Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Homo procediente… der Mann fährt fort … Warum schreibt er ›der Mann‹, anstatt ihn bei seinem Namen zu nennen?«
»Er hat auf Latein geschrieben, um seine Worte geheim zu halten«, sagte ich. Ich brannte darauf zu erfahren, was als Nächstes kam. »Wenn Cameron seinen Namen in dem Buch gesehen hätte, wäre er wohl neugierig geworden. Was ist dann passiert?«
»Der Mann geht hinaus – meint er ins Freie oder nur aus seinem Zimmer? – es muss ins Freie heißen … geht ins Freie, und ich folge ihm. Er geht zielsicher und schnell … Warum auch nicht? Oh, hier – das verstehe ich nicht. Ich gebe – habe dem Mann zwölf Gran Laudanum gegeben …«
»Zwölf Gran? Bist du sicher, dass er das schreibt?« Ich beugte mich über Jamies Schulter und warf einen Blick auf die Seite, doch ohne Zweifel – er wies auf den Eintrag, der deutlich schwarz auf weiß verfasst war. »Aber das ist ja genug Laudanum, um ein Pferd niederzustrecken.«
»Aye, ›zwölf Gran Laudanum, um den Schlaf herbeizuführen‹, sagt er. Dann ist es ja kein Wunder, dass der Doktor erstaunt war, Cameron mitten in der Nacht über den Rasen huschen zu sehen.«
Ich stieß ihn mit dem Ellbogen an. »Weiter!«
»Mmpfm. Nun, er sagt, er ist zum Abort gegangen – weil er wohl dachte, dass er Cameron dort finden würde –, doch es war niemand da, und es roch nicht nach … äh … er hatte nicht den Eindruck, dass in jüngster Zeit jemand dort gewesen war.«
»Du brauchst dich meinetwegen nicht zu zieren«, sagte ich.
»Ich weiß«, sagte er grinsend. »Aber mein Feingefühl ist trotz meines langen Umgangs mit dir noch nicht so weit verroht, Sassenach. Au!« Er fuhr zurück und rieb sich den Arm, weil ich ihn gekniffen hatte. Ich starrte ihn finster an, auch wenn ich mich innerlich freute, uns beide ein wenig aufgeheitert zu haben.
»Kein Wort mehr über dein Feingefühl, bitte«, sagte ich und klopfte mit dem Fuß auf den Boden. »Außerdem hast du gar keins, sonst hättest du mich nie geheiratet. Wo hat Cameron denn gesteckt?«
Er überflog die Seite, und seine Lippen formten schweigend Worte.
»Er weiß es nicht. Er ist im Haus herumgespukt, bis der Butler die Nase aus seinem Loch gesteckt hat, weil er ihn für einen Einbrecher hielt, und ihn mit einer Flasche Whisky bedroht hat.«
»Eine Furcht einflößende Waffe«, merkte ich an und lächelte bei der Vorstellung, wie Ulysses in seiner Nachtmütze dieses Mittel der Zerstörung schwang. »Was heißt denn ›eine Flasche Whisky‹ auf Latein?«
Jamie blickte zur Seite.
»Er sagt aqua vitae, treffender hat er es wohl nicht hinbekommen. Aber es muss Whisky gewesen sein; er sagt, der Butler hat ihm ein Gläschen auf den Schrecken gegeben.«
»Also hat er Cameron nicht gefunden?«
»Aye, doch, nachdem er sich von Ulysses verabschiedet hatte. Er hat in seinem weißen Bett gelegen und geschnarcht. Am nächsten Morgen hat er nachgefragt, aber Cameron konnte sich nicht daran erinnern, in der Nacht aufgestanden zu sein.« Er blätterte mit einem Finger um und sah mich an. »Könnte es sein, dass das Laudanum sein Erinnerungsvermögen beeinträchtigt hat?«
»Das ist möglich«, sagte ich stirnrunzelnd. »Sehr gut sogar. Aber es ist einfach nicht zu glauben, dass jemand, der so viel Laudanum geschluckt hatte, überhaupt herumgelaufen ist … es sei denn …« Ich zog eine Augenbraue hoch und sah ihn an, weil mir eine Bemerkung einfiel, die Jocasta im Lauf eines Gespräches auf River Run gemacht hatte. »Ist es möglich, dass dein Onkel Opiumesser war oder so etwas? Jemand, der gewohnheitsmäßig große Mengen Laudanum zu sich nimmt, hat eine höhere Toleranzgrenze, und Rawlings’ Dosis hätte ihn in einem solchen Fall kaum beeinträchtigt.«
Jamie, der sich grundsätzlich nicht davon schockieren ließ, wenn jemand seiner Verwandtschaft etwas Unmoralisches unterstellte, dachte über meine Frage nach, schüttelte aber schließlich den Kopf.
»Wenn es so gewesen ist, ist es mir nicht zu Ohren gekommen. Andererseits«, fügte er in aller Logik hinzu, »gibt es natürlich keinen Grund, warum es mir jemand erzählen sollte.«
Das stimmte allerdings. Wenn Hector Cameron die Mittel gehabt hatte, sich an importierten Betäubungsmitteln zu verlustieren – und er hatte sie mit Sicherheit gehabt, da River Run eine der florierendsten Plantagen der ganzen Gegend war –, dann war das ganz allein seine Sache gewesen. Dennoch war ich überzeugt, dass irgendjemand es erwähnt hätte.
Jamies Gedankengänge nahmen eine andere Richtung.
»Warum sollte ein Mann mitten in der Nacht aus dem Haus gehen, um zu pinkeln, Sassenach?«, fragte er. »Ich weiß, dass Hector Cameron einen Nachttopf hatte; ich habe ihn selbst schon benutzt. Sein Name und das Cameronwappen waren auf den Boden gemalt.«
»Eine exzellente Frage.« Ich starrte auf die Seite mit dem kryptischen Gekritzel. »Wenn Hector Cameron große Schmerzen oder Schwierigkeiten hatte – zum Beispiel durch einen Nierenstein –, könnte es doch sein, dass er nach draußen gegangen ist, um das Haus nicht zu wecken.«
»Mir ist zwar nichts davon zu Ohren gekommen, dass mein Onkel Opiumesser war, aber davon, dass er große Rücksicht auf seine Frau oder seine Dienstboten genommen hat, weiß ich auch nichts«, merkte Jamie ausgesprochen zynisch an. »Nach allem, was man hört, war Hector Cameron ein Erzschurke.«
Ich lachte.
»Das ist bestimmt auch der Grund, warum deine Tante Duncan so schätzt.«
Adso kam mit den Überresten der Libelle im Maul hereinspaziert und setzte sich zu meinen Füßen nieder, so dass ich seine Beute bewundern konnte.
»Fein«, sagte ich und tätschelte ihn beiläufig. »Iss aber nicht zu viel davon; in der Vorratskammer sind noch jede Menge Küchenschaben, um die du dich kümmern sollst.«
»Ecce homo«, murmelte Jamie nachdenklich und tippte mit dem Finger auf das Notizbuch. »Meinst du, der homo war vielleicht Franzose?«
»Was?« Ich starrte ihn an.
»Bist du noch nicht auf den Gedanken gekommen, Sassenach, dass der Mann, dem der Doktor gefolgt ist, vielleicht gar nicht Cameron war?«
»Bis jetzt nicht, nein.« Ich beugte mich vor und blinzelte auf die Buchseite. »Aber warum sollte es jemand anders gewesen sein, geschweige denn, ein Franzose?«
Jamie wies mit dem Finger auf den Rand der Seite, der ein paar kleine Zeichnungen trug; Schnörkel, hatte ich gedacht. Die Zeichnung unter seinem Finger war eine Lilie.
»Ecce homo«, sagte er erneut und tippte darauf. »Der Doktor war sich nicht sicher, wer der Mann war, dem er gefolgt ist – deshalb hat er ihn nicht beim Namen genannt. Wenn Cameron betäubt war, war es jemand anders, der in jener Nacht das Haus verlassen hat – und doch erwähnt er keine anderen Anwesenden.«
»Das ist gut möglich, es sei denn, er hätte die betreffende Person untersucht«, wandte ich ein. »Er fügt zwar persönliche Beobachtungen ein, doch das meiste in diesem Buch sind nur seine Fallhistorien; seine Beobachtungen über seine Patienten und die Behandlungen, die er angewandt hat. Aber trotzdem …« Ich blickte stirnrunzelnd auf die Seite. »Eine an den Rand gekritzelte Lilie muss nicht unbedingt etwas zu bedeuten haben, schon gar nicht, dass ein Franzose dort war.« Abgesehen von Fergus gab es kaum Franzosen in North Carolina. Ich wusste von einer Reihe französischer Siedlungen südlich von Savannah – aber das war Hunderte von Meilen entfernt.
Die Lilie konnte gar nichts anderes als ein dahin gemalter Schnörkel sein – und doch konnte ich mich nicht entsinnen, dass Rawlings an irgendeiner anderen Stelle des Buches solche Zeichnungen gemacht hatte. Wenn er Zeichnungen angefügt hatte, waren sie akkurat und zweckdienlich, als Gedächtnisstütze für ihn selbst oder als Anleitung für einen Arzt, der möglicherweise einmal in seine Fußstapfen trat.
Über der Lilie befand sich eine Zeichnung, die aussah wie ein Dreieck mit einem kleinen Kreis am Scheitelpunkt und einer gerundeten Basis; darunter stand eine Abfolge von Buchstaben. Au et Aq.