Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er deutete mit einer Kopfbewegung auf das Mikroskop und den rosa und blau gefleckten Objektträger.
»Mehr als wert«, sagte er leise.
Er sah mir beim Aufräumen der Überreste meiner Arbeit zu. Als ich mich bückte, um das blutige Tuch aufzuheben, das er um seine Hand gewickelt gehabt hatte, fragte er: »Und natürlich weißt du auch, welche Blutgruppe Brianna hat?«
»B«, sagte ich, ohne den Blick von der Schachtel mit dem Verbandsmaterial abzuwenden. »Ziemlich selten, vor allem bei Weißen. Man findet sie meistens bei kleinen, sehr isolierten Populationen – einige Indianerstämme im amerikanischen Südwesten, einige Schwarze; wahrscheinlich stammen sie aus einer bestimmten Gegend Afrikas, aber das war natürlich zum Zeitpunkt der Entdeckung der Blutgruppen nicht mehr zurückzuverfolgen.«
»Kleine, isolierte Populationen. Highlandschotten vielleicht?«
Ich hob meinen Blick.
»Vielleicht.«
Er nickte schweigend, und ich konnte sehen, wie er grübelte. Dann ergriff er den Stift und zeichnete seinerseits eine Tabelle auf den Block.
Claire
Jamie
A0 = Gruppe A
B? = B oder AB
Brianna
0B = Gruppe B
»Das stimmt«, sagte ich und nickte, als er mich fragend ansah. »Haargenau.«
Er antwortete mit einem kleinen, ironischen Lächeln und senkte dann den Blick, um die Tabellen zu betrachten.
»Heißt das, du kannst es sagen?«, fragte er schließlich, ohne aufzublicken. »Mit Sicherheit?«
»Nein«, sagte ich und warf den Lappen mit einem kleinen Seufzer in den Wäschekorb. »Oder besser – ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob Jemmy dein Sohn ist. Ich kann möglicherweise mit Sicherheit sagen, dass er es nicht ist.«
Die Röte war ihm aus dem Gesicht gewichen.
»Wie denn?«
»Brianna hat Blutgruppe B, aber ich habe A. Das bedeutet, dass sie ein Gen für B und eins für Null hat und jede dieser Sorten an Jemmy weitergegeben haben könnte. Von dir kann er nur eins für Null haben, denn ein anderes hast du nicht.«
Ich wies mit dem Kinn zum Fenster. Dort stand ein kleiner Ständer mit Glasröhrchen, die mit Serum gefüllt waren, das in der Spätnachmittagssonne bräunlich-golden leuchtete.
»Also. Wenn Brianna ihm ein Null-Gen mitgegeben hat und du – sein Vater – ebenfalls, dann hat er Blutgruppe Null – sein Blut enthält keine Antikörper und wird auf Kontakt mit meinem, Jamies oder Briannas Blutserum nicht reagieren. Wenn Brianna ihm ihr B-Gen mitgegeben hat und er von dir ein Null-Gen hat, hat er Blutgruppe B – sein Blut würde auf mein Serum reagieren, nicht aber auf Briannas. In beiden Fällen könntest du der Vater sein – aber auch jeder andere Mann mit der Blutgruppe Null. WENN aber –«
Ich holte tief Luft und hob den Stift auf, den Roger wieder hingelegt hatte. Ich zeichnete beim Reden langsam mit, um die Möglichkeiten zu illustrieren.
Brian
Roger
0B = Gruppe B
00 = Gruppe 0
Jemmy
0B oder 00 = Gruppe B oder Gruppe 0
»Aber« – ich tippte mit dem Stift auf das Papier – »wenn Jemmy Blutgruppe A oder AB aufweist, war sein Vater nicht homozygotisch für Gruppe 0 – homozygotisch bedeutet, dass beide Gene identisch sind –, und du bist es.« Ich trug die Alternativen links neben meinem ursprünglichen Eintrag ein.
X
Brianna
Roger
A0/AA/AB/BB/B0/00
B0 = Gruppe B
00 = Gruppe 0
Jemmy
Jemmy
AB = Gruppe AB
B0 = Gruppe B
A0 = Gruppe A
00 = Gruppe 0
0B/B0 = Gr. B
BB = Gruppe B
00 = Gruppe 0
Ich sah Rogers Augen zu dem »X« hinüberhuschen und fragte mich, was mich bewogen hatte, es so zu notieren. Es war ja schließlich nicht so, als ob jeder X-Beliebige ein Kandidat für Jemmys Vaterschaft sein konnte. Dennoch konnte ich mich nicht dazu überwinden, »Bonnet« zu schreiben – vielleicht war es schlichter Aberglaube, vielleicht auch einfach das Bedürfnis, jeden Gedanken an den Mann in sichere Ferne zu verbannen.
»Vergiss nicht«, sagte ich etwas entschuldigend, »dass Blutgruppe 0 sehr häufig vorkommt; sie ist unter allen Menschen die häufigste.«
Roger ächzte und saß da, die Augen nachdenklich verschleiert auf die Tabelle gerichtet.
»Aha«, sagte er schließlich. »Wenn er also Blutgruppe 0 oder B hat, ist er möglicherweise von mir, aber nicht mit Sicherheit. Wenn er A oder AB hat, ist er nicht von mir – mit Sicherheit.«
Er rieb sich leicht mit dem Finger über den frischen Verband an seiner Hand.
»Es ist ein sehr simpler Test«, sagte ich und schluckte. »Ich kann nicht – ich meine, es besteht immer die Möglichkeit eines Fehlers beim Testen.«
Er nickte, ohne aufzublicken.
»Hast du Brianna davon erzählt?«, fragte er leise.
»Natürlich. Sie sagt, sie will es nicht wissen – aber wenn du es möchtest, soll ich den Test durchführen.«
Ich sah, wie er einmal schluckte und kurz die Hand an die Narbe an seinem Hals hob. Sein Blick war auf die blank geschrubbten Dielen gerichtet, und er starrte vor sich hin.
Ich wandte mich ab, um ihm einen unbeobachteten Augenblick zu gönnen, und beugte mich über das Mikroskop. Ich würde ein Raster anfertigen müssen, dachte ich – ein Zählraster, das ich als Hilfsmittel zur Einschätzung der relativen Dichte der mit Plasmodien infizierten Zellen auf einen Objektträger legen konnte. Fürs Erste musste jedoch eine grobe Schätzung mit bloßem Auge reichen.
Mir kam die Idee, dass ich jetzt, wo ich ein funktionierendes Färbemittel hatte, auch das Blut anderer Bewohner von Fraser’s Ridge testen sollte – angefangen bei den Mitgliedern unseres Haushalts. In den Bergen gab es zwar viel weniger Moskitos als in Küstennähe, aber es waren immer noch genug, und auch wenn Lizzie sich gut fühlte, war sie eine potentielle Infektionsquelle.
»…vier, fünf, sechs …« Ich zählte murmelnd die infizierten Zellen und versuchte dabei, sowohl Roger auf dem Hocker hinter mir als auch die plötzliche Erinnerung zu ignorieren, die mir ungebeten in den Sinn gekommen war, als ich ihm Briannas Blutgruppe genannt hatte.
Sie hatte mit sieben die Mandeln entfernt bekommen. Ich erinnerte mich noch gut an das Gesicht des Arztes, der stirnrunzelnd auf die Karteikarte in seiner Hand blickte – die Karte, auf der ihre Blutgruppe sowie diejenigen ihrer Eltern aufgelistet waren. Frank hatte Blutgruppe A gehabt, genau wie ich. Und zwei Eltern mit der Blutgruppe A konnten unter gar keinen Umständen ein Kind zeugen, das die Blutgruppe B hatte.
Der Arzt hatte aufgeschaut und seinen Blick von mir zu Frank und zurückwandern lassen, das Gesicht vor Verlegenheit verzerrt – und seine Augen hatten sich mit einer Art kalter Spekulation erfüllt, als er mich ansah. Ich hatte den Eindruck, ich hätte genauso gut den scharlachroten Buchstaben »A« auf der Brust eingestickt tragen können – oder in diesem Fall ein scharlachrotes »B«.
Frank, die gute Seele, hatte seinen Blick gesehen und ganz entspannt gesagt: »Meine Frau ist verwitwet; ich habe Brianna als Baby adoptiert.« Das Gesicht des Arztes war sofort zu einem beruhigenden, entschuldigenden Ausdruck aufgetaut, und Frank hatte in meinem Rücken fest meine Hand ergriffen. Meine Hand spannte sich an, als ich mich an meinen erwidernden Händedruck erinnerte – und plötzlich verrutschte der Objektträger und ich hatte nur noch leeres, verschwommenes Glas vor Augen.
Hinter mir erklang ein Geräusch, und Roger stand auf. Ich drehte mich um, und er lächelte mich an. Seine Augen waren dunkel und sanft wie Moos.
»Das Blut spielt keine Rolle«, sagte er leise. »Er ist mein Sohn.«
»Ja«, sagte ich, und auch meine Kehle fühlte sich zugeschnürt an. »Ich weiß.«