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Sophiechen und der Riese

Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:

Das Waisenkind Sophiechen beobachtet eines Nachts im Waisenhaus eine seltsame Szene: Ein Riese mit großen Ohren bläst mit einer Trompete in ein Kinderzimmer. Schlimmerweise bemerkt er, daß er beobachtet wurde und nimmt Sophiechen mit ins Land der Riesen. Dort muß Sophiechen Schreckliches entdecken: Während sie mit dem GuRie, dem Guten Riesen unterwegs ist, sind die andereren neun Riesen weniger nett: Jede Nacht ziehen sie auf der Suche nach Menschenfleisch aus und schlagen sich den Bauch voll. Sophiechen ist klar, daß etwas geschehen muß, doch was soll ein kleines Mädchen gegen riesige Monster ausrichten?
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«Ich möchte gern noch eine Probe machen, bevor ich meine Truppen zu den Waffen rufe», sagte die Königin.

Und dann schaute sie wieder zum GuRie hinauf. Der vertilgte gerade schöne dicke Dampfnudeln, von denen er immer gleich zehn Stück auf einmal in den Mund schob. «Denk mal haarscharf nach, GuRie», sagte sie. «Was haben diese fürchterlichen Riesen gesagt, wohin sie gehen wollten, als sie vor drei Nächten losgezogen sind?» Der GuRie überlegte lange und gründlich. «Aha!» rief er schließlich aus. «Ja, jetzt fällt es mir wieder in den Kopf!»

«Und wohin war das?» fragte die Königin.

«Einer ist nach Backdatt gerattert», sagte der GuRie. «Als sie an meiner Höhle vorbeigeblitzt und gedonnert sind, hat Fleischfetzenfresser mir zugewunkt und geruft: <Ich geh nach Backdatt zu den Backdattern, weil die schmecken so schön nach gebackenen Datteln und nach gedattelten Backen!>»

Sofort nahm die Königin den Telefonhörer ab. «Verbinden Sie mich mit dem Regierenden Bürgermeister von Bagdad», sagte sie. «Wenn man dort keinen Regierenden Bürgermeister hat, dann geben Sie mir irgendeinen anderen Regierenden.»

Es vergingen keine fünf Minuten, und schon war eine Stimme in der Telefonleitung. «Hier spricht der Sultan von Bagdad», sagte die Stimme.

«Passen Sie auf, Sultan», sagte die Königin. «Ist in Ihrer Stadt vor drei Nächten irgend etwas Unangenehmes passiert?»

«Bei uns in Bagdad passiert jede Nacht irgend etwas Unangenehmes», sprach der Sultan. «Wir schneiden hier den Leuten die Köpfe ab, wie Ihr Schnittlauch schneidet.»

«Schnittlauch habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht geschnitten», sagte die Königin. «Ich möchte wissen, ob in letzter Zeit jemand aus Bagdad verschwunden ist.» «Ja, schon. Aber nur mein Onkel Harun al Raschid, der Kalif», sagte der Sultan. «Er saß gerade mit seiner Familie beim Essen, als er verschwand: er selbst, seine Frau und alle zehn Kinder.»

«Und was gab es bei Familie Raschid zu essen?» fragte die Königin.

«Soviel ich weiß: gebackene Datteln», antwortete der Sultan.

«Genau, genau, genau!» rief der GuRie, der mit seinen wundervollen Segelohren ohne weiteres verstehen konnte, was der Sultan von Bagdad der Königin von England durchs Telefon sagte: «Das hat der Fleischfetzenfresser getan! Er ist nach Backdatt gerennt, weil er mag die Backdat-ter so gerne, die nach gebackenen Datteln schmecken und nach gedattelten Backen!»

Die Königin legte den Hörer auf. «Es gibt also keinen Zweifel», sagte sie und warf einen Blick hinauf zum Gu-Rie. «Deine Geschichte stimmt also bis aufs I-Tüpfelchen. Der Oberkommandierende der Landstreitkräfte und der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte sollen sofort zur Audienz bei mir antreten!»

Der Plan

Der Oberkommandierende der Landstreitkräfte und der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte bauten sich in zackiger Haltung neben dem Frühstückstisch der Königin auf. Sophiechen saß nach wie vor auf ihrem Stuhl, und der GuRie thronte nach wie vor da oben auf seinem komischen Hochsitz.

Die Königin brauchte keine fünf Minuten, um ihren beiden höchsten Generälen die Lage zu erklären. «Wußte ich doch, daß da irgend so etwas passiert ist, Euer Majestät», sagte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte. «Seit zehn Jahren bekommen wir Nachrichten herein aus fast sämtlichen Ländern der Welt, daß irgendwo irgendwelche Leute irgendwie verschwinden bei Nacht. Merkwürdige Sache das! Vor kurzem hörten wir aus Spanien ...»

«Wo sie nach Spanferkel schmecken!» rief der GuRie. «Oder wir hörten aus Tunis ...» fuhr der Oberkommandierende der Landstreitkräfte fort.

«Wo sie nach Thunfisch schmecken!» redete der GuRie dazwischen.

«Wovon redet der denn immer?» bemerkte der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte.

«Dreimal dürfen Sie raten», sagte die Königin. «Wieviel Uhr ist es? Zehn. Also werden in acht Stunden die neun blutrünstigen Ungetüme aufbrechen, um sich erneut ein paar Dutzend arme Menschen einzuverleiben. Dagegen muß etwas getan werden. Und zwar schnellstens!»

«Wir bombardieren diese Kerle!» verkündete schneidig der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte. «Wir mähen sie nieder mit unseren Maschinengewehren!» erklärte forsch der Oberkommandierende der Landstreitkräfte.

«Mord kann ich nicht dulden», sagte die Königin. «Aber das sind doch selber Mörder!» rief der Oberkommandierende der Landstreitkräfte.

«Das ist noch lange kein Grund, ihrem Beispiel zu folgen», sagte die Königin. «Wir müssen sie lebend fangen.» «Aber wie denn?» fragten die zwei Generäle wie aus einem Mund. «Die sind immerhin sechzehn Meter hoch. Die legen uns doch um wie die Gartenzwerge!» «Halt!» rief da der GuRie. «Alle mal querhören! Paßt mal ganz genau auf und zu! Ich glaub, ich weiß, wie wir werden das Kind schon schaukeln!» «Laßt ihn ausreden», sagte die Königin. «Jeden Nachmittag», sagte der GuRie, «sind alle Riesen im Schlafaffenland.»

«Schlaf-affen-land? Ich versteh kein Wort!» meckerte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte. «Warum drückt der sich nicht etwas verständlicher aus?» «Er meint natürlich das Land der Mittagsschlaf-Affen», sagte Sophiechen. «Das versteht ja wohl jeder.» «Genau!» rief der GuRie. «Jeden Nachmittag liegen die neun Riesen alle auf der Erde und schnorcheln Löcher in die Luft, so kellertief mittagschlafen die. Die ruhen sich immer so aus, bevor sie losdonnern, um wieder ein paar menschliche Leberwesen wegzuputzen.»

«Weiter, weiter», sagten die Generäle. «Und was nun?» «Deine Soldaten müssen nur an die Riesen rangehen, wenn sie im Mittagsschlafaffenland sind, und müssen ihre Arme und Beine fesseln mit heilen Seilen und fetten Ketten.» «Genial», sagte die Königin.

«Alles schön und gut», warf der Oberkommandierende der Landstreitkräfte ein.

«Aber wie bringen wir die Kerle vom Fleck? Sechzehn Meter dreiundzwanzig lange Riesen können wir schließlich nicht mit dem Lkw transportieren! Deswegen sage ich: gleich erschießen an Ort und Stelle!» Der GuRie blickte von seinem Hochsitz herab und sagte zu dem Oberkommandierenden der Luftstreitkräfte: «Du hast doch Pups-Räuber, oder nicht?» «Will der etwa frech werden?» fragte der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte.

«Er meint Hubschrauber», erklärte ihm Sophiechen. «Und warum sagt er das dann nicht? Selbstverständlich haben wir Hubschrauber.»

«So richtig extrasuper große Pups-Räuber?» fragte der GuRie.

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