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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Er langte auf einer der äußersten Klippen an. Zwei bis drei Polizisten waren ihm bis auf zehn Schritte nahe gekommen, die übrigen waren noch an zwanzig Schritte zurück.

Graf Sandorf sah sich um. Ein letzter Schrei entfuhr ihm – ein dem Himmel zugeworfenes Lebewohl. Dann, in dem Augenblick, als ihn ein Hagel von Kugeln umflog, stürzte er sich in das Meer.

Die bis an den Rand der äußersten Klippe vorgedrungenen Polizisten erblickten nur noch wie einen schwarzen Punkt den dem offenen Meere zustrebenden Kopf des Flüchtlings.

Eine neue Salve, die das Wasser um Mathias Sandorf herum hoch aufschlagen machte. Augenscheinlich hatten ihn eine oder gar mehrere Kugeln getroffen, denn das Haupt versank in den Fluthen, ohne wieder aufzutauchen.

Bis zum Tagesanbruch bewachten die Polizisten die Klippen, den Strand vom Vorgebirge im Norden der Bucht an bis jenseits des Forts von Rovigno. Ihre Wachsamkeit war zu nichts nutz. Nichts bewies, daß es Graf Sandorf gelungen war, das Festland wieder zu erreichen. Man nahm als Gewißheit an, daß er ertrunken war, falls er nicht von einer Kugel getroffen worden sein sollte.

Trotz aller umsichtig ausgeführten Nachsuchungen wurde in einer Länge von mehr als zwei Meilen weder in der Brandung noch am Strande der Leichnam des Grafen gefunden. Da der Wind jedoch vom Lande wehte, so war der letztere augenscheinlich mit der nach Südwesten gehenden Fluth in das Meer hinausgespült worden.

Graf Sandorf, der ungarische Magnat, hatte also sein Grab in den Fluthen der Adria gefunden.

Nach der erfolglosen eingehenden Untersuchung nahm die österreichische Regierung diese Wahrscheinlichkeit als die natürlichste an. Doch auch die Gerechtigkeit mußte ihren Lauf haben.

Stephan Bathory, der unter den uns bekannten Umständen ergriffen war, wurde während der Nacht noch unter Escorte in den Thurm von Pisino zurückgeführt, woselbst er einige wenige Stunden noch mit Ladislaus Zathmar zusammen verbrachte.

Die Hinrichtung wurde auf den folgenden Tag, den 30. Juni, festgesetzt.

Stephan Bathory würde in den letzten Augenblicken seines Lebens gewiß noch einmal Frau und Kind wiedergesehen, Ladislaus Zathmar sicher noch einmal seinen Diener umarmt haben, denn die Erlaubniß, die Angehörigen in das Gefängniß von Pisino hinein zu lassen, war ertheilt worden. Aber Frau Bathory und ihr Knabe, ebenso der frei gelassene Borik hatten inzwischen Triest verlassen. Da sie in Folge der geheim gehaltenen Verhaftung nicht wußten, wohin die Gefangenen gebracht worden waren, so hatten sie nach ihnen bis in Ungarn und Oesterreich hinein gesucht und keine Gelegenheit gehabt, noch rechtzeitig zu ihnen zu gelangen, als das Urtheil gefällt worden war.

Stephan Bathory genoß also auch nicht einmal das Wiedersehen mit Frau und Sohn als letzten Trost. Er konnte ihnen nicht die Namen der Verräther nennen, die jetzt auch der Vergeltung seitens Mathias Sandorf’s entgangen waren.

Stephan Bathory und Ladislaus Zathmar wurden um 5 Uhr Nachmittags auf dem Hofe der Festung standrechtlich erschossen. Sie starben als Männer, die für ihr Vaterland in den Tod gegangen waren.

Silas Toronthal und Sarcany konnten sich von jeder späteren Heimsuchung unbehelligt wähnen. Das Geheimniß ihres Verrathes war wirklich nur ihnen Beiden und dem Gouverneur von Triest bekannt – eines Verrathes, der mit der Hälfte des Vermögens von Mathias Sandorf belohnt wurde; die andere Hälfte wurde als besonderes Zeichen Allerhöchster Gnade für die Erbin des Grafen bis zu deren achtzehnten Lebensjahre aufbewahrt.

Silas Toronthal und Sarcany, denen Gewissensbisse fremd waren, konnten sich in Frieden der durch ihren abscheulichen Verrath erworbenen Reichthümer erfreuen.

Auch ein dritter Verräther schien nichts mehr zu befürchten zu haben: dem Spanier Carpena waren die für die Entdeckung der Flüchtigen ausgesetzten fünftausend Gulden ausbezahlt worden.

Doch während der Banquier und sein Mitschuldiger erhobenen Hauptes in Triest umherwandeln konnten, da ihr Geheimniß bewahrt geblieben war, mußte Carpena unter der Last der ihm öffentlich gezeigten Mißachtung Rovigno – wer weiß, wohin er ging – verlassen. Was that das ihm! Er hatte nichts, nicht einmal die Rache von Andrea Ferrato zu befürchten.

Denn der Fischer wurde eingekerkert, ihm der Proceß gemacht und er zu lebenslänglicher Sträflingsarbeit verurtheilt, weil er den Flüchtigen Obdach gewährt hatte. Maria stand jetzt mit ihrem Bruder Luigi allein in dem Hause, dem der Ernährer für immer entrissen worden war und das nackte Elend erwartete sie.

Drei niedrige Charaktere waren es, die lediglich aus habsüchtigen Interessen, ohne daß eine Spur des Hasses in ihnen gegen ihre Opfer gelebt hätte – Carpena vielleicht ausgenommen – vor diesem gemeinen Streiche nicht zurückgeschreckt waren, der Eine, um seine verwickelten Verhältnisse aufzubessern, der Andere, um sich Reichthümer zu verschaffen.

Sollte dieser Bubenstreich auf Erden wirklich ungeahndet bleiben, wo sich die Gerechtigkeit Gottes noch stets gezeigt hat? Mathias Sandorf, Stephan Bathory, Ladislaus Zathmar, diesen drei Freunden ihres Vaterlandes, Andrea Ferrato, diesem niedriggeborenen, aber edelmüthigen Manne – sollten ihnen niemals Rächer erstehen?

Die Zukunft nur konnte darauf die Antwort geben….

Ende des ersten Theiles.

Zweiter Theil. 

Erstes Capitel.

Pescade und Matifu.

Fünfzehn Jahre nach den Ereignissen, welche die Einleitung zu nachfolgender Geschichte bilden, am 24. Mai 1882, war Jahrmarkt in Ragusa, einer der bedeutendsten Städte in den dalmatinischen Provinzen.

Dalmatien ist nur eine schmale, geschickt zwischen dem nördlichen Theile der Dinarischen Alpen, der Herzegowina und dem Adriatischen Meere eingeschobene Landenge. Es ist dort gerade noch Raum genug für eine ziemlich eng sitzende Bevölkerung von vier-bis fünfmalhunderttausend Seelen.

Ein schöner Menschenschlag sind diese Dalmatiner, nüchtern, trotzdem ihr Land, dem das befruchtende Erdreich fehlt, ein dürres ist, stolz inmitten der zahlreichen politischen Verwandlungen, die sie erlitten, trotzig gegen Oesterreich, an welches sie durch den Vertrag von Campo Formio im Jahre 1815 kamen, schließlich über alle Maßen ehrenhaft; es paßt auf ihr Land die von Herrn Yriarte gebrauchte hübsche Bezeichnung eines »Landes der Thüren ohne Schlösser«.

In vier Kreise ist Dalmatien eingetheilt und diese wiederum theilen sich in einzelne Districte: die ersteren sind die von Zara, Spalato, Cattaro und Ragusa. In Zara, als der Hauptstadt der Provinz, ist der Sitz des Generalgouverneurs. In Zara tritt auch der Landtag zusammen, von dem einzelne Mitglieder zum Herrenhause in Wien gehören.

Die Zeiten haben sich seit dem sechzehnten Jahrhundert sehr geändert. Damals setzten noch die Usoken, türkische Flüchtlinge, dieses Meer in Schrecken und führten offenen Krieg mit den Muselmännern wie mit den Christen, mit dem Sultan wie mit der Republik Venedig. Die Usoken sind heute verschwunden und man findet Spuren von ihnen nur noch in Krain. Die Adria ist heute ein ebenso sicheres Gewässer wie irgend ein anderer Theil des herrlichen und poetischen Mittelmeeres.

Ragusa, oder vielmehr der kleine Staat von Ragusa, war lange Zeit hindurch eine Republik gewesen, bereits vor Venedig, das heißt mit anderen Worten seit dem neunten Jahrhundert. Erst 1808 wurde sie durch ein Decret Napoleons I. dem Königreiche Illyrien einverleibt und zu einem Herzogthum für den Marschall Marmont gemacht. Im neunten Jahrhunderte bereits besaßen die ragusischen Seefahrer, welche alle Meere der Levante befuhren, das alleinige Recht, mit den Ungläubigen Handel zu treiben, ein Recht, welches vom heiligen Stuhl verliehen wurde und Ragusa eine große Bedeutung unter diesen kleinen Republiken des südlichen Europas verschaffte. Ragusa zeichnete sich indessen auch noch durch andere, edlere Eigenschaften aus: das Ansehen seiner Gelehrten, der gute Ruf seiner Schriftsteller, der Geschmack seiner Künstler hatten ihm den ehrenden Namen eines slavonischen Athens eingebracht.

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