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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Zu einem überseeischen Handel gehört ein Hafen mit gutem Ankergrund und genügender Wassertiefe, der selbst Schiffe mit großem Tonnengehalte aufnehmen kann. Ein solcher Hafen fehlte Ragusa. Der Meerbusen ist schmal und von Felsen in Wasserhöhe umgeben; er kann nur kleine Küstenfahrer oder gewöhnliche Fischerfahrzeuge beherbergen.

Glücklicherweise hat eine halbe Meile nördlich von Ragusa, auf der inneren Seite einer der Ausbuchtungen der Bai von Ombla-Fumera, eine Laune der Natur einen jener vorzüglichen Häfen gebildet, welche nach allen Richtungen selbst der bedeutendsten Schifffahrt zu Hilfe kommen. Dieser Hafen ist Gravosa, er ist vielleicht der beste längs der ganzen dalmatinischen Küste. Dort finden selbst Kriegsschiffe eine hinlängliche Wassertiefe vor. Die Hafenanlage bietet für Trockendocks und für Schiffswerfte genügend Raum; dort können auch die großen Packetboote anlaufen, denen in Zukunft alle Meere der Erdkugel unterthan sein werden.

Die Straße von Ragusa nach Gravosa ist in Folge dieses günstigen Umstandes ein vollkommener Boulevard geworden; schöne Bäume stehen zu beiden Seiten, ebenso reizende Landhäuser; die Bevölkerung, die sich jetzt auf sechzehn-bis siebzehntausend Menschen beläuft, benützt diese Straße mit Vorliebe.

An obengenanntem Tage gegen vier Uhr Nachmittags konnte man beobachten, daß die Einwohner Ragusas in Folge des schönen Frühlingstages zahlreich nach Gravosa strömten.

In dieser Vorstadt – wenn man Gravosa, das allerdings vor den Thoren der Stadt liegt, so nennen kann – wurde ein locales Fest gefeiert mit verschiedenen Belustigungen, Buden fremder Händler, Musik und Tanz unter freiem Himmel, Marktschreiern, Akrobaten und Tausendkünstlern, deren Rufe, Instrumente, Lieder in den Straßen bis auf die Quais des Hafens hinaus großen Lärm machten.

Dem Fremden bot sich an diesem Tage eine günstige Gelegenheit, die verschiedenen Typen der slavischen Rasse, untermischt mit Zigeunern in den mannigfaltigsten Schattirungen kennen zu lernen. Doch nicht nur diese Nomaden waren zum Feste herbeigekommen, um daselbst die Neugier der Besucher auszubeuten, auch die Land-und Bergbewohner hatten Theil genommen an den öffentlichen Lustbarkeiten.

Frauen zeigten sich sehr zahlreich, Damen aus der Stadt, Bäuerinnen aus der Umgegend, Fischerinnen von der Küste. Die Kleidung der Einen zeigte das Bestreben, die neuesten Moden des abendländischen Europas aufzunehmen. Der Aufputz der Anderen wechselte, wenigstens in Kleinigkeiten, mit jedem District, dem seine Trägerinnen entstammten: weiße, an den Armen und der Brust mit Stickereien versehene Hemden, vielfarbige Röcke, mit tausenden von silbernen Stiften besetzte Gürtel – ein vollkommenes Mosaik, in dem die Farben ineinander gingen wie in einem persischen Teppiche – weiße Hauben auf den mit buntfarbigen Bändern durchflochtenen Haaren, die vom Schleier überdeckte »Okronga«, die wie der »Puskul« des orientalischen Turbans über den Rücken fällt, Beinharnische und Stiefel, die mit Bastschnüren am Fuße befestigt werden. Zur Krönung dieses Staates trug man Kostbarkeiten in Form von Armbändern, Halsketten oder Geldstückchen in hunderterlei Manieren zum Schmucke des Halses, der Arme, der Brust und der Hüften. Diese Kleinodien konnte man selbst am Anzuge der Bauern bemerken, welche die schillernden Stickereien ebenfalls nicht verschmähen, die den Saum der Kleiderstoffe schmücken.

Doch unter allen diesen ragùsischen Kleidungen, welche selbst die Seeleute mit Anmuth zu tragen verstanden, waren die Commissionäre – einer mit Vorrechten ausgestatteten Körperschaft – ganz danach angethan, vornehmlich die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wahrhaftige Orientalen schienen sie zu sein, diese Lastträger mit Turban Weste. Kamisol, faltigem türkischen Beinkleid und Pantoffeln. Sie würden den Quais von Galata oder dem Platz Top’hane in Constantinopel nicht zur Schande gereicht haben.

Die Festfreude hatte bereits den Höhepunkt erreicht. Weder die Buden in den Straßen noch die auf den Quais leerten sich. Es gab auch noch etwas ganz Besonderes zu sehen, das ganz dazu angethan war, eine große Anzahl Neugieriger anzulocken: den Stapellauf eines Trabocolo, eines eigenartigen Fahrzeuges, das man nur auf der Adria vorfindet; ein solches Schiff trägt zwei Maste und zwei Focksegel, die an der obersten und untersten Leik angeschlagen werden.

Der Stapellauf sollte um sechs Uhr Abends vor sich gehen und der Kiel des Trabocolo, von seinen Stützen bereits befreit, erwartete nur noch die Wegräumung des Hemmschuhes, um in das Meer gleiten zu können.

Bis dahin wetteiferten die Seiltänzer, fliegenden Musikanten, Akrobaten, um mit ihrem Talent oder ihrer Geschicklichkeit das schauende Publicum möglichst zufrieden zu stellen.

Die Musikanten, das muß man gestehen, fanden den größten Zuspruch. Unter ihnen wiederum hatten die Guzlaspieler die bedeutendste Einnahme zu verzeichnen. Zur Begleitung ihres eigenthümlichen Instrumentes sangen sie mit hohltönender Stimme die Lieder ihrer Heimat und diese waren es wohl werth, daß man stillstand und lauschte.

Die Guzla, deren sich diese Virtuosen der Landstraße bedienen, besteht aus mehreren Stricken, die über ein ausgehöhltes Griffbret gespannt sind und einzig und allein mit einer einfachen Darmsaite bestrichen werden.

Was die Stimme dieser Sänger betrifft, so gehen ihr die Töne gewiß nicht aus, weil sie wenigstens ebensoviele aus dem Kopfe wie aus der Brust herausholen.

Einer dieser Musikanten – ein großer gelbhäutiger und schwarzhaariger Bursche, der sein Instrument, ähnlich einem abgemagerten Cello, zwischen den Knieen hielt – begleitete in Haltung und mit Bewegungen sein Lied:

Wenn der Gesang erklingt, Der Gesang der Zigeunerin, Achte wohl, wie sie ihn singt, Wie er aus der Kehle dringt, Achte der Zigeunerin!
Hältst du dich noch fern von ihr, Wächst die Gluth der schwarzen Augen, Und du fühlst wie an der Fremden Deine Sinne fest sich saugen.
Wenn der Gesang erklingt, Der Gesang der Zigeunerin, Achte wohl, wie sie ihn singt, Wie er aus der Kehle dringt, Achte der Zigeunerin!

Nach diesen ersten Strophen ging der Sänger mit seinem muldenartigen Instrumente bei den Umstehenden der Reihe nach herum und bettelte um die Gabe einiger Kupfermünzen. Die Einnahme schien ihm wohl etwas dürftig vorzukommen, denn er kehrte an seinen Platz zurück und versuchte seine Hörer durch ein zweite Strophe geschmeidiger zu machen:

Ruht auf dir ihr großes Auge, Dunkel wie des Liedes Wort, Zittern deines Herzens Schläge, Ihr gehört’s, sie nimmt’s mit fort.
Wenn der Gesang erklingt, Der Gesang der Zigeunerin, Achte wohl, wie sie ihn singt, Wie er aus der Kehle dringt, Achte der Zigeunerin!

Ein Mann im Alter von fünfzig bis fünfundfünfzig Jahren hörte gelassen dem Vortrage des Zigeuners zu, er schien von solchen poetischen Verführungen nichts zu halten, denn seine Geldbörse hatte sich bis dahin noch nicht aufgethan. Es war nun allerdings auch keine Zigeunerin, die während ihres Gesanges ihn »mit dem großen dunklen Auge« anblickte, sondern ein ganz gewöhnlicher langer Teufel, der sich zum Interpreten hergab. Er wollte gerade seinen Platz verlassen, ohne Jenen mit einer Kleinigkeit bedacht zu haben, als ihn ein junges Mädchen, die ihn begleitete, festhielt und sagte:

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