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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Der Wald um uns war still, wie es nur ein Wald ist. Kein Vogel, kein Tier, nur der Gesang der Blätter über uns und das Rauschen des Wassers zu unseren Füßen. Ständige Bewegung, ständig Geräusche – und mitten darin perfekter Friede. Es waren jede Menge Menschen auf dem Berg, und die meisten von ihnen waren gar nicht weit von uns entfernt – doch genau hier, genau jetzt hätten wir allein auf dem Jupiter sein können.

Ich öffnete seufzend die Augen und schmeckte Honig. Jamie lächelte mich an und strich mir ein herabgefallenes, gelbes Blatt aus dem Haar. Das Baby lag in meinen Armen, ein schweres, warmes Gewicht, der Mittelpunkt des Universums.

Keiner von uns sprach, denn wir wollten die Stille nicht stören. Es war, als stünden wir auf der Spitze eines kreisenden Berges, dachte ich – um uns ein Strudel von Ereignissen und Menschen, und jeder Schritt in eine beliebige Richtung würde uns in das wirbelnde Durcheinander zurückstürzen, doch hier im absoluten Zentrum – herrschte Friede.

Ich streckte die Hand aus und strich ihm ein paar Ahornsamen von der Schulter. Er hob meine Hand und führte sie mit einer plötzlichen Heftigkeit an seinen Mund, die mich aufschrecken ließ. Und doch waren seine Lippen sanft, war seine Zungenspitze warm auf dem fleischigen Hügel an der Wurzel meines Daumens – Venushügel genannt, der Sitz der Liebe.

Er hob den Kopf, und ich spürte die plötzliche Kühle an der Stelle, wo die uralte Narbe zu sehen war, bleich wie ein Knochen. Ein J, das in die Haut geritzt war, sein Zeichen auf meiner Hand.

Er legte seine Hand an mein Gesicht, und ich drückte mit der meinen dagegen, als könnte ich das verblichene C auf der kalten Haut meiner Wange spüren. Keiner von uns sprach, doch der Schwur war getan, wie wir ihn schon einmal an einem Ort der Zuflucht geleistet hatten, mit den Füßen auf einem Felssplitter inmitten des Treibsandes, der einen Krieg verhieß.

Er war nicht nah, noch nicht. Doch ich hörte ihn kommen im Klang der Trommeln und Proklamationen, sah ihn im Glitzern des Stahls, wurde an Leib und Seele von Furcht durchdrungen, wenn ich in Jamies Augen sah.

Die Kühle war verschwunden, und das Blut pulsierte heiß in meiner Hand, als gälte es, die alte Narbe zu öffnen und mein Herzblut erneut für ihn zu vergießen. Der Krieg würde kommen, und ich konnte ihn nicht aufhalten.

Doch diesmal würde ich ihn nicht verlassen.

Ich folgte Jamie aus dem Wald über ein Durcheinander aus Felsen, Sand und Grasbüscheln auf einen ausgetretenen Pfad, der bergauf zu unserer Lagerstelle führte. Dabei stellte ich im Kopf erneute Berechnungen unserer Frühstückszutaten an, da Jamie mir eröffnet hatte, dass er noch zwei weitere Familien eingeladen hatte, sich uns anzuschließen.

»Robin McGillivray und Geordie Chisholm«, sagte er und hielt einen Ast zur Seite, um mich durchzulassen. »Ich dachte mir, wir sollten sie willkommen heißen; sie haben vor, sich in Fraser’s Ridge niederzulassen.«

»Aha?«, sagte ich und duckte mich, als der Ast hinter mir zurückschnellte. »Wann denn? Und zu wie vielen sind sie?«

Dies waren Fragen von weitreichender Bedeutung. Der Winter stand dicht bevor – viel zu dicht, um noch damit zu rechnen, dass man auch nur eine grob gezimmerte Blockhütte zum Schutz errichten konnte. Jeder, der jetzt in die Berge kam, würde wohl bei uns im Haus oder dicht gedrängt in einer der kleineren Siedlerhütten wohnen müssen, die auf dem Berg verstreut waren. Highlander konnten und würden zu zehnt in einem Raum leben, wenn es nötig war. Da ich nur über eine weniger stark entwickelte, englische Gastfreundschaft verfügte, hoffte ich sehr, dass es nicht nötig sein würde.

»Sechs McGillivrays und acht Chisholms«, sagte Jamie lächelnd. »Die McGillivrays kommen aber erst im Frühjahr. Robin ist Büchsenmacher; er kann den Winter über in Cross Creek arbeiten, und seine Familie kann bei Verwandten in Salem bleiben – seine Frau ist Deutsche –, bis das Wetter wärmer wird.«

»Oh, dann ist es ja gut.« Das machte also noch vierzehn zusätzliche Esser beim Frühstück, abgesehen von mir und Jamie, Roger und Brianna, Marsali und Fergus, Lizzie und ihrem Vater – nicht zu vergessen Abel MacLennan, oh, und der Soldat, der Germain gerettet hatte, das waren dann vierundzwanzig …

»Ich gehe mir etwas Kaffee bei meiner Tante ausborgen, ja?« Jamie hatte den Ausdruck zunehmender Entgeisterung in meinem Gesicht gesehen. Er grinste, und streckte mir die Arme entgegen, um mir das Baby abzunehmen. »Gib mir den Jungen; ich nehme ihn mit, dann hast du die Hände zum Kochen frei.«

Ich sah ihnen mit einem Anflug von Erleichterung nach. Allein, wenn auch nur für ein paar Augenblicke. Ich atmete die feuchte Luft tief ein, und mir wurde bewusst, dass mir der Regen sacht auf die Kapuze klopfte.

Ich liebte gatherings und gesellschaftliche Ereignisse, musste mir aber eingestehen, dass es mir auf die Nerven ging, tagelang pausenlos unter Menschen zu sein. Nach einer Woche voller Besuche, Kaffeekränzchen, täglicher Sprechstunden und der unablässigen Folge kleiner Probleme, die unausweichlich sind, wenn man mit einer großen Familie im Freien kampiert, war ich reif dafür, mir ein kleines Loch unter einem umgestürzten Baumstamm zu buddeln und hineinzuklettern, nur um eine Viertelstunde meine Ruhe zu haben.

Im Augenblick sah es jedoch so aus, als könnte ich mir die Mühe sparen. Über mir auf dem Berg erklangen Stimmen und Dudelsackmelodien; nach der Unterbrechung durch die Proklamation des Gouverneurs nahm das gathering langsam seinen normalen Rhythmus wieder auf, und alle Welt begab sich wieder an die Feuerstellen ihrer Familien, zu der Lichtung, auf der die Wettkämpfe stattfanden, zu den Viehkoppeln am anderen Bachufer oder zu den Wagen, in denen von Haarbändern und Butterfässern bis hin zu Mörtelpulver und frischen – nun ja, relativ frischen – Zitronen einfach alles feilgeboten wurde. Im Augenblick brauchte mich niemand.

Es würde ein sehr geschäftiger Tag werden, und es war gut möglich, dass dies für eine Woche oder länger meine einzige Gelegenheit war, allein zu sein – so lange würde die Rückreise mindestens dauern, da unsere Reisegruppe groß war und wir Babys und Wagen dabeihatten. Die meisten der neuen Pächter besaßen weder Pferde noch Maultiere und würden den Weg zu Fuß zurücklegen.

Ich brauchte ein paar Minuten für mich allein, um meine Kraft zu sammeln und meine Gedanken zu ordnen. Diese befassten sich allerdings weder mit der Logistik des Frühstücks oder der Hochzeiten noch der Operation, die ich vorhatte. Ich blickte weiter in die Zukunft, über den Rückweg hinaus, und ich sehnte mich heim.

Fraser’s Ridge lag hoch in den Bergen des Westens, weit jenseits aller Städte – oder auch nur der befestigten Straßen. Abgelegen und isoliert, bekamen wir nur selten Besuch. Auch die Zahl der Siedler war klein, obwohl die Anwohnerzahl wuchs; mehr als dreißig Familien waren schon zu uns gestoßen und hatten unter Jamies Schutzherrschaft Heimstätten auf seinem Land errichtet. Die meisten von ihnen waren Männer, die er noch aus dem Gefängnis von Ardsmuir kannte. Ich nahm an, dass auch Chisholm und McGillivray ehemalige Sträflinge sein mussten; Jamie hatte eine offene Einladung an diese Männer ausgesprochen, und er stand dazu, ganz gleich, was es kostete, ihnen zu helfen – oder ob wir es uns leisten konnten.

Ein Rabe flog geräuschlos vorbei, langsam und schwerfällig, das Gefieder vom Regen flach gedrückt. Raben waren Omenvögel; ich fragte mich, ob dieser hier etwas Gutes oder Schlechtes für uns bedeutete. Es war ungewöhnlich, dass überhaupt ein Vogel bei diesem Wetter unterwegs war – das musste bedeuten, dass es ein besonderes Omen war.

Ich schlug mir mit der Handwurzel vor die Stirn und versuchte, so den Aberglauben zu vertreiben. Man brauchte nur lange genug unter Highlandschotten zu leben, und schon bekam jeder verdammte Stein und Baum eine Bedeutung!

Aber vielleicht geschah das ja doch mit gutem Grund. Überall um mich herum waren Menschen auf dem Berg – das wusste ich genau –, und dennoch fühlte ich mich vollkommen allein, durch Regen und Nebel abgeschirmt. Das Wetter war immer noch kalt, aber ich fror nicht. Das Blut pulsierte dicht unter meiner Hautoberfläche, und ich spürte, wie mir die Hitze in die Handflächen stieg. Ich streckte eine Hand nach der nächsten Kiefer aus – auf jeder ihrer Nadeln bebten Wassertropfen, ihre Rinde war schwarz vor Nässe. Ich atmete ihren Duft ein und ließ mir das kühle Wasser über die Haut laufen. Ringsum fiel still und beruhigend der Regen und durchfeuchtete meine Kleider, bis sie sanft an mir klebten wie die Wolken an einem Berg.

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