Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Und wirklich machten sich noch zwei Bauern daran, Dron zu binden, der, als ob er ihnen behilflich sein wollte, seinen Gürtel abband und ihnen hinreichte.
»Hört mal alle zu, was ich sage!« wandte sich Rostow an die Bauern. »Sofort marsch nach Hause mit euch, und daß ich keinen Ton mehr von euch höre!«
»Na aber, wir haben doch niemandem etwas zuleide getan! Wir haben ja doch nur aus Dummheit … Wir haben bloß eine Torheit begangen … Ich habe gleich gesagt, daß sich das nicht gehörte«, redeten die Bauern, die nun einander wechselseitig Vorwürfe machten.
»Seht ihr wohl, ich habe euch gewarnt!« sagte Alpatytsch, der wieder in die Rechte seines Amtes eintrat. »Das war nicht hübsch von euch, Kinder!«
»Wir haben’s ja nur aus Dummheit getan, Jakow Alpatytsch!« antworteten mehrere, und die Menge begann sogleich auseinanderzugehen und sich im Dorf zu verteilen.
Die beiden gebundenen Bauern wurden in das Gutsgebäude gebracht. Die beiden Betrunkenen gingen hinter ihnen her.
»Na ja, da sieht man, wie es dir bekommen ist!« sagte einer von ihnen, zu Karp gewendet.
»Darf man denn aber auch so zu der Herrschaft sprechen? Was war denn das für ein Einfall von dir? Du Dummkopf!« stimmte ihm der andere bei. »Ein rechter Dummkopf bist du, wahrhaftig!«
Zwei Stunden darauf standen die Wagen auf dem Hof des Gutshauses von Bogutscharowo; die Bauern trugen eifrig die Sachen der Herrschaft heraus und verluden sie auf die Wagen, und Dron, der auf den Wunsch der Prinzessin Marja aus dem Verschlag, in den man ihn eingesperrt hatte, herausgelassen war, stand auf dem Hof und gab den Bauern dabei Anweisungen.
»Lege sie nicht so schlecht hin«, sagte einer der Bauern, ein großer Mensch mit rundem, lächelndem Gesicht, der aus den Händen eines Stubenmädchens eine Schatulle in Empfang genommen hatte und sie nun mit einem andern Bauern zusammen verpackte. »Sie hat ja doch auch ein schönes Stück Geld gekostet. Wenn du sie so schmeißt, das verträgt sie nicht, und so unter dem Strick, da scheuert sie sich. So etwas kann ich nicht leiden. Es muß alles ehrlich und nach der Ordnung zugehen. Siehst du, so, unter die Matte, und nun decke noch Heu darüber; so ist es gut!«
»Seht mal, Bücher und Bücher!« sagte ein anderer Bauer, der die Bibliotheksschränke des Fürsten Andrei mit heraustrug. »Stoß nicht an! Aber die haben ein Gewicht, Kinder; das sind mal tüchtige Bücher!«
»Ja, wer die geschrieben hat, der muß fleißig zu Hause gesessen haben!« bemerkte mit bedeutsamem Blinzeln der große Bauer mit dem runden Gesicht, indem er auf die obenauf liegenden Lexika wies.
Rostow, der der Prinzessin seine Bekanntschaft nicht aufdrängen wollte, ging nicht weiter zu ihr, sondern blieb im Dorf und wartete dort auf ihre Abfahrt. Sobald die Wagen der Prinzessin Marja aus dem Tor des Gutshauses herausfuhren, setzte sich Rostow zu Pferd und begleitete sie so bis zu dem von unseren Truppen besetzten Weg, fünfzehn Werst von Bogutscharowo. In Jankowo, im Herbergshaus, nahm er von ihr respektvoll Abschied und erlaubte sich zum erstenmal ihr die Hand zu küssen.
»Aber ich bitte Sie«, antwortete er errötend auf die Danksagungen der Prinzessin Marja für ihre Rettung (wie sie seine Tat nannte). »Jeder Landreiter hätte dasselbe getan. Wenn wir nur mit Bauern zu kämpfen hätten, so hätten wir die Feinde nicht so weit ins Land hineinkommen lassen«, sagte er, sich beschämt fühlend und bemüht, das Gespräch auf einen andern Gegenstand zu bringen. »Ich bin glücklich darüber, daß ich Gelegenheit gehabt habe, Sie kennenzulernen. Leben Sie wohl, Prinzessin; ich wünsche Ihnen Glück und Trost und würde mich freuen, wenn ich Ihnen später einmal unter glücklicheren Verhältnissen wiederbegegnen sollte. Wenn Sie mich nicht zum Erröten zwingen wollen, so bitte danken Sie mir nicht.«
Aber wenn ihm die Prinzessin auch nicht mehr mit Worten dankte, so dankte sie ihm durch den ganzen Ausdruck ihres von Erkenntlichkeit und innigem Gefühl strahlenden Gesichtes. Sie konnte ihm nicht glauben, daß sie keinen Anlaß hätte, ihm zu danken. Im Gegenteil war es ihr unzweifelhaft, daß, wenn er nicht gewesen wäre, ihr durch die aufrührerischen Bauern und durch die Franzosen das Verderben sicher gewesen sei, und daß er, um sie zu retten, sich den augenscheinlichsten, furchtbarsten Gefahren ausgesetzt habe; und noch weniger zweifelhaft war ihr, daß er ein Mann von hochherziger, edler Gesinnung war, der ihre Lage und ihren Kummer zu würdigen verstand. Seine guten, ehrlichen Augen, die sich mit Tränen gefüllt hatten, als sie, selbst weinend, mit ihm von ihrem Verlust sprach, kamen ihr nicht aus dem Sinn.
Als sie von ihm Abschied genommen hatte und allein geblieben war, fühlte sie auf einmal Tränen in ihren Augen, und es drängte sich ihr, nicht mehr zum erstenmal, die Frage auf, ob sie nicht etwa diesen Mann liebe.
Dunjascha, die mit der Prinzessin in demselben Wagen saß, bemerkte bei der Weiterfahrt nach Moskau mehrmals, daß die Prinzessin, obwohl ihre Lage keineswegs eine erfreuliche war, den Kopf aus dem Wagenfenster heraussteckte und wehmütig und zugleich freudig lächelte.
»Nun, was tut es, wenn ich ihn auch wirklich liebe?« dachte Prinzessin Marja.
Wie sehr sie sich auch schämte, es sich einzugestehen, daß sie ihrerseits zuerst einen Mann liebgewonnen habe, der ihre Liebe vielleicht nie erwidern werde, so tröstete sie sich doch mit dem Gedanken, daß ja niemand etwas davon erfahren werde, und daß sie ja nichts Böses tue, wenn sie bis zum Ende ihres Lebens, ohne jemandem etwas davon zu sagen, den Mann liebe, dem als dem ersten und einzigen sich ihre Neigung zugewendet habe.
Sie mußte an seine teilnahmsvollen Blicke und Worte denken, und dann schien es ihr mitunter nicht unmöglich, daß sie noch einmal glücklich werden könne. Das waren die Augenblicke, in denen Dunjascha bemerkte, daß sie lächelnd aus dem Wagenfenster blickte.
»Und daß er nach Bogutscharowo kommen mußte, und gerade in einem solchen Augenblick!« dachte Prinzessin Marja. »Und daß seine Schwester sich von dem Fürsten Andrei lossagen mußte!« Und in alledem sah Prinzessin Marja den Willen der Vorsehung.
Der Eindruck, den Prinzessin Marja auf Rostow gemacht hatte, war ein sehr angenehmer. Sooft er sich an sie erinnerte, wurde ihm fröhlich zumute, und wenn die Kameraden, die von seinem Abenteuer in Bogutscharowo gehört hatten, ihn neckten, er sei nach Heu ausgeritten und habe sich eines der reichsten heiratsfähigen Mädchen Rußlands gefischt, so wurde er ärgerlich. Er wurde namentlich deswegen ärgerlich, weil der Gedanke an eine Heirat mit der sanften Prinzessin Marja, die ihm so gut gefiel und ein so gewaltiges Vermögen besaß, ihm wider seinen Willen schon mehrmals durch den Kopf gegangen war. Für sich persönlich konnte Nikolai gar keine bessere Frau wünschen als Prinzessin Marja; auch würde die Gräfin, seine Mutter, über diese Heirat glücklich sein, da auf diese Weise die Verhältnisse seines Vaters in Ordnung kommen würden; und endlich würde sogar (das fühlte Nikolai) auch Prinzessin Marja dadurch glücklich werden.
Aber Sonja? Und sein Wort, das er ihr gegeben hatte? Und eben dies war der Grund, weswegen sich Rostow ärgerte, wenn er mit der Prinzessin Bolkonskaja geneckt wurde.
XV
Nachdem Kutusow den Oberbefehl über die Armee übernommen hatte, erinnerte er sich auch an den Fürsten Andrei und sandte ihm den Befehl, nach dem Hauptquartier zu kommen.
Fürst Andrei traf in Zarewo-Saimischtsche gerade an dem Tag und gerade zu der Tageszeit ein, als Kutusow die erste Truppenschau abhielt. Fürst Andrei hielt im Dorf bei dem Haus des Geistlichen an, vor welchem die Equipage des Oberkommandierenden stand, setzte sich auf ein Bänkchen am Torweg und wartete auf den Durchlauchtigen, wie Kutusow jetzt von allen genannt wurde. Auf dem Feld außerhalb des Dorfes ertönten bald die Klänge der Regimentskapellen, bald das Geschrei einer gewaltigen Menge von Stimmen, die dem neuen Oberkommandierenden Hurra zuriefen. Ebendort am Torweg, etwa zehn Schritt vom Fürsten Andrei entfernt, standen, die Abwesenheit des Durchlauchtigen sich zunutze machend und das schöne Wetter genießend, zwei Offiziersburschen sowie ein Kurier und ein Haushofmeister. Ein schwarzhaariger, kleiner Husarenoberstleutnant mit starkem Schnurr- und Backenbart kam zum Torweg geritten und fragte, indem er den Fürsten Andrei anblickte, ob hier der Durchlauchtige wohne und ob er bald kommen werde.