Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Pierre hatte ebenfalls den Kopf geduckt und die Arme sinken lassen. Ohne weiter daran zu denken, wer den andern gefangengenommen habe, liefen sie beide weg, der Franzose in die Batterie zurück, Pierre bergab. Er stolperte dabei über Tote und Verwundete, die ihm, wie es ihm vorkam, nach den Beinen griffen. Aber er war noch nicht an den Fuß der Anhöhe gelangt, als ihm dichte Scharen russischer Soldaten im Laufschritt entgegenkamen, die stolpernd, fallend und schreiend, fröhlich und stürmisch zur Batterie hinaufliefen. (Es war dies jener Angriff, den sich Jermolow zum Ruhm anrechnete, indem er behauptete, nur seiner Tapferkeit und seinem Glück sei es möglich gewesen, diese Großtat auszuführen, jener Angriff, bei dem er, wie es heißt, die Georgskreuze, die er in der Tasche hatte, auf die Hügelkuppe warf.)
Die Franzosen, welche die Batterie eingenommen hatten, flüchteten. Unsere Truppen jagten mit Hurrageschrei den Feind so weit von der Batterie weg, daß es schwer wurde, sie von der Verfolgung wieder abzubringen.
Von der Batterie wurden die Gefangenen weggeführt, darunter ein verwundeter französischer General, den viele russische Offiziere umringten. Scharen von Verwundeten, die Pierre teils kannte, teils nicht kannte, Russen und Franzosen, mit schmerzverzerrten Gesichtern, gingen und krochen von der Batterie weg oder wurden auf Bahren fortgetragen. Pierre betrat wieder die Verschanzung auf der Kuppe, wo er länger als eine Stunde geweilt hatte; aber aus jenem Familienkreis, in den er Aufnahme gefunden hatte, fand er niemand mehr vor. Es lagen dort viele Tote, die er nicht kannte. Aber einige erkannte er. Der junge Offizier saß, immer noch in gleicher Weise zusammengekrümmt, am Rand des Walles in einer Blutlache da. Der Soldat mit dem roten Gesicht zuckte noch; aber niemand schaffte ihn fort.
Pierre lief hinunter.
»Nein, jetzt werden sie damit aufhören; jetzt werden sie erschrecken über das, was sie getan haben!« dachte er, während er ziellos hinter den vielen Tragbahren herging, die vom Schlachtfeld fortgetragen wurden.
Aber die vom Rauch verhüllte Sonne stand noch hoch, und vorn und namentlich auf dem linken Flügel, bei Semjonowskoje, wütete im Pulverrauch noch immer der Kampf, und das Getöse der Kanonenschüsse und des Kleingewehrfeuers wurde nicht nur nicht schwächer, sondern verstärkte sich immer mehr, wie wenn ein Mensch in vollster Verzweiflung mit Aufbietung seiner letzten Kraft schreit.
XXXIII
Der Hauptkampf in der Schlacht bei Borodino spielte sich auf einem Raum von dreitausend Schritten zwischen dem Dorf Borodino und den Pfeilschanzen Bagrations ab. (Außerhalb dieses Raumes wurde auf der einen Seite um Mittag von Uwarows Kavallerie eine Demonstration unternommen, und auf der andern Seite, hinter dem Dorf Utiza, fand ein Zusammenstoß Poniatowskis mit Tutschkow statt; aber dies waren abgesonderte und unbedeutende Aktionen im Vergleich mit dem, was in der Mitte des Schlachtfeldes vorging.) Auf dem Feld zwischen Borodino und den Pfeilschanzen, bei dem Wald, auf einem offenen und von beiden Seiten sichtbaren Terrain, wurde der Hauptkampf in der einfachsten Weise ohne alle List geliefert.
Die Schlacht begann von beiden Seiten mit einer Kanonade aus mehreren hundert Geschützen.
Dann, als der Pulverrauch das ganze Feld bedeckte, setzten sich in diesem Rauch von rechts her (vom französischen Standpunkt aus) die beiden Divisionen Dessaix und Compans gegen die Pfeilschanzen und von links her die Regimenter des Vizekönigs gegen Borodino in Bewegung.
Von der Schanze bei Schewardino, auf der Napoleon stand, waren die Pfeilschanzen in gerader Linie eine Werst, Borodino mehr als zwei Werst entfernt; daher konnte Napoleon nicht sehen, was dort vorging, um so weniger, da der Rauch, der zu dem Nebel hinzugekommen war, die ganze Örtlichkeit verhüllte. Die Soldaten der Division Dessaix, die die Richtung nach den Pfeilschanzen einschlugen, waren nur so lange sichtbar, bis sie in die Schlucht hinabstiegen, die sie von den Pfeilschanzen trennte. Sobald sie in die Schlucht hinabgestiegen waren, wurde der Pulverrauch von den Kanonen- und Flintenschüssen auf den Pfeilschanzen so dicht, daß er den ganzen Aufstieg auf der andern Seite der Schlucht bedeckte. Durch den Rauch hindurch bemerkte man dort zwar flüchtig etwas Schwarzes, wahrscheinlich Menschen, und mitunter das Blitzen von Bajonetten. Aber ob sie sich bewegten oder stillstanden, ob es Franzosen oder Russen waren, das ließ sich von der Schanze von Schewardino aus nicht erkennen.
Die Sonne ging hell und klar auf und schien mit ihren schrägen Strahlen dem Kaiser Napoleon, der unter der vorgehaltenen Hand hervor nach den Pfeilschanzen blickte, gerade ins Gesicht. Der Rauch hatte sich vor den Schanzen ausgebreitet, und bald schien es, daß der Rauch, bald daß die Truppen sich bewegten. Mitunter wurde zwischen den Schüssen das Geschrei von Menschen vernehmbar; aber was sie dort taten, konnte man nicht wissen.
Auf dem Hügel stehend blickte Napoleon durch das Fernrohr und sah in dem kleinen Kreis, den ihm das Fernrohr zeigte, Rauch und Menschen, manchmal seine eigenen Leute, manchmal Russen; aber sobald er wieder mit bloßem Auge hinschaute, wußte er nicht, wo sich das, was er gesehen hatte, befand.
Er stieg von dem Hügel hinunter und begann vor ihm auf und ab zu gehen.
Mitunter blieb er stehen, horchte nach dem Schießen hin und betrachtete das Schlachtfeld.
Weder von der Stelle unten, wo er stand, noch auch von dem Hügel, wo jetzt mehrere seiner Generale Stellung genommen hatten, ja nicht einmal von den Pfeilschanzen selbst, auf denen sich jetzt zugleich oder abwechselnd bald Russen, bald Franzosen befanden, Tote, Verwundete und Lebende, erschrockene oder rasende Soldaten: von keiner dieser Stellen aus war es möglich, das, was an diesem Platz geschah, zu verstehen. Im Laufe mehrerer Stunden erschienen an dieser Stelle unter nie verstummendem Kanonen- und Gewehrfeuer bald Russen, bald Franzosen, bald Infanterie, bald Kavallerie; sie erschienen, fielen, schossen, stießen aufeinander, ohne zu wissen, was sie miteinander anfangen sollten, schrien und liefen wieder zurück.
Vom Schlachtfeld kamen unaufhörlich zu Napoleon Adjutanten und Ordonnanzen, die von seinen Marschällen abgeschickt waren, mit Meldungen über den Gang des Kampfes herangesprengt; aber alle diese Meldungen waren falsch: erstens weil es in der Hitze des Gefechts unmöglich ist, zu sagen, was in einem bestimmten Augenblick vorgeht; zweitens weil viele Adjutanten gar nicht bis zu dem wirklichen Kampfplatz hingeritten waren, sondern nur berichteten, was sie von andern gehört hatten; drittens weil, während der Adjutant die zwei, drei Werst zurücklegte, die ihn von Napoleon trennten, sich oft die Umstände geändert hatten und die Nachricht, die er überbrachte, bereits falsch geworden war. So z.B. kam von dem Vizekönig ein Adjutant mit der Nachricht herbeigesprengt, Borodino sei genommen, und die Brücke über die Kolotscha befinde sich in den Händen der Franzosen. Der Adjutant fragte den Kaiser, ob er befehle, daß die Truppen hinübergingen. Napoleon befahl, sie sollten sich auf dem jenseitigen Ufer ordnen und dann warten. Aber nicht nur in dem Augenblick, als Napoleon diesen Befehl gab, sondern bereits, nachdem der Adjutant eben erst von Borodino weggeritten war, hatten die Russen die Brücke schon in eben jenem Zusammenstoß wiedergenommen und verbrannt, bei welchem Pierre gleich zu Anfang der Schlacht gegenwärtig gewesen war.