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Frikassee im Weltraum [= Kreuzzug nach fremden Sternen = Sir Rogers himmlischer Kreuzzug / The High Crusade - de]

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Im Jahre 1345 trägt sich eine höchst erstaunliche Geschichte zu. Ein Raumschiff der eroberungslustigen Wersgorix — blaugesichtige Aliens, die sich ein Stemenimperium zusammengeraubt haben — landet im englischen Lincolnshire. Angesichts der Burg von Sir Roger Baron de Toumeville und der armseligen Hütten des Dorfes am Fuße der Burg sowie der mittelalterlichen Rüstung und Bewaffnung von Sir Roger und seinen Mannen glauben die Fremden ein leichtes Spiel zu haben. Kurz entschlossen greifen sie an. Aber sie haben die Rechnung ohne den gleichermaßen beherzten wie pfiffigen Sir Roger gemacht. Statt das Hasenpanier zu ergreifen, startet er einen Gegenangriff und überrumpelt die im Nahkampf unerfahrenen Aliens. Alle bis auf einen läßt Sir Roger niedermachen. Dieser eine soll in einer hochnotpeinlichen Befragung die Geheimnisse der Himmelsmaschine preisgeben. Aber der Wersgorix zeigt sich nur scheinbar kooperativ. Als Sir Roger samt Kind und Kegel aufbricht, um mit Hilfe des Raumschiffes in Windeseile zu Kriegsschauplätzen in Frankreich und im Heiligen Land zu gelangen, rächt sich der die Steuerung programmierte Alien. Statt im Heiligen Land landet das Schiff auf einem schwerbewaffneten Außenposten des Wersgorix-Imperiums. Mann und Roß, Lanze und Schwert im Kampf mit einem Gegner, der über eine Supertechnik verfügt — der Ausgang dieser Auseinandersetzung scheint über jeden Zweifel erhaben zu sein. Aber der Schein trügt. Sir Roger hat noch viele Lektionen für die kriegerischen Wersgorix parat.
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Huruga grinste. Fast konnte ich die Gedanken hinter jener Schnauze lesen. Die Engländer waren mehr als will­kommen, draußen hockenzubleiben, bis die rächende Armada kam! Er löschte die Bildscheibe.

Wir fanden einen guten Lagerplatz jenseits des Hori­zonts. Er lag in einem tiefen, geschützten Tal, durch den ein Fluß lief, sauber und kalt und voller Fische. Der ganze Wald war von Wiesen durchsetzt, es gab reichlich Wild, und unsere Männer, soweit sie nicht zum Dienst eingeteilt waren, konnten nach Belieben jagen. Nach ein paar weni­gen jener langen Tage spürte ich, wie in unseren Leuten wieder Mut aufblühte.

Sir Roger gönnte sich keine Ruhe. Ich glaube, das wagte er nicht, denn Lady Catherine ließ ihre Kinder bei ihrer Pflegerin und schlenderte mit Sir Owain durch die Damengemächer. Nicht unbehütet — sie achteten sehr auf die guten Sitten —, aber jedesmal, wenn ihr Mann sie erblickte, drehte er sich herum und brüllte dem Nächst­stehenden irgendein Kommando zu.

In den Wäldern verborgen war unser Lager vor jeg­lichem Beschuß sicher. Seine Zelte und Hütten, unsere Waffen und Werkzeuge bildeten keine ausreichend große Konzentration an Metall, als daß eines der magnetischen Geräte der Wersgorix es hätte entdecken können. Und diejenigen unserer Luftfahrzeuge, die Darova bewachten, landeten woanders. Wir hielten geladene Belagerungsma­schinen bereit, falls sich in der Festung irgendeine Aktivi­tät zeigen sollte, aber Huruga war es zufrieden, passiv zu warten.

Gelegentlich zog ein wagemutiges feindliches Luftfahr­zeug über unseren Köpfen dahin, wahrscheinlich von irgendeinem anderen Ort auf dem Planeten. Aber es fand nie ein Ziel für seine Explosivbomben, und unsere eige­nen Streifen drängten es bald ab.

Der größte Teil unserer Streitmacht — die großen Schiffe und Kanonen und Kriegswagen — war die ganze Zeit anderswo untergebracht. Ich selbst sah die Jagd nicht, die Sir Roger führte. Ich blieb im Lager und beschäftigte mich damit, selbst mehr Wersgor zu lernen und Branithar mehr Englisch zu lehren. Ich begann auch Unterrichtsstunden in der Wersgorsprache für einige unserer intelligentere jungen Leute. Darüber hinaus hätte ich gar nicht den Wunsch verspürt, an der Expedition des Barons teilzunehmen.

Er hatte Raum- und Luftfahrzeuge. Er hatte Bombarden, mit denen er sowohl Flammen wie auch Geschosse abfeuern konnte. Er hatte ein paar schwerfällige Schildkrötenwagen. Er hatte hunderte leichter, offener Schlachtwagen, die er mit Schilden und Wimpeln be­hängte und mit jeweils einem Kavalleriemann und vier Fußsoldaten besetzte. Er zog auf den Kontinent hinaus, um zu plündern.

Kein isolierter Landsitz konnte seinem Angriff wider­stehen. Plündernd und brennend hinterließ er Verwü­stung. Er tötete viele Wersgorix, aber nicht mehr als not­wendig. Den Rest stopfte er als Gefangene in die riesigen Transportschiffe. Einige Male versuchten die Bauern und Freisassen ihm Widerstand zu leisten. Sie verfügten nur über Handwaffen; sein Heerbann jagte sie auseinander wie Spreu und trieb sie über ihre eigenen Felder. Er brauchte nur ein paar Tage und Nächte, um die ganze Landmasse zu verwüsten. Dann machte er einen schnel­len Ausfall über einen Ozean, warf Bomb en und beschoß mit Flammenwerfern, was er entdeckte, und kehrte wie­der zurück.

Mir erschien das Ganze als ein grausames Gemetzel, wenn auch nicht schlimmer als das, was dieses Imperium auf vielen Welten getan hatte.

Dennoch gestehe ich, daß ich die Logik solcher Dinge nicht immer verstehe.

Sicherlich war, was Sir Roger tat, üblicher europäi­scher Brauch in einer aufständischen Provinz oder einem feindlich gesinnten fremden Land. Und doch ging ich zu Branithar, als er wieder im Lager gelandet war und seine Männer, beladen mit Juwelen, wertvollen Stoffen, Silber und Gold aus den Schiffen taumelten, betrunken von gestohlenem Wein und mit dem prahlend, was sie getan hatten.

»Ich habe keine Macht über diese neuen Gefangenen«, sagte ich, »aber sag deinen Brüdern von Ganturath, daß der Baron, ehe er sie vernichten kann, meinen eigenen armen Kopf abschlagen muß.«

Der Wersgor sah mich überrascht an. »Was kümmert dich, was mit uns geschieht?« fragte er.

»Gott möge mir helfen«, erwiderte ich, »ich weiß es nicht, ich weiß nur dies, daß Er auch euch gemacht haben muß.«

Dies geriet meinem Herrn zu Ohren. Er rief mich in das Zelt, das er jetzt anstelle seines Pavillons benutzte. Ich sah Waldlichtungen, dicht gefüllt mit Gefangenen, aneinandergedrängt wie Schafe unter den Gewehren der Eng­länder. Freilich, ihre Anwesenheit war wie ein Schild für uns. Ohne Zweifel mußte die Landung der Schiffe Hurugas Sichtscheiben verraten haben, wo wir uns befanden. Aber Sir Roger hatte dennoch dafür gesorgt, daß der Gouverneur erfuhr, was geschehen war. Aber ich sah blauhäutige Mütter, die ihre Kinder an sich drückten, und mir war, als griffe eine Hand nach meinem Herzen.

Der Baron saß auf einem Hocker und nagte an einem Rinderknochen herum. Licht und Schatten, das durch die Blätter hereinfiel, zeichneten ein seltsames Muster auf sein Gesicht. »Was soll das?« schrie er. »Liebst du diese Schweinegesichter so sehr, daß du nicht zulassen willst, daß ich auch die bekomme, die wir in Ganturath fin­gen?«

Ich schob meine schmalen Schultern zurück. »Wenn Euch sonst nichts bekümmert, Sire«, sagte ich zu ihm, »dann bedenkt, wie eine solche Tat Eurer eigenen Seele weh tun muß.«

»Was?« Er hob die dicken Brauen. »Wann war es je ver­boten, die Gefangenen freizulassen?«

Jetzt war ich daran, ihn mit erstaunt aufgerissenem Mund anzustarren. Sir Roger schlug sich auf die Schenkel und grinste. »Ein paar werden wir behalten, wie Branit­har und die Handwerker, die uns nützlich sind. Den gan­zen Rest treiben wir nach Darova. Tausende und aber Tausende. Glaubst du nicht, daß Huruga das Herz vor Dankbarkeit schmelzen wird?«

Ich stand im hohen Gras unter der Sonne da, während rings um mich schallendes Gelächter ertönte.

Und so stolperte, von den Rufen unserer Leute begleitet und von ihren Speerspitzen getrieben, jene ungezählte Schar über Wald und Feld und durch Baum und Strauch, bis sie in der Ferne Darova erblickten. Ein paar drängten sich verängstigt aus der Menge. Die Engländer stürzten sich grinsend auf ihre Waffen. Ein Wersgor fing zu laufen an. Niemand schoß auf ihn. Ein weiterer löste sich aus der Masse, und dann noch einer, und dann rannte der ganze Schwarm auf die Festung zu.

Dies war der Abend, an dem Huruga aufgab.

»Es war ganz einfach«, sagte Sir Roger und lachte glück­lich. »Ich hatte ihn ja dort wie in einer Flasche verkorkt. Ich bezweifelte, daß er genügend Vorräte besaß, denn die Kunst der Belagerung ist ohne Zweifel in diesem Land schon verlorengegangen. So zeigte ich ihm zuerst, daß ich seinen ganzen Planeten verwüsten könnte — wofür er sich, selbst wenn man uns am Ende besiegte, würde verantwor­ten müssen. Und dann gab ich ihm all jene zusätzlichen Münder zum Füttern.« Er schlug mir auf den Rücken. Als ich mich wieder aufgerappelt und mich abgestaubt hatte, sagte er: »Nun, Bruder Parvus, jetzt, da uns diese Welt gehört — hättest du jetzt Lust, ihre erste Abtei zu leiten?«

KAPITEL 15

Natürlich konnte ich ein derartiges Angebot nicht annehmen. Ganz abgesehen von den schwierigen Fragen der Weihe hoffe ich, meinen bescheidenen Platz im Leben zu nennen. Außerdem war es in diesem Stadium nur leichthin gesagt. Wir hatten viel zuviel anderes zu tun, als daß wir Gott mehr als eine Dankmesse hätten anbieten kön­nen.

Wir ließen fast alle der neu gefangenen Wersgorix laufen. Sir Roger gab über einen großen Weitsprecher eine Proklamation für ganz Tharixan heraus. Er forderte jeden großen Landbesitzer in den von ihm noch nicht verwüsteten Regionen auf, zu ihm zu kommen, sich zu unterwerfen und einige der Heimatlosen mit sich zurück­zunehmen. Die Lektion, die er den Planeten gelehrt hatte, war so hart, daß unser Lager die nächsten Tage von blauen Besuchern wimmelte. Ich mußte notwendiger­weise mit ihnen verhandeln und vergaß ganz, was Schlaf eigentlich war. Aber zum größten Teil waren sie sehr bescheiden. Tatsächlich war diese Rasse so lange zwi­schen den Sternen übermächtig gewesen, daß jetzt nur noch ihre Soldaten Gelegenheit hatten, mannhafte Ver­achtung für den Tod zu entwickeln. Und sobald diese sich unterworfen hatten, taten es ihnen die Bürger und Frei­sassen schnell gleich — und waren es so gewohnt, eine all­mächtige Regierung über sich zu haben, daß sie nie auch nur im Traume daran dachten, es könnte möglich sein, sich gegen diese Regierung zu erheben.

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