Untot
- Автор: Руссо Джон
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Untot». Краткое содержание книги:
»Die Tatsache, daß sie sich eine leisten können, heißt noch nicht, daß sie tatsächlich eine haben«, wies ihn McClellan zurecht, schob sich eine Zigarre in den Mund und zündete sie an. Er nahm einen tiefen Zug. Er erwartete, auf Notfallfahrzeuge an der Kreuzung zwischen dem Feldweg und der Landstraße zu treffen. Dann würden seine Leute zu dem Besitztum der Kingsleys transportiert werden.
Dave hatte festgestellt, daß Mr. Dorseys altes Auto unkontrollierbar ins Schwimmen geriet, wenn er versuchte, schneller als fünfundsechzig Stundenkilometer zu fahren. Auf der freien Landstraße wäre es angenehmer gewesen, schneller fahren zu können, aber er mußte sich mit der geringeren Geschwindigkeit abfinden. Das ließ ihn kurzfristig an die Ironie des Schicksals denken: daß er vielleicht die MillerTöchter oder die Kingsley-Familie nur wegen eines verrotteten, alten Autos, das nicht schnell genug fahren konnte, nicht würde retten können. Ärgerlich drückte er aufs Gaspedal und sah den Zeiger auf achtzig und darüber hinaus klettern. Das Schlenkern hörte nicht auf, wie einige Male vorher, sondern wurde immer schlimmer. Als Dave den Fuß vom Gas nahm, mußte er geraume Zeit warten, bis die Vibrationen nachließen und der Zeiger wieder unter fünfundsechzig ging. Er knirschte ungeduldig mit den Zähnen und versuchte, sich auf das zu konzentrieren, was er tun würde, wenn er einmal dort angekommen war, wo er so eilig hinstrebte. Auf dem Beifahrersitz neben Dave lagen das Fleischermesser und die Axt, die Henry Dorsey ihm gegeben hatte. Ein Gewehr oder wenigstens ein Revolver wären ihm lieber gewesen. Es würde nicht ganz einfach sein, drei gut bewaffnete Männer gefangenzunehmen oder zu töten. Am besten wäre es, zu versuchen, sie zu überrumpeln und einen von ihnen zu entwaffnen, um dann dessen Waffe dazu zu benutzen, die beiden anderen zu überwältigen.
Dave dachte auch an den Säugling in der Obhut der Dorseys. Er ging davon aus, daß er dort gut aufgehoben war. Mrs. Dorsey würde für ihn sorgen. Sie schien die Vernünftigste von der Familie zu sein. Der Alte war von Furcht und der sturen Entschlossenheit getrieben, die Seinen zu beschützen, was es auch koste, und den Sohn konnte man sowieso vergessen, außer darauf aufzupassen, daß er nicht aus Versehen wieder irgendwem Schaden zufügte. In normalen Zeiten wären die Dorseys keine schlechten Leute, überlegte Dave. Sie zogen es vermutlich vor, die meiste Zeit ihres Lebens unter sich zu sein, ihre ärmliche Farm zu bearbeiten und ein karges Auskommen herauszuwirtschaften, um sich jenes Maß an Würde und Selbstrespekt zu erhalten, das mit Selbstgenügsamkeit einhergeht. Unter normalen Umständen waren sie wahrscheinlich nett und anständig, wenn auch von der Schwere ihres Existenzkampfes ein bißchen hart geworden. Diese Härte würde ihnen helfen, die gegenwärtige Notlage zu überleben; bislang hatten sie es ganz gut gemeistert, sich gegen die Widrigkeiten, die wirklich beängstigend waren, am Leben zu halten. Das war mehr, als viele andere Leute schaffen würden. Aber sie hatten Martinelli erschossen, aus panischer Angst und Dummheit. Der Tod seines Kollegen war sinnlos und unnötig. Es hätte Carl nicht zustoßen dürfen, besonders nach all dem, was er bis dahin überstanden hatte. Sein Tod erschien Dave unwirklich und unglaublich, wie in den meisten Fällen, aber um so mehr, weil Carl so grundlos gestorben war.
Die Landschaft zeigte sich so strahlend und sonnig, daß es schwer war zu glauben, daß es kein normaler Tag war. Die Sonne hatte den Morgennebel vollständig aufgelöst. Es war schon fast Mittag. Dave fiel ein, daß es um diese Zeit eine Bürgerschutzsendung gab, und er schaltete das Autoradio ein. Er drehte den Summton leiser. Bis zum Beginn der Nachrichten war nur dieser Summton zu vernehmen; sämtliche anderen Sendungen waren offensichtlich gestrichen worden. Abgesehen von dem unterschwellig bedrohlichen Summen, das Dave an die Art von Nachrichten erinnerte, die er zu hören erwartete, konnte er sich beinahe einreden, daß alles in Ordnung war. Es war ein sonniger Tag und er machte eine ruhige, entspannende Fahrt über Land. Plötzlich sah er eine Leiche auf der Straße und mußte ausweichen. Dabei erhaschte er einen Blick auf den von mehr als nur einem Reifenpaar überrollten Körper. Es war einer der Humanoiden, die Carters Laster in der Dunkelheit vor acht oder neun Stunden überfahren hatte. Seither waren weitere Fahrzeuge darübergerollt, entweder, weil sie ihn nicht früh genug gesehen hatten oder weil sie es für überflüssig hielten, ihm auszuweichen. Was übriggeblieben war, lag als grausiger, blutiger Klumpen in der Mitte der zweispurigen Landstraße. Als der Wagen sich nach dem Ausweichmanöver wieder gefangen hatte, bremste Dave leicht ab und entdeckte eine schwere Beschädigung in der Leitplanke auf der rechten Straßenseite. Er trat die Bremsen von Dorseys Wagen bis zum Anschlag durch. Sie funktionierten, wenn es auch eine ganze Strecke brauchte, bis er zum Stehen kam. Dave hielt auf dem Seitenstreifen, bewaffnete sich mit der Axt, steckte das Fleischermesser in den Gürtel und stieg aus. Als er sich der aufgerissenen Leitplanke näherte, sah er eine ziemlich steile Böschung und einen Streifenwagen der Staatspolizei, der gegen einen Baum gekracht war. Er erkannte den Streifenwagen, der einst ihm und Carl gehört hatte, sofort; seine Vermutung wurde bestätigt, als er das Kennzeichen las. In der näheren Umgebung gab es kein Anzeichen von Bewegung oder drohender Gefahr, doch Dave hielt seine Waffe in Bereitschaft, während er die Böschung hinunterkletterte.
Er fand den toten Wade Connely im Wagen und die Leiche eines Humanoiden im Gebüsch in der Nähe. Sowohl Wade als auch dem Humanoiden war in den Schädel geschossen worden. Dave verbrachte einige Zeit damit, die Umgebung nach weiteren Leichen abzusuchen, die bei dem Unfall aus dem Fahrzeug geschleudert worden sein mochten. Er fand keinerlei Spuren der Miller-Töchter, obwohl er das Unterholz sorgfältig überprüfte, und er nahm an, sie hätten den Unfall wahrscheinlich überlebt. Wenn nicht, hätten Carter und Flack ihnen ebenfalls in die Schädel geschossen, wie sie es mit Wade Connely getan hatten. Oder vielleicht nicht? Im stillen dankte Dave demjenigen, der es getan hatte, und fragte sich, was aus den Mädchen geworden sein mochte. Vielleicht waren sie doch bei dem Unfall umgekommen und die Männer hatten ihre Leichen mitgenommen.
Dave betrachtete Wades entstellte, verstümmelte Leiche mit einer Mischung aus Mitleid und Abscheu, Abscheu vor allem, weil er wußte, daß Wade in Carls Uniform gestorben war. Dave griff an der Leiche vorbei und zog den Zündschlüssel heraus. Dann suchte er den Wagen und den Kofferraum nach Waffen ab, die vielleicht zurückgelassen worden waren. Wie zu erwarten, fand er keine. Carter und Flack hatten sorgfältig alles mitgenommen. Dave steckte die Wagenschlüssel in die Tasche. Ein Vorteil dieses Unfalls war, stellte er fest, daß er mit Wade nicht mehr zu rechnen brauchte, nur noch mit Carter und Flack. Damit wuchsen seine Chancen, sie zu überrumpeln. Dieser Funken Hoffnung gab Dave neue Kraft. Er stieg wieder in Henry Dorseys altes Auto, und nach mehreren Versuchen sprang der Motor schließlich an. Dave scherte auf die Landstraße zurück, vorbereitet, daß weitere Leichen mitten auf der Straße liegen könnten. Er schaltete das Radio wieder ein, das er ausgeknipst hatte, als er den Motor anließ, um der Batterie der alten Karre die Arbeit zu erleichtern. Nur ein Summen war zu hören. Dave schaute auf die Uhr. Es war fast halb eins. Er hatte die Nachrichtensendung verpaßt.