Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Henker von Paris - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Henker von Paris

Электронная книга - «Der Henker von Paris». Краткое содержание книги:

Charles-Henri Sanson fühlt sich zum Arzt berufen. Doch auf seiner Familie lastet ein Fluch, der ihm bereits in der Schule zum Verhängnis wird: Man erkennt ihn als Sohn des Henkers, eine medizinische Laufbahn bleibt ihm verwehrt, er muss in die Fußstapfen seines Vaters treten. Töten statt heilen. Sanson wird zum Gefangenen seines Schicksals, die Qualen der Todeskandidaten werden zu seinen eigenen. Tagsüber richtet er auf dem Schafott, abends spielt er Klavier, und nachts seziert er die Leichen, um die menschliche Anatomie zu erforschen. Während der Terrorherrschaft im Gefolge der Französischen Revolution guillotiniert Monsieur de Paris über 3000 Menschen. Die Stadt ertrinkt im Blut, und Sanson verliert allmählich den Verstand. Verzweifelt sucht er nach Menschlichkeit und Anerkennung. Die Liebe einer Siamesin, die er gleichwohl nicht heiraten darf, gibt ihm Halt. Bis sie selbst auf die Todeslisten der Revolutionäre gerät ...
Der Autor
Claude Cueni, geboren 1956 in Basel. Nach dem frühzeitigen Abbruch der Schule reiste er durch Europa, schlug sich mit zwei Dutzend Gelegenheitsjobs durch und schrieb Geschichten. Mittlerweile hat er über fünfzig Drehbücher für Film und Fernsehen sowie Theaterstücke, Hörspiele und Romane verfasst, u.a. den Bestseller Das Grosse Spiel über den Papiergelderfinder John Law, der bisher in zwölf Sprachen übersetzt wurde.
Coverfoto: Pierre-Antoine Demachy,
Une exécution capitale, place de la Révolution
(um 1793)
1 ... 28 29 30 31 32 33 34 35 36 ... 72
Перейти на страницу:

»Und somit auch kein Fluch. Ich bestimme allein über mein Schicksal?«

»Nicht ganz, es gibt Sachzwänge, familiäre Zwänge, finanzielle Zwänge, politische Zwänge. Aber der Mensch hat die Wahl. Wenn er nicht daran glaubt, hat er keine Wahl.«

Charles schwieg. Nach einer Weile sagte er: »Ich würde mich gerne mit der jungen Frau aus Siam unterhalten. Sie heisst Dan-Mali.«

Pater Gerbillon zog die Augenbrauen hoch. »Oh, das lässt sich einrichten, aber im Augenblick betet sie in der Kapelle. Trotzdem werden wir sie nicht von ihrem Buddha erlösen können. Sie hält unseren Christus für eine weitere Erscheinung Buddhas. Ich kann sie durchaus verstehen. Buddha ist die bessere Geschichte. Buddha ist tolerant. Buddhisten können sich der Liebe hingeben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wir hingegen, wir starren ständig auf das Jesuskreuz über dem knarrenden Bett und kriegen keinen mehr hoch.«

Charles starrte ihn ungläubig an.

»Ich bedaure, wenn ich dich schockiert habe, Charles, aber das Reisen in fremde Kontinente hilft dir, dein bisheriges Weltbild zu relativieren. Wenn du das Königreich Siam gesehen hast, siehst du alles mit anderen Augen.«

»Wann kann ich mit Dan-Mali reden?«, insistierte Charles. Das Gerede des Paters interessierte ihn jetzt nicht.

»Das wird schwierig. Ihre Französischkenntnisse sind noch sehr bescheiden, und sie kehrt mit der nächsten Expedition nach Siam zurück. Aber sie kommt wieder. Sie liebt Paris, und ich mag die junge Frau. Ich hätte sie gerne in unserem Kloster. Sie kocht wunderbar. Lass uns einfach in Kontakt bleiben, Charles. Eines Tages wirst du Dan-Mali wiedersehen.«

»Ich dachte, ich könnte sie gleich sehen.«

»Das ist keine gute Idee«, sagte Pater Gerbillon.

Damit war die Angelegenheit für Charles endgültig erledigt. Im Nachhinein war es ihm peinlich. Wahrscheinlich bedeutete er dieser jungen Frau nichts. Er hatte sich alles eingebildet. Wünsche, Hoffnungen, Träume, er schämte sich für seine Naivität. Um zu vergessen, wollte er sich fortan jenen Leuten zuwenden, die ihm applaudierten. In dieser Zeit gab es keine spektakulären Hinrichtungen, und sie dauerten nie lange, da Charles die Länge des Seils stets richtig berechnet hatte. Kleinkriminelle – Diebe, die aus Hunger und Verzweiflung stahlen, ein paar Eier auf dem Markt, ein Brot oder einen Apfel – wurden mit dem glühenden Eisen gebrandmarkt. Nach jeder Vorstellung verneigte sich Charles-Henri Sanson, der Henker von Paris, vor seinem Publikum. Immer mehr genoss er die Bewunderung von Leuten, die ihm eigentlich nichts bedeuteten. Man kann sich gegen vieles schützen im Leben, aber selten gegen Lob. Gegen Lob ist kaum jemand immun. Und Charles genoss die Bewunderung aus Trotz. Wenn Dan-Mali ihn wegen seines Berufes ablehnte, dann wollte er erst recht ein grosser Henker werden. Er wollte sich nicht länger verstecken und sein Amt verleugnen. Ja, er war Henker, der Henker von Paris. Und verdiente recht gut. Wenn jemand in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und ein Leben lang sehr bescheiden gelebt hat, ist dies ein besonderes Gefühl. Er wusste, dass Leute wie Antoine dies nie begreifen würden. Einige Menschen behaupten, Geld mache nicht glücklich. Das konnte er nicht bestätigen. Unglücklich machte es bestimmt nicht. Geld bedeutete Freiheit und Unabhängigkeit. Und war es nicht ein grosses Glück, wenn man einen Arzt aufsuchen konnte? Charles gewann eine gewisse Ruhe. Oder war es schon Übermut? Er gab bei einem Schneider in der Rue de la Reine einen eleganten Anzug aus hellem Tuch in Auftrag. Fortan flanierte er wie ein stolzer Pfau durch die Parkanlagen von Paris und genoss die schmachtenden Blicke der jungen Damen und die Bewunderung der einfachen Leute. Manchmal, wenn er allein zu Hause in der Pharmacie sass, schämte er sich für seinen Wandel. Es fiel ihm schwer, sein Verhalten zu verstehen, geschweige denn zu akzeptieren. Aber zu sehr hatte er darunter gelitten, dass man ihn und seine Familie all die Jahre derart geschnitten hatte. Dass er das Amt des Henkers in feinem Tuch ausüben wollte, war ein Akt der Rache. Er war Monsieur de Paris und trug die gleichen teuren Kleider wie die Leute, die ihn verachteten. Er war nicht bereit, wie sein Vater das Amt in aller Stille auszuführen und sich ansonsten unsichtbar zu machen. Die Stadt Paris sollte ihn sehen. Er war ihr Henker und tötete für sie. Und zu Hause wartete eine frisch gedruckte Encyclopédie auf ihn. Wer in Paris konnte sich schon Diderots Encyclopédie leisten?

Charles machte oft Spaziergänge im Jardin du Palais Royal und lernte mit den Jahren die geheime Sprache der Frauen. Eines Tages fiel ihm im Café eine Dame aus adligem Hause auf, die mit ihrem Fächer spielte und immer wieder zu ihm herüberblickte. Sie war nicht mehr ganz jung. Er verstand die kokette Sprache des Fächers durchaus und folgte der Einladung, sich an ihren Tisch zu setzen. Sie plauderten vergnüglich über Diderots Encyclopédie. Damit demonstrierte man nicht nur, dass man lesen konnte, sondern auch, dass man Geld hatte und eine gewisse Bildung. Diskret liess man Worte und Stichworte fallen, die mehr über den eigenen Stand verrieten, erwähnte beiläufig einen Jagdausflug, eine Theateraufführung oder ein Diner mit einflussreichen Persönlichkeiten. Die Dame war eine Marquise, das liess sie Charles sehr rasch wissen. Er entgegnete lediglich, er sei Beamter der Justizbehörden. Dann kam sie rasch zur Sache und fragte, ob ihn eine Frau zum Abendessen erwarte. Als er verneinte, schien sie erleichtert und bat, sie doch nach Hause zu begleiten. Die Stühle in diesem Café würden ihr Rückenschmerzen verursachen. Und lächelnd fügte sie hinzu, sie müsse sich etwas hinlegen. Sie nahmen eine Kutsche und fuhren zu ihrem Stadtpalast. Sie sagte der Dienerschaft, sie wolle nicht gestört werden. Dann durchquerten sie den üppig ausgestatteten Salon und betraten das Schlafzimmer.

»Verstehen Sie etwas von Massage?«

»Ja«, antwortete Charles, »ich bin mit der menschlichen Muskulatur vertraut. Soll ich Sie massieren, Madame?«

»Würden Sie das tun?«, fragte sie mit schmerzverzerrtem Gesicht.

»Natürlich«, sagte Charles schmunzelnd, »ich kann es nicht ertragen, wenn schöne Frauen leiden.«

Nun musste auch die Marquise schmunzeln. »Worauf warten Sie, Monsieur?«, seufzte sie und legte sich aufs Bett. »Ist es besser, wenn ich das Kleid ausziehe?«

»Viel besser«, sagte Charles und beugte sich über sie.

Sie küsste ihn, nur ganz kurz, und benässte mit ihrer Zunge seine Lippen. Sie fuhr sich mit der Hand zwischen die Schenkel und flüsterte: »Sie quälen mich, Monsieur, ich dachte, Sie wollen mein Leid lindern.« Dann griff sie Charles in den Schritt und sagte mit energischer Stimme: »Ziehen Sie endlich Ihre Hose aus, Monsieur. So wird das nichts.«

Charles zog sich aus, während sie ihn dabei beobachtete. »Ich mag Männer wie Sie. Jeder Bildhauer würde sich freuen, Sie als Modell zu haben. Was hat sich der liebe Gott wohl dabei gedacht, als er Sie erschaffen hat?«

»Er hat an Sie gedacht, Madame«, scherzte Charles.

»Sie meinen, er wollte uns Frauen verrückt machen? Oder sind Sie der Apfel im Garten Eden? Bringe ich Sie in Verlegenheit?« Sie drehte sich abrupt auf den Bauch. Charles begann Nacken und Schulterblätter zu massieren.

»Ich mag’s von hinten, Monsieur, wie unsere Vorfahren vor zehntausend Jahren. Und tun Sie es heftig, als würden Sie ein Verbrechen begehen oder eine kleine Schlampe bespringen. Und wenn Sie mich dabei noch lauthals beschimpfen, könnten Sie mein zukünftiger Liebhaber werden.«

1 ... 28 29 30 31 32 33 34 35 36 ... 72
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)