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Frikassee im Weltraum [= Kreuzzug nach fremden Sternen = Sir Rogers himmlischer Kreuzzug / The High Crusade - de]

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Im Jahre 1345 trägt sich eine höchst erstaunliche Geschichte zu. Ein Raumschiff der eroberungslustigen Wersgorix — blaugesichtige Aliens, die sich ein Stemenimperium zusammengeraubt haben — landet im englischen Lincolnshire. Angesichts der Burg von Sir Roger Baron de Toumeville und der armseligen Hütten des Dorfes am Fuße der Burg sowie der mittelalterlichen Rüstung und Bewaffnung von Sir Roger und seinen Mannen glauben die Fremden ein leichtes Spiel zu haben. Kurz entschlossen greifen sie an. Aber sie haben die Rechnung ohne den gleichermaßen beherzten wie pfiffigen Sir Roger gemacht. Statt das Hasenpanier zu ergreifen, startet er einen Gegenangriff und überrumpelt die im Nahkampf unerfahrenen Aliens. Alle bis auf einen läßt Sir Roger niedermachen. Dieser eine soll in einer hochnotpeinlichen Befragung die Geheimnisse der Himmelsmaschine preisgeben. Aber der Wersgorix zeigt sich nur scheinbar kooperativ. Als Sir Roger samt Kind und Kegel aufbricht, um mit Hilfe des Raumschiffes in Windeseile zu Kriegsschauplätzen in Frankreich und im Heiligen Land zu gelangen, rächt sich der die Steuerung programmierte Alien. Statt im Heiligen Land landet das Schiff auf einem schwerbewaffneten Außenposten des Wersgorix-Imperiums. Mann und Roß, Lanze und Schwert im Kampf mit einem Gegner, der über eine Supertechnik verfügt — der Ausgang dieser Auseinandersetzung scheint über jeden Zweifel erhaben zu sein. Aber der Schein trügt. Sir Roger hat noch viele Lektionen für die kriegerischen Wersgorix parat.
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»Nun«, sagt er etwas unsicher, »ich muß aufbrechen.«

»Ja.« Ihr Rücken ist schlank und gerade. »Ich glaube.« Er räuspert sich. »Ich glaube. Ihr habt alles Notwendige gelernt.« Als sie darauf nicht antwor­tet: »Denkt daran, es ist von höchster Wichtigkeit, jene Studenten der Wersgorsprache bei ihren Lektionen zu halten. Andernfalls sind wir wie Taubstumme unter unse­ren Feinden. Aber vertraut nie unseren Gefangenen. Sie müssen stets von zwei bewaffneten Männern bewacht werden.«

»Jawohl.« Sie nickt. Sie trägt keine formelle Frisur, und das Kerzenlicht schimmert in den weichen Wellen ihres kastanienbraunen Haares. »Ich werde auch daran den­ken, daß die Schweine das neue Korn nicht brauchen, das wir den anderen Tieren geben.«

»Höchst wichtig! Und achtet darauf, diese Festung gut zu versorgen. Jene von unseren Leuten, die Eingeborenennah­rung zu sich genommen haben, sind gesund und munter. Ihr könnt also von Wersgor-Kornspeichern abfordern.«

Das Schweigen verdichtet sich um sie. »Nun«, sagt er, »ich muß aufbrechen.«

»Gott sei mit Euch, mein Herr und Meister.«

Er steht einen Augenblick reglos da, studiert den win­zigsten Tonfall ihrer Stimme. »Catherine.«

»Ja, mein Herr?«

»Ich habe Euch unrecht getan«, preßt er heraus. »Und Euch vernachlässigt, was schlimmer ist.«

Ihre Hände greifen nach ihm, als hätten sie eigenes Leben. Seine harten Hände schließen sich um sie. »Jeder Mann kann einmal irren«, haucht sie. Er wagt es, in die blauen Augen zu sehen.

»Wollt Ihr mir ein Zeichen geben?« fragt er.

»Für Eure sichere Rückkehr.«

Seine Hände greifen nach ihrer Hüfte, er zieht sie an sich und ruft freudig aus: »Und meinen Sieg! Gebt mir Euer Zeichen, und ich werde Euch dieses Reich zu Füßen legen!«

Sie reißt sich los. Erschrecken zuckt um ihre Lippen. »Wann werdet Ihr anfangen, nach unserer Erde zu suchen?«

»Welche Ehre liegt darin, nach Hause zu kriechen, wenn die Sterne selbst unsere Feinde bleiben?« Der Stolz klingt in seinen Worten mit.

»Gott helfe mir«, flüstert sie, und sie flieht ihn. Er steht lange da, bis das Geräusch ihrer Füße in den kalten Korri­doren verklungen ist. Dann dreht er sich um und geht zu seinen Männern hinaus.

Wir hätten uns in eines der großen Schiffe drängen kön­nen, hielten es aber für das beste, uns auf zwanzig zu ver­teilen. Ein junger Bursche, der etwas von Heraldik ver­stand, hatte sie mit Wersgorfarbe neu gestrichen. Jetzt strahlten sie in Scharlachrot, Gold und Purpur, und am Flaggschiff prangten das Wappen der de Tourneville und die englischen Leoparden.

Tharixan fiel hinter uns zurück. Wir traten in jenen fremdartigen Zustand ein, bei dem man in mehr Dimen­sionen als die geordneten drei des Euklid eintaucht und sie wieder verläßt, was die Wersgorix den ›Super-Licht-Antrieb‹ nennen. Wieder flammten ringsum die Sterne, und wir vergnügten uns damit, den neuen Konstellatio­nen Namen zu geben — der Ritter, der Pflug, die Arm­brust und mehr, darunter auch einige, die sich nicht dafür eignen, in diese Schrift aufgenommen zu werden.

Die Reise war nicht lang: nur ein paar Erdtage, soweit wir das von den Uhren ablesen konnten. Wir ruhten aus und waren scharf wie Hunde, als wir schließlich in das Planetensystem von Bodavant eindrangen.

Unterdessen hatten wir begriffen, daß es viele Farben und viele Größen von Sonnen gibt, alle vermischt. Die Wersgorix bevorzugten wie die Menschen kleine gelbe. Bodavant war röter und kühler. Nur einer seiner Planeten war bewohnbar (der übliche Fall); und wenn dieser Boda auch von Menschen oder Wersgorix hätte besiedelt wer­den können, so würden diese ihn doch als düster und kühl empfunden haben. So hätten sich unsere Feinde nicht die Mühe gemacht, die eingeborenen Jairs zu besie­gen, sondern sie nur daran gehindert, noch mehr Kolo­nien zu erwerben, als sie bereits bei ihrer Entdeckung besaßen, und ihnen darüber hinaus höchst ungünstige Handelsverträge aufgezwungen.

Der Planet hing wie ein riesiger Schild, gefleckt und rostig, vor den Sternen, als die eingeborenen Kriegs­schiffe uns anriefen. Wir brachten unsere Flottille gehor­sam zum Stillstand. Vielmehr hörten wir auf zu beschleu­nigen und stürzten einfach auf einer hyperbolischen Unterlichtbahn durch den Weltraum, der die Jairfahrzeuge sich anpaßten. Aber diese Probleme der himm­lischen Navigation bereiten meinem armen Kopf Schmer­zen; ich bin es zufrieden, sie den Astrologen und Engeln zu überlassen.

Sir Roger lud den Jair-Admiral an Bord unseres Flagg­schiffes ein. Wir benutzten natürlich die Wersgorsprache, und ich übersetzte. Aber ich werde nur den wesentlichen Inhalt der Gespräche wiedergeben, nicht das langweilige Zeremoniell, das in Wirklichkeit stattfand.

Man hatte einen Empfang vorbereitet, in der unver­kennbaren Absicht, die Besucher zu beeindrucken. Der Korridor vom Portal bis zum Refektorium war von Krie­gern gesäumt. Die Langbogen-Schützen hatten ihre grü­nen Westen und Strümpfe geflickt, ihre Kappen mit Federn geschmückt und hielten ihre schrecklichen Waffen in der Hand. Die gewöhnlichen Soldaten hatten das wenige Eisen, das sie besaßen, und ihre flachen Helme poliert und bildeten einen Pikenbogen. Dahinter, wo der Gang sich ausweitete und breit genug war, um dies zuzu­lassen, prunkten zwanzig Kavalleriemänner in voller Rüstung, mit Banner und Wimpel, Federn und Lanze auf unseren größten Kriegsrössern. An der letzten Türe stand Sir Rogers Jagdmeister, den Falken auf der Hand und ein Rudel Bullenbeißer zu seinen Füßen. Trompeten tönten, Trommeln rollten, Pferde bäumten sich auf, Hunde bell­ten, und wie aus einem Munde hallte der Ruf »Gott und St. Georg für England! Hurra!« durch das Schiff.

Die Jairs wirkten ziemlich betroffen, setzten aber den Marsch zum Refektorium fort. Er war mit den prächtig­sten Geweben behängt, die wir erbeutet hatten. Am Ende des langen Tisches saß Sir Roger in brokatbestickten Kleidern, umgeben von Hellebardenträgem und Arm­brustschützen, auf einem Thron, den unsere Zimmerleute schnell zusammengenagelt hatten. Als die Jairs eintraten, hob er einen goldenen Wersgorpokal und trank auf ihre Gesundheit. Er hatte eigentlich Wein benutzen wollen, aber Pater Simon hatte entschieden, daß der für die hei­lige Kommunion reserviert werden mußte, und darauf hingewiesen, daß die fremden Teufel den Unterschied nicht erkennen würden.

»Wäes häeil!« deklamierte Sir Roger, ein englischer Satz, den er selbst dann liebte, wenn er das ihm vertrau­tere Französisch sprach.

Die Jairs zögerten, bis Pagen ihnen mit dem Zeremoni­ell des königlichen Hofs ihre Plätze gezeigt hatten. Anschließend betete ich einen Rosenkranz und erbat den Segen für die Konferenz. Dies geschah, wie ich gestehe, nicht nur aus religiösen Gründen. Wir hatten bereits erfahren, daß die Jairs gewisse verbale Formeln dazu benutzten, verborgene Kräfte des Körpers und des Geistes heraufzubeschwören. Wenn sie genügend umnachtet waren, mein sonores Latein für eine wesentlich ein­drucksvollere Version derselben Sache zu halten, war die Sünde ja nicht die unsere, oder?

»Willkommen, mein Lord«, sagte Sir Roger. Auch er wirkte sehr ausgeruht. Er hatte sogar das leichte Funkeln irgendeiner Teufelei an sich. Nur jene, die ihn gut kann­ten, hätten erahnen können, welche Leere sich dahinter verbarg. »Ich bitte um Vergebung für mein unzeremoniel­les Eindringen in Euer Reich, aber die Nachricht, die ich Euch bringe, duldet kaum Aufschub.«

Der Jair-Admiral beugte sich gespannt nach vorne. Er war ein wenig größer als ein Mann, wenn auch schlan­ker und eleganter, und seinen Körper bedeckte weicher, grauer Pelz, den rings um den Kopf ein weißer Kranz zierte. Das Gesicht wirkte wie das einer Katze, mit riesi­gen, purpurfarbenen Augen und einem Schnurrbart, sah sonst aber ganz menschlich aus. Das soll heißen, es wirkte so menschlich wie die Gesichter in einem Triptychon, wenn sie ein nicht besonders geschickter Künstler gemalt hat. Er trug enganliegende Kleider aus braunem Stoff, mit Rangabzeichen. Aber sie wirkten recht dürftig, er und seine acht Begleiter, im Vergleich zu dem Glanz, den wir zusammengekratzt hatten. Sein Name, wie wir später erfuhren, war Beljad sor Van.

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