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Indiana Jones und das Schwert des Dschingis Khan

Электронная книга - «Indiana Jones und das Schwert des Dschingis Khan». Краткое содержание книги:

Mit einer Cocktailparty in der russischen Botschaft fängt alles an, aber kurze Zeit später muß Indiana Jones wieder einmal feststellen, daß er mit der Peitsche doch besser umgehen kann als mit langstieligen Champagnergläsern. Die schöne Sowjet-kommissarin Tamara Jaglova lädt Indy ein, an einer archäologischen Expedition in die Äußere Mongolei teilzunehmen. Es geht um eine alte Legende. Und darum, was passieren könnte, wenn die Legende Wahrheit wird.
Wenn das Schwert des Khan gefunden wird, so die Sage, wird das Mongolenreich zu alter Größe wiederauferstehen. Die wilden Horden sind bereit. Ein aussichtsloses Unternehmen für Indy, auf den Gegner aller Nationen warten: Russen, Chinesen, Deutsche und Japaner. Eins jedoch ist klar: Einem Abenteuer weicht man nicht aus. Und so beginnt eine wilde Hetzjagd quer über die Kontinente.
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Er spürte Lobsangs Kopfschütteln, obwohl er den Tibeter nicht ansah.»Ein Leben mußte gegeben werden, um den Tempel zu erreichen«, sagte der Tibeter ernst.»Unsere Vision sagte uns nicht welches. Aber es war unsere Entscheidung, daß dein Leben im Moment wichtiger ist als das unsere.«

«Es hätte überhaupt kein Leben — «protestierte Indiana, aber diesmal unterbrach ihn Lobsang mit einer Autorität in der Stimme, der sich Indiana nicht widersetzen konnte.»Das Schicksal läßt sich nicht betrügen, Dr. Jones«, sagte er.»Ein Leben wurde verlangt, und eines wurde gegeben. Hätten wir dir gesagt, was mit dem Fallschirm war, so wäre etwas anderes passiert.«

Indiana widersprach nicht mehr. Er zitterte vor Zorn und Schmerz, und die bloße Vorstellung, daß der Tibeter sein Leben ganz bewußt weggeworfen hatte, nur weil er es in einer Vision so gesehen zu haben glaubte, trieb ihn fast in den Wahnsinn.

Aber er wußte auch zugleich, wie vollkommen sinnlos es gewesen wäre, weiter mit Lobsang darüber zu reden. Ihr Gespräch hatte den gleichen Punkt erreicht, an dem er auch bei seinen Unterhaltungen mit Moto schon mehrmals angelangt war. Es waren nicht einfach zwei unterschiedliche Meinungen, sondern zwei völlig verschiedene Denkweisen, die hier aufeinandertrafen.

«Moto also«, murmelte er schließlich.

«Er wird weiter versuchen, dich zu töten«, bestätigte Lobsang.»Er glaubt, dich nicht mehr zu brauchen.«

«Aber ich habe sein Ehrenwort«, sagte Indiana verständnislos. Beinahe verzweifelt sah er den kahlköpfigen Tibeter an.»Ich verstehe das nicht, Lobsang. Das Ehrenwort eines Samurai …«

Der Tibeter schüttelte sanft den Kopf.»Das hattest du nie, Dr. Jones«, sagte er.»Das Ehrenwort eines Samurai gilt mehr als sein Leben — wenn er es dem gibt, dem er die Treue geschworen hat. Lüge und Betrug gehören ebenso zu den Waffen der Krieger der Aufgehenden Sonne wie das Schwert und der Dolch.«

«Das heißt, er hatte niemals vor, sein Wort zu halten«, sagte Indiana düster.

«Er hat es dir nie wirklich gegeben«, sagte Lobsang.

«Aber warum sind wir dann hier?«fragte Indiana verständnislos.»Wozu dieses Theater? Er hätte mich einfach hinrichten lassen können.«

Der Tibeter atmete tief und hörbar ein.»Weil er nicht sicher ist«, sagte er.»Dzo-Lin ist ein kluger Mann. Wäre er es nicht, hätte er ihnen kaum so lange widerstehen können. Er braucht ihn lebendig. Und es ist nicht die Art eines Samurai, einen Gegner einfach hinrichten zu lassen, wenn er ihm statt dessen eine komplizierte Falle stellen kann.«

Die Rückkehr Motos hielt Indiana davon ab, Lobsang weitere Fragen zu stellen. Indiana zog seinen Hut ein wenig tiefer ins Gesicht. Er war nicht sicher, ob er sich selbst genug in der Gewalt hatte, sich nichts von seinen wirklichen Gefühlen anmerken zu lassen.

«Wir sind soweit«, sagte Moto knapp.»Unsere Position ist ziemlich günstig. Mit ein wenig Glück merken sie nicht einmal, daß wir kommen.«

Sie erhoben sich aus dem Schutz des Felsens und traten wieder in den eisigen Wind hinaus. Indiana schwindelte ein wenig, als er neben Moto an den Abgrund herantrat und sich behutsam vorbeugte. Das Kloster lag dreißig oder vierzig Meter unter ihnen. Hier und da brannte ein einzelnes Licht, aber er konnte in der Dunkelheit nicht die mindeste Bewegung auf dem Hof oder hinter den Fenstern ausmachen. Wenn Dzo-Lin sich dort unten tatsächlich mit einer ganzen Armee verschanzt hatte, dann waren seine Männer entweder bodenlos leichtsinnig — oder sie warteten bereits auf sie.

Er ersparte sich die Mühe, Moto seine Befürchtungen mitzuteilen. Er war ziemlich sicher, daß die Überlegungen der Japaner in die gleiche Richtung gingen.

Außerdem war es zu spät für solcherlei Bedenken. Motos Ninja-Soldaten hatten bereits ein Seil um einen vorspringenden Felsen gebunden und begannen lautlos und so geschickt wie riesige vierbeinige Spinnen an der Wand herabzuklettern.

Es dauerte nur Augenblicke, bis der erste von ihnen das Dach des Tempels erreichte und mit den Schatten zu verschmelzen schien.

Indiana wartete darauf, daß auch die beiden anderen Ninjas ihren Kameraden folgen würden, aber nichts dergleichen geschah. Eine Minute verging, eine zweite und schließlich eine dritte, dann erschien eine der schwarzgekleideten Gestalten wieder auf dem Dach und winkte kurz zu ihnen herauf.

«Also los«, sagte Moto mit einer auffordernden Geste in Indianas Richtung.

Indiana zögerte spürbar. Wenn Moto tatsächlich vorhatte, ihn umzubringen, dann war das jetzt vielleicht die beste Gelegenheit. Das Seil machte zwar einen stabilen Eindruck, aber er wußte auch, wie scharf das Schwert an Motos Seite war. Dann sagte er sich, daß Moto es sich gar nicht leisten konnte, ihn auf diese Weise loszuwerden. Außerdem war er mittlerweile davon überzeugt, daß Lobsangs Behauptung der Wahrheit entsprach: Moto würde versuchen, ihn zu beseitigen, aber nicht so. Entschlossen griff er nach dem Seil, tastete sich zentimeterweise über die Felskante nach unten und kletterte schneller, als seine Füße an dem rauhen Stein sicheren Halt fanden.

Schon nach einigen Augenblicken war er beinahe froh, daß es noch dunkel war. Der Wind zerrte so heftig an ihm, daß er mehr als einmal ernsthaft befürchtete, einfach von der Wand heruntergepustet zu werden, und obwohl er sich bisher immer für schwindelfrei gehalten hatte, glaubte er doch plötzlich den Sog der Tiefe zu spüren. Bis zum Dach des Tempels waren es zwar nur knappe dreißig Meter, aber dahinter fiel der Felsen um weitere drei- oder auch vierhundert Meter ebenso lotrecht in die Tiefe.

Endlich erreichte er das Dach. Mit angehaltenem Atem ließ er sich auf Hände und Knie herab, sah sich um und entdeckte die schattenhafte Gestalt eines der Ninjas direkt neben sich.

Obwohl er dem Mann beim Heruntersteigen beinahe auf die Zehen getreten sein mußte, hatte er ihn nicht einmal wahrgenommen.

Der Japaner gestikulierte heftig. Die Bedeutung seiner Gesten war klar: Indiana sollte ihm folgen. Das wiederum war gar nicht so einfach. Während sich der Japaner mit geradezu unverschämter Leichtigkeit über das Dach bewegte, so lautlos und geschickt, daß jede Katze vor Neid erblaßt wäre, kroch Indiana auf Händen und Knien hinter ihm her, darauf gefaßt, jede Sekunde seinen unsicheren Halt zu verlieren und kopfüber in den Tod zu stürzen.

Plötzlich war der Ninja verschwunden, und im nächsten Augenblick griffen Indianas tastende Hände ins Leere. Direkt vor ihm gähnte ein knapp metergroßes Loch im Dach. Die beiden Ninjas mußten es lautlos hineingebrochen haben, während Indiana am Seil herabgestiegen war.

Umständlich kletterte Indiana hinein, spürte, wie starke Hände aus der Dunkelheit heraus nach ihm griffen, und atmete zum ersten Mal, seit er den Felsen oben verlassen hatte, erleichtert auf.

Es dauerte lange, bis die anderen nachkamen — zuerst Moto und Hondo, dann die beiden anderen Ninjas und als letzter und mit einigem Abstand Lobsang. Indiana versuchte vergebens etwas von seiner Umgebung zu erkennen. Er war nach fünf Minuten noch ebenso blind wie nach den ersten zwei Sekunden, und als sie schließlich weitergingen, verstand er beim besten Willen nicht mehr, wie die beiden Ninjas, die die Führung übernommen hatten, ihren Weg in der völligen Finsternis fanden.

Ganz reibungslos schienen sie ihn trotzdem nicht zu finden — Indiana hörte mehrmals ein dumpfes Krachen, und einmal gelang es einem der Krieger nur mit Mühe, einen Schmerzlaut zu unterdrücken.

Nach einer Ewigkeit hörte er, wie ein Riegel zurückgeschoben wurde; durch eine Tür fiel fahles Licht. Die beiden Ninjas huschten lautlos hinaus. Erst als einer von ihnen zurückkam und ihnen mit Gesten zu verstehen gab, daß die Luft rein sei, gestattete es Moto ihnen, weiterzugehen.

Indiana atmete erleichtert auf, als er endlich wieder Licht sah. Vor ihnen erstreckte sich ein langer, sehr schmaler Korridor, der von einem metallenen Becken voller glühender Kohlen in rötliche Helligkeit getaucht wurde. Nicht der mindeste Laut war zu hören. Alles, was Indiana wahrnahm, war das Schlagen seines eigenen Herzens und das gedämpfte Heulen des Windes, der sich an den Mauern und Felsen draußen brach.

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