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Ein todsicherer Job

Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:

Zum Brüllen komisch und absolut hinreißend – eine liebenswerte Komödie der besonderen Art.

Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
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»Oakland ist nicht die Unterwelt!« Mr. Fresh sprang auf. Er war kein gewalttätiger Mann, denn wenn man so groß war, musste man das auch nicht sein, aber…

»Das >Tenderloin<?«

»Zwingen Sie mich nicht, Sie zu schlagen. Das wollen wir doch beide nicht, oder, Mr. Asher?«

Charlie schüttelte den Kopf. »Die Raben habe ich gesehen«,sagte Charlie, »aber Stimmen habe ich keine gehört. Was für Stimmen denn?«

»Sie sprechen einen an, draußen auf dem Bürgersteig. Manchmal hört man sie aus einer Lüftung, einem Abflussrohr, einem Gully. Das sind sie. Weibliche Stimmen, höhnisch. Manchmal höre ich sie jahrelang nicht, hab sie fast vergessen, dann will ich ein Schiffchen holen, und eine ruft mich. Früher habe ich die anderen Boten angerufen und nachgefragt, ob sie irgendwas angestellt hatten, aber damit haben wir sofort wieder aufgehört.«

»Wieso?«

»Weil wir zu dem Schluss kamen, dass sie deshalb überhaupt nur auftauchen. Wir dürfen untereinander keinen Kontakt haben. Es hat eine Weile gedauert, bis uns das klar wurde. Damals kannte ich erst sechs Boten in der Stadt, und wir gingen ein Mal die Woche zusammen essen, haben uns gegenseitig erzählt, was wir wussten, Notizen verglichen… da tauchten die ersten Schatten auf. Zur Sicherheit werden auch wir beide in Zukunft keinen Kontakt mehr haben.« Mr. Fresh zuckte mit den Schultern und begann, Charlies Fesseln aufzuknoten, wobei er dachte: Alles hat sich an diesem Tag im Krankenhaus verändert. Dieser Typ hat alles verändert, und ich schicke ihn vor die Tür wie ein Lamm zur Schlachtbank – oder vielleicht ist er ja auch selbst der Schlachter. Es könnte sein, dass er derjenige welcher ist

»Moment, ich hab doch überhaupt keine Ahnung«, flehte Charlie. »Sie können mich nicht losschicken, solange ich nicht mehr darüber weiß. Was ist mit meiner Tochter? Woher soll ich wissen, wem ich die Seelen verkaufen soll?« Charlie war in Panik und versuchte, alle Fragen zu stellen, bevor er losgebunden war. »Was bedeuten die Ziffern auf den Zetteln? Sind das die Namen der Leute? Wie lange muss ich das machen, bis ich in Pension gehen kann? Warum haben Sie immer mintgrüne Sachen an?«

Während Mr. Fresh einen Knöchel losband, versuchte Charlie, den anderen wieder am Stuhl festzuknoten. »Mein Name«, sagte Mr. Fresh. »Bitte?« Charlie hörte auf, sich zu fesseln. »Ich trage Mint, weil das mein Vorname ist. Minty.« Charlie vergaß völlig, worüber er sich Sorgen machte. »Minty? Sie heißen Minty Fresh?« Es schien, als wollte Charlie ein Niesen unterdrücken, dann prustete er vor Lachen laut los. Dann duckte er sich.

9

Der Drache, der Bär und der Fisch

Auf dem Flur im zweiten Stock von Charlies Haus kam es zu einer Konfrontation der Asiatischen Großmächte: Mrs. Ling und Mrs. Korjew. Da Mrs. Ling Sophie auf dem Arm hielt, lag der strategische Vorteil auf ihrer Seite, während Mrs. Korjew, die doppelt so groß war wie Mrs. Ling, die Drohung eines massiven Gegenschlags ausstrahlte. Gemeinsam war ihnen – abgesehen davon, dass sie beide Witwen und Einwanderer waren – ihre glühende Liebe für die kleine Sophie, eine eher instabile Handhabung der englischen Sprache und ein leidenschaftlicher Mangel an Zutrauen in Charlie Ashers Fähigkeit, seine Tochter allein aufziehen zu können.

»Er war gewesen böse, als er heute gegangen ist. Wie Bär«, sagte Mrs. Korjew, die geradezu von einem atavistischen Zwang zu Bärenvergleichen besessen war.

»Er sagen kein Schwan«, sagte Mrs. Ling, die sich auf die Präsensform der Verben beschränkte, aus Ergebenheit ihrem buddhistischen Glauben gegenüber. Zumindest behauptete sie das. »Wer geben Baby schon Schwan?«

»Schwein ist gut für Kind. Macht groß und stark«, sagte Mrs. Korjew, um dann eilig hinzuzufügen: »Wie Bär.«

»Er sagen, es machen sie zu shih tzu. Shih tzu sein Hund. Was für Vater wollen machen Hund aus kleine Mädchen?« Mrs. Ling war besonders fürsorglich, wenn es um kleine Mädchen ging, da sie in einer chinesischen Provinz aufgewachsen war, in der jeden Morgen ein Karren kam, um die Leichen kleiner Mädchen einzusammeln, die in der Nacht zur Welt gekommen waren und nun im Rinnstein lagen. Sie selbst hatte Glück gehabt, dass ihre Mutter sich mit ihr auf den Feldern versteckt hatte und erst wieder nach Hause kommen wollte, wenn ihre Familie die kleine Tochter akzeptierte.

»Nicht shih tzu«, korrigierte Mrs. Korjew, »Schickse

»Okay, Schickse. Hund sein Hund«, sagte Mrs. Ling. »Sein unvertretbar.« Der Buchstabe »r« kam in Mrs. Lings Aussprache des Wortes »unvertretbar« überhaupt nicht vor.

»Ist Jiddisch für nicht jüdische Mädchen. Rachel war gewesen Jüdin, ja?« Im Gegensatz zu den meisten russischen Einwanderern, die es in der Nachbarschaft noch gab, war Mrs. Korjew keine Jüdin. Ihre Familie kam aus der russischen Steppe, und sie waren Kosaken gewesen, nicht eben für ihre Hebräerfreundlichkeit bekannt. Sie büßte für die Sünden ihrer Vorfahren, indem sie ihren ausgeprägten Beschützerinstinkt (einer Bärenmutter nicht unähnlich) erst Rachel und jetzt Sophie angedeihen ließ.

»Die Blumen brauchen heute Wasser«, sagte Mrs. Korjew.

Am Ende des Korridors gab es ein großes Erkerfenster, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf das Haus gegenüber hatte, auf einen Blumenkasten mit roten Geranien. Nachmittags standen die Asiatischen Großmächte im Flur, bewunderten die Blumen, unterhielten sich darüber, was alles so kostete und dass ihre Schuhe immer unbequemer wurden. Keine von beiden wagte, selbst einen Blumenkasten mit Geranien anzulegen, aus Angst, es könnte danach aussehen, als hätte sie die Idee von gegenüber entliehen, was ohne Zweifel ein eskalierendes Blumenkastenwettrüsten auslösen würde, was am Ende doch nur Blutvergießen mit sich brachte. Sie einigten sich stillschweigend darauf, die roten Blumen zu bewundern, ohne sie zu begehren.

Mrs. Korjew mochte das knallige Rot. Schon immer hatte sie sich maßlos darüber geärgert, dass die Kommunisten diese Farbe einfach annektiert hatten. Andererseits war die russische Seele – in tausend Jahren der Angst konditioniert – nicht wirklich für ungehemmtes Glücksgefühl gemacht, und deshalb war es vielleicht das Beste so.

Auch Mrs. Ling war vom Rot der Geranien ausgesprochen angetan, denn in ihrer Kosmologie repräsentierte diese Farbe Glück, Wohlstand und ein langes Leben. Sogar die Pforten der Tempel waren rot, und somit stellten die roten Blumen einen der zahllosen Wege zu wu dar – Ewigkeit, Erleuchtung, das ganze Universum in einer Blume. Außerdem war sie überzeugt davon, dass man daraus eine gute Suppe kochen konnte.

Sophie hatte die Farben kürzlich erst entdeckt, und die roten Kleckse vor der grauen Mauer trieben ihr ein zahnloses Lächeln auf das kleine Gesicht.

Die drei waren also gerade damit beschäftigt, sich an den roten Blumen zu ergötzen, als der schwarze Vogel ans Fenster schlug, was die Scheibe mit einem Spinnennetz aus Sprüngen überzog. Statt jedoch abzuprallen, schien der Vogel durch das Netz zu sickern und sich – wie schwarze Tinte – über das Fenster und die Wände des Korridors auszubreiten.

Die Asiatischen Großmächte flüchteten zur Treppe.

Charlie rieb sein linkes Handgelenk, das mit der Plastiktüte gefesselt gewesen war. »Wie? Ihre Mutter hat Sie nach einer Mundspülung genannt?«

Mr. Fresh, der für einen Mann seiner Größe irgendwie dünnhäutig wirkte, sagte: »Zahnpasta, eigentlich.«

»Tatsächlich?«

»Ja.«

»Tut mir leid, das wusste ich nicht«, sagte Charlie. »Sie hätten den Namen ändern können, oder?«

»Mr. Asher, man kann sich nicht ewig dem verweigern, was man ist. Am Ende bleibt einem doch nur, sich seinem Schicksal zu fügen. Für mich gehört dazu, schwarz und zwei Meter zehn groß zu sein, ohne in der NBA zu spielen, Minty Fresh zu heißen und als Totenbote rekrutiert worden zu sein.« Er zog die Augenbrauen hoch, als wollte er Charlie einen Vorwurf machen. »Ich habe gelernt, das alles hinzunehmen.«

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