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In den Klauen des Winters

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In den Klauen des Winters
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Lacile und Arrela, die beiden letzten Gefangenen, versuchten alles den Töchtern nachzumachen, natürlich erfolglos. Ein hoch gewachsener Aiel hatte sich die kleine Lacile einfach unter den Arm geklemmt, um sich ihre Füße anzusehen, und ihre bleichen Wangen waren vor Entsetzen und Scham blutrot. Arrela war groß, aber die beiden Töchter, die auf sie aufpassten, waren noch größer als Faile, und sie gingen mit der Frau aus Tairen mit unpersönlicher Mühelosigkeit um. Ihre Untersuchung rief bei ihr ein Stirnrunzeln hervor, möglicherweise war es auch die flinke Fingersprache, mit der sie sich austauschten. Faile hoffte, dass sie keinen Ärger machte, nicht jetzt. Jeder der Cha Faile versuchte wie ein Aiel zu sein und so zu leben, wie man glaubte, dass sie leben würden, aber Arrela wollte eine Tochter sein, und sie nahm es Sulin und den anderen übel, dass sie ihr nicht die Fingersprache beibrachten. Hätte sie gewusst, dass Bain und Chiad Faile darin ein wenig unterrichtet hatten, wäre sie noch erzürnter gewesen. Zwar reichte es nicht aus, um mehr als jedes zweite Wort zu verstehen, das die Töchter jetzt übermittelten, aber es war besser als nichts. Und es war gut, dass Arrela nichts davon mitbekam. Sie waren der Ansicht, dass die Feuchtländerin weiche Füße hatte und dass sie überhaupt viel zu verwöhnt und weich war, und das hätte die Frau mit Sicherheit zu einem Wutausbruch provoziert.

Wie sich herausstellte, war Falles Sorge um Arrela unnötig. Die Tairenerin versteifte sich, als eine der Töchter sie sich auf die Schulter lud — die Frau tat dabei so, als würde sie taumeln und benutzte die freie Hand, eine Nachricht zu signalisieren, die der anderen Tochter hinter ihrem Schleier ein bellendes Lachen entlockte —, aber nach einem Blick auf Bain und Chiad, die bereits gehorsam über den Schultern von Aielmännern lagen, machte sich Arrela mürrisch ganz locker. Lacile kreischte auf, als der große Mann, der sie hielt, sie plötzlich umdrehte und in die gleiche Position brachte, aber danach fügte sie sich stumm ihrem Schicksal, obwohl ihr Gesicht noch immer feuerrot war. Es hatte durchaus seine Vorteile, dass sie den Aiel alles gleichtun wollten.

Alliandre und Maighdin jedoch, die letzten Frauen, von denen Faile angenommen hätte, dass sie sich zieren würden, waren da ganz anders. Als sie begriffen, was mit ihnen geschah, setzten sie sich erbost zur Wehr. Es war kein großer Kampf, zwei nackte und erschöpfte Frauen, denen man die Ellbogen eng aneinander gefesselt hatte, aber sie wanden sich und brüllten und traten nach jedem, der in ihre Nähe kam, und Maighdin versenkte sogar ihre Zähne in die Hand eines unachtsamen Aiels und verbiss sich wie ein Jagdhund in ihn.

»Hört damit auf, ihr Närrinnen!«, rief ihnen Faile zu. »Alliandre! Maighdin! Lasst sie euch tragen! Gehorcht mir!« Weder ihre Dienerin noch ihre Vasallin schenkten ihr auch nur die geringste Aufmerksamkeit. Maighdin knurrte wie eine Löwin durch ihre festgebissenen Zähne. Alliandre wurde niedergerungen, sie brüllte und trat noch immer um sich. Faile wollte es ihnen noch einmal befehlen.

»Die Gai'schain wird stumm sein«, knurrte Rolan und versetzte ihr einen harten Schlag.

Faile biss die Zähne zusammen und murmelte etwas Unverständliches. Was ihr einen weiteren Schlag einbrachte! Der Mann hatte sich ihre Messer hinter den Gürtel gesteckt. Hätte sie doch nur eines in die Finger bekommen ...! Nein. Was man ertragen musste, konnte man auch ertragen. Sie wollte fliehen und keine nutzlosen Gesten machen.

Maighdins Kampf dauerte etwas länger als Alliandres, und zwar bis zwei starke Männer ihren Kiefer öffnen und von der Hand des Shaido befreien konnten. Sie brauchten dazu zwei Mann. Zu Falles Überraschung versetzte der Gebissene Maighdin keinen Schlag, sondern schüttelte sich das Blut von der Hand und lachte! Aber das rettete sie nicht. Im Handumdrehen lag Failes Dienerin neben der Königin mit dem Gesicht nach unten im Schnee. Ihnen blieben nur wenige Augenblicke, in denen sie sich in der nassen Kälte winden konnten. Zwei Shaido — eine davon eine Tochter — traten zwischen den Bäumen hervor und schnitzten mit ihren schweren Gürtelmessern Verästelungen von langen Ruten. Dann wurde jeder Frau ein Fuß zwischen die Schulterblätter gesetzt, und eine Faust schob die um sich greifenden Hände aus dem Weg, und dann erblühten rote Striemen auf weißen Hüften.

Zuerst setzten sich beide Frauen weiter zur Wehr und wanden sich. Aber ihr Kampf war noch sinnloser als zuvor, als sie aufrecht gestanden hatten. Oberhalb ihrer Taille bewegte sich nichts außer zurückgeworfenen Köpfen und wild um sich greifenden Händen. Alliandre kreischte weiterhin, dass man das nicht mit ihr machen könnte, was für eine Königin verständlich, unter diesen Umständen aber dumm war. Offensichtlich konnten sie es und sie taten es auch. Überraschenderweise hob Maighdin ihre Stimme zu der gleichen schrillen Ungläubigkeit. Jeder hätte sie für eine Angehörige des Adels statt für eine Dienerin gehalten. Faile wusste genau, dass Lini Maighdin mit der Rute bestraft hatte, ohne dass es ein solches Theater gegeben hatte. Auf jeden Fall halfen die ungläubigen Proteste den Frauen nicht im mindesten. Die Prügel wurden fortgesetzt, bis sie beide wortlos jammerten und um sich traten, und dann noch etwas länger, damit die Botschaft auch ankam. Als sie schließlich wie alle Gefangenen über die Schulter gelegt wurden, hingen sie schluchzend da, und der Wille zum Widerstand war restlos verschwunden.

Faile verspürte keinerlei Mitleid. Ihrer Ansicht nach hatten diese Närrinnen jeden Schlag verdient. Von Erfrierungen und zerschnittenen Füßen einmal abgesehen, je länger sie ohne Kleidung den Elementen ausgesetzt waren, desto eher stand an zu befürchten, dass es einige von ihnen nicht überleben würden, um später zu entfliehen. Die Shaido würden sie zu einer Art Unterschlupf bringen und Alliandre und Maighdin hatten die Ankunft dort verzögert. Vielleicht war es ja nicht mehr als eine Viertelstunde, aber Minuten konnten den Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten ausmachen. Außerdem würden selbst Aiel zumindest etwas in ihrer Wachsamkeit nachlassen, sobald sie in einer Unterkunft waren und Feuer entzündet hatten. Und sie, die Gefangenen, konnten nun neue Kräfte schöpfen, da sie getragen wurden. Jetzt konnten sie auf ihre Chance warten und sie ergreifen, wenn sie kam.

Die Shaido verfielen wieder in ihren weitausholenden Schritt. Und tatsächlich hatte es den Anschein, dass sie sich jetzt, da sie ihre Gefangenen trugen, noch schneller als zuvor durch den Wald bewegten. Die harte Ledertasche des Bogens stieß in Failes Seite, während sie hin und her schwankte, und langsam wurde ihr schwindelig. Jeder der langen Schritte Rolans sandte eine harte Erschütterung durch ihren Leib. Verstohlen versuchte sie eine Position zu finden, in der sie nicht so energisch durchgeschüttelt wurde.

»Beweg dich nicht, sonst wirst du runterfallen«, murmelte Rolan und tätschelte ihre Hüfte, so wie er ein Pferd getätschelt hätte, um es zu beruhigen.

Faile hob den Kopf und schaute mit gerunzelter Stirn zu Alliandre hinüber. Von der Königin von Ghealdan war nicht viel zu sehen, und das, was zu sehen war, war von dicken roten Striemen gezeichnet. Wenn man mal so darüber nachdachte, wären eine kurze Verzögerung und ein paar Striemen womöglich ein geringer Preis dafür gewesen, ein Stück aus diesem Flegel herauszubeißen, der sie wie ein Sack Korn trug. Aber nicht aus seiner Hand. Seine Kehle wäre das bessere Ziel gewesen.

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