Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Mensch! Brianna!«
»Ich komme!«, rief sie und beeilte sich, so gut es ging. Sie watschelte und gab es auf, den Anschein von Eleganz erwecken zu wollen. Der Rauch war viel dichter, und irgendwo konnte sie ein leises Knistern hören – über ihr? Vor ihnen?
Sie atmete tief durch, obwohl es so qualmte. Sie holte stoßweise Luft und roch Wasser. Feuchtigkeit und Schlamm, totes Laub und frische Luft schnitten wie ein Messer durch den rauchigen Dunst.
Ein schwaches Glühen leuchtete durch den Rauch. Es nahm zu, als sie darauf zueilten, und ließ das Licht ihrer Laterne verblassen. Dann ragte ein dunkles Rechteck vor ihnen auf. Bonnet machte eine Wendung, ergriff ihren Arm und zog sie an die Luft hinaus.
Sie begriff, dass sie unter dem Kai waren; dunkles Wasser plätscherte vor ihnen, und Licht tanzte darauf. Spiegelungen, das Licht kam von oben und das Knistern der Flammen ebenfalls. Bonnet blieb weder stehen, noch ließ er ihren Arm los; er zog sie zur Seite in das hohe, nasskalte Gras und auf das schlammige Ufer. Nach ein paar Schritten ließ er sie los, doch sie folgte ihm. Sie holte japsend Luft, glitt rutschend aus und stolperte über ihre durchnässten Rocksäume.
Schließlich blieb er im Schatten der Bäume stehen. Er bückte sich und ließ Greys Körper zu Boden gleiten. Er blieb einen Augenblick vornübergebeugt stehen, und seine Brust hob und senkte sich, während er versuchte, wieder zu Atem zu kommen.
Brianna stellte fest, dass sie beide Männer deutlich sehen konnte, jede Knospe an den Zweigen des Baumes sehen konnte. Sie drehte sich um, blickte zurück und sah, dass das Lagerhaus erleuchtet war wie eine Kürbislaterne und die Flammen durch Risse in den Holzwänden schlugen. Die riesigen Türflügel waren offen gelassen worden; während sie hinsah, schob der heiße Luftzug einen davon auf, und kleine Feuerzungen begannen, über das Dock zu kriechen, täuschend klein und verspielt.
Sie spürte eine Hand auf ihrer Schulter, wirbelte herum und sah in Bonnets Gesicht.
»Ein Schiff wartet auf mich«, sagte er. »Ein kleines Stück flussaufwärts. Wollt Ihr vielleicht mitkommen?«
Sie schüttelte den Kopf. Sie hielt nach wie vor das Gewehr im Arm, doch sie brauchte es nicht länger. Er stellte keine Bedrohung mehr für sie dar.
Er ging immer noch nicht, sondern verharrte und starrte sie an, die Stirn leicht gerunzelt. Sein Gesicht war verhärmt, und das Feuer höhlte es aus und füllte es mit Schatten. Die Wasseroberfläche stand jetzt in Flammen, und kleine Feuerzungen flackerten auf dem dunklen Wasser auf, als sich ein Terpentinfilm darauf ausbreitete.
»Ist es wahr?«, sagte er abrupt. Er bat nicht um Erlaubnis, sondern legte ihr beide Hände auf den Bauch. Bei Bonnets Berührung zog er sich erneut zusammen, rundete sich erneut in einem atemberaubenden, schmerzlosen Ziehen, und ein erstaunter Ausdruck überzog das Gesicht des Mannes.
Sie fuhr vor seiner Berührung zurück, zog ihren Umhang zusammen und nickte, unfähig zu sprechen.
Er ergriff sie am Kinn und sah ihr ins Gesicht – versuchte er vielleicht abzuschätzen, ob sie die Wahrheit sprach? Dann ließ er sie los, steckte sich einen Finger in den Mund und tastete in seiner Wangenhöhle herum.
Er nahm ihre Hand und legte ihr etwas Hartes, Festes in die Handfläche.
»Dann ist das für seinen Unterhalt«, sagte er und grinste sie an. »Pass gut auf ihn auf, Schätzchen!«
Und dann war er fort, schritt langbeinig das Ufer hinauf, vom flackernden Licht wie ein Dämon umrissen. Das ins Wasser strömende Terpentin hatte Feuer gefangen, und aufgewühlte Schwaden aus scharlachrotem Licht schossen himmelwärts, schwimmende Feuersäulen, die das Ufer taghell erleuchteten.
Sie erhob die Muskete halb, den Finger am Abzug. Er war nicht mehr als zwanzig Meter von ihr entfernt, ein perfekter Schuss. Nicht von deiner Hand. Sie senkte das Gewehr und ließ ihn ziehen.
Das Lagerhaus stand jetzt völlig in Flammen; die Hitze schlug ihr gegen die Wangen und blies ihr das Haar aus dem Gesicht.
»Ich habe ein Schiff flussaufwärts«, hatte er gesagt. Sie blinzelte in die Feuersbrunst. Das Feuer füllte fast den ganzen Fluss aus, ein riesiger, schwimmender Film, der von Ufer zu Ufer in einem feurigen Garten voller Flammenknospen erblühte. Nichts konnte diese blendende Mauer aus Licht durchdringen.
Ihre andere Faust umschloss immer noch den Gegenstand, den er ihr gegeben hatte. Sie öffnete die Hand und sah auf den feuchten, schwarzen Diamanten hinab, der in ihrer Handfläche glitzerte. Das Feuer glühte rot und blutig in seinen Facetten auf.
Zwölfter Teil
Je t’aime
Kapitel 63
Vergebung
River Run
Mai 1770
Das ist die sturste Frau, der ich je begegnet bin!« Brianna rauschte durch das Zimmer wie ein Schiff unter vollen Segeln und ließ sich mit wehenden Röcken in den Sessel neben dem Bett sinken.
Lord John Grey öffnete ein Auge, das blutunterlaufen unter seinem Bandagenturban hervorlugte.
»Deine Tante?«
»Wer denn sonst?«
»Du hast doch einen Spiegel in deinem Zimmer, oder?« Sein Mund verzog sich, und nach einem Moment des Zögerns folgte auch der ihre.
»Es ist ihr verdammtes Testament. Ich habe ihr gesagt, dass ich River Run nicht haben will, dass ich keine Sklaven halten kann – aber sie weigert sich, es zu ändern! Sie lächelt einfach nur, als wäre ich eine Sechsjährige, die einen Wutanfall hat, und sagt, wenn es so weit ist, werde ich noch froh darüber sein. Froh!« Sie schnaubte und warf sich in eine bequemere Position herum. »Was mache ich nur?«
»Nichts.«
»Nichts?« Sie richtete die ganze Energie ihrer Verärgerung auf ihn. »Wie kann ich denn nichts tun?«
»Erstens wäre ich extrem überrascht, wenn Eure Tante nicht unsterblich wäre; so manches Mitglied dieser Schottensippe scheint es zu sein. Sollte sich dies allerdings« – winkte er ab – »als unwahr herausstellen, und sollte sie weiter die Wahnvorstellung hegen, dass du dich als gute Herrin für River Run erweisen könntest –«
»Warum meinst du, dass ich das nicht könnte?«, fragte sie voll verletztem Stolz.
»Du kannst eine Plantage von dieser Größe nicht ohne Sklaven betreiben, und du lehnst es aus Gewissensgründen ab, Sklaven zu besitzen, das hat man mir zumindest zu verstehen gegeben. Obwohl ich noch nie eine Frau gesehen habe, die eine schlechtere Quäkerin abgeben würde.« Er verengte sein geöffnetes Auge und spielte auf das immense Zelt aus lila gestreiftem Musselin an, in das sie gehüllt war. »Um auf unser Thema zurückzukommen – oder eins davon –, solltest du dich als unfreiwillige Erbin einer Anzahl von Sklaven wiederfinden, so lässt sich ihre Befreiung zweifellos arrangieren.«
»Nicht in North Carolina. Die Versammlung –«
»Nein, nicht in North Carolina«, pflichtete er ihr geduldig bei. »Sollte es dazu kommen, dass du in den Besitz von Sklaven gerätst, wirst du sie mir einfach verkaufen.«
»Aber das ist –«
»Und ich bringe sie nach Virginia, wo ihre Freilassung weniger strengen Kontrollen unterliegt. Sobald sie frei sind, zahlst du mir das Geld zurück. An diesem Punkt wirst du völlig heruntergewirtschaftet und mittellos sein, was ja dein sehnlichster Wunsch zu sein scheint, gleich nach deiner kategorischen Ablehnung deines persönlichen Glücks, indem du dafür sorgst, dass du den Mann, den du liebst, nicht heiraten kannst.«
Sie legte eine Handvoll Musselinstoff mit den Fingern in Falten und sah den großen Saphir, der an ihrer Hand glitzerte, stirnrunzelnd an.
»Ich habe versprochen, dass ich ihn zumindest anhören werde.« Sie sah Lord John scharf an. »Obwohl ich immer noch finde, dass es emotionale Erpressung ist.«