Ein todsicherer Job
- Автор: Мур Кристофер
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Goldmann Verlag
- ISBN: 978-3-641-01256-4
- Переводчик: J,orn Ingwersen
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:
Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
Charlie bog von der Market Street ab, und gleich an der Ecke Noe sah er es: Fresh Music – ein hübsches Schild. Er merkte, wie sich ihm die Haare im Nacken aufstellten und seine Blase drückte. Sein Körper befand sich im Kampf-oder-Flucht-Modus, und zum zweiten Mal in einer Woche handelte er entgegen seiner Betamännchen-Natur und entschied sich für den Kampf. Nun denn, dachte er, so sei es. Er würde seinem Peiniger gegenübertreten und ihn niederwerfen, sobald er einen Parkplatz fand – was nicht der Fall war.
Er kreiste um den Block, kurvte zwischen Cafés und Bars herum, von denen es in diesem Viertel mehr als reichlich gab. Er rollte durch die Seitenstraßen, vorbei an Reihen makellos gepflegter (und exorbitant teurer) Häuser im viktorianischen Stil, fand aber keine Bleibe für sein treues Ross. Nachdem er eine halbe Stunde lang die Nachbarschaft erkundet hatte, kehrte er um und fand einen freien Platz in einem Parkhaus an der Fillmore, dann fuhr er mit der antiken Straßenbahn wieder die Market Street entlang zurück ins Castro-Viertel. Eine süße, kleine, italienische Straßenbahn mit Holzbänken, Messinggeländern und Fensterrahmen aus Mahagoni, einem entzückenden Messingglöckchen und einer Höchstgeschwindigkeit von vierzig Stundenkilometern: So zog Charlie Asher in die Schlacht. Er versuchte, sich Horden von Hunnen vorzustellen, die an den Seiten hingen, böse Klingen schwangen und Pfeile abschossen, während draußen Graffiti vorüberzogen. Oder vielleicht Wikinger, die Schilde an der Bordwand des Waggons, schlugen ihre tiefe Trommel und ruderten heran, um die Antiquitätenläden, Leder-Bars, Sushi-Bars, Leder-Sushi-Bars (will man lieber gar nicht wissen) und Kunstgalerien an der Castro zu plündern. Und hier ließ Charlie sogar seine wunderbare Phantasie im Stich. An der Kreuzung Castro und Market stieg er aus und lief einen Block zurück bis zu Fresh Music, dann blieb er draußen vor dem Laden stehen und fragte sich, was er jetzt eigentlich machen wollte.
Was wäre, wenn der Anrufer das Telefon nur geliehen hatte? Was wäre, wenn Charlie schreiend und drohend hineinstürmte und hinter dem Tresen nur ein gestörter Bengel saß? Doch dann spähte er durch die Tür hinein, und dort stand hinter dem Tresen – ganz allein – ein außergewöhnlich großer, schwarzer Mann, komplett mintgrün gekleidet, und in diesem Moment sah Charlie rot.
»Du hast sie umgebracht!«, schrie Charlie, als er an den CD-Regalen entlang dem grünen Mann entgegenstürmte. Im Laufen zückte er seinen Degen – versuchte es zumindest -, in der Hoffnung, ihn mit einer einzigen, fließenden Bewegung aus dem Stock und Rachels Mörder einmal quer über die Kehle zu ziehen. Leider hatte die Waffe lange hinten in Charlies Laden gelegen, und abgesehen von den drei Malen, die Lilys Freundin Abby damit hatte verschwinden wollen (wobei sie ihn einmal zu kaufen versuchte, was Charlie ihr verweigerte, und ihn zweimal klauen wollte), war der Degen seit Jahren nicht mehr gezückt worden. Der kleine Messingknopf, den man drückte, um die Klinge zu lösen, steckte fest, so dass Charlie – als er dem Mann den Todesstoß versetzte – den ganzen Stock schwang, was schwerer war und langsamer, als der Degen es gewesen wäre. Der Mann in Mint war für seine Größe schnell und duckte sich, und Charlie löschte eine ganze Reihe Judy-Garland-CDs aus, verlor das Gleichgewicht, prallte vom Tresen ab, wirbelte herum und versuchte es noch einmal, wie er es so oft in Samurai-Filmen gesehen hatte. Diesmal löste sich die Klinge aus dem Stock und schlug ihren tödlichen Bogen kaum einen Meter vor dem Mann in Mint, wobei sie sauber eine lebensgroße Pappfigur von Barbra Streisand köpfte.
»Das muss doch nicht sein!«, donnerte der große Mann.
Als Charlie das Gleichgewicht für eine Rückhand wieder fand, sah er etwas Großes, Dunkles auf sich zukommen und erkannte es im allerletzten Augenblick, als ihn die altmodische Registrierkasse am Kopf traf. Es folgte ein Blitz, ein Klingeling, und alles wurde dunkel und klebrig.
Als Charlie zu sich kam, war er an einen Stuhl gefesselt. Er saß im Hinterzimmer des Plattenladens, das dem Hinterzimmer seines eigenen Ladens bemerkenswert ähnlich sah, abgesehen davon, dass sich in den gestapelten Kisten Schallplatten und CDs befanden und nicht gebrauchter Plunder. Der große Schwarze stand über ihn gebeugt, und Charlie dachte erst, er würde sich vielleicht in Rauch auflösen, doch dann merkte er, dass ihm alles vor den Augen verschwamm. Plötzlich blitzte Schmerz in seinem Kopf auf wie ein Stroboskop.
»Autsch.«
»Was macht Ihr Nacken?«, fragte der große Mann. »Fühlt sich der Hals gebrochen an? Spüren Sie Ihre Füße?«
»Mach schon, bring mich um, du beschissener Feigling«, sagte Charlie und zappelte auf dem Stuhl herum, versuchte, sich auf seinen Peiniger zu stürzen, und kam sich vor wie der Schwarze Ritter bei Monty Python, nachdem man ihm Arme und Beine abgehackt hatte. Wenn dieser Typ nur einen Schritt näher kommen würde, könnte Charlie ihm den Schädel in die Eier rammen, ganz bestimmt.
Der große Mann stampfte Charlie auf die Zehen, ein Halbschuh aus weichem Leder, Größe 53, getreten von hundertdreißig Kilo Tod und Plattenhändler.
»Au!« Charlie hüpfte vor Schmerz auf seinem Stuhl im Kreis herum. »Gottverdammt! Aua!«
»Also haben Sie doch Gefühl in Ihrem Herzen?«
»Bring es hinter dich! Fang endlich an!« Charlie machte einen langen Hals, als hielte er ihm die Kehle hin, damit er sie durchschneiden konnte – seine Strategie war, den Peiniger in seine Reichweite zu locken, ihm dann die Oberschenkelarterie aufzubeißen und sich an dem Blut zu ergötzen, das über seine mintgrünen Hosen auf den Boden rann. Lang und düster wollte Charlie lachen, wenn er sah, wie der Scheißkerl sein Leben aushauchte, dann wollte er mit seinem Stuhl vor die Tür und an der Market Street in eine Straßenbahn hüpfen, dann an der Van Ness in den 41er-Bus umsteigen, an der Columbus abspringen und die zwei Blocks nach Hause hoppeln, wo ihn jemand losbinden würde. Er hatte einen Plan – und eine Busfahrkarte, die noch vier Tage gültig war. Der Scheißkerl hatte sich den Falschen ausgesucht, wenn er sich mit ihm anlegen wollte.
»Ich habe nicht die Absicht, Sie zu töten, Charlie«, sagte der große Mann und hielt Sicherheitsabstand. »Tut mir leid, dass ich Sie mit der Kasse niederschlagen musste. Sie haben mir keine Wahl gelassen.«
»Du hättest den tödlichen Stich meiner Klinge kosten können!« Charlie sah sich nach seinem Stockdegen um, für den Fall, dass der Typ das Ding in Reichweite liegen lassen hatte.
»Ja, das stimmt, aber ich dachte, ich verzichte lieber auf die Flecken und die Beerdigung und das alles.«
Charlie stemmte sich gegen seine Fesseln, die – wie er jetzt merkte – aus Plastiktüten bestanden. »Weißt du eigentlich, dass du dich mit dem Tod anlegst? Ich bin der Tod persönlich.«
»Ja, ich weiß.«
»Ach ja?«
»Klar.« Der große Mann drehte einen zweiten Stuhl um, setzte sich falsch herum darauf und sah Charlie an. Seine Knie befanden sich auf Höhe seiner Ellenbogen, und er sah wie ein großer, grüner Baumfrosch aus, der sich jeden Augenblick auf ein Insekt stürzen würde. Zum ersten Mal fiel Charlie auf, dass der Mann goldene Augen hatte, ein greller Kontrast zu seiner dunklen Haut. »Ich auch«, sagte der böse, grüne Froschmann.
»Du? Du bist der Tod?«