Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Альтернативная история » Die Vereinigung jiddischer Polizisten
Die Vereinigung jiddischer Polizisten - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Vereinigung jiddischer Polizisten

Электронная книга - «Die Vereinigung jiddischer Polizisten». Краткое содержание книги:

Mit Detective Meyer Landsman, Polizist im Morddezernat des jüdischen Distrikts Sitka in Alaska, geht es bergab: Seine Ehe ist am Ende, er trinkt, beruflich steckt er in einer Sackgasse. Und nun wurde in dem schäbigen Hotel, in dem er neuerdings wohnt, auch noch ein Mord begangen. Landsman soll ermitteln. Scheinbar eine reine Routinesache. Doch der Tote ist der drogensüchtige Sohn des Rabbis von Sitka, in dem man den Messias vermutete. Der Fall strotzt vor Ungereimtheiten. Als von oben die Anweisung kommt, den Fall unverzüglich zu den Akten zu legen, recherchiert Landsman auf eigene Faust und gerät bald in ein Wespennest aus politischen Intrigen und religiösem Wahn. Denn der Mord wurde in politisch brisanten Zeiten begangen: Sitka soll in Kürze seinen eigenständigen Status verlieren, den Bewohnern droht erneut Vertreibung und Heimatlosigkeit.
Mit einem jüdischen Staat am Rande des ewigen Eises hat Michael Chabon ein irrwitziges literarisches Szenario für seinen packenden Whodunnit geschaffen: »Michael Chabon erzählt eine fesselnde Kriminalgeschichte und erfindet dabei augenzwinkernd die Geschichte des 20. Jahrhunderts neu«, schreibt Simone von Buren in der ›NZZ am Sonntag‹.
1 ... 29 30 31 32 33 34 35 36 37 ... 104
Перейти на страницу:

Die Männer vor Shpilmans Haus haben den Auftritt murmelnd kommentiert und kritisiert, doch nun sind alle still. Das Leben pfeift aus den Lungen der Umstehenden, rasselt im Rotz ihrer Nasen. Die Hitze der Laterne lässt den Schnee verdampfen. Mit hellem Klirren scheint die Luft zu zersplittern wie eine Welt aus winzigen Fenstern. Und Landsman spürt etwas, das in ihm den Wunsch aufkommen lässt, sich die Hand in den Nacken zu legen. Er ist ein Händler für Entropie und ein Ungläubiger aus Neigung und von Berufs wegen. Für ihn ist der Himmel Kitsch, Gott ein Wort und die Seele höchstens eine Aufladestation für die eigenen Batterien. Doch in der dreisekündigen Stille, die auf den von Zimbalist laut ausgerufenen Namen vom verlorenen Sohn des Rebbes folgt, hat Landsman das Gefühl, etwas flattere zwischen ihnen herunter. Senke sich über die Männerschar, streife sie mit einem Flügel. Vielleicht ist es nur die von einem zum anderen springende Erkenntnis, warum diese beiden Beamten der Mordkommission zu dieser Uhrzeit aufgetaucht sein müssen. Oder es ist die alte Zauberkraft eines Namens, auf dem einst die kühnsten Hoffnungen ruhten. Oder vielleicht braucht Landsman einfach nur eine ordentliche Mütze Schlaf in einem Hotel ohne tote Juden.

Yossele dreht sich zu Shmerl um, die teigige Stirn in Falten gelegt, und hält Zimbalist mit der hirnlosen Zärtlichkeit eines brutalen Mannes fest. Shmerl spricht noch ein paar Silben mehr ins Herz des Hauses vom Verbover Rebbe. Er schaut nach Osten, schaut nach Westen. Er stimmt sich mit dem Mandolinenspieler oben auf dem Dach ab; auf dem Dach ist immer ein Mann mit einer halb automatischen Mandoline. Dann schiebt er langsam die schwere Holztür auf. Yossele setzt den alten Zimbalist mit einem Klimpern der Schuhschnallen ab und tätschelt ihm die Wange.

»Bitte sehr, Detectives«, sagt er.

Sie treten in einen getäfelten Flur, am hinteren Ende eine Tür, links eine in den ersten Stock führende Holztreppe. Die Treppe und die Stufen, die Vertäfelung, selbst die Bodendielen sind aus den großen Brettern einer einzigen Kiefernart geschnitten, Butterfarben und astig. Entlang der Wand gegenüber der Treppe zieht sich eine niedrige Bank, ebenfalls aus Astkiefer, auf der ein langes violettes Samtkissen liegt, stellenweise glänzend abgewetzt, sechsmal rund eingedellt von Verbover Hinterbacken.

»Die geschätzten Herren warten bitte hier«, sagt Shmerl.

Er kehrt mit Yossele zurück auf seinen Posten und überlässt Landsman und Berko dem steten, aber gleichgültigen Blick eines dritten klotzigen Rudashevskys, der sich am Treppenabsatz gegen das Geländer lehnt.

»Setzen Sie sich, Professor«, sagt der Innen-Rudashevsky.

»Danke«, erwidert der. »Aber ich möchte mich nicht setzen.«

»Ist alles in Ordnung, Professor?«, fragt Berko und legt die Hand auf den Arm des Mejwens.

»Eine Squashwand«, sagt Zimbalist wie als Antwort auf die Frage. »Wer spielt denn heute noch Squash?«

Da fällt Berko Zimbalists Manteltasche ins Auge. Landsman interessiert sich ganz plötzlich für ein kleines Holzregal an der Wand neben der Tür, gut befüllt mit bunten Hochglanzbroschüren. Eine trägt den Titel Wer ist der Verbover Rebbe? und teilt ihm mit, dass sie sich im offiziellen oder zeremoniellen Eingangsbereich des Hauses befinden und die Familie weiter hinten lebt und kommt und geht, genau wie im Hause des Präsidenten von Amerika. Die zweite Broschüre zum Mitnehmen heißt Fünf große Wahrheiten und fünf große Lügen über den Verbover Chassidismus.

»Ich hab den Film gesehen«, sagt Berko, über Landsmans Schulter spähend.

Die Stufen quietschen. Als würde er den nächsten Gang des Abendessens ankündigen, murmelt der Rudashevsky:

»Rabbi Baronshteyn.«

Landsman kennt Baronshteyn nur vom Namen. Ebenfalls ein Wunderkind, aber zusätzlich zu seiner Smicha mit einem Abschluss in Jura. Er hat eine der acht Töchter des Rebbes geehelicht. Er wird niemals fotografiert und verlässt Verbov Island nie, es sei denn, man glaubt den Geschichten, dass er um Mitternacht in wanzenverseuchte Motels in Süd-Sitka schleicht, um persönliche Vergeltung für einen Lotteriebetrug oder einen Schlosser zu fordern, der einen Auftragsmord verpatzt hat.

»Detective Shemets, Detective Landsman. Ich bin Aryeh Baronshteyn, der Gabbai des Rebbes.«

Landsman ist überrascht, wie jung er ist, nach dem Äußeren zu urteilen, um die dreißig. Eine hohe, schmale Stirn und harte schwarze Augen wie zwei Steine auf einem Grab. Seine mädchenhaften Lippen tarnt er hinter der männlichen Zierde eines König-Salomon-Bartes, gleichmäßig grau meliert gaukelt er Reife vor. Seine Schläfenlocken hängen ordentlich und schlaff herunter. Er gibt sich selbstverleugnend, doch seine Kleidung verrät die alte Verbover Liebe zum Protzen. Seine Waden in den seidigen Sockenhaltern und den weißen Strümpfen sind drall und muskulös. Die langen Füße sind in gebürstete schwarze Slipper aus Baumwollsamt gehüllt. Der Gehrock sieht aus wie frisch maßgefertigt von der Nadel von Moses and Sons auf der Asch Street. Nur das schlichte Strickkäppchen wirkt bescheiden. Darunter schimmert Baronshteyns raspelkurzes Haar, das dem Draht einer Schleifmaschine gleicht. Sein Gesicht zeigt keine Spur von Argwohn, aber Landsman kann sehen, an welchen Stellen sie sorgfältig ausradiert wurde.

»Reb Baronshteyn«, murmelt Berko und nimmt seinen Hut ab. Landsman tut es ihm nach.

Baronshteyn behält die Hände in den Taschen seiner Jacke, einem Satingehrock mit Veloursaufschlägen und Pattentaschen. Er bemüht sich, locker zu wirken, aber manche Männer wissen einfach nicht, wie sie mit den Händen in den Taschen herumstehen und dabei natürlich aussehen sollen.

»Was wollen Sie hier?«, fragt er. Demonstrativ schaut er auf die Uhr, stößt sie gerade lange genug unter der Manschette seines kurzfaserigen Baumwollhemds hervor, dass sie den Namen »Patek Phillipe« auf dem Ziffernblatt lesen können. »Es ist schon sehr spät.«

»Wir sind hier, um mit Rebbe Shpilman zu sprechen, Rabbi«, sagt Landsman. »Wenn Ihre Zeit so wertvoll ist, dann wollen wir sie sicherlich nicht damit verschwenden, mit Ihnen zu reden.«

»Es ist nicht meine Zeit, von der ich befürchte, dass Sie verschwendet wird, Detective Landsman. Und ich kann Ihnen auch sofort sagen, dass Sie nicht lange in diesem Haus bleiben werden, wenn Sie hier die respektlose Haltung und das schändliche Benehmen an den Tag legen möchten, für das Sie berüchtigt sind. Haben wir uns verstanden?«

»Ich glaube, Sie verwechseln mich mit dem anderen Detective Meyer Landsman«, sagt Landsman. »Ich bin derjenige, der nur seine Arbeit macht.«

»Dann sind Sie im Zuge einer Mordermittlung hier? Darf ich fragen, inwiefern das den Rebbe betrifft?«

»Wir müssen wirklich mit dem Rebbe persönlich sprechen«, sagt Berko. »Wenn er wünscht, dass Sie dabei sind, dürfen Sie gerne bleiben. Aber bei allem Respekt, Rabbi, wir sind nicht hier, um Ihre Fragen zu beantworten. Und wir sind nicht hier, um irgendjemandes Zeit zu verschwenden.«

»Ich bin nicht nur sein Berater, Detective, ich bin auch der Anwalt des Rebbes. Das wissen Sie.«

»Das ist uns bekannt, Sir.«

»Mein Büro ist auf der anderen Seite des Platzes«, sagt Baronshteyn, geht zur Haustür und hält sie auf wie ein gnädiger Portier. Durch den Spalt sieht man Schnee fallen, er glüht im Gaslicht wie ein nicht enden wollender Münzregen im Jackpot. »Ich bin überzeugt, dass ich all Ihre Fragen beantworten kann.«

»Baronshteyn, du Schnösel! Aus dem Weg!«

In seinem weiten, räudigen Mantel springt Zimbalist mit seinem Dunst von Mottenkugeln und Trauer auf die Füße, und der Hut rutscht ihm übers Ohr.

»Professor Zimbalist.« Baronshteyns Ton ist warnend, aber sein Blick wird scharf, als er die ruinierte Gestalt des Grenz-Mejwens registriert. Es könnte sein, dass er Zimbalist noch nie zuvor in Zusammenhang mit einer Gefühlsregung gesehen hat. Das Schauspiel weckt erkennbar sein Interesse. »Ich bitte Sie!«

1 ... 29 30 31 32 33 34 35 36 37 ... 104
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)