Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Aus dem Schatten der Bäume brach ein Bär hervor. Sein wuchtiger Schulterkamm ragte hoch über seinen gesenkten Kopf, und sein bronzefarbenes Fell kräuselte sich wie Wasser im Schein der tief stehenden Sonne. Für eine solch massige und kurzbeinige Kreatur bewegte er sich unglaublich schnell, und sein Knurren schnitt durch die Luft wie eine Säge.
Sämtliche Pferde und Maultiere bäumten sich auf und drohten durchzugehen. Der junge Krieger vor Ista — Pejar war sein Name — stürzte nach links, als sein erschrockenes Reittier nach rechts ausbrach. Ista sah nicht mehr, wie Pejar zu Boden prallte, denn inzwischen hatte sie mit ihrem eigenen Pferd zu kämpfen, das einen schrillen Schrei ausstieß und auf die Hinterhand stieg. Zu spät versuchte Ista, die Zügel zu verkürzen und nach der Mähne zu greifen. Der Sattelknopf schlug ihr hart in den Leib, und der Sattel wurde unter ihr weggerissen; dann wirbelte ihr der Boden entgegen. Der Aufprall verschlug ihr beinahe den Atem. Benommen richtete sie sich auf und schnappte nach einem umherschlagenden Zügel, verfehlte ihn jedoch.
Inzwischen galoppierten die Pferde in alle Richtungen auseinander, und die wütenden Reiter rissen an den Zügeln und versuchten verzweifelt, die Tiere wieder unter Kontrolle zu bringen. Pejars Pferd war mit leerem Sattel über die Straße galoppiert und hatte sich schon weit entfernt; Istas Reittier folgte ihm, buckelte dabei und trat aus. Der junge Mann lag auf dem Boden und starrte entsetzt auf den Bären, der geifernd über ihm aufragte. War das Tier tollwütig, dass es auf diese Weise angriff? Die Bären in den Bergen waren in aller Regel scheu und gingen Menschen aus dem Weg. Und dieses Tier war keine Mutter, die ihre Jungen verteidigte. Es war ein ausgewachsenes Männchen.
Es ist kein Bär!
Atemlos und fasziniert, stolperte Ista näher heran. Trotz des anfänglichen Eindrucks von beängstigender Kraft war der Bär schwächlich und krank. Aus der Nähe war zu erkennen, dass der Pelz räudig war und in großen Büscheln ausfiel. Das Tier war von gewaltigem Körperbau, doch seine Muskeln wirkten ausgezehrt. Er bewegte sich auf zittrigen Beinen und schaute nun zu Ista empor, als wäre er von ihr ebenso fasziniert wie sie von ihm.
Sie hatte den Eindruck, dass die Essenz seines Wesens, seine Bärenhaftigkeit, von innen heraus verzehrt wurde. In den Augen, die ihren Blick erwiderten, glühte eine Intelligenz, die nichts mit dem Verstand eines Tieres zu tun hatte. Ein Dämon hat von ihm Besitz ergriffen und ihn fast schon verschlungen. Und nun braucht er einen neuen Wirt.
»Wie kannst du es wagen«, stieß Ista zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Du gehörst nicht in diese Welt, Dämon. Geh zurück zu deinem verfluchten Herrn.«
Sie hielten einander mit Blicken fest. Ista trat näher heran. Der Bär wich vor dem leichenblassen Jüngling am Boden zurück. Ein weiterer Schritt. Und noch einer. Der Bären-Dämon drückte den Kopf bis fast zum Boden herab. Seine Augen waren weit aufgerissen und weiß umrandet. Er schnüffelte und wich ängstlich immer weiter zurück.
»Ich komme, Majestät!« Mit einem atemlosen Ruf erschien Foix am Rande von Istas Blickfeld. Sein Mantel bauschte sich, und er führte sein Breitschwert in einem kraftvollen Bogen, legte seine ganze Kraft in den Schlag. Seine Lippen waren verzerrt und entblößten die zusammengebissenen Zähne.
»Foix, nein!«, rief Ista. Doch es war zu spät.
Mit einem einzigen Schlag trennte die schwere Klinge dem Bären den Kopf von den Schultern und bohrte sich in die Erde darunter. Ein Blutschwall schoss aus dem Hals der Kreatur, und der Kopf rollte über den Boden davon. Eine der Vorderpranken zuckte; dann fiel der massige, pelzige Leib zu einem kraftlosen Bündel zusammen.
Ista glaubte, den Dämon mit fast allen Sinnen wahrzunehmen. Es war eine greifbare Präsenz, eine blutrote Lohe, ein Geruch wie von glühendem Metall. Es wälzte sich auf Ista zu, um dann in einer Art instinktivem Entsetzen plötzlich vor ihr zurückzuweichen. Einen verzweifelten Augenblick lang zögerte es zwischen Foix und dem Jungen am Boden. Dann strömte es in Foix hinein.
»Was …«, brachte Foix in einem seltsam beiläufigen Tonfall hervor. Dann verdrehte er die Augen und brach zusammen.
6
Liss gewann als Erste die Kontrolle über ihr Reittier zurück, galoppierte zu den anderen und schwang sich atemlos, verwirrt und besorgt von ihrer Fuchsstute. Pejar stöhnte und setzte sich auf. Sprachlos starrte er zu dem enthaupteten Bären hinüber und hob verwundert die Brauen, als er Foix neben dem Kadaver liegen sah, aus dem immer noch warmes Blut den Boden tränkte. »Herr?«
Ista war übel nach ihrem Sturz vom Pferd, doch es war die Berührung des Dämons, die ihr Innerstes erschüttert hatte. Ihr Geist fühlte sich seltsam losgelöst vom Leib. Sie zog den Mantel aus, faltete ihn zusammen, kniete bei Foix nieder und versuchte, seinen schweren Körper herumzudrehen und ihm das Bündel als Kissen unter den Kopf zu schieben.
»Wartet, Majestät«, sagte Liss. »Hat er beim Sturz vom Pferd das Bewusstsein verloren? Er könnte gebrochene Knochen haben …«
»Er ist vom Pferd gefallen? Davon habe ich gar nichts mitbekommen.« Das war gewiss eine Erklärung dafür, warum er zuerst bei dem Bären gewesen war. »Nun, jedenfalls hat er sich dabei nicht verletzt. Er hat das Tier erschlagen.« Umso schlimmer.
»Er ist seinem Pferd glatt über die Kruppe gerutscht und auf dem Hinterteil gelandet. Ich nehme an, an der Stelle gibt es keine Knochen, die er sich brechen könnte.« Liss wand sich einen Zügel um den Arm und sicherte ihr schnaubendes und scheuendes Pferd. Dann kniete sie neben Ista nieder. Sie wandte den Kopf hierhin und dorthin und musterte beeindruckt die Zeugnisse des Kampfes, den Kadaver, das Schwert und den weiter entfernt liegenden Kopf des Bären. »Bei den fünf Göttern, was für ein Schlag.« Sie blickte auf Foix. Sein Gesicht war so grau wie Hafergrütze. »Aber was ist los mit ihm?«
Ferda ritt als Nächster heran. Auch er warf einen Blick auf die Szenerie, sprang vom Pferd und dachte gar nicht mehr daran, es festzuhalten. »Foix! Majestät, was ist geschehen?« Er kniete ebenfalls nieder und tastete seinen Bruder ab und rechnete offenbar damit, gebrochene Knochen oder eine aufgerissene Wunde zu entdecken, die von einem Prankenhieb stammte. Als er keine Verletzungen fand, kniff er die Augen zusammen und versuchte, Foix herumzudrehen. Dy Cabon kämpfte sich schnaufend heran. Sein Maultier hatte er unterwegs verloren.
Ista hielt Ferda am Arm fest. »Euer Bruder hat keinen Schlag abbekommen.«
»Er hat dem Bär den Kopf abgeschlagen. Dann ist er einfach … umgefallen«, bestätigte Pejar.
»War das Tier tollwütig, uns so anzugreifen?«, stieß dy Cabon hervor, beugte sich vor, stützte die Hände auf die Knie und blickte sich ebenfalls um.
»Der Bär war nicht tollwütig«, verkündete Ista tonlos, »sondern von einem Dämon befallen.«
Dy Cabon riss die Augen auf. Eindringlich musterte er ihr Gesicht. »Seid Ihr sicher, Majestät?«
»Ganz sicher. Ich habe es gespürt.« Und es hat mich gespürt.
Ferda wippte auf den Fersen. Offenbar hatte es ihm die Sprache verschlagen.
»Wo ist …« Dy Cabons Stimme verlor sich, als er Foix betrachtete, der auf dem Boden lag, als hätte jemand ihn niedergeschlagen. »Der Dämon ist doch nicht etwa in ihn gefahren?«
»Doch.« Ista befeuchtete sich die Lippen. »Ich wollte Foix aufhalten, aber er sah wohl nichts anderes mehr als einen vermeintlich tollwütigen Bären, der mich allem Anschein nach bedrohte.«
Dem Anschein nach?, wiederholten dy Cabons Lippen lautlos. Er musterte sie eindringlicher.
Der sichtlich geschockte Ferda sah aus, als wollte er gleich in Tränen ausbrechen. »Was wird nun aus Foix, Hochwürden?«