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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Ihr wißt, Don Silbador, daß Ihr Euch auf mich verlassen könnt. Hat sich das Gerücht nicht wie ein Brand über das Gebirge verbreitet? Und zudem bringe ich auch noch eine neue Nachricht. Sie ist Gold wert.«

»Willst du mich auf die Folter spannen, hombre? Berichte doch, ohne dich erst bitten zu lassen.

Was gibt's?«

»Der Majordomo ist tot.«

»Donnerwetter«, entfuhr es Michel. »Das ging aber schnell. Wer hat ihn auf dem Gewissen?« »Niemand. Er ist die Treppe hinuntergestürzt und hat sich dabei das Genick gebrochen.« »So, so, was du nicht sagst. Hat der Arzt den Sachbestand bestätigt und den Totenschein ausgefüllt?«

Juan sah seinen neuen Herrn verwundert an.

»Wozu diese Formalitäten? Die Gräfin hat ihn die Treppe selbst hinunterfallen sehen. Das genügt.«

Michel grinste.

»Ach, sie hat ihn die Treppe hinunterfallen sehen? Nun, bei jedem anderen Augenzeugen hätte ich an ein Unglück geglaubt. Wenn sie jedoch dabei war, so hat sie sicher ein wenig nachgeholfen. Weißt du, was das bedeutet?« »Keine Ahnung«, meinte Juan.

»Soviel, daß sich die Verbrecher jetzt selbst gegenseitig den Garaus machen.« »Und was wollen wir jetzt machen?« fragte Juan.

»Das werde ich dir sofort auseinandersetzen. Du reitest auf schnellstem Wege zum Alcalden und womöglich auch zum Pfarrer und bittest sie, sich sogleich ins Schloß zu begeben, wie — — nun sagen wir, wie zu einem Totenbesuch. Dazu kommt uns der Haushofmeister wie gerufen. Sage dem Pfarrer, daß er ihn einsegnen möge. Ein tadelloser Grund zu einem Besuch, ein Grund, an dem selbst die kluge Teufelin nichts auszusetzen haben wird. Sieh zu, daß du mit den Herren in spätestens zwei Stunden auf dem Schloß bist. Richte ihnen aus, sie möchten ihren Besuch so lange ausdeh-nen wie nur möglich. Der Silbador wird heute abend den Beweis für seine Behauptung antreten. Du selbst hältst dich am besten im Hintergrund. Man braucht dich auf dem Schloß vorläufig gar nicht zu sehen. Hast du das verstanden?« »Ja, Senor. Alles.«

Juan sprang aufs Pferd und war in Sekundenschnelle verschwunden. Michel aber setzte sich hinter einen Busch und wartete, bis die Dunkelheit einbrach. Als etwa eine Stunde vergangen war, stieg er in den Schacht hinunter.

Er hatte bald das Gangende erreicht und stand nun vor der dicken Tür. Unglücklicherweise konnte man von hier aus auch nicht das leiseste Geräusch von innen her vernehmen. So mußte eben auf gut Glück gehandelt werden. Zur Öffnung der Tür war hier dasselbe Loch in den Boden gebohrt wie innen. Ein Griff, und sie drehte sich um ihre vertikale Achse. Michel war vorsichtshalber in den Gang zurückgetreten, um erst zu erspähen, ob die Luft rein war. Diese Vorsicht machte sich bezahlt. Er hörte, wie drinnen jemand erschrocken mehrmals hintereinander »Santa Maria, Santa Maria, Madre de Dios!« rief. Da stand er plötzlich mit einem ungeheuren Satz mitten im Gang, der vor den Zellen entlang führte. Fast wäre er beim Sprung mit dem Wächter zusammengeprallt. Dieser riß den Mund auf in ungläubigem Erstaunen, vergaß aber, zum zweitenmal zu schreien. Da hatte ihn Michel auch schon bei der Kehle und drückte ihm die Luft ab. Röchelnd sackte der Mann zusammen und wurde mit seinem eigenen Hosenriemen gebunden. An eben jenem Riemen fand Michel auch das wichtigste: einen ganzen Bund wunderschöner, glitzernder Schlüssel.

Sekunden später stand er vor der Zelle des Grafen. Ein kaum unterdrückter Jubelruf begrüßte ihn. Michel legte seinen Zeigefinger auf den Mund und sagte halblaut: »Wollt Ihr, daß man uns noch im letzten Augenblick bemerkt und uns unter Umständen beide wieder einlocht? Setzt Euch auf Eure Pritsche, Don Esteban. Ich hole den besinnungslosen Wächter, den wir dann an Eurer Stelle einschließen werden.«

Er eilte in den Gang zurück, um seinen Vorsatz auszuführen. Als er die Zelle wieder betrat, fand er einen in Tränen aufgelösten Menschen vor, der sein Schluchzen nur mit großer Mühe unterdrücken konnte.

»So faßt Euch doch«, sagte Michel in männlichem Zorn. »Hört jetzt lieber zu, welche Pläne ich noch habe heute abend.«

»Wollen wir nicht erst das Schloß verlassen?« fragte der Graf enttäuscht.

»Wohin wollt Ihr denn?« stellte Michel die verwunderte Gegenfrage.

»Weg«, sagte Don Esteban, »weit fort von hier. Auf, kommt, laßt uns so schnell wie möglich fliehen, damit wir bis morgen früh einen genügend großen Vorsprung haben.«

»Aus Euerm eigenen Schloß wollt Ihr fliehen? In drei Teufels Namen, Ihr werdet noch heute wieder Herr auf Villaverde sein! Wollt Ihr all das, was Euch gehört, Eurer Frau überlassen, die Euch so übel mitgespielt hat?«

»Wenn ich hierbleibe, dann wird sie mich über kurz oder lang wieder einsperren«, sagte der Graf erregt.

Michel war sprachlos. Hier half nur eine Gewaltkur.

»Zum Donnerwetter«, fuhr er den Grafen an, »was seid Ihr doch für ein Waschlappen! Wie könnt Ihr solche Angst vor einer Frau haben? Jetzt werden wir den Spieß umdrehen. Das Weib wird verhaftet, und zwar auf reguläre Art und Weise. Dann mögen die Gerichte mit ihr machen, was sie wollen. Und dabei müßt Ihr mir behilflich sein.« Der Graf ermannte sich. »Verzeiht«, sagte er, »Ihr habt mich falsch verstanden. Nicht die Angst vor meiner Frau wollte mich fliehen heißen, sondern die Angst vor mir selber. Ich bin nicht stark genug, um gegen meine Frau genau so unbarmherzig vorzugehen, wie sie gegen mich gehandelt hat. Gebt mir einen Rat.« Michel überlegte einen Augenblick. »Darüber können wir noch reden. Nur versprecht mir jetzt, daß Ihr für die nächste Zeit meine Anordnungen wörtlich befolgt, sonst ist meine ganze Arbeit umsonst gewesen.«

»Weshalb störst du uns noch so spät?« fragte Gräfin Marina, als ein Diener in den Salon trat, der anstelle des Majordomo das Amt des Haushofmeisters übernommen hatte. Der Mann verbeugte sich höflich und sagte:

»Verzeihung, Vuestra Merced, aber es ist soeben noch Besuch angekommen, der dringend empfangen zu werden bittet.«

»Besuch?« fragte der falsche Graf erstaunt. »Jetzt, um diese Zeit? Wer ist es?« »Der Pfarrer und der Alcalde von Bielsa«, antwortete der Diener.

»Der Pfarrer und der Alcalde? Was wollen sie um diese Zeit auf dem Schloß?«

Sie warf Fernando einen mißtrauischen Blick zu. Dann erhob sie sich und meinte:

»Wir werden wohl nicht umhin können, die beiden Herren zu empfangen. Führe sie herein.«

Die Angemeldeten kamen. Der Alcalde machte einen tiefen Bückling, wie es die Vorschrift heischte, der Pfarrer murmelte nur einen katholischen Gruß.

»Was wollt ihr zu so später Stunde noch auf dem Schloß, Senores?« fragte die Gräfin. Der Pfarrer trat einen Schritt vor und meinte:

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