Sophiechen und der Riese
- Автор: Даль Роальд
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:
An der Spitze der Hubschrauberflotte knatterte die Kommandomaschine, darin saß neben dem Piloten der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte. Auf seinem Schoß lag ein Weltatlas aufgeschlagen, und der Oberkommandierende starrte unentwegt erst in seinen Atlas und dann auf das Land unter ihm, um herauszufinden, wohin die Reise ging. In wilder Verzweiflung blätterte er in seinem Atlas herum. «Wo zum Teufel fliegen wir denn hin?» schimpfte er.
«Nicht die blasseste Ahnung», antwortete der Pilot. «Die Königin hat Befehl gegeben, immer dem Riesen zu folgen. Und genau das tue ich.»
Der Pilot war ein junger Fliegermajor mit einem buschigen Schnurrbart. Auf diesen Schnurrbart war er sehr stolz.
Außerdem war er sehr mutig und liebte gefährliche Abenteuer. Für ihn war das hier ein erstklassiges Abenteuer. «Macht Spaß, mal 'ne neue Gegend kennenzulernen», sagte er.
«Neue Gegend?» schnauzte der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte. «Was zum Geier meinen Sie mit neue Gegend?»
«Diese Gegend, über die wir jetzt gerade wegfliegen, ist im Atlas nicht drin, oder?» sagte der Pilot mit einem Grinsen.
«Völlig richtig: nicht drin in diesem verdammten Atlas hier!» bullerte der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte. «Wir sind einfach aus der letzten Landkarte rausgeflogen!»
«Vermute, der alte Riese da unten weiß schon, wo er hingeht», sagte der junge Pilot.
«Das führt noch zur Katastrophe!» schrie der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte. Er zitterte vor Angst. Hinter ihm saß der Oberkommandierende der Landstreitkräfte, der noch viel mehr Angst hatte. «Sie wollen mir doch wohl nicht weismachen, daß wir irgendwie vom Atlas abgekommen sind», zeterte er und machte einen langen Hals, um selber zu gucken. «Genau das ist es, was ich Ihnen weismachen will!» bellte der Luftwaffenmann zurück. «Gucken Sie doch selber! Das hier ist die letzte Karte in diesem ganzen vermaledeiten Malefiz-Atlas hier! Und vor mindestens einer Stunde sind wir hier über den Kartenrand hinausgeflogen!» Er schlug die Seite um. Wie in jedem Atlas waren die beiden letzten Seiten unbedruckt: völlig weißes Papier. «Wir müssen also ungefähr in dieser Gegend hier sein», sagte er und tippte mit dem Finger irgendwo auf die leere Seite. «Wo Gegend hier?» meckerte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte.
Der junge Pilot zeigte immer noch sein breites Grinsen. Er sagte: «Deswegen läßt man doch hinten im Atlas die beiden letzten Seiten frei. Die sind für neue Länder, die man sich selber aufmalen soll.»
Der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte stierte angestrengt nach unten. «Seht euch doch bloß mal diese gottverlassene Wüste an!» rief er. «Bäume alle tot und Felsen alle blau!»
«Riese hat angehalten», sagte der junge Pilot. «Winkt uns ein, der Riese.»
Die Piloten drosselten ihre Maschinen, und alle neun Hubschrauber landeten sauber in dem großen gelben Wüstenland. Sofort wurden die Laderampen nach unten geklappt, und schon rollten neun Jeeps die Rampen runter, aus jedem Hubschrauber einer. Jeder Jeep hatte sechs Soldaten als Besatzung und war beladen mit Unmengen von dicken Seilen und schweren Ketten.
«Riesen sehe ich keine», bemerkte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte.
«Die Riesen sind da hinten. Alle nicht zu sehen», erklärte ihm der GuRie. «Aber wenn du deine Ratterklapperkisten von Pups-Räubern näher ranbringst, sind die Riesen natül-lich alle sofortissimo knallwach. Und dann gips Tort- und Brotschlacht.»
«Wir sollen also mit den Jeeps angreifen?» fragte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte. «Jawoll», sagte der GuRie. «Aber ihr müßt alle ganz, ganz wannsinnig mucksmäuschenstille sein. Wehe, wenn die Motoren rumbrummen! Wehe, es wird rumgeschrien! Wehe, es wird rumgefummelt! Wehe, es werden schweinige Witze gerissen!»
Der GuRie - mit Sophiechen im Ohr - schritt voran, die Jeeps rollten in Kolonne hinterher.
Plötzlich hörte jeder ein grauenvolles dumpfes Grum-meln. Der Oberkommandierende der Landstreitkräfte wurde erbsengrün im Gesicht. «Kanonendonner!» rief er. «Irgendwo da vorne tobt eine Schlacht! Kehrtmachen, alle Mann! Bloß weg hier!»
«So ein Schweigling!» sagte der GuRie. «Da donnern doch keine Kanonen!»
«Aber sicher sind das Kanonen!» bollerte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte. «Ich bin Soldat, und ich kann Kanonen am Klang erkennen. Das Ganze kehrt-um!»
«Das sind doch nur die Riesen, die beim Schlafen so schnarchen», sagte der GuRie. «Ich bin Riese, und ich kann Riesen am Schnarchen erkennen.» «Bist du dir da ganz sicher?» fragte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte ängstlich. «Sicherer geht's nicht», sagte der GuRie.
«Langsam vorrücken!» lautete der Befehl des Oberkommandierenden der Landstreitkräfte. Alle setzten sich in Bewegung. Und dann konnte man sie endlich sehen! Sogar aus der Entfernung jagten sie den Soldaten einen fürchterlichen Schrecken ein. Aber als sie nahe genug herankamen und erkannten, was das für Riesen waren, brach allen der Angstschweiß aus. Neun grausig häßliche, halbnackte, sechzehn Meter lange Ungetüme lagen schief und krumm am Boden herum. Sie schliefen abgrundtief, und ihr Geschnarche hörte sich wirklich an wie Kanonendonner in der Schlacht.
Der GuRie hob eine Hand. Alle Jeeps machten stop. Die Soldaten sprangen ab.
«Und was passiert, wenn einer von denen aufwacht?» flüsterte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte, wobei er vor Angst nur so schlotterte. «Wenn einer aufwacht, hat er dich verputzt, bevor du auch nur Piep sagen kannst», antwortete der GuRie und strahlte übers ganze Gesicht. «Ich bin der allereinzigste, der nicht verputzt wird, weil Riesen essen nie und nimmer Riesen. Ich und Sophiechen sind die allereinzigsten, die sicher sind, weil ich verstecke sie einfach, wenn was passiert.»
Der Oberkommandierende der Landstreitkräfte zog sich einige Schritte zurück. Dasselbe tat der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte. Verdächtig schnell kletterten sie in ihren Jeep zurück, fest entschlossen, im Notfall sofort Gas zu geben und abzuhauen. «Vorwärts, Männer!» rief der Oberkommandierende der Landstreitkräfte. «Los, vorwärts! Seid tapfer und tut, was eure Pflicht ist!» Die Soldaten robbten vorwärts mit ihren Seilen und Ketten. Alle hatten das große Zittern. Und keiner sprach auch nur ein Sterbenswörtchen.
Der GuRie und Sophiechen, die jetzt auf seiner Handfläche saß, schauten sich die spannende Aktion aus der Nähe an. Eines mußte man den Soldaten ja lassen: an Mut fehlte es ihnen wirklich nicht. An jedem Riesen arbeiteten immer sechs gut trainierte, tüchtige Soldaten. Es vergingen keine zehn Minuten und acht von den neun Riesen lagen gefesselt da und schnarchten weiter im Tiefschlaf. Der neunte Riese - es war zufällig der Fleischfetzenfresser - bereitete den Soldaten einige Schwierigkeiten, weil sie an seinen rechten Arm nicht herankamen, der unter seinem gewaltigen Körper lag. So konnte man unmöglich seine beiden Handgelenke und Arme zusammenbinden. Dazu mußte man erst einmal den rechten Arm unter dem Körper hervorzerren.