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Nie sollst Du vergessen

Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:

In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Davies in London von einem Autofahrer getötet. Ein Unfall ist definitiv auszuschließen: Die Frau wurde frontal angefahren und danach mehrmals absichtlich mit dem Wagen überrollt. Doch was hatte Eugenie Davies so spät am Abend überhaupt in der Stadt zu suchen? Und warum trug sie einen Zettel mit dem Namen genau des Mannes bei sich, der später ihre Leiche findet? Für Inspector Thomas Lynley, in dessen Privatleben sich zur selben Zeit dramatische Veränderungen ankündigen, sind diese Fragen nur der Auftakt zu Ermittlungen, in deren Verlauf er auf einem gefährlich schmalen Grat zwischen persönlicher Loyalität und beruflicher Ehre wandert. Denn schon bald stellen Lynley und Sergeant Barbara Havers betroffen fest, dass ihr Chef Superintendent Webberly, der mehr über Eugenie Davies zu wissen scheint, als er preisgibt, versucht, sie bei der Auswertung von Erkenntnissen zu behindern. Für Lynley und Havers steht ihre berufliche Laufbahn auf dem Spiel, doch sie sind schon viel zu tief in den Fall eingedrungen, um sich noch zurückziehen zu können. Denn die Familie Davies nährt einen tödlichen Kreislauf aus Versagen, Wut und Gewalt, der immer weitere Opfer fordert…
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
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»Schatz, das ist schrecklich unhygienisch«, sagte Frances.

»Ach was, das ist Hundeliebe«, entgegnete Miranda. »Die reinste Liebe, die es gibt. Stimmt's, Alfie?«

Alf gähnte.

Miranda wandte sich zum Gehen. »Also, dann fahre ich jetzt. Ich muss nächste Woche zwei Arbeiten abgeben.«

»Du willst schon wieder weg?« Webberly schob seine Schuhe auf die Seite. »Du warst keine achtundvierzig Stunden hier. Kann Cambridge nicht noch einen Tag warten?«

»Die Pflicht ruft, Dad. Du willst doch nicht, dass ich meine Prüfungen verhaue, oder?«

»Dann warte wenigstens, bis ich die Schuhe fertig hab. Ich bring dich mit dem Wagen zum King's-Cross- Bahnhof.«

»Ach, das ist nicht nötig. Ich nehme die U-Bahn.«

»Dann lass mich dich zur U-Bahn fahren.«

»Dad!«, sagte sie gequält. Sie kannte diese Diskussion seit Ewigkeiten. »Die Bewegung tut mir gut. Erklär's ihm, Mama.«

»Aber wenn es unterwegs zu regnen anfängt -«, wandte Webberly ein.

»Lieber Himmel, Malcolm, davon wird sie sich nicht gleich auflösen.«

Aber genau das geschieht doch, widersprach Webberly im Stillen. Sie lösen sich auf, sie zerbrechen, sie verschwinden von einem Moment auf den anderen. Und immer dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. Aber ihm war klar, dass in dieser Situation, wo zwei Frauen sich gegen ihn zu verbünden drohten, ein Kompromiss angeraten war. Er sagte deshalb: »Dann begleite ich dich einfach ein Stück.« Und als Miranda die Augen verdrehte und zu Protesten dagegen ansetzte, dass sie, eine erwachsene Frau, sich von ihrem Vater bei der Hand nehmen lassen sollte wie ein kleines Kind, das nicht allein über die Straße gehen kann, fügte er hinzu: »Alfie braucht seinen Morgenspaziergang, Randie.«

»Mama!«, wandte sich Miranda Hilfe suchend an ihre Mutter, aber die sagte mit einem bedauernden Achselzucken: »Du hast ja Alfie heute noch nicht ausgeführt, Schatz.«

Miranda gab klein bei. »Na gut, dann komm eben mit, du Gluckenvater«, sagte sie gutmütig. »Aber ich warte bestimmt nicht, bis du mit dem Schuhputzen fertig bist.«

»Ich mach die Schuhe schon«, sagte Frances.

Webberly holte die Hundeleine und folgte seiner Tochter ins Freie, wo Alfie sofort im Gebüsch nach einem alten Tennisball zu suchen begann. Er wusste, was ihn erwartete, wenn sein Herr mit ihm loszog: ein Spaziergang in den Park, wo er frei laufen, dem Tennisball nachjagen und mindestens eine Viertelstunde lang nach Herzenslust herumtollen durfte.

»Ich weiß nicht, wer von euch beiden weniger Fantasie hat«, bemerkte Miranda, den Hund beobachtend, der in den Hortensien stöberte. »Du oder der Hund. Schau ihn dir doch an, Dad. Er weiß genau, was kommt. Da gibt's doch überhaupt keine Überraschung mehr.«

»Hunde mögen Rituale«, erklärte Webberly, als Alfie triumphierend mit dem Tennisball im Maul aus dem Gebüsch hervorstieß.

»Hunde, ja. Aber was ist mit dir? Wieso gehst du immer nur in den Park mit ihm?«

»Das ist meine Meditation«, teilte er ihr mit. »Zweimal am Tag, morgens und abends. Zufrieden?«

»Meditation!«, wiederholte sie mit ungläubigem Spott. »Du alter Schwindler. Also wirklich!«

Zum Tor hinaus, wandten sie sich nach rechts, folgten dem Hund bis zum Ende der Palgrave Street, wo er den erwarteten Linksschwenk machte, der sie zur Stamford Brook Road und zu den Prebend Gardens gleich über der

Straße führen würde.

»Die Party war nett.« Miranda hakte sich bei ihrem Vater ein.

»Ich glaube, Mama hat es auch gefallen. Und niemand hat irgendeine Bemerkung gemacht - jedenfalls nicht mir gegenüber.«

»Ja, es war ein schönes Fest.« Webberly drückte Randies Arm.

»Deine Mutter hat sich so gut amüsiert, dass sie vorhin sogar sagte, sie wolle im Garten arbeiten.« Er spürte den Blick seiner Tochter, hielt den seinen jedoch entschlossen nach vorn gerichtet.

»Das tut sie bestimmt nicht«, sagte Miranda. »Das weißt du doch, Dad. Warum bestehst du nicht darauf, dass sie wieder zu diesem Arzt geht? Menschen wie Mama kann man helfen.«

»Ich kann sie nicht zwingen.«

»Nein. Aber du könntest -« Miranda seufzte. »Ach, ich weiß auch nicht. Irgendwas musst du doch tun können. Ich versteh nicht, warum du nicht mal energisch wirst, sondern ihr gegenüber immer so nachgiebig bist.«

»Wie soll das denn aussehen, wenn ich energisch werde?«

»Naja, wenn sie annehmen müsste, dass du - du könntest zum Beispiel sagen: >Das war's, Frances. Ich bin am Ende meiner Geduld. Entweder du gehst wieder in Behandlung oder - oder es passiert was.<«

»Und was, bitte?«

»Ja, ja, ich weiß schon«, sagte sie kleinlaut. »Du wurdest sie niemals verlassen. Wie könntest du auch? Du könntest dir ja selbst nie wieder ins Gesicht sehen. Aber es muss doch was geben, an das du - woran wir noch nicht gedacht haben.« Sie ließ sich, vielleicht um ihrem Vater eine Antwort zu ersparen, von Alfie ablenken, der mit gespannter Aufmerksamkeit eine Katze weiter vorn auf ihrem Weg beobachtete. Schnell nahm sie ihrem Vater die Leine aus der Hand und sagte, mit einem kurzen Ruck daran ziehend: »Daran brauchst du nicht mal zu denken, Alfred!«

An der Ecke überquerten sie die Straße und trennten sich dann mit einer liebevollen Umarmung. Miranda wandte sich nach links zum U-Bahnhof Stamford Brook, während Webberly am grünen Eisengitter entlangging, das den Park auf der Ostseite begrenzte.

Im Park nahm er Alfie den Ball ab und schleuderte ihn, nachdem er den Hund von der Leine gelassen hatte, so weit er konnte auf die Grünfläche hinaus. Der Hund setzte dem Ball in wilden Sprüngen nach, rannte, sobald er den Ball geschnappt hatte, wie stets bis zum Ende der Rasenfläche und jagte endlos im Kreis um die Grünanlage herum. Webberly verfolgte mit Blicken seinen wilden Lauf von Busch zu Baum, während er selbst nur ein paar Schritte bis zu der schwarzen Parkbank vor dem Schwarzen Brett mit den Gemeindenachrichten ging.

Er überflog die Nachrichten, ohne sie wirklich aufzunehmen: Weihnachtsfeiern, Trödelmärkte, Haushaltsauflösungen. Er sah mit Befriedigung, dass die Telefonnummer der zuständigen Polizeidienststelle auffällig platziert war, und vermerkte, dass irgendeine Gruppe, die vorhatte, einen Nachbarschaftsschutz ins Leben zu rufen, ein Treffen im Souterrain einer der Kirchen plante. Er las das alles und hätte doch später keinerlei Auskunft darüber geben können, was er gelesen hatte. Er nahm die sechs, sieben Zettel wahr, die hinter Glas an die Anschlagtafel geheftet waren. Sein Blick glitt über jeden der Texte, aber in Gedanken war er bei

Frances, wie sie vorhin am Küchenfenster gestanden hatte, und bei seiner Tochter, die zärtlich und mit bedingungslosem Vertrauen in ihn sagte: Du würdest sie niemals verlassen. Wie könntest du auch? Aber gerade diese letzten Worte erschienen ihm wie blanker Hohn. Wie könntest du sie je verlassen, Malcolm Webberly? Sag, wie könntest du?

Tatsächlich war eine Trennung von Frances das Letzte gewesen, was er an dem Abend im Kopf gehabt hatte, als er in das Haus am Kensington Square gerufen worden war. Die Meldung war über die Dienststelle Earl's Court Road eingegangen, wo er, vor kurzem zum Inspector befördert, mit seinem neuen Partner, Sergeant Eric Leach, tätig war. Leach hatte am Steuer gesessen, als sie die Kensington High Street hinuntergefahren waren, wo damals kaum weniger Getümmel geherrscht hatte als heute, und da Leach sich im Bezirk noch nicht auskannte, war er ein gutes Stück über das Ziel hinausgeschossen, und sie hatten durch die gewundene kleine Thackery Street, deren dörflicher Charakter so gar nicht zu ihrer großstädtischen Umgebung passte, wieder zurückfahren müssen. Von Südosten auf den Platz kommend, sahen sie das Haus, das sie suchten, direkt vor sich stehen: ein viktorianisches Gebäude aus rotem Backstein mit einem Medaillon unter dem Giebel, das das Baujahr, 1879, angab; ein relativ neuer Bau in einem Stadtviertel, wo die ältesten Häuser beinahe zweihundert Jahre früher errichtet worden waren.

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