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Warcraft: Roman zum Film

Электронная книга - «Warcraft: Roman zum Film». Краткое содержание книги:

Die friedliche Welt Azeroth sieht sich plötzlich am Rande eines verheerenden Krieges, als ihre Ländereien von bislang unbekannten und furchteinflößenden Gegnern bedroht werden. Bei den Fremden handelt es sich um Orcs, die ihrer sterbenden Heimat den Rücken gekehrt haben, um neue Lebensräume zu erobern. Als sich ein Portal öffnet, das beide Welten verbindet, prallt eine Armee, die den sicheren Untergang vor Augen hat, auf ein Heer von zu allem entschlossenen Verteidigern. Das Schicksal ganzer Völker liegt nun in den Händen zweier Helden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Beginn einer epischen Saga über Macht und Opferbereitschaft, in der der Krieg viele Gesichter hat und eine Niederlage keine Option ist …
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Khadgar kniff die Lippen zu schmalen Schlitzen zusammen, doch er nickte. „Ja, Hauptmann.“

Das Abendmahl war schlicht – Brot, Käse, Äpfel und heißer Tee. In jener Nacht wurde kein Wein herumgereicht – die Gruppe war zu klein und die Gefahr zu groß, um auch nur den geringsten Rausch zu riskieren. Zum Glück verstummte das Schluchzen des Windes irgendwann, auch wenn die Stille womöglich noch nervenaufreibender war. Sie aßen, räumten die Reste weg und breiteten ihre Schlafrollen aus, während sich Khadgar mürrisch in seinen Mantel wickelte und sich auf einen Felsen kauerte, um den Pfad im Auge zu behalten, auf dem sie hergekommen waren.

Lothars Gedanken waren zu sehr in Aufruhr, als dass es ihm möglich gewesen wäre, sogleich in den Schlaf zu finden, darum knabberte er an den Überbleibseln eines Stücks Hühnchen herum und beobachtete seinerseits den Wachposten. Man musste dem Jungen zugutehalten, dass er seine Pflicht ernst zu nehmen schien. Irgendwie hatte Lothar halb erwartet, dass Khadgar sein Buch hervorholen würde, damit er im Mondschein oder beim Feuerglanz lesen könnte oder vielleicht beim Schein einer winzigen blauen Flamme, die am Ende seiner Finger tanzte. Wer wusste schon, zu welchen Dingen diese Magier imstande waren?

Stattdessen hatte der Junge seinen Kopf, wenn auch fast schüchtern, in Garonas Richtung gewandt. Sie lag mit dem Gesicht abgewandt da, und ihre markanten Kurven waren so weich und wogend und grün wie die Hügel von Elwynn. Einerseits war Lothar amüsiert – andererseits stellte er fest, dass ihm Khadgars übermäßiges Interesse an der Orcin nicht gefiel.

„Nun“, sagte er und durchbrach damit die Stille, „wenigstens liest du nicht.“

Khadgar wandte seinen Kopf ruckartig wieder dem Weg zu. Lothar lächelte.

„Er würde gern mit mir das Lager teilen.“ Garonas Stimme war sachlich, und Khadgar schreckte zusammen, ja, wand sich fast vor Verlegenheit. Sie stützte sich auf einen Arm und sah die beiden an.

„Wie bitte?“ Khadgar versuchte, ob dieses Vorwurfs perplex zu klingen, doch seine Stimme kletterte ein bisschen zu hoch, um überzeugend zu sein.

„Du würdest dir bloß wehtun“, erklärte sie.

„Ich will nicht mit dir das Lager teilen!“

Alles, was Lothar tun konnte, war, nicht lauthals loszulachen. Garona zuckte einfach mit den Schultern. „Gut. Du wärst ohnehin kein geeigneter Gefährte.“

Diesmal konnte Lothar nicht länger an sich halten und ließ ein schnaubendes Lachen hören. „Warum lachst du?“, fragte Garona, und jetzt war es an Lothar, sich unbehaglich zu fühlen. „Ich verstehe nicht, wie ihr Menschen derlei überleben wollt. Wie ihr überhaupt irgendetwas überlebt. Ohne Muskeln, die euch schützen. Und mit so spröden Knochen, die allzu leicht brechen.“

„Du siehst nicht viel anders aus als wir. Wie hast du überlebt?“

Sie schwieg. Als sie schließlich antwortete, lag keine Heiterkeit mehr in ihrer Stimme; stattdessen sprach sie vorsichtig und kühl. „Gebrochene Knochen werden stärker, wenn sie heilen. Meine sind sehr stark.“

Lothar verging schlagartig jede Fröhlichkeit. Er dachte an ihre grüne Haut, so weich wie die einer Menschenfrau, aufgeschürft von den Ketten um ihre Handgelenke und ihre Kehle. Er dachte an die massigen Männer ihrer Spezies, mit ihren riesigen Händen und Oberkörpern und Stoßzähnen. Er dachte an ihre Waffen, die wahrscheinlich so viel wogen wie er selbst. Bei ihren Worten reiste sein Verstand an dunkle Orte, an Orte, die sowohl Zorn als auch Trauer in ihm weckten.

Dennoch war „Es tut mir leid“ alles, was ihm zu sagen einfiel.

„Das muss es nicht.“ Das Schweigen dauerte an. Das Feuer knisterte.

„Mein Name. ‚Garona‘“, sagte sie schließlich. „Das bedeutet auf Orcisch so viel wie ‚verflucht‘. Meine Mutter wurde bei lebendigem Leib verbrannt, weil sie mich geboren hatte.“

Lothars Hände schmerzten. Er blickte auf sie herab und stellte überrascht fest, dass er sie zu Fäusten geballt hatte. Monster.

„Trotzdem ließen sie dich am Leben“, sagte er. Aber warum? Das wollte er unbedingt wissen. Wie sehr haben sie dich verletzt? Was kann ich tun, um dir zu helfen?

„Das war Gul’dan.“ Sie rollte sich auf den Rücken. Im flackernden Schein des Feuers sah er, dass sie etwas in den Händen hielt: eine Kordel, an der ein winziger Stoßzahn baumelte, nur ungefähr so groß wie ihr kleiner Finger. „Er gab mir dies. Damit ich mich an sie erinnere.“

Lothar betrachtete den langsam hin und her schwingenden Gegenstand wie gebannt. Das Andenken stieß ihn einerseits ab, doch zugleich faszinierte es ihn auch, und Garona hielt es offensichtlich in allen Ehren. Er fragte sich, ob dieser Stoßzahn wirklich so viel anders war als eine Haarlocke, die man als Erinnerung an einen geliebten Verstorbenen verwahrte. Er hatte versucht, Llane dazu zu bringen, Taria zu untersagen, dass sie mit der Orcin redete. Als er ihr jetzt lauschte, wie sie so offen sprach, wurde ihm allerdings klar, dass sein Freund Einsichten besaß, an denen es ihm selbst mangelte. Sie war offenkundig wunderschön und ebenso stark. Zugleich jedoch war sie jemand, der auf Freundlichkeit ansprach, und das hatte Llane gespürt. Garona war auf mehr Arten als nur körperlich verletzt worden.

„Als ich sechs Jahre alt war, gaben mich meine Eltern in die Obhut der Kirin Tor.“ Khadgars Stimme war leise, seine Worte ein Geständnis, das – genau wie Garonas – besser im Schutze der Dunkelheit abgelegt wurde. „Damals habe ich sie oder meine Brüder und Schwestern das letzte Mal gesehen. Es bringt einer Familie Ehre, den Kirin Tor ein Kind zu überlassen, damit ihr Sohn in die schwebende Stadt Dalaran aufsteigt und dort von den mächtigsten Magiern im Land ausgebildet wird.“ Er lächelte ein wenig selbstmitleidig. „Weniger ehrenvoll ist es, wenn besagter Sohn dann wegläuft.“

Die Orc-Frau hielt seinem Blick stand, dann nickte sie.

„Also“, sagte Lothar. „Das hat die Stimmung ja wirklich gehoben.“

Er ließ sich rittlings auf seine Schlafrolle sinken und hörte, wie die anderen beiden ihre Lage veränderten. Lothar schloss die Augen und sah hinter seinen geschlossenen Lidern Feuerschein auf einen Orc-Stoßzahn fallen, der von einer starken, wunderschönen grünen Hand gehalten wurde.

Die Nacht war erhellt von Feuer, gefärbt von Blut und erfüllt von Liedern des Gemetzels.

Gul’dan sah dies alles mit stummer Freude. Neben ihm stand sein Mentor, sein Ratgeber, der all seine Versprechen gehalten hatte. Derjenige, ohne den diese Nacht niemals möglich gewesen wäre.

„Norden, Süden, Osten, Westen“, intonierte er, während er eine Hand durch die Luft schweifen ließ, um die gesamte Szene einzuschließen. „Das alles wird dein sein.“

Bewegungen erregten seine Aufmerksamkeit, und er runzelte gelinde die Stirn. Einige der Menschen versuchten zu entkommen. Da war eine Spur, wie von geschäftigen Ameisen, die aus der Feuersbrunst flohen. Sie trugen Dinge auf ihren Schultern und folgten einem langen, gewundenen Pfad. „Verrate mir, Lehrmeister“, sagte er, „wohin laufen sie?“

„Nach Sturmwind“, erklärte die Gestalt neben ihm grimmig. Die Worte waren kratzig, aber kraftvoll. Sie brannten, so, wie das Herz ihres Sprechers brannte. „Zu ihrer größten Stadt.“ So viel Verachtung. Eine solche Überzeugung, dass die Flucht dieser „Menschen“ vergebens war. Und natürlich war sie das. Nichts konnte der Horde die Stirn bieten … oder der Fel-Magie.

„Ah“, sagte Gul’dan. „Dorthin ist auch Garona geflohen.“ Jetzt war der Moment gekommen. Er wandte sich an seinen Mentor. „Ich habe sie mit hierher gebracht. Für Euch.“

Gewiss würde sein Lehrmeister darüber erfreut sein und seinen treuen Schüler mit Lob überhäufen, der seine Lektionen so gut gelernt hatte. Gleichwohl, sein Mentor zeigte nicht die geringste Reaktion: keine Freude, keine Verärgerung … Aus den tiefen Schatten der Kapuze drang nur Schweigen. Gul’dan verspürte Enttäuschung – und eine erste Regung von Unbehagen.

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