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Sophiechen und der Riese

Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:

Das Waisenkind Sophiechen beobachtet eines Nachts im Waisenhaus eine seltsame Szene: Ein Riese mit großen Ohren bläst mit einer Trompete in ein Kinderzimmer. Schlimmerweise bemerkt er, daß er beobachtet wurde und nimmt Sophiechen mit ins Land der Riesen. Dort muß Sophiechen Schreckliches entdecken: Während sie mit dem GuRie, dem Guten Riesen unterwegs ist, sind die andereren neun Riesen weniger nett: Jede Nacht ziehen sie auf der Suche nach Menschenfleisch aus und schlagen sich den Bauch voll. Sophiechen ist klar, daß etwas geschehen muß, doch was soll ein kleines Mädchen gegen riesige Monster ausrichten?
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«Die größten», gab der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte voller Stolz bekannt. «Aber kein Hubschrauber ist groß genug, um einen Riesen von der Größe aufnehmen zu können.»

«Dann mußt du ihn eben nicht aufnehmen», sagte der GuRie. «Hochnehmen mußt du ihn. Du bindest ihn einfach außen an deinem Pups-Räuber fest und fliegst los mit ihm wie mit einer Tapete.» «Wie mit was?» fragte der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte.

«Wie mit einer Rakete», sagte Sophiechen.

«Schaffen Sie das, Herr Generalinspekteur?» fragte die Königin.

«Na ja, glaube schon», mußte der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte, wenn auch widerwillig, zugeben. «Also Marsch!» sprach die Königin. «Sie benötigen neun Hubschrauber, für jeden Riesen einen.» «Und wo liegt unser Zielgebiet?» fragte der Fliegergeneral den GuRie. «Ich nehme doch an, Sie können die Stelle auf der Karte markieren.»

«Karte?» wiederholte der GuRie. «Markieren? Die Wörter hab ich noch nie gehört. Was redet dieser Luft-Affen-General nur für einen Misthaufen zusammen!» Das Gesicht des Generalinspekteurs der Luftwaffe lief rötlich-bläulich an wie eine reife Pflaume. Der Mann war es einfach nicht mehr gewohnt, von jemand gesagt zu bekommen, er rede sich einen Haufen Mist zusammen. Die Königin mit ihrem bewundernswerten Taktgefühl und ihrer raschen Auffassungsgabe schaltete sich hilfreich ein. «GuRie», sagte sie, «kannst du uns wohl so ungefähr sagen, wo dieses Riesenland liegt?»

«Leider nein, Euer Majonese», sagte der GuRie. «Kann ich überhaupt nicht sagen.»

«Da haben wir den Salat!» rief der Oberkommandierende der Landstreitkräfte.

«Schöne Bescherung das!» rief der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte.

«Ihr müßt nicht gleich aufgeben», sagte der GuRie sanft. «Schon beim ersten kleinen Hinternis brecht ihr zusammen und schreit, ihr seid angeschmiert worden.» Der Oberkommandierende der Landstreitkräfte war es ebensowenig gewohnt, beschimpft zu werden, wie der Oberkommandierende der Luftstreitkräfte. Sein Gesicht schwoll dick an, seine Backen blähten sich, bis sie aussahen wie zwei pralle reife Tomaten. «Euer Majestät!» rief er. «Der Mann ist wahnsinnig! Ich will mit dieser lachhaften Sache nichts mehr zu tun haben!»

Die Königin kannte solche Wutanfälle bei ihren höchsten Würdenträgern, und deswegen ging sie einfach darüber hinweg. «GuRie», sagte sie, «würdest du wohl bitte diesen etwas schwerfälligen Herrschaften erklären, was genau sie zu tun haben?»

«Mit dem allerschönsten Vergnügen, Eure Majonese», sagte der GuRie. «Also, paßt mal ganz genau auf, ihr beiden Obergeneralkommandierer.»

Die Herren Offiziere zuckten zusammen, bewahrten aber ihre stramme Haltung.

«Ich hab nicht den blauesten Dunst, wo in aller Welt das Riesenland liegt», sagte der GuRie. «Aber hinrennen kann ich ganz leicht. Ich laufe die Strecke hin und zurück jede Nacht, weil ich muß meine Träume in die Kinderzimmer pusten. Also ich kenn den Weg sehr gut. Was ihr tun müßt, ist ganz leicht. Laßt neun von euren Pups-Räubern in die

Luft fliegen, und die sollen mir da oben hinterherfliegen, wenn ich hier unten losrenne.»

«Wie lange wird die Reise dauern?» fragte die Königin. «Wenn wir jetzt gleich abhauen», sagte der GuRie, «dann kommen wir da an, wenn die Riesen grade ihr MittagsSchäfchen halten.»

«Ausgezeichnet», sagte die Königin. Und schon erteilte sie ihren Oberkommandierenden den Befehclass="underline" «Alles fertigmachen zum Ausrücken.»

Der Oberkommandierende der Landstreitkräfte, der sich ganz schön auf den Schlips getreten fühlte in dieser verflixten Angelegenheit, mußte natürlich doch noch einmal den Mund aufmachen. «Alles ganz schön und grün, Euer Majestät», sagte er. «Aber wohin mit den Burschen, wenn wir sie erst einmal hier haben?»

«Keine Sorge», beschied ihn die Königin. «Wir lassen uns rechtzeitig etwas einfallen. Und jetzt bitte etwas Beeilung! Wegtreten!»

«Wenn Sie nichts dagegen haben, Euer Majestät», meldete sich Sophiechen, «dann würde ich gerne beim GuRie mitfahren, um ihm Gesellschaft zu leisten.» «Und wie willst du mitfahren?» fragte die Königin. «In seinem Ohr», sagte Sophiechen. «Zeig's mal, GuRie.»

Der GuRie stand von seinem Hochsitz auf. Mit den Fingerspitzen hob er Sophiechen auf. Und dann schwenkte er sein riesengroßes rechtes Segelohr, bis es waagrecht stand wie eine Flugzeugtragfläche. Ganz behutsam setzte er schließlich Sophiechen darauf ab.

Die Oberkommandierenden der Land- und Luftstreitkräfte standen da und guckten blöde aus der Wäsche. Die Königin lächelte. «Du bist schon ein sehr wundersamer Riese, muß ich sagen», bemerkte sie anerkennend. «Eure Majonese», sagte der GuRie, «ich muß dich was ganz Speziales fragen.» «Und das wäre?» sagte die Königin.

«Darf ich bitte, bitte in den Pups-Räubern meine ganze Traumothek mit hierherbringen? Ich hab jahre- und aberjahrelang daran gesammelt, und nun will ich sie auch behalten, verstehst du, Majonese?»

«Aber natürlich», sagte die Königin. «Ich wünsche dir eine gute Reise.»

Die Gefangennahme

Der GuRie hatte die Strecke schon Tausende von Malen zurückgelegt im Laufe der Jahre, aber noch nie in seinem Leben war er ins Land der Riesen so wie diesmal gerast, als neun gewaltige Hubschrauber im Tiefflug hinter ihm herdröhnten. Er war auch noch nie am hellichten Tage unterwegs gewesen. Das war viel zu riskant. Aber diesmal war es ja etwas anderes. Schließlich tat er es nun auf Bitten der Königin von England höchstpersönlich, und da brauchte er sich natürlich vor keinem mehr zu fürchten. Als er so durch die Lande galoppierte und das Hubschraubergeschwader über seinem Kopf daherdonnerte, blieben die Leute stehen und gafften und fragten: «Was ist da denn los?» So etwas hatten sie noch nie gesehen. Und so etwas würden sie auch nie wieder zu sehen bekommen. Hin und wieder konnten die Hubschrauberpiloten ein kleines Mädchen mit Brille erkennen, das sich im rechten Ohr des rasenden Riesen zusammengekauert hatte und zu ihnen hinaufwinkte. Natürlich winkten die Piloten jedesmal zurück. Sie staunten über das Tempo des Riesen, der breite Flüsse und ragende Hochhäuser im Sprung überquerte.

Aber das war noch gar nichts. Mit dem Staunen sollte es jetzt erst so richtig losgehen.

«Halt dich jetzt gut, gut fest!» sagte der GuRie. «Nun werden wir so schnell wie ein geölter Blitz!» Der GuRie schaltete auf sein sagenhaftes Spitzentempo, und sofort schoß er dahin, als hätte er Raketen an den Füßen. In riesigen Sprüngen jagte er über die Erde, wobei er kaum noch den Boden zu berühren schien. Wie immer mußte Sophiechen sich ganz flach in ihre Reiserille im Riesenohr hineinschmiegen, sonst wäre sie im Nu weggeweht worden. Die neun Hubschrauberpiloten merkten plötzlich, daß sie nicht mehr mitkamen. Der Riese hatte sie abgehängt. Da traten sie aufs Gas und gaben volles Rohr. So konnten sie bei dem Tempo wenigstens einigermaßen mithalten und fielen nicht noch weiter zurück.

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