab«, schlug Calapine vor.
»Weil ihr beiden gegen mich seid?« höhnte Nourse.
»Sie meint doch eine allgemeine Abstimmung«, widersprach Schruille und sah zu den Spionen hinauf. »Unser Forum ist doch komplett.«
Nourse wußte, daß er in die Falle gegangen war. Gegen eine allgemeine Abstimmung konnte er nichts einwenden, und seine zwei Kameraden schienen sich ihrer Sache sicher zu sein.