Poker um die Zukunft
- Автор: Саймак Клиффорд Д.
- Язык: немецкий
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Poker um die Zukunft». Краткое содержание книги:
Der zweite Glücksspielautomat wirft Goldmünzen aus, wie sie Lansing noch nie gesehen hat...
Der dritte Glücksspielautomat nimmt schließlich Lansings Geld an -und transportiert ihn in eine andere Welt...
...aber hier fängt das Glücksspiel erst an! Jetzt gilt es für Lansing und die anderen Leidensgenossen, die er dort trifft - einen Brigadegeneral, einen selbstgefälligen Pastor, eine Ingenieurin, eine Dichterin und den Roboter Jürgens - , Rätsel zu lösen, die unlösbar scheinen. Und doch hängt vom Gelingen dieser Aufgabe ihr Überleben ab - und nicht nur ihr eigenes...
Titel der Originalausgabe »Special Deliverance« Copyright © 1982 by Clifford D. Simak Aus dem Amerikanischen von Ulrich Kiesow Umschlagillustration Bob Fowke
»Ich habe Ihnen doch schon gesagt, die Türen sind Fallen«, versetzte der General. »Gehen Sie durch eine hindurch. Sie werden niemals wiederkehren.«
»Die Bewohner dieser Stadt haben sich offenbar sehr für andere Welten interessiert«, warf Mary ein. »Da sind nicht nur die Türen, sondern auch der Bildgeber. Was in ihm zu sehen ist, muß ebenfalls eine andere Welt sein.«
»Eines wissen wir allerdings nicht«, bemerkte Sandra. »Handelt es sich um reale Welten oder um reine Gedankenkonstruktionen? Mir ist nämlich der Gedanke gekommen, daß wir es mit einer Kunstform zu tun haben könnten, einer ungewöhnlichen Kunst, das gebe ich zu, aber wer will sagen, welche Gesichter die Kunst nicht anzunehmen vermag?« »Was Sie da sagen, halte ich für einen bodenlosen Unsinn!« schnauzte der General. »Welcher Künstler, der seine fünf Sinne beisammen hat, würde den Betrachter zwingen, sich die künstlerischen Schöpfungen durch ein Guckloch anzuschauen. Jeder Maler hängt seine Bilder an die Wand, so daß jedermann sie sehen kann.«
»Ihr Vorstellungsvermögen ist eben beschränkt«, erwiderte die Dichterin. »Woher wollen Sie wissen, was der Künstler im Sinn gehabt hat oder wieso er eine bestimmte Ausdrucksform wählte? Vielleicht wollte er den Beschauer zwingen, sich ganz auf das Werk zu konzentrieren, vielleicht wollte er alle störenden Einflüsse der Umwelt ausschalten. Und dann die Stimmungen. Haben Sie denn überhaupt nicht bemerkt, daß sich hinter jedem Guckloch eine andere, genau zu ermittelnde Stimmung verbirgt? Jede Welt spricht direkt ein bestimmtes Gefühl in uns an. Das deutet doch darauf hin, daß es sich hier tatsächlich um eine Kunstform handelt.« »Ich kann nicht glauben, daß das Kunst sein soll«, beharrte der General starrköpfig. »Für mich sind das Türen zu anderen Welten, und wir halten uns am besten von ihnen fern.« »Eine Sache haben wir bisher ganz außer acht gelassen«, sagte Mary unvermittelt. »Ich meine die Karten, die Edward und Jürgens gefunden haben. Vielleicht sind es gar Karten von den Welten hinter den Türen. Wenn das der Fall wäre, käme das dem Beweis gleich, daß man in die Welten hinein- und wieder zurückgelangen kann.«
»So könnte es sein«, bemerkte der General. »Aber dazu müßten wir wissen, auf welche Weise die Rückehr zustandekommt. Und eben davon haben wir keine Ahnung.«
»Die Landkarten könnten auch Teile der Welt wiedergeben, in der wir uns jetzt befinden«, sagte Jürgens. »Doch wie sollen wir das erkennen, da wir bisher nur einen kleinen Teil dieser Welt gesehen haben?«
Lansing griff nach den Karten. »Eine von ihnen könnte tatsächlich ein Gebiet dieser Welt zeigen. Diese hier.« Er breitete eine Karte auf dem Boden aus. »Sehen Sie, das hier ist möglicherweise die Stadt. Eine schraffierte Fläche, das allgemeine Symbol für eine Stadt. Dieser Strich hier könnte die Straße sein, auf der wir gekommen sind. Dann wäre das schwarze Rechteck das Gasthaus.«
Der General beugte sich über das Kartenblatt. »Hmhm«, murmelte er. »Hier ist tatsächlich etwas, das wie eine Stadt aussieht. Und ein Strich, der sie mit einem Kästchen verbindet, das das Gasthaus sein könnte. Aber was ist mit dem Würfel? Hier ist nichts eingezeichnet, das den Würfel darstellen könnte. Der Kartograph würde doch niemals den Würfel weggelassen haben.«
»Vielleicht wurde die Karte angefertigt, bevor es den Würfel gab«, wandte Jürgens ein.
»So könnte es sein«, stimmte Sandra zu. »Ich fand, daß der Würfel sehr neu aussah.« »Wir sollten uns das alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen«, schlug der General vor. »Im Moment äußern wir nur unsere Vermutungen, wie sie uns in den Sinn kommen. Ein jeder von uns sollte in Ruhe über die Lage nachdenken. Dann können wir unser Gespräch fortsetzen.«
Der Pastor erhob sich. »Ich werde einen kleinen Spaziergang machen«, verkündete er. »An der frischen Luft werde ich eher einen klaren Kopf bekommen. Hat jemand Lust, mich zu begleiten?«
»Ich komme mit«, sagte Lansing.
Der Platz draußen lag bereits in tiefem Schatten. Die Sonne war inzwischen untergegangen, bald würde die Nacht anbrechen. Die kantigen, geborstenen Umrißlinien der Hausfassaden hoben sich schwarz vom Dämmerlicht ab. Während Lansing neben dem Pfarrer schritt, spürte er zum erstenmal die uralte Ausstrahlung der Stadt.
Der Pfarrer mußte die gleiche Empfindung gehabt haben, denn er sagte: »Diese Stätte ist so alt wie die Zeit selbst. Sie hat etwas Niederdrückendes. Es ist fast, als würde man das Gewicht der Jahrhunderte auf den Schultern spüren. Die Steine selbst sind unter dem Druck der Zeit verwittert. Die Stadt wird wieder eins mit dem Boden, auf dem sie einst errichtet wurde. Wie ist es mit Ihnen, Mr. Lansing? Fühlen Sie es auch?« »Ja, Herr Pfarrer, mir geht es wie Ihnen.«
»Dies ist ein Ort, an dem die Geschichte zum Stillstand gekommen ist«, erklärte der Pastor. »Hier hat sie sich erfüllt, dann ist sie erloschen. Die Reste der Stadt sollen uns daran gemahnen, daß alle fleischlichen Wesen vergänglich sind und die Geschichte selbst nur ein Schemen, ein Trugbild ist. An solchen Orten sind die Menschen gehalten, über ihr Scheitern nachzusinnen. Diese Welt ist gescheitert. Sie hat gefehlt, öfter und schwerer gefehlt als andere Welten.«
»Vielleicht haben Sie recht«, bemerkte Lansing, der nicht wußte, was er sonst hätte sagen sollen.
Der Pastor verstummte nun und setzte seinen Weg fort. Die Hände hatte er auf dem Rücken gefaltet und den Kopf erhoben. Hin und wieder ließ er seine Blicke über die Umgebung des Platzes schweifen.
Schließlich ergriff er wieder das Wort: »Wir müssen auf den General sorgfältig achtgeben. Der Mann ist ein Wahnsinniger. Aber sein Wahnsinn versteckt sich so geschickt hinter seiner vernünftigen Redeweise, daß man einen scharfen Blick braucht, um den Irrsinn zu entdecken. Der Mann ist voreingenommen und starrsinnig. Man kann mit ihm nicht argumentieren. Dabei ist er in mehr Irrtümern befangen als irgendein Mensch, dem ich je begegnet bin. Das liegt an seinem militärischen Denken. Ist Ihnen auch schon aufgefallen, daß alle Militärs besonders engstirnig sind?«
»Ich bin bisher kaum je einem General begegnet«, erwiderte Lansing.
»Nun, ich kann Ihnen versichern, sie sind engstirnig. Für alle Probleme kennen sie nur eine Lösung. Ihr Gehirn ist nichts weiter als eine Dienstvorschrift, und nach diesen Vorschriften leben sie. Sie tragen Scheuklappen und sehen nicht, was links oder rechts von ihnen liegt, sondern nur das, was sich vor ihrer Nase befindet. Wir beide müssen auf den General die größte Acht geben; wenn wir nicht scharf aufpassen, wird er uns in große Schwierigkeiten bringen. Das liegt in seiner Natur. Immer muß er den Anführer spielen. Das ist geradezu eine Neurose bei ihm. Sicher haben Sie das auch schon bemerkt?« »Ja, das habe ich. Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, wie ich mit dem General über diese Neigung gesprochen habe?« »Ich habe ihn deswegen auch schon zur Rede gestellt«, berichtete der Pastor. »Der General erinnert mich in vieler Hinsicht an einen Nachbarn, den ich einmal hatte. Dieser Mann wohnte in einem Haus, das dem meinen direkt gegenüberstand. Ein Stück weiter die Straße hinunter lebte ein Höllendämon. Es war ein hübsches Stadtviertel, und niemand hätte dort einen erwartet, aber es gab ihn. Ich fürchte, nur wenige Menschen haben ihn erkannt. Nun, ich hatte ihn sofort durchschaut, und ich denke, auch jener Nachbar, von dem ich eben sprach, wußte Bescheid. Wir haben allerdings niemals über dieses Thema gesprochen. Worauf ich eigentlich hinauswill, ist folgendes: Dieser Nachbar, der den Dämon tatsächlich durchschaut hatte -ich bin sicher, er hatte ihn erkannt -, lebte mit ihm in gutnachbarlichem Verhältnis. Er grüßte den Dämon, und wenn sie sich auf der Straße begegneten, blieb er sogar stehen, um mit ihm zu plaudern. Ich weiß genau, daß sie keine düsteren Verschwörungen miteinander geplant haben. Nein, sie schwatzten nur, um die Zeit totzuschlagen. Was sagen Sie dazu? Mein Nachbar war freundlich zu diesem Dämon, obwohl er ihn durchschaut hatte. Wenn ich versucht hätte, meinen Nachbarn davon abzubringen, wenn ich ihm gesagt hätte, daß er sich nicht mit einem Diener der Hölle einlassen sollte, wissen Sie, was er mir geantwortet hätte? Er hätte zu mir gesagt, er sei ein toleranter Mensch und habe nichts gegen Juden, Schwarze oder Papisten. Und weil er gegen solche Menschen keine Vorurteile habe, würde er auch dem Teufel nicht mit Vorurteilen begegnen, auch wenn dieser Teufel mit ihm in einer Straße wohne. Das hätte er zu mir gesagt.