Poker um die Zukunft
- Автор: Саймак Клиффорд Д.
- Язык: немецкий
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Poker um die Zukunft». Краткое содержание книги:
Der zweite Glücksspielautomat wirft Goldmünzen aus, wie sie Lansing noch nie gesehen hat...
Der dritte Glücksspielautomat nimmt schließlich Lansings Geld an -und transportiert ihn in eine andere Welt...
...aber hier fängt das Glücksspiel erst an! Jetzt gilt es für Lansing und die anderen Leidensgenossen, die er dort trifft - einen Brigadegeneral, einen selbstgefälligen Pastor, eine Ingenieurin, eine Dichterin und den Roboter Jürgens - , Rätsel zu lösen, die unlösbar scheinen. Und doch hängt vom Gelingen dieser Aufgabe ihr Überleben ab - und nicht nur ihr eigenes...
Titel der Originalausgabe »Special Deliverance« Copyright © 1982 by Clifford D. Simak Aus dem Amerikanischen von Ulrich Kiesow Umschlagillustration Bob Fowke
»Da ist er ja«, sagte Mary unvermittelt. »Hier ist der Schraubenschlüssel, mit dem er die Riegel gelockert haben muß.« »Er ist mir gestern schon aufgefallen«, sagte Jürgens. »Er hing an einem Haken neben der Tür.«
Mary bückte sich und hob den Schlüssel auf. »So«, sagte der General, »nachdem alle ihre verrückte Phase hinter sich haben, wollen wir uns wieder wie vernünftige Menschen benehmen. Wir schrauben jetzt die Riegel fest, anschließend werfen wir den Schlüssel fort.«
»Woher wissen Sie, daß dies eine einseitig benutzbare Tür ist?« fragte Sandra.
»Ich weiß es nicht«, sagte der General, »aber ich möchte darauf wetten.«
Und das ist der springende Punkt, dachte Lansing. Niemand konnte es wissen, auch der General nicht. Aber solange die Frage nicht völlig geklärt war, durfte eben keiner die Tür passieren.
»Es gibt keine Möglichkeit, es festzustellen«, sagte Jürgens, »außer, man geht durch die Tür. Und dann kann es zu spät sein.«
»Wie wahr«, stimmte der General zu. »Und deshalb wird es auch keiner ausprobieren.«
Er streckte die Hand aus, Mary gab ihm den Schraubenschlüssel, »Leuchten Sie hierherüber«, sagte er, »im Hellen kann ich besser arbeiten.«
18
»Er ist geflohen«, sagte der General. »Lansing, als er gestern mit Ihnen geredet hat, erwähnte er da irgend etwas in dieser Richtung?« »Von Fliehen hat er nicht gesprochen, da bin ich mir sicher. Aber er war völlig verzweifelt. Er bezeichnete diesen Ort als Hölle, und er meinte damit die wirkliche, biblische Hölle. Es war kein Fluchen.«
»Er war ein schwacher Mensch«, stellte der General fest. »Er hat die feige Lösung gewählt. Er war also der erste von uns.« »Das klingt so, als erwarteten Sie, daß noch mehr von uns gehen werden«, sagte Sandra mit tränenerstickter Stimme. »Es passieren immer wieder Unglücke«, sagte der General. »Damit muß man rechnen. Sie werden natürlich Ihr möglichstes tun, damit ein akzeptabler Prozentsatz nicht überschritten wird.«
Lansing verzog das Gesicht. »Wenn Sie das für witzig halten, dann lassen Sie sich sagen, daß ich Ihren Humor abstoßend finde. Von uns werden Sie keine Lacher ernten.« »Und als nächstes werden Sie uns sicher erzählen, daß wir weitermachen müssen«, wandte sich Mary an den General. »Auch ohne den Pastor müssen wir weitermachen, nicht wahr?« »Natürlich«, sagte der General, »das ist unsere einzige Chance. Wenn wir hier nichts finden.«
»Und wenn wir etwas finden, dann behaupten Sie wieder, es sei eine Falle«, unterbrach ihn Sandra. »Dann trauen Sie sich nicht, es zu benutzen. Wir dürfen die Türen nicht benutzen, weil es Fallen sein könnten.«
»Bei den Türen bin ich mir ganz sicher«, erwiderte der General. »Ich möchte keinen von Ihnen dabei erwischen, wie er die Frage zu klären versucht.«
»Ich habe durch das Guckloch gespäht«, sagte Jürgens, »aber von dem Pastor war keine Spur zu entdecken.« »Was haben Sie denn erwartet?« fragte der General. »Dachten Sie, er steht da und macht uns eine lange Nase? In dem Augenblick, als er durch die Tür trat, riß er alle Brücken hinter sich ab. Er floh, so schnell er konnte. Er wollte sich überhaupt keine Möglichkeit zur Rückkehr offenhalten.« »Vielleicht war es für ihn das Beste«, sagte Mary. »Vielleicht ist er dort glücklich. Ich erinnere mich noch an seinen Gesichtsausdruck, als er zum erstenmal durch das Guckloch blickte. Damals wirkte er glücklich, und es war das einzige Mal, daß ich ihn glücklich erlebte. Auf dieser Welt gab es etwas, das ihn anzog. Uns alle, glaube ich, aber ihn besonders.«
»Ja, ich entsinne mich genau«, sagte Lansing. »Er war glücklich. Er hatte zum erstenmal die Mundwinkel nicht herabgezogen.« »Was schlagen Sie beide also vor?« fragte der General. »Sollen wir uns vor der Tür aufstellen und im Gänsemarsch hindurchspazieren?«
»Nein«, sagte Mary. »Für uns wäre das nicht die richtige Lösung, aber für den Pastor war sie angemessen. Es war sein einziger Ausweg, und ich hoffe, er ist dort glücklich.« »Glück sollte nicht unser einziges Ziel sein«, sagte der General. »Todessehnsucht aber auch nicht«, erwiderte Mary. »Das ist es nämlich, was Sie antreibt. Ich bin davon überzeugt, daß Ihre wunderbare Stadt uns einen nach dem anderen umbringen wird. Edward und ich werden nicht hierbleiben und abwarten, bis wir an der Reihe sind. Morgen früh verlassen wir die Stadt.« Lansing sah sie über das Feuer hinweg an, und einen Augenblick lang spürte er den Impuls, zu ihr hinüberzugehen und sie in die Arme zu schließen. Er tat es nicht, er blieb auf seinem Platz sitzen.
»Wir dürfen uns nicht aufsplittern«, sagte der General verzweifelt. »Unsere einzige Stärke ist unser Zusammenhalt. Sie verfallen in Panik.«
Sandra begann zu weinen. »Es ist alles meine Schuld«, schluchzte sie. »Wenn ich dageblieben wäre und besser aufgepaßt hätte.«
»Machen Sie sich deswegen keine Sorgen«, versuchte Jürgens sie zu trösten. »Er wäre in jedem Fall geflohen. Er hätte auf eine andere Gelegenheit gewartet. Wenn es nicht heute passiert, passiert es morgen. Er hätte gewiß nicht eher Ruhe gegeben, bis er die andere Welt erprobt hätte.«
»Ich denke, Jürgens hat recht«, sagte Lansing. »Er war ein verzweifelter Mensch, am Ende seiner Kraft. Wie schlimm es um ihn stand, wurde mir erst gestern abend bei unserem Gespräch klar. Ich bin überzeugt, niemand von uns trägt die Verantwortung für das, was geschehen ist.« »Und wie steht es mit Ihrer Flucht?« fragte der General. »Was sagen Sie dazu, Lansing?«
»Meiner Überzeugung nach sollten wir alle diesen Ort so schnell wie möglich verlassen«, antwortete Lansing. »Etwas Bedrohliches liegt über der Stadt, das haben Sie sicher auch schon gespürt. Sie ist tot, dennoch gibt es hier etwas, das uns beobachtet. Es beobachtet jeden Schritt, den wir machen. Eine Zeitlang kann man das Gefühl verdrängen, aber plötzlich ist es wieder da.«
»Und wenn wir übrigen hierbleiben?«
»Dann müssen Sie ohne uns hierbleiben. Ich verlasse die Stadt, und Mary kommt mit mir.«
Während Lansing sprach, bemerkte er, daß ihm sein Entschluß, die Stadt zu verlassen, erst in dem Augenblick bewußt geworden war, als Mary davon gesprochen hatte. Woher hatte sie es gewußt, fragte er sich. Welche unbewußte Kommunikation spielte sich zwischen ihnen ab? »Geben Sie mir noch ein paar Tage«, bat der General. »Mehr verlange ich nicht. Wenn sich innerhalb der nächsten Tage nichts ergibt, dann werden wir alle zusammen aufbrechen.« Die beiden schwiegen.
»Drei Tage«, drängte er. »Nur noch drei Tage.« »Ich bin kein Mensch, der seinen Partner bei einem Handel in die Enge treibt«, sagte Lansing. »Wenn Mary einverstanden ist, können wir uns auf zwei Tage einigen. Zwei Tage und keine Minute länger.«
Der General sah Mary fragend an.
»Also gut«, sagte sie. »Zwei Tage.«
Inzwischen war die Nacht hereingebrochen. Später würde der Mond aufgehen. Aber jetzt, nachdem die Sonne vom Himmel verschwunden war, lag die Stadt in tiefster Finsternis. Jürgens erhob sich unvermittelt. »Ich werde mich um das Abendbrot kümmern«, sagte er.
»Nein, lassen Sie mich das machen«, sagte Sandra. »Es lenkt mich ab, wenn ich etwas zu tun habe.«
Weit in der Ferne erscholl das schreckliche Schreien. Beim ersten Klang erstarrten alle; keiner rührte sich vom Fleck, alle lauschten wie gebannt. Und wieder, wie schon am Abend zuvor, schrie vom Hügel über der Stadt dieses einsame Wesen sein Elend in die Nacht hinaus.
19
Am Spätnachmittag des zweiten Tages machten Mary und Lan-sing die Entdeckung.
Zwischen zwei Gebäuden am Ende einer schmalen Gasse bemerkten sie ein Loch. Lansing leuchtete mit der Taschenlampe hinein. Der Lichtstrahl enthüllte eine steile Treppe. »Warten Sie hier«, sagte er. »Ich werde hinabsteigen und mich einmal umsehen. Es wird ohnehin wieder eine Niete sein.« »Nein«, sagte sie. »Ich komme mit. Ich möchte nicht allein zurückbleiben.«