Die drei Musketiere
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Zoller
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die drei Musketiere». Краткое содержание книги:
Mylady jedoch ist Athos’ Ex-Frau, die sich zu einem intrigenreichen Kampf gegen die Musketiere rüstet: Sie soll im Auftrag Richelieus die Königin Anna von Österreich und spanische Gemahlin Ludwigs XIII. bloßstellen. Ihr wird ein Liebesverhältnis mit dem Herzog von Buckingham nachgesagt. Dieser soll auf Geheiß des eifersüchtigen Richelieu durch Mylady de Winter ermordet werden, weil er sich zuvor mit den Protestanten von La Rochelle, wo die Musketiere zu Helden aufgestiegen waren, verbündet hatte. Richelieu fädelt daraufhin weitere Intrigen ein …
Ein altes Sprichwort sagt: wie der Herr, so der Diener. Gehen wir also vom Diener des Athos zum Diener des Porthos, von Grimaud zu Mousqueton über.
Mousqueton war ein Normanne, dessen friedlichen Namen Boniface sein Herr in den unendlich klangreicheren und kriegerischen Mousqueton verwandelt hatte. Er war in den Dienst von Porthos unter der Bedingung getreten, nur mit Kleidern und Wohnung, aber dies auf eine prachtvolle Weise, versehen zu werden. Er verlangte nur zwei Stunden täglich; um sich einer Industrie zu widmen, mit deren Ertrag er seine übrigen Bedürfnisse bestreiten wollte. Porthos hatte den Handel angenommen; die Sache stand ihm auf diese Art ganz gut an. Er ließ Mousqueton Wämmser aus seinen alten Kleidern und abgetragenen Mänteln zuschneiden, und mit Hülfe eines geschickten Schneiders, der den alten Röcken durch Wenden ein neues Ansehen verlieh, und dessen Frau man im Verdacht hatte, sie veranlasse Porthos, etwas von seinen aristokratischen Gewohnheiten herabzusteigen, spielte Mousqueton im Gefolge seines Herrn eine ziemlich gute Figur. Was Aramis betrifft, dessen Charakter wir hinreichend geschildert zu haben glauben, — einen Charakter, den wir überdies, wie den seiner Gefährten, in seiner Entwicklung verfolgen können, so hieß sein Lakai Bazin. Da sein Herr Hoffnung hatte, eines Tages in den geistlichen Stand einzutreten, so war er immer schwarz gekleidet, wie dies der Diener eines Geistlichen sein soll. Es war ein Berrichon [Fußnote], von ungefähr fünfunddreißig bis vierzig Jahren sanft, friedlich, fett, pflegte in den Mußestunden, die ihm sein Herr ließ, fromme Bücher zu lesen, und speiste, streng genommen für zwei zu Mittag, wobei er sich übrigens mit wenigen Schüsseln begnügte, diese aber mußten vortrefflich zubereitet sein. Im Uebrigen war er stumm, blind, taub, aber von feuerfester Treue. Da wir jetzt die Herren und die Diener wenigstens oberflächlich kennen, wollen wir zu den Wohnungen der Einzelnen übergehen.
Athos wohnte in der Rue Ferou, zwei Schritte vom Luxemburg; seine Wohnung bestand aus zwei kleinen, sehr reinlich ausgestatteten Zimmern in einem möblierten Hause, dessen noch sehr junge und in der That sehr hübsche Wirthin vergeblich mit ihm liebäugelte. Einige Ueberreste großer ehemaliger Herrlichkeit glänzten da und dort an den Wänden dieser bescheidenen Wohnung: ein reich damascirter Degen zum Beispiel, der seiner Form nach aus der Zeit Franz I. herrühren mochte, und dessen mit kostbaren Steinen incrustirter Griff wohl an zweihundert Pistolen werth war; dennoch hatte sich Athos selbst in seinen größten Verlegenheiten nie herbeigelassen, ihn zu verkaufen oder zu verpfänden. Dieser Degen war lange Zeit ein Gegenstand sehnsüchtigen Trachtens von Porthos gewesen. Porthos hätte zehn Jahre seines Lebens für den Besitz dieses Degens gegeben.
Als er eines Tages ein Rendezvous mit einer Herzogin hatte, versuchte er es, ihn von Athos zu entlehnen. Ohne ein Wort zu sprechen, leerte Athos seine Taschen, suchte alle seine Juwelen zusammen, Börsen, goldene Nadeln und Ketten, und bot ihm Alles an, aber von dem Degen sagte er, er sei an seine Stelle befestigt und solle diese nur verlassen, wenn sein Herr selbst seine Wohnung verlasse. Außer diesem Degen besaß er noch ein Porträt, einen vornehmen Mann aus der Zeit Heinrichs III. in äußerst eleganter Tracht und mit dem Heiligengeistorden darstellend, und dieses Porträt glich Athos in Beziehung auf gewisse Linien; es lag eine Familienähnlichkeit darin, aus der sich erkennen ließ, daß dieser vornehme Mann, ein Ritter der Orden des Königs, sein Vorfahre war. Eine Lade endlich von prachtvoller Goldschmiedsarbeit, mit demselben Wappen verziert, wie der Degen und das Porträt, bildete einen Kaminaufsatz, der gewaltig von der übrigen Ausstattung abstach. Athos trug den Schlüssel dieser Lade stets bei sich, aber eines Tages öffnete er sie vor Porthos, und dieser hatte Gelegenheit, sich zu überzeugen, daß die Lade nur Briefe und Papiere enthielt — Liebesbriefe und Familienpapiere ohne Zweifel.
Porthos hatte eine geräumige Wohnung von äußerst prunkvollem Aussehen in der Rue du Vieux-Colombier. So oft er mit einem Freunde an seinen Fenstern vorüber kam, an deren einem Mousqueton stets in großer Livree stand, hob Porthos Kopf und Hand in die Höhe und sagte: Hier ist meine Wohnung. «Aber nie fand man ihn zu Hause, nie lud er Jemand ein, mit ihm hinaufzusteigen, und Niemand konnte sich einen Begriff davon machen, welche wirkliche Reichthümer diese prunkvolle Außenseite in sich schließen dürfte.
Aramis hatte eine kleine Wohnung, bestehend aus einem Ankleidezimmer, einem Speisezimmer und einem Schlafzimmer; das letztere lag, wie die ganze Wohnung im Erdgeschoß und ging auf einen frischen, grünen, schattigen und für die Augen der Nachbarschaft undurchdringlichen kleinen Garten.
Von d'Artagnan wissen wir, wie er wohnte, und wir haben bereits mit seinem Lakaien, Meister Planchet, Bekanntschaft gemacht.
D'Artagnan war von Natur sehr neugierig, wie alle Leute von intrigantem Geist, und gab sich alle Mühe, um zu erfahren, wer Athos, Porthos und Aramis, genau genommen, seien; denn unter diesen Kriegsnamen verbarg jeder der jungen Leute seinen wahren adeligen Namen, Athos besonders, in dem man auf eine Meile den hochgeborenen Mann erkannte. Er wandte sich also an Porthos, um Auskunft über Athos und Aramis zu erhalten, und an Aramis, um Porthos kennen zu lernen.
Leider wußte Porthos von dem Leben seines schweigsamen Kameraden selbst nicht mehr, als was zufällig und von ferne her davon bekannt geworden war. Man sagte, er habe furchtbares Unglück in seinen Liebesangelegenheiten gehabt, ein schändlicher Verrath habe das Leben dieses trefflichen jungen Mannes auf immer vergiftet. Worin bestand dieser Verrath? Niemand wußte es.
Was Porthos betraf, so konnte man sein Leben, abgesehen von seinem wahren Namen, den, wie die seiner beiden Kameraden, nur Herr von Treville wußte, leicht kennen lernen. Ihn, den eitlen, indiscreten Menschen, durchschaute man wie einen Krystall. Die Nachforschung nach seinen Verhältnissen würde nur dadurch irre geleitet worden sein, wenn man alles Gute, was er von sich selbst sagte, geglaubt hätte.
Aramis sah aus, als ob er kein Geheimniß besäße, während er von Mysterien vollgepfropft war, er antwortete wenig auf die Fragen, die man über Andere an ihn richtete, und wußte geschickt denjenigen auszuweichen, welche seine Person betrafen. Als ihn d'Artagnan eines Tages lange über Porthos ausgeforscht und von ihm das Gerücht von dem Glücke des Musketiers bei einer Prinzessin erfahren hatte, wollte er auch wissen, wie es mit den Liebeshändeln desjenigen stehe, mit dem er sich unterhielt.
«Und Ihr, mein lieber Gefährte, «sagte er,»Ihr, der Ihr von Baroninnen, Gräfinnen, Prinzessinnen Anderer sprecht?«
«Um Vergebung, «unterbrach ihn Aramis,»ich habe gesprochen, weil Porthos selbst davon spricht, weil er alle diese schönen Dinge vor mir ausgeschrieen hat. Aber glaubt mir, mein lieber Herr d'Artagnan, wenn ich es aus einer andern Quelle wüßte, oder wenn er es mir anvertraut hätte, so gäbe es für ihn keinen verschwiegenem Beichtvater, als ich bin.«
«Ich zweifle nicht daran, «erwiederte d'Artagnan,»aber es scheint mir, Ihr habt Euch selbst mit den Wappen sehr vertraut gemacht, was ein gewisses Taschentuch beweist, dem ich die Ehre Eurer Bekanntschaft zu danken habe.«