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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Man sah nur eine Anhäufung von Häusern, die schwerfällig auf einem ungeheuren, massigen Felsen sich erhoben; dieser Felsen beherrschte das Meer; unter ihm dehnte sich der Hafen aus, der durch ein Zurücktreten der Küste gebildet wird.

Mathias Sandorf war entschlossen, die Stadt nicht zu betreten, in der die Anwesenheit zweier Fremden schnell genug bekannt geworden wäre. Es handelte sich also darum, die Mauern zu umgehen, um wo möglich eine Stelle des Ufers selbst zu erreichen.

Die Flüchtlinge vollführten diese Absicht, sie wurden indessen schon seit Beginn ohne ihr Wissen von jenem Manne in einiger Entfernung verfolgt, der sie bereits am Ufer des Canals von Leme gesehen hatte – desselben Carpena, dessen Aussage vor dem Gensdarmen-Wachtmeister sie vernommen hatten. Verlockt durch die ausgesetzte Belohnung, hatte sich der Spanier auf dem Wege zu seiner Wohnung verborgen, um besser die Landstraße übersehen zu können, und der ihm günstige, jenen feindliche Zufall brachte ihn soeben wieder auf die Spur der Flüchtlinge.

Fast gleichzeitig drohte eine aus einem der Thore der Stadt kommende Schaar Polizisten ihnen den Weg abzuschneiden. Sie hatten gerade noch Zeit, sich seitwärts zu schlagen; dann stürmten sie die Hafenmauer entlang dem Meere zu.

Dort stand eine bescheidene Fischerhütte; ihre Fenster waren erleuchtet, die Thür weit offen. Wenn Mathias Sandorf und Stephan Bathory hier kein Unterkommen fanden, wenn man sich weigerte, sie aufzunehmen, so waren sie verloren. Hier Zuflucht suchen, das hieß zwar, Alles aufs Spiel setzen, doch durfte nicht länger gezögert werden.

Graf Sandorf und sein Genosse eilten auf die Thüre des Hauses zu und blieben an der Schwelle stehen.

Ein Mann war im Innern beim Scheine einer Schiffslampe damit beschäftigt, Netze auszubessern.

»Wollt Ihr mir sagen, mein Freund, wie diese Stadt sich nennt?

– Rovigno.

– Bei wem befinden wir uns hier?

– Bei dem Fischer Andrea Ferrato.

– Wäre der Fischer Andrea Ferrato geneigt, uns für diese Nacht bei sich aufzunehmen?«

Andrea Ferrato blickte die Angekommenen an; er trat an die Thür und bemerkte die Schaar der Polizisten, die gerade um die Ecke der Hafenmauer bog; er ahnte zweifellos, wer die Fremden waren, die ihn um Gastfreundschaft baten, und begriff, daß sie verloren waren, wenn er zögerte.

»Treten Sie ein!« sagte er

Die Flüchtigen aber beeilten sich nicht, über die Schwelle zu treten.

»Freund, sagte Graf Sandorf, es sind fünftausend Gulden Belohnung ausgesetzt für Denjenigen, welcher die Verurtheilten ausliefert, die aus dem Thurme von Pisino ausgebrochen sind.

– Ich weiß es.

– Und das Zuchthaus für Denjenigen, der sie bei sich aufnehmen sollte.

– Ich weiß es.

– Ihr könnt uns ausliefern…

– Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollen eintreten,« erwiderte der Fischer.

Und Andrea Ferrato schloß die Thür in dem Augenblicke, als bereits die Polizisten am Hause vorübergingen.

Achtes Capitel.

Das Haus des Fischers Ferrato.

Andrea Ferrato war ein Corse und stammte aus Santa Mazza, einem kleinen Hafen im Bezirke von Sartene, der hinter einem Vorsprunge des südlichen Kaps der Insel Corsika gelegen ist. Dieser Hafen, sowie diejenigen von Bastia und Porto Vecchio sind die einzigen, welche sich auf der Ostküste öffnen, die vor vielen Jahrtausenden willkürlich zerrissen wurde, jetzt aber durch das beständige Bespülen seitens der Strömungen wieder gleichmäßiger geformt ist; die Wogen haben nach und nach die Kaps fortgerissen, die Golfe ausgefüllt, die kleinen Buchten erweitert, die Risse beseitigt.

Dort in Santa Mazza, auf jenem schmalen Meerarme, der sich zwischen Corsica und dem italienischen Festlande ausbreitet, manchmal auch inmitten der Klippen der Meerenge zwischen Bonifazio und Sardinien, war Andrea Ferrato einst seinem Gewerbe als Fischer nachgegangen.

Vor zwanzig Jahren hatte er ein junges Mädchen aus Sartene geheiratet Zwei Jahre später hatte sie ihn mit einem Töchterchen beschenkt, welches auf den Namen Maria getauft wurde. Die Fischerei ist ein rauhes Handwerk, namentlich wenn man außer dem Fischfang auch die Korallenfischerei betreibt; behufs der letzteren muß man die Wasserbänke auf dem Grunde der gefährlichsten Stellen der Meerenge aufsuchen. Doch Andrea Ferrato war ein muthiger, kräftiger, unermüdlicher Mann, eben so geschickt in der Handhabung der Zugals der Scharrnetze. Sein Geschäft ging gut. Seine Frau, ebenfalls rührig und umsichtig, hielt nach Wunsch das kleine Haus in Santa Mazza in Ordnung. Beide waren, da sie lesen, schreiben, rechnen konnten, verhältnißmäßig gebildet, wenn man bedenkt, daß es, wie statistisch nachgewiesen wird, auch heute noch auf der Insel hundertfünfzigtausend Menschen unter den zweimalhundertsechzigtausend Einwohnern gibt, die weder lesen noch schreiben können.

Außerdem war Andrea Ferrato – vielleicht Dank seines Wissens – freimüthig in seinen Ansichten und seinen Gefühlen, und diese Besonderheit seines Wesens hatte ihm in seinem Kanton einige Feindschaft eingetragen.

Dieser auf der Südspitze der Insel gelegene Kanton, der sich fern von Bastia, fern von Ajaccio, fern von den Hauptsitzen der Regierung und der Gerichtsbarkeit befindet, zeigt sich noch Allem, was nicht italienisch oder corsikanisch heißt, gegenüber sehr verschlossen; neue Geschlechter erst können hier eine Aenderung der Ansichten und Zustände herbeiführen.

Es herrschte, wie gesagt, auch gegen die Familie Ferrato eine mehr oder minder gezeigte Feindschaft vor. Bei den Corsen ist es von der Feindschaft zum Haß nicht weit, vom Haß zu Ausschreitungen aber noch näher. Einige Umstände brachten bald ein offenes Zerwürfniß hervor. Eines Tages war Andrea Ferrato mit seiner Geduld zu Ende und in einer zornigen Aufwallung tödtete er einen ganz elenden Menschen, der ihm gedroht hatte. Er mußte flüchten.

Er war aber ganz und gar nicht der Mann dazu, sich in die corsische Wildniß zu begeben und in einem täglichen Kampfe gegen die Polizei oder gegen die Genossen und Freunde des Verstorbenen zu leben, eine endlose Folge der Blutrache herauf zu beschwören, welche schließlich die Seinigen am empfindlichsten getroffen hätte. Er entschloß sich, auszuwandern, und verließ heimlich Corsika, um auf die sardinische Küste hinüber zu ziehen. Seine Frau machte ihr kleines Besitzthum zu Geld, sie trat das Häuschen in Santa Mazza ab, verkaufte die Möbel, Barke und Netze und kam ihm mit ihrer Tochter nach. Er leistete darauf Verzicht, jemals in sein Heimatland zurückzukehren.

Der Mord, den Andrea Ferrato begangen, trotzdem er in rechtlicher Nothwehr verübt war, lastete doch schwer auf seinem Gewissen. Die mit der Muttermilch eingesogenen abergläubischen Anschauungen gaben ihm den Wunsch ein, den Mord zu sühnen. Er war der Ansicht, daß ihm der Todtschlag nur vergeben werden würde an dem Tage, an welchem er mit Gefahr des eigenen Lebens einem Anderen das Leben gerettet haben würde. Er war entschlossen, es zu thun, sobald sich ihm die Gelegenheit böte.

Andrea Ferrato war, nachdem er Corsica verlassen, nur eine kurze Zeit in Sardinien geblieben, weil er dort leicht erkannt und entdeckt werden konnte. Er war energisch und muthig und zagte gewiß nicht für sich, wohl aber für die Seinigen, welche unter den Vergeltungen, die dort Familie an Familie übt, am meisten zu leiden gehabt hätten. Er wartete den richtigen Augenblick ab, um sich entfernen zu können, ohne Mißtrauen zu erregen, und fuhr dann nach Italien hinüber. In Ancona wurde ihm Gelegenheit geboten, über die Adria nach Istrien zu kommen. Er benützte sie.

So beschaffen waren die Verhältnisse, welche diesen Corsen in den kleinen Hafen von Rovigno geführt hatten. Seit siebzehn Jahren betrieb er wieder die Fischerei; sie verschaffte ihm wieder die frühere günstige Vermögenslage. Neun Jahre nach seiner Ankunft in Rovigno wurde ihm ein Sohn, Namens Luigi, geboren; seine Geburt kostete der Mutter das Leben.

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