Sophiechen und der Riese
- Автор: Даль Роальд
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:
Mit unendlicher Vorsicht begannen die sechs Soldaten, die dem Fleischfetzenfresser zugeteilt waren, an dessen mächtigem Arm zu ziehen, um ihn freizulegen. Der Fleischfetzenfresser blinzelte mit seinen winzigen schwarzen Schweinsäuglein.
«Welcher Jauchebauch rüttelt denn da an meinem Armchen?» brummelte er. «Bist du das, Menschenpresser, du Armleuchter?»
Plötzlich sah er die Soldaten. Ruckzuck saß er aufrecht da und schaute sich um. Immer mehr und mehr Soldaten tauchten vor ihm auf. Mit einem wilden Schrei sprang er auf die Füße. Die Soldaten erstarrten vor Angst und konnten sich nicht vom Fleck rühren. Waffen hatten sie nicht bei sich. Der Oberkommandierende der Landstreitkräfte schaltete seinen Jeep auf Rückwärtsgang. «Leberwesen!» brüllte der Fleischfetzenfresser. «Was macht denn ihr hier in unserm Riesenland, ihr komischen kleinen Leberfleischklümpchen auf Beinen?» Er schnappte sich einen Soldaten und hielt ihn hoch in die Luft. «Bei mir gips heute Ahmbrot schon am Nachmittag!» verkündete er laut, indem er den armen Soldaten in seiner grausigen Klaue zappeln ließ und dazu vor Lachen schrie.
Sophiechen stand jetzt auf GuRies Handteller und war vor Schreck wie gelähmt. «Tu doch was!» rief sie. «Beeil dich! Sonst frißt er ihn gleich auf!»
«Du sollst das menschliche Leberwesen hinlegen!» befahl der GuRie.
Der Fleischfetzenfresser drehte sich um und glotzte den GuRie an. «Was machst du denn hier mit diesen miesen Mickerlingen?» polterte er. «Du machst mich aber sehr mißtraurig!»
Der GuRie unternahm einen Angriff auf den Fleischfetzenfresser, aber der sechzehn Meter dreiundzwanzig hohe Koloß fegte ihn einfach beiseite mit einer kleinen Armbewegung. Dabei stürzte Sophiechen von GuRies Hand zu Boden. Ihr Geist arbeitete fieberhaft. Sie mußte irgend etwas tun! Sie mußte einfach! Sie mußte un-be-dingt! Da erinnerte sie sich an die Brosche mit dem Saphir, die ihr die Königin an die Brust geheftet hatte. Mit fliegenden Fingern machte sie die Brosche auf.
«Dich werd ich ganz schön gemütlich und langsam aufspachteln!» sagte der Fleischfetzenfresser zu dem Soldaten in seiner Faust. «Und dann verspachtel ich noch zehn oder zwanzig mehr von euch kleinen Zappelkrabben da unten! Vor mir könnt ihr nicht weglaufen, weil ich kann fünfzigmal schneller rennen als ihr!»
Geschmeidig wie ein Indianer schlich Sophiechen sich hinter den Fleischfetzenfresser. Die Brosche hielt sie jetzt in der Hand. Als sie direkt vor den großen, nackten, borstenbestandenen Riesenbeinen stand, rammte sie die lange starke Nadel der Brosche, so fest sie konnte, in Fleischfetzenfressers rechtes Fußgelenk. Die Nadel bohrte sich tief ins Fleisch und blieb da stecken.
Der Riese schrie auf vor Schmerzen und sprang hoch in die Luft. Den Soldaten ließ er fallen und griff mit beiden Pratzen nach seinem rechten Fußgelenk. Der GuRie, der genau wußte, was für ein Feigling der Fleischfetzenfresser war, packte die günstige Gelegenheit beim Schopfe. «Eine Schlange hat dich gebeißt!» rief er laut. «Ich hab gesehen, wie sie dich gebeißt hat! Das war eine fürchterhafte giftige Schlange! Eine todesgefährliche Kreuzotter war das sogar!»
«Hilfää! Hilfäää!» schrie der Fleischfetzenfresser. «Laßt die Alarmrosinen heulen! Ich bin gebeißt von einer sterbensgefährlichen Kreuzotter!» Er stürzte zu Boden, vergoß eimerweise Tränen und umklammerte ängstlich mit beiden Händen sein verwundetes Fußgelenk. Seine Finger ertasteten die Brosche. «Die Zähne der sterbensgefährlichen Hakenkreuzotter stecken immer noch in mir drin!» jammerte er. «Ich fühl die Zähne, wie sie in mein Fußgelenk beißen!»
Das war die zweite günstige Gelegenheit, die der GuRie beim Schopfe packen konnte. «Wir müssen die Otterzähne rausziehen, und zwar sofortissimo!» rief er. «Sonst bist du tot wie nix! Komm, ich helf dir!»
Der GuRie kniete neben dem Fleischfetzenfresser. «Du mußt dein Fußgelenk fest mit beiden Händen anfassen!» befahl er. «Dadurch werden die Giftsäfte haltgestoppt und können nicht dein Bein hochfließen in dein Herz!» Der Fleischfetzenfresser packte sein rechtes Fußgelenk mit beiden Händen.
«Und jetzt mach die Augen zu, beiß die Zähne zusammen und sag die zehn Gebete auf, dabei ziehe ich dir die Zähne der sterbensgiftigen Kreuzotter raus», sagte der GuRie. Zu Tode erschrocken tat der Fleischfetzenfresser alles, was ihm befohlen worden war.
Der GuRie gab Zeichen mit der Hand, daß er jetzt das Seil brauche. Ein Soldat brachte es ihm im Laufschritt. Und weil der Fleischfetzenfresser mit beiden Händen sein Fußgelenk umklammerte, war es für den GuRie eine Kleinigkeit, den Fuß und die Hände mit einem strammen Knoten zu fesseln.
«Ich zieh jetzt die fürchterhaften Otterzähne raus!» sagte der GuRie, als er den Knoten strammzog.
«Schnell, schnell!» stöhnte der Fleischfetzenfresser. «Sonst giftet sich das Ottergift noch bis in mein Herz, und ich geh tot!»
«So, das war's», sagte der GuRie beim Aufstehen. «Du kannst jetzt wieder deine Riesenäuglein aufmachen.» Sowie der Fleischfetzenfresser sah, daß er bewegungsunfähig in Fesseln lag, stieß er einen so gellenden Schrei aus, daß der ganze Himmel dröhnte.
Er zuckte und er zappelte, er strampelte und hampelte, er tobte und raste, er zog und zerrte, keuchte und knurrte. Aber es half alles nichts. «Hast du toll gemacht!» jauchzte Sophiechen. «Du hast es toll gemacht, einfach obertoll!» sagte der GuRie und lächelte zu dem kleinen Mädchen hinunter. «Du hast uns allen das Leben gerettätät!» «Würdest du mir bitte die Brosche wiedergeben?» bat Sophiechen. «Sie gehört nämlich der Königin.» Der GuRie zog die wunderschöne Brosche aus Fleischfetzenfressers Fußgelenk heraus. Der Fleischfetzenfresser brüllte vor Schmerz. Der GuRie wischte das Blut von der Nadel und gab die Brosche Sophiechen. Seltsamerweise war keiner von den acht anderen Riesen wachgeworden bei diesem Radau. «Wenn man am Tag nur ein oder zwei Stunden schläft, schläft man dreimal so tief wie sonst», erklärte der GuRie.
Die Oberkommandierenden der Landstreitkräfte und der Luftstreitkräfte fuhren mit ihrem Jeep wieder ein Stück nach vorn. «Ihre Majestät wird mit mir sehr zufrieden sein», sagte der Oberkommandierende der Landstreit-kräfte. «Höchstwahrscheinlich bekomme ich einen Orden verliehen. Was machen wir als nächstes?»