Poker um die Zukunft
- Автор: Саймак Клиффорд Д.
- Язык: немецкий
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Poker um die Zukunft». Краткое содержание книги:
Der zweite Glücksspielautomat wirft Goldmünzen aus, wie sie Lansing noch nie gesehen hat...
Der dritte Glücksspielautomat nimmt schließlich Lansings Geld an -und transportiert ihn in eine andere Welt...
...aber hier fängt das Glücksspiel erst an! Jetzt gilt es für Lansing und die anderen Leidensgenossen, die er dort trifft - einen Brigadegeneral, einen selbstgefälligen Pastor, eine Ingenieurin, eine Dichterin und den Roboter Jürgens - , Rätsel zu lösen, die unlösbar scheinen. Und doch hängt vom Gelingen dieser Aufgabe ihr Überleben ab - und nicht nur ihr eigenes...
Titel der Originalausgabe »Special Deliverance« Copyright © 1982 by Clifford D. Simak Aus dem Amerikanischen von Ulrich Kiesow Umschlagillustration Bob Fowke
Sandra hatte nichts dagegen, bei dem Pastor zu bleiben, und nach dem Frühstück machten sich die anderen auf den Weg. Der General hatte die Expedition gut vorbereitet. »Lansing, Sie und Mary übernehmen die Straße dort drüben und gehen bis zum Ende durch. Wenn Sie damit fertig sind, wechseln Sie zur nächsten Straße und kommen auf ihr hierher zurück. Jürgens und ich übernehmen diese Straße und machen es genauso.«
»Wonach sollen wir Ausschau halten?« fragte Mary. »Nach allem, was ungewöhnlich ist. Prüfen Sie alles, was Ihnen auffällt. Auch wenn es nur eine Bodenwelle ist. Es zahlt sich manchmal aus, Bodenwellen nachzuspüren. Ich wünschte, wir hätten genug Zeit und Leute, um die Stadt systematisch zu durchsuchen, aber leider ist das nicht möglich. Wir müssen uns schon auf unser Glück verlassen.«
»Das hört sich alles ein wenig zufällig an«, bemerkte Mary. »Von Ihnen hätte ich einen Plan erwartet, der mehr Logik enthält.«
Mary und Lansing gingen die Straße hinab, die ihnen zugeteilt worden war. An vielen Stellen war der Weg von herabgestürztem Mauerwerk teilweise blockiert. Es gab nichts Ungewöhnliches zu sehen. Die Häuser waren schäbig und verfallen, und man konnte sie kaum voneinander unterscheiden. Sie wirkten wie Wohnhäuser, aber sichere Anzeichen gab es dafür nicht. Ein paar Gebäude durchsuchten sie. Es war nichts Ungewöhnliches an den Häusern, sie taten es nur aus Pflichtbewußtsein, konnten aber nichts entdecken. Die Räume waren kahl und deprimierend; die alles bedeckende Staubschicht wies keine Spuren auf, die auf ein früheres Eindringen hingedeutet hätten. Lansing versuchte, sich die Zimmer in bewohntem Zustand vorzustellen, belebt von fröhlichen Menschen, die schwatzten und lachten, merkte aber bald, daß es ihm unmöglich war, solche Bilder heraufzubeschwören, und stellte den Versuch ein. Die Stadt war tot, die Häuser waren tot, die Zimmer waren tot. Sie waren schon zu lange tot, um noch Geister zu beherbergen. Sie hatten jegliche Erinnerung verloren, nichts war zurückgeblieben.
»Diese Suche nach einer unbekannten Größe kommt mir ziemlich sinnlos vor«, seufzte Mary. »Selbst wenn das, was wir suchen, hier in der Stadt ist - und dafür gibt es bisher keinen Anhaltspunkt -, kann es Jahre dauern, bis wir es finden. Wenn Sie mich fragen, ich glaube, der General ist verrückt.« »Er selbst ist wahrscheinlich nicht verrückt«, sagte Lansing, »er verfolgt nur ein verrücktes Ziel. Schon bei dem Würfel war er sicher, die Antwort auf unsere Fragen in der Stadt zu finden. Natürlich hatte er sich die Stadt damals anders vorgestellt. Er glaubte, wir würden hier Menschen antreffen.« »Da aber nun einmal keine hier sind, wäre es da nicht vernünftiger, wenn er seine Meinung änderte?« »Für Sie und mich wäre das angemessen: Wir können Fehler zugeben und uns auf eine veränderte Situation einstellen. Der General ist da anders; wenn er sich etwas vorgenommen hat, dann führt er es auch aus. Wenn er sagt, eine Sache sei so und so, dann ist sie auch so. Er wäre niemals bereit, seine Meinung zu ändern.«
»Und was, meinen Sie, können wir dagegen unternehmen?« »Gar nichts, wir müssen uns damit abfinden. Wir machen so weiter wie bisher. Vielleicht läßt er sich ja doch eines Tages überzeugen.«
»Ich fürchte, da müssen wir lange warten.«
»Dann müssen wir uns also entscheiden, was wir tun sollen«, sagte Lansing. »Mein Vorschlag wäre, ihm ein paar auf seinen Dickkopf zu geben.« Er grinste sie an, sie lächelte zurück.
»Das ist vielleicht eine Spur zu boshaft«, sagte sie, »aber ansonsten gefällt mir der Gedanke nicht schlecht.« Während der Unterhaltung hatten sie auf einer Steinplatte gesessen. Als sie sich erhoben, um weiterzusuchen, sagte Mary unvermittelt: »Hören Sie! Schreit da nicht jemand?« Einen Moment lang standen sie starr nebeneinander und lauschten, dann wiederholte sich das Geräusch, fern und schwach. Es war der Klang einer weiblichen Stimme.
»Sandra!« schrie Mary und stürmte im gleichen Augenblick die Straße hinab auf den Platz zu. Sie rannte leichtfüßig wie eine Gazelle, Lansing hatte Mühe ihr zu folgen. Die Straße war eng und kurvenreich, und die überall verstreuten Steinbrocken erschwerten ein rasches Vorwärtskommen.
Ein paarmal noch hörte Lansing die Schreie. Schließlich erreichte er den Platz, Mary hatte ihn schon halb überquert. Auf der Treppe stand Sandra und schwenkte verzweifelt die Arme. Sie schrie immer noch. Lansing versuchte, sein Tempo zu steigern, aber die Beine gehorchten ihm nicht.
Mary flog die Treppe hinauf und nahm Sandra in die Arme. Eng umschlungen standen die beiden Frauen da. Am Rande seines Blickfeldes sah Lansing den General auf den Platz einbiegen. Verbissen rannte er weiter, erreichte den Fuß der Treppe und hastete sie hinauf. »Was ist los?« keuchte er.
»Es geht um den Pastor«, sagte Mary. »Er ist verschwunden.« »Verschwunden? Sandra sollte doch auf ihn aufpassen.« »Ich mußte zur Toilette«, schrie Sandra hysterisch. »Ich mußte ein stilles Plätzchen finden! Es hat nur eine Minute gedauert.« »Haben Sie schon überall nachgesehen?« fragte Mary. »Natürlich habe ich ihn gesucht«, kreischte Sandra. »Überall!« Schwer atmend stapfte der General die Treppe empor. Weit hinter ihm hüpfte Jürgens über den Platz. In dem Versuch, rascher voranzukommen, schlug er wie wild mit der Krücke auf den Boden. »Was ist das für ein Aufruhr?« wollte der General wissen.
»Der Pastor ist verschwunden«, antwortete Lansing.
»Er ist also weggelaufen«, stellte der General fest. »Das Häschen ist da vongehoppelt.«
»Ich habe schon überall nach ihm gesucht«, jammerte Sandra. »Ich weiß, wo er ist«, sagte Mary. »Ich bin mir ziemlich sicher.« »Ich auch«, sagte Lansing und lief auf den Eingang zu. »Neben meinem Schlafsack liegt eine Taschenlampe. Ich bewahre sie dort immer auf«, rief Mary, während sie hinter ihm herrannte.
Lansing sah die Lampe und hob sie im Laufen auf. Er eilte zur Kellertreppe. Während er die Stufen hinabhastete, murmelte er: »Dieser Narr. Was ist er nur für ein schrecklicher Dummkopf!« Er erreichte den Keller und stürzte auf den Hauptkorridor zu. Der tanzende Lichtkegel der Taschenlampe erleuchtete den Weg vor ihm.
Vielleicht komme ich ja noch rechtzeitig, dachte er, ich könnte es noch schaffen. Aber er wußte genau, daß es ihm nicht gelingen würde.
Er schaffte es nicht rechtzeitig.
Der große Raum am Ende des Ganges war leer. Die Gucklöcher leuchteten schwach in der Dunkelheit.
Als er die erste Tür erreicht hatte, die Tür zur »Apfelblütenwelt«, strahlte er sie mit der Taschenlampe an. Die Riegel, mit denen die Tür gesichert war, hingen lose an einer Seite herab.
Lansing griff nach der Tür, wurde aber von einem kräftigen Schlag nach hinten gerissen. Die Taschenlampe fiel ihm aus der Hand und rollte nun, immer noch eingeschaltet, über den Boden. Lansing hatte sich bei dem Sturz den Kopf gestoßen; bunte Flecken tanzten vor seinen Augen, aber er kämpfte verzweifelt gegen die Kraft an, die ihn zu Boden drückte. »Sie Idiot!« schnauzte der General. »Was hatten Sie vor?« »Der Pastor«, stammelte Lansing. »Er ist durch die Tür gegangen.«
»Und Sie wollten ihm folgen?«
»Warum, ja natürlich. Vielleicht hätte ich ihn gefunden.« »Sie unverbesserlicher Narr«, schimpfte der General. »Das ist eine Tür, die man nur in einer Richtung benutzen kann. Sie können hindurchgehen, aber nicht wieder zurückkommen. Sie treten über die Schwelle und werden feststellen, daß keine Tür mehr da ist. Versprechen Sie, sich anständig zu benehmen, wenn ich Sie jetzt loslasse?«
Mary hob die Taschenlampe auf und richtete den Lichtkegel auf Lansing.
»Der General hat recht«, sagte sie. »Es könnte sich um eine solche Tür handeln.«
Dann schrie sie auf: »Sandra, lassen Sie das sein!«
Noch während sie schrie, schoß Jürgens' Krücke aus dem Dunkel vor und stieß Sandra zur Seite.
Der General rappelte sich hoch und stellte sich mit dem Rücken gegen die Tür, um sie gegen alle Eindringlinge zu bewachen. »Hören Sie gut zu«, sagte er. »Niemand wird durch diese Tür gehen, niemand darf sie auch nur berühren.« Unsicher schwankend stand Lansing auf. Jürgens half Sandra auf die Füße.