Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Mut und Kaltblütigkeit des Bizzarro setzten ihn bald bei seinen Gefährten in großes Ansehen. Er wurde zum Chef der Bande ausersehen, und sobald er die unumschränkte Macht in Händen hielt, schien ihm der Augenblick der Rache gekommen zu sein.
Eines Sonntags vor ungefähr einem halben Jahr war die ganze Bewohnerschaft von Varano – so heißt das Dorf, in dem man ihn als tot hatte liegen lassen -, die ganze Bewohnerschaft von Varano und darunter die Familie seines früheren Herrn in ebenjener Kirche versammelt, in der er eine so wenig heimelige Nacht zugebracht hatte, als der Bizzarro mit seiner Bande die Kirche betrat, zum Altar schritt, sich umdrehte und allen befahl, die Kirche zu verlassen.
Die Menge hatte einen Augenblick lang verwirrt und erschrocken gezaudert, doch sie gehorchte, als der Bizzarro seinen Namen sagte und zu schießen drohte; er war bereits so berüchtigt, dass niemand Widerstand leistete; alle stürzten zur Tür, und an den Briganten zog eine stumme, verschreckte und zu Tode verängstigte Menge vorbei.
Zwei Opfer erspähte der Bizzarro mitten unter den Flüchtenden, zwei Söhne seines einstigen Herrn, Brüder seiner Geliebten, zwei Rächer, die ihn mit Messerstichen traktiert hatten.
Weniger glücklich als einst der Bizzarro, stürzten die zwei armen Teufel tödlich getroffen zu Boden, um sich nie wieder zu erheben; doch die Rechnung des Bizzarro war noch nicht beglichen, denn sein ehemaliger Herr hatte fünf Söhne, seine Tochter hatte fünf Brüder, und fünf, nicht zwei Rächer waren über ihn hergefallen, so dass ihm noch drei Opfer fehlten.
Der Bizzarro durchsuchte mit seinen Leuten die Kirche, und hinter dem Altar fand er die Gesuchten, die sich dort versteckt hatten; er erstach sie mit eigener Hand, denn die Rache wollte er ganz allein auskosten; doch zwei weitere Personen suchte er noch immer, den Vater seiner Geliebten und die Geliebte selbst.
Er eilte zum Haus des alten Mannes und fand diesen krank im Bett vor, von seiner Tochter gepflegt. Diese erkannte ihren einstigen Geliebten, ahnte, dass er gekommen war, um schreckliche Rache zu üben, und warf sich zwischen ihn und ihren Vater; doch der Bizzarro stieß sie weg, vollendete am Vater das Massaker aller männlichen Familienmitglieder, entführte die in seinen Armen ohnmächtig gewordene Geliebte, warf sie über sein Pferd und ritt mit ihr in die Berge zurück.«
»Und was geschah mit ihr?«, fragte die Herzogin von Lavello. »Hat man seither von ihr gehört?«
»Leider, Madame, muss ich zur Schande oder zur Ehre Ihres Geschlechts – denn ich wüsste wahrhaftig nicht zu sagen, welches von beiden zutrifft – Folgendes bemerken: Die Liebe war stärker als die Blutsbande, sie hatte den Bizzarro als das Opfer ihres Vaters und ihrer Brüder weitergeliebt, sie liebte ihn auch als den Mörder ihres Vaters und ihrer Brüder, und da die Bande des Bizzarro wie eine militärische Truppe geführt wird, sah man sie seit jenem Tag zu Pferde und in Männerkleidung an seiner Seite, und in dem unerbittlichen Partisanenkrieg hat sie eine Kühnheit und einen Mut bewiesen, die sie ihrem Gefährten ebenbürtig machen.«
»Und es war nicht möglich, dieses Elenden habhaft zu werden?«, fragte die Herzogin.
»Auf seinen Kopf wurden zweitausend Dukaten Belohnung ausgesetzt, Madame; doch bislang wagte kein Spitzel, ihn zu verraten, und er ist allen Schlichen und Fallen entschlüpft, die man gegen ihn ersonnen hat.«
»Wohlan, Graf Leo«, sagte Manhès, »an deiner Stelle würde ich, zum Teufel auch, den Kopf des Bizzarro bekommen oder auf meinen Namen verzichten.«
»Ich werde meinen Namen behalten«, sagte Leo, »und seinen Kopf bekommen.«
»An diesem Tag«, sagte die Herzogin von Lavello, »werde ich Sie meine Hand küssen lassen.«
112
In welchem Kapitel die zwei jungen Männer Abschied voneinander nehmen, damit der eine seinen Dienst bei Murat wieder antreten und der andere Reynier bitten kann, ihn in Dienst zu nehmen
An dem Tag nach obigem Abendessen nahmen Manhès und Graf Leo das Angebot König Josephs an, Wildschweine in Asproni zu jagen: Denn dies zogen sie dem wenig verlockenden Wild von Capodimonte vor.
Sie erlegten ein Dutzend Wildschweine, die sie in einem Karren mitbrachten und deren Fleisch sie an die Soldaten verteilen ließen.
Saliceti überredete die zwei jungen Männer, eine Woche in Neapel zu verbringen, damit sie die Sehenswürdigkeiten der Stadt, auf die er stolz war, besichtigen konnten; er begleitete sie persönlich auf einige dieser Ausflüge.
Sie besuchten Nisida und die Villa des Lucullus; sie besuchten Pozzuoli, das vor Neapel die Hauptstadt Kampaniens gewesen war, den Serapistempel, die Überreste der Brücke des Caligula, den Lucriner See, der durch das Erdbeben von 1538 zur Hälfte verschüttet war, und den Averner See, an dessen Ufer Äneas den goldenen Zweig pflückte, der ihm die Pforten der Unterwelt öffnen sollte; und zuletzt besuchten sie das Mare Morto oder den Acheron, in dem statt Flammen heutigentages schlammige Wasser plätschern, welche die Eigenschaft haben, Austern und Muscheln, die von Tarent hergebracht werden, zu mästen; über einen bezaubernden Weg vor einem Hintergrund grüner Bäume und gelber Heide gelangten sie zum Hafen von Misenum, dem heutigen Miseno, wo die römische Flotte ankerte, als Plinius der Ältere, der Admiral der Flotte, sich mit einem Boot von dort aufmachte, um das Phänomen des Vesuvausbruchs aus der Nähe zu erkunden, und zwischen Stabiae und Pompeji vom Sand erstickt wurde; dann besuchten sie Baia, wo Cicero eine Villa besaß, zu deren Besitz er sich des schlechten Rufs wegen, den der Badeort genoss, nicht zu bekennen wagte und die er deshalb als seine Villa in Cumae bezeichnete, und Bauli mit seinem Kirchturm aus Fayence, der in der Sonne funkelt: Bauli, wo Nero vorgab, sich mit seiner Mutter versöhnt zu haben, und ihr zum Abschied die Brüste küsste, was, wie Tacitus sagt, der größte Beweis von Aufmerksamkeit und Achtung war, den ein Sohn seiner Mutter widerfahren lassen konnte. Hundert Schritte von dort öffnete sich der Boden der vergoldeten Galeere, die sie zu ihrer Villa in Baia zurückbrachte. Ohne einen Schrei zu äußern, ohne um Hilfe zu rufen, schwamm Agrippina zu ihrem Haus in Baia, wo sie von ihren Sklaven aufgenommen wurde; doch eine Stunde später kam Anicetus, dem sie als letzte Worte an die Adresse ihres Sohnes die zwei schrecklichen Worte hinterließ: Feri ventrem! (»Schlage den Bauch!«). So strafte sie ihre Lenden dafür, einen Elternmörder getragen zu haben.
Und am anderen Ende des Halbmonds, den der Hafen von Neapel bildet, besuchten sie Portici, Torre del Greco, Castellamare mit seinen Orangenhainen, das seinen Namen der Festung verdankt, die im Meer von Sorrent zerfällt, dann das Kap Campanella, die Stelle, die der Insel Capri am nächsten ist, doch Capri konnten sie nicht betreten, denn es war vor etwa einem Jahr von den Engländern erobert worden.
Trotz der Gefahr, die es bedeutete, die Wälder von Cava zu durchqueren, um Salerno zu erreichen, konnten die jungen Männer der Verlockung, Paestum zu besuchen, nicht widerstehen, denn auch sie wollten ihre Namen den Denkmälern der griechischen Antike einschreiben, die schon zu Zeiten des Augustus Ruinen waren.
Inmitten der Dornenranken und des wuchernden Unkrauts, die den Zugang zu diesen Wunderwerken des Altertums verwehren, hatte René größte Mühe, eine jener Rosen zu finden, die einst körbeweise nach Neapel geschickt wurden, um dort den Tisch eines Apicius oder Lucullus zu schmücken.
Eine Schlange, von ihren Schritten aufgeschreckt, glitt aus den Dornen hervor, entrollte ihre goldenen Windungen auf den dunklen Steinfliesen eines Tempels und verschwand.
Zweifellos war sie die Schutzgottheit dieses einsamen Ortes.