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Frikassee im Weltraum [= Kreuzzug nach fremden Sternen = Sir Rogers himmlischer Kreuzzug / The High Crusade - de]

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Im Jahre 1345 trägt sich eine höchst erstaunliche Geschichte zu. Ein Raumschiff der eroberungslustigen Wersgorix — blaugesichtige Aliens, die sich ein Stemenimperium zusammengeraubt haben — landet im englischen Lincolnshire. Angesichts der Burg von Sir Roger Baron de Toumeville und der armseligen Hütten des Dorfes am Fuße der Burg sowie der mittelalterlichen Rüstung und Bewaffnung von Sir Roger und seinen Mannen glauben die Fremden ein leichtes Spiel zu haben. Kurz entschlossen greifen sie an. Aber sie haben die Rechnung ohne den gleichermaßen beherzten wie pfiffigen Sir Roger gemacht. Statt das Hasenpanier zu ergreifen, startet er einen Gegenangriff und überrumpelt die im Nahkampf unerfahrenen Aliens. Alle bis auf einen läßt Sir Roger niedermachen. Dieser eine soll in einer hochnotpeinlichen Befragung die Geheimnisse der Himmelsmaschine preisgeben. Aber der Wersgorix zeigt sich nur scheinbar kooperativ. Als Sir Roger samt Kind und Kegel aufbricht, um mit Hilfe des Raumschiffes in Windeseile zu Kriegsschauplätzen in Frankreich und im Heiligen Land zu gelangen, rächt sich der die Steuerung programmierte Alien. Statt im Heiligen Land landet das Schiff auf einem schwerbewaffneten Außenposten des Wersgorix-Imperiums. Mann und Roß, Lanze und Schwert im Kampf mit einem Gegner, der über eine Supertechnik verfügt — der Ausgang dieser Auseinandersetzung scheint über jeden Zweifel erhaben zu sein. Aber der Schein trügt. Sir Roger hat noch viele Lektionen für die kriegerischen Wersgorix parat.
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Thomas Bullards Schultern sanken nach vorne, wie er so in der Nähe des Baronswimpels saß. »Nun«, seufzte er, »wir haben gegeben, was wir geben konnten. Wer reitet jetzt mit mir hinaus und zeigt denen, wie echte Engländer sterben können?«

Sir Rogers Gesicht verzog sich in ernste Falten. »Wir haben eine schwere Aufgabe vor uns. Freunde«, sagte er. »Wir hatten recht, unser Leben aufs Spiel zu setzen, solange Aussicht auf Sieg bestand. Jetzt, da wir die Nie­derlage vor uns sehen, haben wir nicht das Recht, dieses Leben wegzuwerfen. Wir müssen leben — als Sklaven, wenn es sein muß —, auf daß unsere Frauen und Kinder auf dieser Höllenwelt nicht ganz alleine sind.«

»Bei den Gebeinen Gottes!« schrie Sir Brian Fitz-Wil­liam. »Seid Ihr zum Feigling geworden?«

Die Nüstern des Barons blähten sich. »Ihr habt gehört, was ich gesagt habe«, erklärte er. »Wir bleiben hier.«

Und dann — dem Himmel sei gedankt — war es, als wäre Gott selbst gekommen, um seine armen, sündigen Parteigänger zu erlösen. Heller als der Blitz flammte es ein paar Meilen hinter uns im Wald auf. Das Leuchten war so grell, daß jene wenigen, die zufällig in die Rich­tung sahen, ein paar Stunden lang blind waren. Ohne Zweifel erlitten viele Wersgorix dieses Schicksal, da ihre Armee in Richtung auf den Blitz blickte. Das Brüllen, das sich anschloß, warf viele Reiter aus dem Sattel und ließ so manchen Fußsoldaten zu Boden gehen. Ein Wind fegte über uns hinweg, heiß wie aus einem Backofen, und blies die Zelte wie kleine Stoffpuppen davon. Dann sahen wir, wie eine Wolke aus Staub und Rauch aufstieg. Geformt wie ein bösartiger Pilz, ragte sie fast bis zum Himmel.

Minuten verstrichen, ehe sie anfing sich aufzulösen, und die Wolken ganz oben hielten sich noch stundenlang.

Die Kriegswagen kamen knirschend zum Stillstand. Sie wußten, im Gegensatz zu uns, was jener Blitz bedeutete. Es war eine Granate der allergrößten Macht, jene Ver­nichtung der Materie, von der ich auch heute noch das Gefühl habe, daß sie ein Eingriff in Gottes Werk ist obwohl mein Erzbischof mir Stellen aus der Schrift vor­gelesen hat, die beweisen, daß jegliche Kunst legitim ist solange sie nur für einen guten Zweck benutzt wird.

Dies war, gemessen an Granaten dieser Art, keineswegs eine sehr starke Granate. Sie war dafür bestimmt,, einen Kreis vom Durchmesser einer halben Meile zu ver­nichten und erzeugte verhältnismäßig wenig jener subti­len Gifte, die solche Explosionen begleiten. Und sie war weit genug vom Schauplatz des Geschehens entfernt abgefeuert worden, um niemandem ein Leid zu tun.

Und doch versetzte sie die Wersgorix in ein grausames Dilemma. Wenn sie eine ähnliche Waffe einsetzten, um unser Lager auszulöschen — falls sie uns irgendwie über­rannten  —, mußten sie mit einem Hagel des Todes rech­nen. Denn die verborgene Bombarde hätte dann sicher keinen Anlaß mehr, die Gegend von Ganturath zu scho­nen. So mußten sie ihren Angriff einstellen, bis sie diesen neuen Feind gefunden und gefechtsunfähig gemacht hat­ten.

Ihre Kriegswagen torkelten zurück. Die meisten Flug­maschinen, die sie in Reserve gehalten hatten, stiegen auf, verteilten sich am Himmel und suchten denjenigen, der jene Bombe gezündet hatte. Wie wir aus unseren Studien wußten, basierte diese Suche in erster Linie auf einem Gerät, das dieselben Kräfte nutzte, wie wir sie in Magnet­steinen gefunden hatten. Durch Kräfte, die ich nicht begreife und die zu begreifen ich auch gar keinen Wunsch verspüre, da das Wissen für die Erlösung unerheblich ist, um nicht zu sagen nach den Schwarzen Künsten schmeckt, konnte dieses Gerät größere Metallmengen aufspüren. Eine Kanone, die groß genug war, um eine Granate solcher Potenz abzufeuern, müßte daher von jedem beliebigen Luftfahrzeug entdeckt werden, das sich ihrem Versteck auch nur auf eine Meile näherte.

Und doch war keine solche Kanone aufzufinden. Nach einer angespannten Stunde, in der wir Engländer die Umgebung beobachteten und auf unseren Wällen bete­ten atmete Sir Roger tief durch.

»Ich will nicht undankbar erscheinen«, sagte er, »aber ich glaube, daß Gott uns vermittels Sir Owain geholfen hat, und nicht etwa direkt. Wir sollten seine Gruppe irgendwo da draußen im Wald finden, selbst wenn die feindlichen Flieger dazu nicht imstande scheinen. Pater Simon. Ihr müßt doch wissen, wer die besten Wilddiebe in Eurer Pfarrei sind.«

»Oh, mein Sohn!« rief der Kaplan aus.

Sir Roger grinste. »Ich will nicht das Beichtgeheimnis brechen. Ich sage nur, daß du ein paar. wollen wir sagen — geschickte Waldläufer? —  damit beauftragen sollst, daß sie sich durch das Gras in jenen Wald schleichen. Sie sollen Sir Owain ausfindig machen, wo immer er auch sein mag, und ihm befehlen, mit dem Feuer zu warten, bis ich ihm Bescheid sage. Du brauchst mir nicht zu sagen, wen du schickst, Pater.«

»In diesem Fall, mein Sohn, soll es befehlsgemäß geschehen.« Der Priester zog mich zur Seite und forderte mich auf, als sein locum tenens den Verletzten und Ver­ängstigten geistlichen Beistand zu leisten, während er einen kleinen Suchtrupp in den Wald führen wollte. Aber mein Herr fand eine andere Aufgabe für mich. Er und ich und ein Knappe ritten mit einem weißen Banner auf das Wersgorlager zu. Wir nahmen an, daß der Feind genügend Witz besitzen würde, um die Bedeutung der weißen Fahne zu begreifen, selbst wenn er nicht dasselbe Signal für Waffenruhe benutzte.

Und so war es auch. Huruga selbst fuhr in einem offenen Wagen heraus, uns entgegen. Seine blauen Wangen wirkten eingefallen, und seine Hände zitterten.

»Ich fordere Euch auf. Euch zu ergeben«, sagte der Baron. »Hört auf, mich zu zwingen. Eure armseligen Leute zu vernichten. Ich garantiere Euch, daß man alle anständig behandeln wird, und jeder wird Gelegenheit bekommen, um Lösegeld nach Hause zu schreiben.«

»Ich… mich einem Barbaren wie Euch ergeben?« ächzte der Wersgor. »Bloß weil Ihr über eine — irgend­eine verdammte ortungssichere Kanone verfügt — nein!«

Er hielt inne. »Aber damit ich Euch loswerde, erlaube ich Euch, diesen Ort in den Raumschiffen zu verlassen, die Ihr an Euch gerissen habt.«

»Sire«, stöhnte ich, als ich das übersetzt hatte, »haben wir tatsächlich die Flucht gewonnen?«

»Kaum«, antwortete Sir Roger. »Vergiß nicht, daß wir den Weg zurück nicht finden können, und jetzt können wir es noch nicht wagen, um einen geschickten Navigator zu bitten, sonst würden wir unsere Schwäche offenbaren und wieder angegriffen werden. Selbst wenn wir irgend­wie nach Hause gelangten, würde das diesem Teufelsnest immer noch die Chance geben, ein neues Komplott aus­zuhecken, um England wieder anzugreifen. Nein, ich fürchte, wenn man einmal auf einen Bären gestiegen ist, kommt man nicht wieder so schnell herunter.«

So sagte ich dem blauen Adeligen schweren Herzens, daß wir sehr viel mehr als heruntergekommene, alte Raumschiffe haben wollten, und wenn er sich nicht ergäbe, würden wir uns gezwungen sehen, sein Land zu verwüsten. Huruga knurrte anstelle eine Antwort und fuhr zurück.

Auch wir kehrten zurück. Kurz darauf kam Red John Hameward mit Pater Simons Gruppe, die er auf dem Weg zu unserem Lager getroffen hatte.

»Wir sind ganz offen zur Burg Stularax geflogen, Sire«, berichtete er. »Wir sahen andere Himmelsboote, aber kei­nes hat uns angehalten, sie hielten uns einfach für eines der ihren. Dennoch wußten wir, daß die Wachen der Festung uns unmöglich ohne Fragen würden landen las­sen, und gingen daher in einem Wald, der ein paar Meilen von der Burg entfernt, herunter. Wir bauten unsere Bela­gerungsmaschine auf und schleuderten eine unserer platzenden Granaten hinein. Sir Owain hatte die Idee, ein paar auf sie zu schleudern, um ihre äußeren Verteidi­gungsanlagen etwas zu schwächen. Dann wollten wir uns zu Fuß näher heranschleichen, ein paar Leute zurücklassen und einige weitere Granaten abfeuern und anschlie­ßend die Wände niederreißen. Wir rechneten damit, daß die ganze Garnison herumrennen würde, um unsere Maschinen zu suchen, und glaubten daher, wir würden uns unschwer einschleichen können und die zurückgelas­senen Posten töten. Anschließend wollten wir aus den Arsenalen mitnehmen, was wir tragen konnten, und zu unserem Boot zurückkehren.«

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