Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Mathias Sandorf und Stephan Bathory blickten beklommen den Fischer an. Sie warteten darauf, was er sagen, was er beschließen würde. Es war kein Augenblick zu verlieren zu irgend einem Beginnen. Das Werk der Angeberei war vielleicht schon gekrönt worden!
»Herr Graf, sagte nach einer langen Pause Andrea Ferrato, die Polizei kann von einem Augenblicke zum andern in mein Haus dringen. Ja! Dieser Schurke muß entweder wissen oder wenigstens vermuthen, daß Sie sich hier befinden. Er hat mir einen Handel vorgeschlagen. Meine Tochter sollte der Preis seines Schweigens sein! Er wird Sie verderben, um sich an mir zu rächen. Wenn die Agenten kommen, ist es nicht mehr möglich, ihnen zu entschlüpfen und Sie werden entdeckt. Hier heißt es allerdings sofort fliehen.
– Ihr habt Recht, Ferrato, antwortete Mathias Sandorf. Aber ehe wir uns trennen, laßt mich Euch für Alles danken, was Ihr für uns gethan habt und was Ihr für uns noch thun wolltet…
– Was ich thun wollte, das will ich noch thun, sagte Andrea Ferrato feierlich.
– Wir leiden es nicht, antwortete Stephan Bathory.
– Ja, wir leiden es nicht, setzte Mathias Sandorf hinzu, Ihr habt Euch schon zu sehr bloßgestellt. Wenn man uns in Eurem Hause findet, so erwartet Euch das Zuchthaus. Komm’, Stephan, wir wollen das Haus verlassen, ehe wir seinen Ruin und sein Unglück verschulden. Laßt uns fliehen und allein fliehen!«
Andrea Ferrato ergriff die Hand Sandorf’s.
»Wohin würden Sie gehen? Das ganze Land wird von den Behörden scharf bewacht. Die Polizisten und Gensdarmen durchstreifen es Tag und Nacht. Es gibt keinen einzigen Fleck am Ufer, an dem Sie sich einschiffen, keinen einzigen freien Fußpfad, auf dem Sie über die Grenze gelangen könnten. Ohne mich fliehen, wäre sicherer Tod.
– Folgen Sie meinem Vater, meine Herren, ergänzte Maria. Was auch geschehen wird, er thut nur seine Pflicht, wenn er Sie zu retten versucht.
– Brav, meine Tochter, ich thue in Wahrheit nur meine Pflicht. Dein Bruder soll uns an der Jolle erwarten. Die Nacht ist sehr dunkel. Ehe man uns bemerkt, sind wir auf dem Meere. Umarme mich, Tochter, umarme mich und dann fort.«
Graf Sandorf und sein Genosse wollten noch immer nicht nachgeben. Sie weigerten die Annahme eines solchen Opfers. Das Haus sofort verlassen, um nicht den Fischer zu schädigen, ja! Sich unter seiner Führung einschiffen, auf die Gefahr hin, daß er das Zuchthaus für diese That eintausche, nein!
»Komm’, sagte Mathias Sandorf zu Stephan Bathory. Befinden wir uns erst außerhalb des Hauses, so ist nur für uns Beide zu fürchten.«
Sie eilten auf das offene Fenster ihres Zimmers zu, um über den niedrigen Zaun fort entweder das Ufer oder das Innere der Provinz zu gewinnen, Gleichzeitig stürzte Luigi hinein.
»– Die Polizei! rief er.
– Lebt wohl!« schrie Mathias und sprang, von Bathory gefolgt durch das Fenster.
Ein Trupp Polizisten betrat in demselben Augenblicke die Wohnstube.
»Schurke! sagte Andrea Ferrato.
– Meine Antwort auf Deine Weigerung«, erwiderte der Spanier.
Der Fischer war festgenommen und gebunden worden. Im Augenblick hatten die Polizisten alle Zimmer des Hauses besetzt und durchsucht. Das über der Umzäunung offenstehende Fenster wies ihnen den Weg, den die Flüchtigen genommen hatten. Sie machten sich an ihre Verfolgung.
Jene hatten inzwischen die Hecke erreicht, welche auf dieser Seite den Bach begrenzte. Graf Sandorf sprang mit einem Satze darüber fort und hatte Stephan Bathory bereits ebenfalls hinübergeholfen als plötzlich fünfzig Schritte hinter ihnen ein Schuß fiel.
Stephan Bathory wurde getroffen; die Kugel streifte ihm allerdings nur die Schulter, doch blieb sein Arm gelähmt und es war ihm unmöglich, es seinem Gefährten an Schnelligkeit gleichzuthun.
»Flieh’, Mathias, flieh’ rief er.
– Nein, Stephan, nein. Wir wollen zusammen sterben, rief Sandorf, nachdem er versucht, seinen verwundeten Gefährten in die Arme zu nehmen.
– Flieh’, Mathias! wiederholte Stephan Bathory, und lebe, um an den Verräthern Gerechtigkeit zu üben.«
Diese letzten Worte klangen wie ein Befehl für den Grafen Sandorf. Er allein blieb jetzt noch übrig, um das Werk von Dreien auszuführen. Der Magnat Siebenbürgens, der Verschwörer von Triest, der Genosse von Stephan Bathory und Ladislaus Zathmar, er sollte als Wahrer der Gerechtigkeit auferstehen!
Die Polizisten, die inzwischen am Ende der Umzäunung angelangt waren, warfen sich auf den Verwundeten, Graf Sandorf wäre in ihre Hände gefallen, falls er nur noch eine Secunde gezögert hätte.
»Lebe wohl, Stephan, lebe wohl!« hatte er ihm zugerufen. In einem mächtigen Sprunge setzte er über den Bach fort; er stürmte an dessen Ufer weiter, dessen Lauf an der Hecke entlang führte, bis da wo der Bach verschwand.
Fünf bis sechs Gewehrschüsse wurden nach dieser Richtung abgefeuert; die Kugeln trafen aber den Flüchtigen nicht, der nun abschwenkte und eilig dem Meere zulief.
Die Polizisten folgten ihm dicht auf dem Fuße. Da sie ihn in der Dunkel-nicht sehen konnten, so fiel es ihnen auch nicht ein, ihm in einer Richtung zu folgen. Sie zerstreuten sich, um ihm jeden Rückzug abzuschneiden, sowohl in der Richtung nach dem Innern des Landes, als auch nach der Seite der Stadt und dem Vorgebirge, welches im Norden von Rovigno die Bai abschließt. Eine Abtheilung Gensdarmen war zu ihrer Hilfe herangerückt und manövrirte so, daß dem Grafen Sandorf nur noch der Ausweg nach dem Ufer blieb. Was konnte er dort zwischen den Klippen beginnen? Die einzige Möglichkeit für ihn war, sich eines Bootes bemächtigen und die offene See gewinnen zu können. Dazu würde er aber voraussichtlich keine Zeit finden und während er noch damit beschäftigt sein würde, das Boot flott zu machen, saßen ihm die Kugeln gewiß schon im Rücken. Er hatte aber auch bemerkt, daß ihm der Ausweg nach Osten verlegt worden war. Das Knattern der Gewehrschüsse, die Rufe der Polizisten und Gensdarmen bei deren Annäherung zeigten ihm, daß um ihn herum die Kette geschlossen war. Er konnte nur gegen das Meer hin und über dieses fort fliehen. Er lief damit einem gewissen Tode entgegen; aber sollte er ihn nun doch erleiden, so war es besser, ihn in den Fluthen zu finden, als ihm vor dem Executionspeloton in der Festung Pisino entgegenzusehen.
Graf Sandorf wandte sich also dem Ufer zu. In wenigen Sprüngen erreichte er die ersten kleinen Tümpel, welche die Brandung auf dem Sande zurückgelassen hatte. Er witterte bereits die Polizisten hinter sich und die aufs Geradewohl abgefeuerten Kugeln schwirrten ihm mehrfach um den Kopf.
Die Naturerscheinung, die man längs der ganzen istrischen Küste beobachten kann, daß nämlich ein ganzes Heer von Klippen in Gestalt einzelner Risse zwischen dem eigentlichen Ufer und der offenen See sich erhebt, zeigt sich auch bei Rovigno.
Inmitten dieser Klippen haben sich zahlreiche Wasserlachen über dem aufgesaugten Sandboden gebildet – einige sind mehrere Fuß tief, bei anderen wiederum würde kaum der Fußknöchel benetzt werden.
Durch diese Klippen hindurch führte der letzte Weg, der Mathias Sandorf offen stand. Obwohl er nicht mehr zweifeln konnte, daß ihn dort schließlich ein sicherer Tod erwartete, so zögerte er doch nicht, ihn zu betreten.
Er sprang durch die Lachen hindurch von Klippe zu Klippe; jetzt aber zeichneten sich auch die Umrisse seiner Gestalt deutlicher von dem weniger dunklen Horizonte ab. Rufe und Geschrei zeigten an, daß die Verfolger ihn bemerkt hatten.
Graf Sandorf war entschlossen, sich nicht lebendig fangen zu lassen. Wenn das Meer ihn herausgab, so sollte es nur den Todten wiedergeben.
Diese gefahrvolle Jagd über schlüpfrige oder schwankende Steine, durch Binsen und zähen Meertang und Wassertümpel, wo jeder Schritt einen Sturz herbeizuführen drohte, dauerte länger als eine halbe Stunde. Der Flüchtige hatte bis jetzt seinen Vorsprung beibehalten, aber der feste Boden begann ihm nunmehr zu fehlen.