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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Ich komme nur, um eine traurige Pflicht zu erfüllen. Uns ist zu Ohren gekommen, daß Don Manuel tödlich verunglückt ist. Ich möchte ihn einsegnen, damit er in geweihter Erde beigesetzt werden kann.«

Die Gräfin wechselte einen schnellen Blick mit dem Grafen. Es war ihr unerfindlich, woher die beiden Dorfgewaltigen bereits vom Tode des Majordomo Kenntnis haben konnten. Aber sie hatte sich gut in der Gewalt.

»Selbstverständlich will ich Euch nicht an Eurer Pflicht hindern, Hochwürden, obwohl ich nicht einsehe, warum die Einsegnung nicht auch morgen noch zurechtgekommen wäre.« »Führt mich zu der Leiche, Gräfin!«

Diese Aufforderung kam Marina sichtlich ungelegen. Sie war auf das plötzliche Kommen des Pfarrers nicht vorbereitet gewesen; deshalb lag der tote Majordomo völlig unzeremoniell auf einer Holzkiste im Futterraum des Pferdestalles.»Nun, wenn Ihr denn unbedingt wollt, so folgt mir«, sagte sie kühl und wandte sich zur Tür. »Hier entlang.«

Zusammengekrümmt und ungewaschen lag die Leiche mit aufgerissenen Augen auf der Holzkiste.

»Diablo«, stieß der Alcalde entsetzt hervor.

»Ein sehr unpassender Ausdruck, den Ihr soeben gebrauchtet, Alcalde«, meinte die Gräfin mit kaltem Spott.

»An so heiliger Stätte, wo gleich der feierliche Akt einer Einsegnung erfolgen soll, wählt man seine Worte besser.«

Der Pfarrer, ein von seinem Glauben besessener, aber gerechter Mensch, meinte mit zorniger Stimme:

»Fast möchte ich dem Ausdruck meines Begleiters beistimmen. Es ist eine Schande, wie Ihr einen Toten aufbahrt, der Euch im Leben ein treuer Diener gewesen ist.«

»Einesteils habt Ihr recht, Senor Pfarrer, andererseits möchte ich sagen, daß mir dieser Aufenthaltsort für einen toten Verbrecher gut genug erscheint«, erscholl da auf einmal eine Stimme aus dem Dunkel des Pferdestalls.

Die vier Anwesenden fuhren herum.

»Wer ist da?« fragte der Pfarrer mit donnernder Stimme.

Michel Baum trat ins Licht und antwortete:

»Der Kronzeuge.«

Die Gräfin stieß einen Schrei aus, der halb aus Wut und halb aus Triumph zu bestehen schien. »Greift ihn!« schrie sie. Aber es war niemand da, der ihrem Befehl nachkommen konnte. »Diesmal wird es wohl umgekehrt werden«, meinte Michel Baum. »Diesmal seid Ihr dran. Euer Spiel ist aus.« Jetzt mischte sich der Pfarrer ein und mahnte: »Macht hier kein Geschrei. Laßt dem Toten seine Ruhe. Man soll nicht Händel austragen an der Stätte der Weihe, selbst dann nicht, wenn es eine dürftige Stätte ist.« Da meinte der Alcalde.

»Könnt Ihr etwas Wesentliches sagen, Senor Silbador?«

»Und ob ich das kann! Ich klage die Gräfin de Villaverde y Bielsa an des Mordes an dem Majordomo, des Totschlags an dem Schäfer Pedro und der widerrechtlichen Gefangennahme ihres Mannes, des Grafen de Villaverde y Bielsa.«

»Er lügt, er lügt«, schrie Marina wütend, »glaubt ihm nicht. Er will mich verderben, weil ich mich ihm verweigerte. Er hat schändlich meine Gastfreundschaft mißbraucht. Und im übrigen seht ihr ja, daß mein Mann, der Graf de Villaverde, neben mir steht.« »Schweigt!« fuhr Michel sie an. »Ich würde nicht etwas behaupten, was ich nicht beweisen könnte.« Laut rief er: »Don Esteban, tretet vor!«

Eine zweite Gestalt trat in das trübe Licht der Öllampe. Mit wirren Haaren und langem Bart, völlig abgerissen und heruntergekommen, so, wie er in der Zelle gelebt hattte, trat der echte Graf de Villaverde y Bielsa vor die Anwesenden. Marina starrte ihn wortlos mit weit aufgerissenen Augen an; Fernando aber, der bisher kaum ein Wort gesagt hatte, schrie erschrocken auf: »Mein Gott, er ist's wirklich! Um des Himmels willen, Esteban, wie siehst du aus?«Da brach es aus dem Schwergeprüften hervor: »Das fragst du mich? Ja, so habt ihr mich verkommen lassen im Verließ meines eigenen Schlosses. An Körper und Seele habt ihr mich zwei Jahre lang geschunden und gequält. Geschmachtet habe ich, während du mit meiner, deines Vetters Frau, in Freuden gelebt und gepraßt hast!«

»Schlag ihn tot, Fernando, schlag sie alle tot, die ganze Sippe. Vierteile diesen verfluchten Silbador. Sie lügen alle, alle. Ich schwöre bei Gott, dem... «

»Haltet ein!« donnerte da die Stimme des Pfarrers. »Ruft nicht den Namen des Allmächtigen an, vor dessen Angesicht Ihr gesündigt habt!« Der Alcalde richtete sich auf. »Gräfin de Bielsa und Graf Fernando, im Namen des Königs verhafte ich euch wegen Mordes, Totschlags und Freiheitsberaubung. Ich ...«

»Ha!« schrie Marina, »Fernando, sie sollen uns nicht so einfach haben. Gib's ihnen!« Ein Dolch blitzte in ihrer Hand. Mit einem Wutschrei stürzte sie sich auf den Alcalden. Fernando, der keine andere Rettung mehr sah, besann sich darauf, daß er einst ein starker, kühner, von den Frauen verehrter Mann gewesen war, und zog seine Klinge. Ohne vorherige Warnung stürzte er sich auf den Silbador, den er mit Recht für den gefährlichsten Gegner hielt. Michel Baum sprang zurück und wich dem heimtückisch geführten Stich aus. Dann hatte er selbst seine Waffe in der Hand.

»Ergebt Euch!« rief er. »Ich will Euer Blut nicht. Ihr sollt vor den Richter. Vielleicht kommt Ihr mit einer Haftstrafe davon.« Aber Fernando griff wieder an.

Die Gräfin war von dem Pfarrer und dem Alcalden gepackt worden, wobei sich der Pfarrer ganz und gar nicht als Schwächling erwies, und stand nun, festgehalten, zwischen den beiden Männern. Mit weit aufgerissenen Augen sah sie dem Kampf zu.

Da — mit einem kaum vernehmbaren Aufstöhnen sank ihr der Geliebte vor die Füße. Michels Degen hatte ihn ins Herz getroffen.

Michel wandte sich halb entschuldigend an den Pfarrer.

»Ihr habt gesehen, Senor, es blieb mir keine andere Wahl. Ich wollte ihn schonen; aber er war heimtückisch.«

Der Pfarrer nickte nur.

Nachdem die Gräfin in den Kerker des Schlosses geworfen worden war, standen der Pfarrer, der Alcalde, Michel Baum, sein Gehilfe Juan und der befreite Graf vor der Tür des alten Grafen. Zögernd drückte Esteban die Klinke nieder. Die anderen warteten gespannt. Der Alte lag halb aufgerichtet in seinem Bett und sagte, als er seines Sohnes ansichtig wurde: »Ah, da bist du ja, Esteban, nun, du hast lange gebraucht, den Weg hierher zu finden. Wo bist du die ganze Zeit über gewesen? Ich habe deinen Vetter mehrmals nach dir gefragt; aber er konnte mir keine Auskunft geben.«»Nun ist alles wieder gut, Vater«, sagte Esteban. »Ich freue mich, daß ich wieder bei dir sein kann.«

»War etwas schlecht? Ach, ich bin sehr müde, weil--weil ich zu lange auf dich warten mußte, zu lange--zu lange--.«

»Ist es nicht furchtbar?« fragte Don Esteban, als er wieder zu den anderen trat.

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