Rialla - Die Sklavin
- Автор: Бриггз Патриция
- Серия: sianim #2
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 9783838754161
- Переводчик: Christina Neuhaus
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Rialla - Die Sklavin». Краткое содержание книги:
Sie rutschte abwärts bis zum Boden, rief Eisenherz mithilfe ihrer Gabe zu sich. Erst als sie aufgesessen hatte und in den Schutz der Wälder ritt, erlaubte sie es sich, zurückzusehen, um zu überprüfen, ob der Wachmann ihr gefolgt war. Als sie niemanden entdecken konnte, nahm sie an, dass er mit dem schweren Kettenhemd keinen Sprung von der Zinne hatte wagen wollen und stattdessen lieber Alarm geschlagen hatte.
Das weithin hörbare Bimmeln von Westholdts Sturmglocken verfolgte sie bis in die Wälder.
5
Nachdem sich Rialla in Richtung Stallungen aufgemacht hatte, hatte sich Tris vorsichtig durch den Burghof geschlichen und sich dabei hinter jedes Hindernis geduckt, das ihm Tarnung bieten konnte. Es war ganz so, wie wenn er in den Wäldern auf die Pirsch ging. Er war auf Westholdt zu bekannt, um geradewegs sein Ziel anzusteuern, wie es Rialla getan hatte, doch die Verstohlenheit war seine zweite Natur, und er kam auf diese Weise kaum langsamer voran als seine Begleiterin. Amüsiert stellte er fest, dass er die Herausforderung dieses Abenteuers genoss wie ein kleiner Junge.
Das höchste Gebäude auf Westholdt, der Turm, stand zwischen der Burgmauer und der Feste und warf einen Schatten auf das rechteckige, nahegelegene Wachhaus. Obwohl der Bergfried älter war als jedes andere Bauwerk rund um Westholdt – er stammte noch aus der Zeit der ursprünglichen Festungsanlage –, standen die alten Buckelquader, aus denen er errichtet worden war, noch immer schwer und fest an ihrem Platz.
Tris war gerade in den Schatten des Wachhauses gehuscht, als eine Männerstimme ihn erstarren ließ. Er versuchte, flach zu atmen, und presste seinen Körper eng an die grob behauene Holzwand, während drei Wachleute nah an ihm vorbeigingen. Zu nah für Tris’ Geschmack, der angesichts der sauren Wolke, welche die Männer umwehte, die Nase krauszog. Er wartete, bis die drei in ihrem Wohnquartier verschwunden waren, bevor er sich wieder aus der Dunkelheit hinauswagte und die kurze Strecke zurücklegte, die den Turm von dem Wachhaus trennte.
Im Turm selbst gab es keine Tür, nur einen weiten, offenen Durchgang; darin ein Wachmann, der in die Nacht hinausstarrte. Es war ein junger Bursche, den die nervöse Aura des frischen Rekruten umgab. Seine Hand ruhte am hölzernen Griff seines Schwertes, den er immer wieder fest umschloss.
Tris beschwor seine Magie, summte dabei leise, um seine Macht zu verstärken. Als die Magie kam, warf er sie sich über wie einen Umhang aus Stille und Dunkelheit. Ungesehen schlüpfte er so zwischen Wachmann und Durchgang ins Innere des Turms.
Der Bereich im Untergeschoss war beengt und schmucklos; durch die hohe Decke wirkte er fast leer. Er wurde durch eine Reihe Fackeln erhellt, die tanzende Schatten gegen die steingrauen Wände warfen.
In der Mitte des Raums ragte ein steinerner Hohlzylinder mit einem weiteren Durchgang in die Höhe; darin konnte Tris die enge Wendeltreppe erkennen, die nach oben führte. Gleich neben dem zentralen Stützpfeiler der Treppe saß ein Mann auf dem Boden, der erfahrener wirkte als sein Kamerad am Turmeingang. Geduldig schliff er die Klinge eines Messers mit einem Stein.
Tris bewegte sich entlang der Wand und erstarrte auf der Stelle, als der Mann am Treppenaufgang plötzlich aufsah und direkt in seine Richtung starrte. Offenbar hatte ihm sein Instinkt mitgeteilt, dass sich etwas an der Atmosphäre im Untergeschoss geändert haben musste.
»Nar!«, rief plötzlich die Wache vom Eingang. »Da draußen ist was!«
Der Veteran seufzte und legte den Wetzstein beiseite. Leichtfüßig stand er auf und ging ohne besondere Eile zu dem Wachposten beim Turmzugang. Tris ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und spurtete im nächsten Moment in die Sicherheit des Treppenhauses.
Die Oberfläche der steinernen Treppenstufen war unregelmäßig abgenutzt, und er war dankbar für die weichen Sohlen seiner Schuhe, mit deren Hilfe er sich sicher nach oben tasten konnte. Die gewundene Treppe und der sie umgebende massive Steinzylinder ließen Tris, der weite Wälder statt bedrückende Wehrkonstruktionen bevorzugte, sich außerordentlich unwohl fühlen.
Da der Turm sehr hoch war, brauchte er zwei ganze Umdrehungen auf der Wendeltreppe, bis sich ein weiterer Durchgang in das erste Obergeschoss öffnete. Aus dem, was Tris erkennen konnte, schloss er, dass diese schwach erleuchtete Kammer vom Grundriss her genauso aussah wie das Untergeschoss. Ein fahler Mondlichtstrahl fiel durch einen Fensterschlitz nahe der Decke, doch das meiste Licht im Raum rührte von einer kleinen Öllampe her.
Auf einer Bank nahe der Außenmauer hatte es sich ein Wachmann bequem gemacht, der im trüben Licht an einem kleinen Stück Holz herumschnitzte. Die Lampe selbst stand auf der Armlehne eines Stuhls und war dort mit dicken Lederriemen fixiert worden. Der Raum war angefüllt mit verschiedenen Werkzeugen, mit deren Hilfe man Gefangenen ein Geständnis »entlocken« konnte.
Tris schlich weiter die Wendeltreppe hinauf, die immer enger wurde, sodass bald nur noch eine Handbreit Platz war zwischen seiner Schulter und der Mauer des Treppenhauses. Das letzte Licht vom darunterliegenden Stockwerk verblasste, bis selbst Tris’ ausgezeichnete Nachtsicht nicht mehr von Nutzen war und er sich mit jeder neuen Stufe immer verlorener fühlte.
Sein Aufstieg endete mit einer Falltür, die in den Boden des über ihm liegenden Stockwerks eingelassen worden war. Was Tris wiederum nur feststellte, weil er sich an ihr den Kopf stieß. Sein Zauber reichte, um den Krach zu absorbieren, half aber nicht, den Schmerz zu unterdrücken. Er tastete den Rand der Falltür mit den Händen ab, bis er einen einfachen hölzernen Riegel berührte, den er öffnete. Er konnte die herabfallende Klappe gerade noch abfangen, bevor er sich ein zweites Mal den Kopf stieß.
Nachdem er die letzten Stufen durch die Luke erklommen hatte, fand sich Tris in einem kleinen runden Raum wieder. Er trat ein und zog die Falltür hinter sich zu. An der Oberseite gab es einen Riegel, obwohl dieser hier so konstruiert war, dass ein fester Ruck von unten ihn zerbrechen konnte.
Zufrieden, dass die Klappe gesichert war, befreite sich Tris von Schatten und Stille und beschwor ein Magierlicht, um sich ein wenig umzusehen.
Vier schwere, verriegelte und eisenbeschlagene Eichentüren waren in regelmäßigen Abständen in diesem Raum zu erkennen. Er öffnete den Mund, um zu rufen, überlegte es sich aber doch noch anders.
Es gab keinen Grund anzunehmen, dass Laeth der einzige hier im Turm eingeschlossene Gefangene war. Je weniger Lärm er bei der Suche nach dem Darraner verursachte, umso problemloser würde dessen Befreiung ablaufen.
Tris ging auf die erste Tür zu und legte seine Stirn an das Holz. Stein war kalt und tot für ihn, doch Holz war ihm ein alter Freund. Auf seine Bitte hin gab die Eiche ihm ihre Geheimnisse preis und erlaubte es ihm zu entdecken, was jenseits der Tür lag.
Die erste Zelle war leer, und Tris ging zur nächsten Tür. Als er seine Hand erhob, griff die Magie in dem kühlen Metall nach ihm. Ein Menschenmagier hatte die Schlösser verzaubert; kein grüner Magier hätte dergleichen mit Eisen anstellen können.
Die hier verwendete Magie war Tris so fremd, dass er nicht einmal ihre Natur zu erfassen vermochte. Was er allerdings durchaus erkennen konnte, war, dass der Magier die Eiche mit seinem Spruch nicht verdorben hatte. Indem er wieder seine Stirn gegen das Holz legte, wagte er einen Blick in die Zelle.
Wenn die Person dort nicht Laeth war, so war sie doch ein Mann in seiner Größe und mit seinem Gewicht, der zudem noch die Kleidung eines Adligen trug. Zudem war der Gefangene an Händen und Füßen gefesselt. Der ganzen Sache hier musste ein hässlicher Kampf vorausgegangen sein, denn man hatte viel Mühe darauf verwendet, dafür zu sorgen, dass sich der Insasse in seiner Zelle kaum mehr rühren konnte.