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Untot

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Aus dem Amerikanischen übertragen von Angelika Weidmann
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Mit sechzig Kilometern in der Stunde folgte Dave der Landstraße, wie Mr. Dorsey ihm gesagt hatte. Wenn Dorsey recht hatte, würde er fünf Kilometer weiter den Golfplatz und das Clubhaus erreichen.

In der luxuriösen Villa lagen drei Menschen gefesselt und mit verstopften Mündern in drei verschiedenen Ecken des elegant eingerichteten Salons. Jeder von ihnen war an ein anderes schweres Möbelstück gebunden worden, was den Banditen die Sicherheit gab, daß sie nicht zueinanderrobben und einander die Fesseln zu lösen versuchen konnten. An dem wuchtigen, brokatbezogenen Sofa hatte man Gordon Kingsley festgezurrt, einen äußerst erfolgreichen Geschäftsmann, Anfang fünfzig, groß gewachsen, aber ein bißchen füllig, weil er an zu vielen Geschäftsessen teilnahm und zuwenig Zeit in dem luxuriösen Trainingszentrum des Clubhauses verbrachte, das ihm gehörte. Unter seinen buschigen, grauen Augenbrauen versuchte er, seine Frau und seinen Sohn im Auge zu behalten. Elvira Kingsley, eine gutaussehende Frau, ein paar Jahre jünger als ihr Mann, war an eines der Beine des großen Flügels gefesselt. Sie war schlank geblieben und hatte ihr Haar sorgfältig in einem natürlichen Ton dunkelbraun gefärbt. An einen dick gepolsterten Sessel gebunden lag ihr Sohn Rodney, ein blonder, nervöser, aufgekratzter Zehnjähriger. Die drei waren allein im Raum, drei zusammengeschnürte Gestalten auf antiken Teppichen verteilt, und warteten, was geschehen würde.

Die Familie Kingsley hatte sich aufgrund der ständig vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen in ihrem Landhaus einigermaßen außer Gefahr gefühlt. Die Fenster waren mit schmuckvollen, schmiedeeisernen Gittern versehen, die bei der ursprünglichen Gestaltung des Gebäudes eingeplant worden waren, um Einbrecher und Kidnapper abzuhalten. Mr. Kingsley hatte zudem eine teure, komplizierte Alarmanlage installieren lassen, die mit dem Büro des Sheriffs verbunden war. Die massiven Eichentüren waren mit schweren Schlössern, Riegeln, Ketten und Stahlträgern ausgestattet worden. Letztere waren zu Beginn der gegenwärtigen Krise zusätzlich eingebaut worden. Zwei bewaffnete Wächter mit dressierten deutschen Schäferhunden, die über eine professionelle Sicherheitsorganisation angeheuert worden waren, hatten für zusätzlichen Schutz gesorgt und Tag und Nacht das Gelände und das Haus bewacht.

John Carter und Flack waren mit dem Laster auf das Grundstück der Kingsleys gefahren. Direkt hinter der Einfahrt hatten sie den Wagen angehalten. Sie hatten die Mädchen auf der Ladefläche liegengelassen, waren ausgestiegen und hatten sich auf den Weg zu dem entfernt liegenden Haus gemacht. Einer der Wächter erkannte die Uniform und war auf die beiden zugegangen, weil er hoffte, Nachrichten über die Ereignisse außerhalb des Gutsbesitzes zu erfahren. Sobald er in Reichweite der beiden Männer gelangt war, wurden er und sein Hund von Carter und Flack mit je einer Kugel erschossen. Carter und Flack waren zum Laster zurückgerannt und mit ihm die baumbestandene Auffahrt zur Villa hinaufgebraust. Carter entdeckte den zweiten Wächter und seinen Hund, und die grausige Szene wurde wiederholt. Den Vorteil seiner Uniform ausnützend, rief er dem Mann einen Gruß zu, und dann streckten er und Carter ihn und den Hund nieder. Sie erreichten die Eingangstür, und kaum hatte die Haushälterin den Polizeibeamten Carter und seinen Adjutanten Flack eingelassen und zu Gordon Kingsley geleitet, zogen die beiden ihre Waffen und verlangten, daß sich alle im Hause befindlichen Personen im Wohnzimmer einzufinden hätten. Unter vorgehaltenen Pistolen wurden die Kingsleys gefesselt und mußten mit anschauen, wie ihre Haushälterin und ihr Butler erschossen wurden. Die beiden Leichen wurden in den Garten geschafft.

Jetzt lagen Vater, Mutter und Sohn gefesselt und geknebelt in ihrem eigenen Wohnzimmer. Sie konnten hören, wie Carter und Flack in anderen Teilen des Hauses auf der Suche nach Wertgegenständen Schränke und Schubladen öffneten. Im Salon lief der Fernseher, den Carter und Flack während einer Bürgerschutz-Nachrichtensendung eingeschaltet hatten. Mit schreckgeweiteten Augen verrenkten sich die Gefangenen, um auf den Bildschirm zu schauen. Man sah Reverend Michaels, der erläuterte, warum er und seine Leute glaubten, daß die Toten gepfählt werden müßten.

»Gott allein hat Macht über Leben und Tod. Er hat uns versprochen, uns am Tag des Jüngsten Gerichts zu sich zu rufen. Das vorzeitige Auferstehen der Toten ist ein Werk Satans, der Gottes Allmacht herausfordert und die Menschheit für ihre Sünden und ihre Schwächen bestraft. Wir sind es, die Gott verraten haben und die dem Teufel diese böse Macht über Ihn gegeben haben. Wir sind es, die Reue zeigen und dem Herrn Kraft und Glorie zurückgeben müssen. Wir sind Fleisch von seinem Fleisch, und da wir schwach gewesen sind, haben wir Ihn geschwächt...«

Die Sendung ging weiter, und die Worte von Reverend Michaels drangen tief ins Bewußtsein und die Herzen der Gefangenen auf dem Fußboden und erfüllten sie mit Angst und Schrecken über ihr drohendes Schicksal.

Dave Benton schaltete den Motor von Henry Dorseys Wagen ab, stieg aus und machte leise die Tür zu. Er hatte um jeden Kilometer gebetet, den der Klapperkasten, den er steuerte, noch durchhalten würde. Aber die Batterie schien in recht gutem Zustand zu sein, und er hoffte, er hätte noch genug Benzin, um von hier fortzukommen, falls ein eiliger Abgang erforderlich wäre. Er konnte sich nicht darauf verlassen, sich Carters Laster oder ein Fahrzeug aus Kingsleys Wagenpark zu schnappen, und dieser klapprige Schrotthaufen war alles, was er hatte.

Dave schaute sich um. Er befand sich am Ende der langen Zufahrt, etwa vierhundert Meter von der Villa der Kingsleys entfernt. Mit Axt und Messer bewaffnet hatte er die Absicht, sich von hier aus zu nähern. Er vermied den Kies des Zufahrtswegs und hielt sich im Schatten der in regelmäßigen Abständen gepflanzten Ahornbäume. Zwei Reihen von ihnen standen den Weg entlang und sorgten für undurchbrochenen Sichtschutz. Aber eine Biegung in der Zufahrt erlaubte Dave nur, eine Ecke von Carters Lastwagen zu sehen, der in der Nähe des Anwesens geparkt war. Das Haus sah still aus, und er konnte kein Zeichen von Carter oder Flack oder den Mädchen entdecken. Auch schien niemand draußen Wache zu halten. Die beiden Verbrecher mußten sich ihrer Sache ziemlich sicher sein, dachte er. Schnell und vorsichtig schlich er weiter und blieb dabei, wo immer es möglich war, in Deckung. Dann schlüpfte er unter den Bäumen hervor und duckte sich hinter einen großen Busch, von wo aus er einen besseren Überblick über den ausgedehnten Vorgarten mit gepflegtem Rasen und sorgfältig gestutzten Stauden hatte. Auf dem Rasen waren Leichenfresser, mindestens ein halbes Dutzend, die in kleinen Gruppen umeinanderdrängten, als würden sie Mut sammeln, um das Haus anzugreifen. Dave wich hinter seinen Busch zurück, und ein Schauder lief ihm über den Rücken. Einer der Leichenfresser hatte eine Art Uniform an. Vielleicht war es Carter. Vielleicht war er bei dem Versuch, in den Besitz der Kingsleys einzudringen, ums Leben gekommen. Aber nein - das war keine Polizeiuniform. Es sah eher aus wie die Uniform einer Art von Wachpersonal -und plötzlich ging Dave ein Licht auf und er begriff, daß es vermutlich ein Wächter war, der von Carter und Flack ermordet worden war, als sie das Haus angriffen. Schritte im Kies der Auffahrt ließen Dave herumfahren. Ein wandelnder Toter, der sich unter Mühen vorwärts bewegte, kam über den Fahrweg auf ihn zu. Er trug ebenfalls eine Uniform des Wachpersonals. Er war von einem Gewehrschuß getötet worden, der einen Teil seiner Brust und ein Kinn weggefetzt und die Vorderseite seiner Uniform zu einem blutigen Mischmasch von zerrissenem Stoff und zermatschtem Fleisch gemacht hatte. Ein Rest des Unterkieferknochens mit ein paar Zähnen baumelte nutzlos unter dem Oberkiefer, und doch wurde das Ding von unermeßlicher Gier nach frischem Menschenfleisch getrieben. Blindlings steuerte es auf Dave zu. Sein Gesicht war grauenvoll blutleer und weiß, die Augen quollen ihm aus den Augenhöhlen - ein Effekt, der von der Wucht des Schusses herrührte, der ihn in einen der lebendigen Toten verwandelt hatte.

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