Der Zahir
- Автор: Коэльо Пауло
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Zahir». Краткое содержание книги:
Erzählt wird Der Zahir aus der Perspektive eines mittlerweile überaus erfolgreichen Autors, der von den Lesern geliebt und der Kritik gehasst wird. Ersteres, weil er ganz nach dem Erfolgsprinzip Coelhos seine Leserschaft an seiner Erleuchtung teilhaben lässt, letzteres, weil er sich den angeblich üblichen Regeln des Literaturbetriebs verweigert, den er als ein schmieriges System von Gefälligkeiten und Abhängigkeiten beschreibt. Dass er aber überhaupt zu dem Schriftsteller geworden ist, der er immer hat sein wollen, hat er letztlich allein seiner Frau Esther zu verdanken, ohne deren ebenso kluge wie selbstlose Hilfe er seine inneren Schreibwiderstände niemals überwunden hätte. Und nun ist diese Frau plötzlich fort. Wurde sie entführt, hat sie ihn verlassen? Der Mann, dem ihre Bedeutung für sein Leben und Seelenheil immer deutlicher vor Augen tritt, macht sich auf eine zunächst völlig vergeblich erscheinende Suche um am Ende, wir ahnen es, zwar auch die Gesuchte, vor allem aber sich selbst zu finden.
Was soll man sagen? Der Zahir wird ganz sicher wieder ein Weltbestseller. Und, ganz ehrlich: Wir gönnen es ihm! Das Feuilleton freilich wird sich aller Voraussicht nach auch dieses Mal nur mäßig begeistert zeigen. Und die nicht ganz unberechtigte Kritik, der Autor habe sein immer gleiches Thema nun vielleicht doch einmal erschöpft, wird an Coelho abperlen, wie die Male zuvor. Schade eigentlich, es sollte ihm Ansporn sein. Doch, so wird er sich sagen, Millionen Leser können nicht irren. Er sollte es besser wissen.
»Selbstverständlich, aber du mußt mir sagen, was ich tun soll.«
»Aber gerade das weiß ich doch nicht!«
Die sympathische Pizzeria, in die ich seit meinem ersten Besuch in Paris immer gehe, ist inzwischen schon Teil meiner Geschichte geworden: Zuletzt war ich dort, um die Verleihung der Medaille eines Chevalier des Arts et des Lettres zu feiern, die mir vom französischen Kulturministerium verliehen wurde − obwohl damals viele gemeint hatten, ein teureres und eleganteres Restaurant wäre einer solchen Feier angemessener. Aber Roberto, der Besitzer der Pizzeria, war eine Art Fetisch für mich. Immer, wenn ich in sein Restaurant gehe, passiert etwas Gutes.
»Ich könnte mit Ihnen über alles mögliche plaudern, zum Beispiel über ›Zerreißen hat seine Zeit, Zunähen hat seine Zeit‹ oder über das Wechselbad der Gefühle, das Ihre Theateraufführung bei mir ausgelöst hat.«
»Das ist keine Theateraufführung. Das ist ein Treffen«, verbesserte er mich. »Wir erzählen Geschichten und tanzen für die Energie der Liebe.«
»Ich könnte irgend etwas sagen, damit Sie sich wohl fühlen. Aber wir beide wissen, warum wir hier sitzen.«
»Wir sind wegen Ihrer Frau hier«, sagte Mikhail mit der herausfordernden Art seiner Altersgenossen, die so gar nichts mehr von dem schüchternen jungen Mann bei der Signierstunde oder von dem spirituellen Führer bei diesem
›Treffen‹ hatte.
»Sagen Sie nicht Frau, sie ist meine Exfrau. Und ich möchte Sie um etwas bitten: Bringen Sie mich zu ihr. Sie soll mir sagen, warum sie gegangen ist, und mir dabei in die Augen sehen. Erst dann werde ich von meinem Zahir befreit sein. Andernfalls werde ich Tag für Tag und Nacht für Nacht an sie denken, unsere Geschichte hundert, tausendmal an mir vorüberziehen lassen. Werde ich herauszufinden versuchen, in welchem entscheidenden Augenblick ich etwas falsch gemacht habe. In welchem Augenblick unsere Wege begonnen haben, sich voneinander zu entfernen.«
Er lachte.
»Eine gute Idee, die Geschichte noch einmal zu betrachten. Wenn man die Geschichte anders betrachtet, verändert sie sich auch.«
»Großartig. Aber ich möchte jetzt keine philosophischen Diskussionen führen. Ich weiß, daß Sie, wie jeder junge Mensch, die genaue Formel für die Verbesserung der Welt besitzen. Wenn Sie jedoch einmal so alt sind wie ich jetzt, werden Sie merken, daß es nicht so einfach ist, die Dinge zu verändern. Doch darüber möchte ich jetzt nicht reden...
Können Sie mir den Gefallen tun, um den ich Sie gebeten habe?«
»Zuvor möchte ich wissen: Hat sie sich von Ihnen verabschiedet?«
»Nein.«
»Sie hat nicht gesagt, daß sie gehen wird?«
»Nein. Das wissen Sie doch.«
»Glauben Sie, daß Esther den Mann verlassen könnte, mit dem sie zehn Jahre lang zusammengelebt hat, ohne sich mit ihm auseinanderzusetzen und ihre Gründe darzulegen?«
»Das gerade ist es ja, was mich beschäftigt. Aber was wollen Sie damit sagen?«
Das Gespräch wurde von Roberto unterbrochen, der fragte, was wir essen wollten. Mikhail bestellte eine Pizza Napoletana, während ich Roberto für mich wählen ließ.
Nur eine Flasche Rotwein mußte schleunigst her. Als Roberto nach der Marke fragte, brummelte ich etwas, und er begriff, daß er sich zurückziehen und während des Essens keine weiteren Fragen stellen und alles selbst entscheiden sollte, damit ich mich ganz auf das Gespräch mit dem jungen Mann konzentrieren konnte.
Eine halbe Minute später stand der Wein auf dem Tisch.
Ich schenkte uns ein.
»Was macht sie jetzt?«
»Wollen Sie das wirklich wissen?«
Daß meine Fragen immer mit einer Gegenfrage beantwortet wurden, machte mich nervös.
»Ja, das möchte ich.«
»Teppiche. Und sie gibt Französischunterricht.«
Teppiche! Meine Frau (Exfrau! Nun gewöhne dich doch bitte endlich daran!), der mehr Geld zur Verfügung stand, als sie zum Leben brauchte, die an der Universität Journalismus studiert hatte, die vier Sprachen sprach, war jetzt gezwungen, sich mit Teppichweben und Französischunterricht den Lebensunterhalt zu verdienen? Ich mußte mich beherrschen: Ich durfte ihn nicht in seinem männlichen Stolz kränken, obwohl ich es erbärmlich fand, daß er Esther nicht bieten konnte, was sie verdiente.
»Bitte verstehen Sie, was ich seit über einem Jahr durchmache. Ich bin keine Bedrohung für Esthers Beziehung mit Ihnen, ich brauche nur zwei Stunden, um mit ihr zu reden.
Oder auch nur eine Stunde.«
Mikhail schien meine Worte zu genießen.
»Sie haben vergessen, meine Frage zu beantworten«, sagte er lächelnd. »Glauben Sie, daß Esther den Mann verlassen könnte, mit dem sie zehn Jahre zusammengelebt hat, ohne sich mit ihm auseinanderzusetzen und ihm ihre Gründe darzulegen?«
»Ich glaube nicht.«
»Wieso kommen Sie dann immer mit derselben Leier von wegen ›Sie hat mich verlassend Warum sagen Sie so etwas wie ›Ich bin keine Bedrohung für Esthers Beziehung mit Ihnen‹?«
Ich war verwirrt. Und fühlte so etwas wie Hoffnung aufkeimen − obwohl ich weder wußte, was ich hoffte, noch, woher diese Hoffnung kam.
»Sie wollen mir damit sagen ...«
»Genau. Ich sage Ihnen, daß sie Sie nicht verlassen hat.
Und auch mich nicht verlassen hat. Sie ist nur verschwunden: für eine Zeitlang oder für den Rest ihres Lebens, aber wir beide müssen das respektieren.«
Es war so, als ginge ein Licht in dieser Pizzeria an, in der mir immer etwas Gutes passierte. Ich wollte unbedingt glauben, was der junge Mann da sagte, der Zahir füllte den Raum.
»Wissen Sie, wo sie ist?«
»Ich weiß es. Aber ich muß Esthers Willen respektieren, obwohl sie auch mir sehr fehlt. Auch für mich ist diese Situation sehr verwirrend: Entweder hat sie die alles umfassende Liebe gefunden, oder sie wartet darauf, daß einer von uns beiden zu ihr kommt. Oder aber sie hat einen neuen Mann gefunden. Oder sich aus der Welt zurückgezogen.
Wie auch immer, wenn Sie zu ihr gehen wollen, kann ich Sie nicht daran hindern. Aber ich glaube, unterwegs müssen Sie lernen, daß Sie nicht nur auf ihren Körper, sondern auch auf ihre Seele zugehen müssen.«
Ich wollte lachen. Wollte ihn umarmen. Oder ihn töten − ein rasantes Wechselbad der Gefühle.
»Sie und Esther ...«
»Ob wir miteinander geschlafen haben? Das geht Sie nichts an. Doch ich habe in Esther die Gefährtin gefunden, nach der ich suchte, den Menschen, der mir geholfen hat, die Mission zu beginnen, die mir anvertraut worden war. Sie ist der Engel, der mir die Türen geöffnet und Wege gezeigt hat, die uns erlauben − wenn die Herrin es will − die Energie der Liebe wieder auf die Erde zurückzubringen − Esther und ich haben dieselbe Mission.
Und zu Ihrer Beruhigung: Ich habe die Freundin, das blonde Mädchen auf der Bühne. Sie heißt Lucrecia und ist Italienerin.«
»Ist das wahr?«
»Im Namen der Göttlichen Energie› es ist die Wahrheit.«
Damit zog Mikhail ein Stück dunklen Stoff aus der Tasche.
»Sehen Sie das? Eigentlich ist das Material grün, aber wegen des geronnenen Blutes sieht es schwarz aus. Bevor er starb, hat ein Soldat in irgendeinem Land der Welt Esther gebeten, ihm das Hemd auszuziehen, es in mehrere Stücke zu zerschneiden und denjenigen zu geben die die Botschaft dieses Todes verstehen könnten. Haben Sie auch ein Stück davon?«
»Esther hat mir nie davon erzählt.«
»Wenn sie jemandem begegnet, der die Botschaft erhalten soll, gibt sie ihm auch ein bißchen vom Blut des Soldaten.«
»Wie lautet die Botschaft?«
»Wenn sie Ihnen kein Stück Stoff gegeben hat, sollte ich wohl auch nichts darüber sagen. Andererseits hat sie mich nicht ausdrücklich gebeten, darüber Stillschweigen zu bewahren.«
»Kennen Sie noch jemanden, der ein Stück von diesem Stoff besitzt?«
»Alle, die auf der Bühne waren. Wir sind zusammen, weil Esther uns zusammengeführt hat.«