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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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– Sarcany! rief Mathias Sandorf, den Zorn bemeisternd, der sich mächtig in ihm regte, als er diesen verwünschten Namen hörte.

– Und der Vierte…? fragte Stephan Bathory, ohne zu wagen, den Satz zu Ende zu sprechen.

– Der Vierte ist noch am Leben, antwortete Andrea Ferrato. Die Hinrichtung ist aufgeschoben worden.

– Er lebt! rief Stephan Bathory.

– Ja, meinte Mathias Sandorf ironisch, man will warten, bis man uns wieder hat, um uns die Freude zu bereiten, gemeinsam sterben zu können.

– Maria, sagte Andrea, führe unsere Gäste in das nach hinten hinaus über der Umzäunung gelegene Zimmer, doch ohne Licht. Es ist nicht nöthig, daß man heute Abend das Fenster von außen erleuchtet sieht. Du kannst Dich ebenfalls schlafen legen. Luigi und ich werden wachen.

– Gut, Vater, sagte der Knabe.

– Kommen Sie, meine Herren!« sagte das junge Mädchen.

Graf Sandorf und sein Gefährte wechselten einen kräftigen Händedruck mit dem Fischer. Sie gingen in das ihnen bezeichnete Zimmer und fanden daselbst zwei gute Maismatratzen, die ihnen nach den ausgestandenen Strapazen willkommen waren.

Andrea Ferrato hatte inzwischen mit seinem Sohne das Haus verlassen. Er wollte sich überführen, ob Jemand in der Umgebung, am Ufer oder jenseits des Baches umher lungerte. Er fand Niemand. Die Flüchtlinge konnten also bis zum Anbruche des Tages in Frieden ruhen.

Die Nacht verfloß ohne jeden Zwischenfall. Der Fischer war noch mehrere Male aus dem Hause getreten. Er hatte nichts Verdächtiges gesehen.

Am nächsten Tage, dem 18. Juni, ging Andrea, während seine Gäste noch schliefen, bis mitten in die Stadt hinein und auf die Hafenquais, um Erkundigungen einzuziehen. An einzelnen Stellen fand er Ansammlungen von Neugierigen und Plaudernden vor Das Plakat, welches seit dem frühen Morgen ausgehängt war und das die Flacht, die Androhung der Strafe, die versprochene Belohnung zur Kenntniß brachte, bildete überall den Gegenstand der Unterhaltung. Man schwatzte, man erzählte sich Neuigkeiten und man wiederholte Gerüchte in unbestimmten Ausdrücken, die nichts besagten. Nichts verlautete, daß Graf Sandorf und sein Gefährte in den Umgebungen der Stadt gesehen worden waren, man argwöhnte nicht einmal ihre Anwesenheit in der Provinz. Gegen zehn Uhr aber, als der Wachtmeister der Gensdarmerie und seine Leute von ihrem nächtlichen Streifzuge nach Rovigno zurückkehrt waren, verbreitete sich das Gerücht, daß zwei Fremde vierundzwanzig Stunden früher an den Ufern des Canals von Leme gesehen worden wären. Man hatte die ganze Gegend bis zum Meere hin abgesucht, ohne indessen ihre Spur gefunden zu haben. Es war kein Anzeichen vorhanden, wohin sie sich gewendet haben konnten. War es ihnen gelungen, die Küste zu erreichen, eines Bootes habhaft zu werden und eine andere Gegend Istriens aufzusuchen oder sogar, über die österreichische Grenze zu entkommen? Alles schien glaubwürdig.

»So bleiben wenigstens fünftausend Gulden dem Staatsschatze erhalten, meinte man.

– Das Geld ist zu etwas Besserem nutz, als feige Angeberei zu belohnen.

– Gewiß, wenn sie nur entkämen!

– Entkämen? Geht doch! Die sind schon längst auf der anderen Küste der Adria in Sicherheit.«

Aus diesen Aeußerungen, die man innerhalb der meisten, aus Bauern, Arbeitern und Bürgern bestehenden Gruppen vor den Plakaten hören konnte, ging hervor, daß die öffentliche Meinung sich durchaus zu Gunsten der Verurtheilten aussprach – wenigstens bei den Bewohnern Istriens, die slavischer oder italienischer Abstammung waren. Die österreichischen Beamten konnten also kaum auf eine Denunciation von dieser Seite rechnen. Sie vernachlässigten indessen nichts, um der Flüchtigen wieder habhaft zu werden. Die gesammte Polizei und die Gensdarmerie-Geschwader waren vom frühen Morgen an unterwegs und ein ununterbrochener Depeschenwechsel fand zwischen Rovigno, Pisino und Triest statt.

Um elf Uhr kehrte Andrea Ferrato heim und erzählte seine Neuigkeiten, die mehr guter als schlechter Natur waren.

Graf Sandorf und Stephan Bathory beendeten in dem Zimmer, in welchem sie die Nacht zugebracht hatten, von Maria bedient, gerade ihr Frühstück. Die wenigen Stunden Schlaf, das gute Essen, die ihnen gewidmete Sorgfalt hatten sie sich vollständig von ihrer Abspannung erholen lassen.

»Nun, mein Freund? fragte Graf Sandorf, sobald sich die Thür hinter Andrea Ferrato geschlossen hatte.

– Ich denke, daß Sie, meine Herren, für den Augenblick nichts zu befürchten haben, antwortete der Fischer.

– Was sagt man in der Stadt? fragte Stephan Bathory.

– Man spricht allerdings von zwei Fremden, die gestern Früh gesehen wurden, als sie gerade im Begriffe standen, das Ufer am Canal von Leme zu betreten…. Und wenn es sich um Sie handelt… meine Herren…

– Es handelt sich in der That um uns, antwortete Stephan Bathory. Ein Mann, ein Salzarbeiter aus der Nachbarschaft, hat uns gesehen und angezeigt.«

Und Andrea Ferrato wurde von dem unterrichtet, was sich in der zerstörten Farm zugetragen hatte, während die Flüchtlinge sich dort verborgen hielten.

»Und Sie wissen nicht, wer dieser Denunciant ist, fragte Andrea dringend.

– Wir haben ihn nicht gesehen, antwortete ihm Mathias Sandorf, wir haben ihn nur hören können.

– Das ist ärgerlich, erwiderte Andrea Ferrato, aber ein wichtiger Umstand ist, daß man Ihre Spur verloren hat, und übrigens denke ich, daß, falls wirklich der Verdacht aufsteigen sollte, daß Sie in mein Haus geflüchtet sind, Sie eine Angeberei nicht zu befürchten haben. Die Stimmen im ganzen Umkreise von Rovigno lauten Ihnen günstig.

– Es überrascht mich nicht, das zu hören, antwortete Graf Sandorf. Die Bevölkerung der Provinz ist anerkannt brav. Man muß indessen mit den österreichischen Behörden rechnen und diese werden gewiß vor nichts zurückschrecken, um unserer wieder habhaft zu werden.

– Zu Ihrer Beruhigung möge Ihnen dienen, meine Herren, ergriff der Fischer von Neuem das Wort, daß allgemein die Meinung verbreitet ist, Sie wären bereits auf die andere Küste des Adriatischen Meeres hinübergeflohen.

– Möge Gott geben, daß dieses bald zur Wahrheit würde, warf Maria ein, welche die Hände wie zu einem Gebete gefaltet hatte.

– Es wird dahin kommen, theures Kind, antwortete Mathias Sandorf mit dem Ausdrucke innigster Ueberzeugung, es wird mit Gottes Hilfe dahin kommen!

– Und der meinigen, Herr Graf, setzte Andrea Ferrato hinzu. Ich werde jetzt meiner Beschäftigung wie gewöhnlich nachgehen. Man ist gewöhnt, Luigi und mich am Ufer die Netze ausbessern oder unsere Balanzelle

Am Ufer kamen und gingen die Fischer. (S. 137.)

anfeuchten zu sehen, und es ist gut, wenn wir nichts an unseren Gewohnheiten ändern. Bleiben Sie, bitte, in diesem Zimmer. Verlassen Sie es unter keinem Vorwande! Um noch weniger Verdacht zu erregen, öffnen Sie das auf die Umzäunung hinausgehende

»Was wollt Ihr bei mir?« (S. 142.)

Fenster, aber halten Sie sich im Hintergrunde auf und zeigen Sie sich nicht. Ich bin in einer oder zwei Stunden zurück.«

Andrea Ferrato verließ mit seinem Sohne das Haus; Maria entledigte sich vor der Hausthür wie gewöhnlich ihrer Obliegenheiten.

Am Ufer kamen und gingen die Fischer. Andrea Ferrato wollte vorsichtshalber einige Worte mit ihnen wechseln, ehe er seine Netze auf dem Boden auszubreiten begann.

»Ein prächtiger Ostwind hat sich aufgemacht, sagte Einer.

– Ja, erwiderte Andrea Ferrato, der vorgestrige Sturm hat am Horizont ordentlich aufgeräumt.

– Hm, sagte ein anderer nachdenklich, die Brise könnte gegen Abend doch stärker und zum Sturme werden, wenn die Bora sich hineinmischt.

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