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Der Regenmörder

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Der Regenmörder
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„Es gibt immer ein Verhaltensmuster. Wir müssen es nur entdecken."

Inspector West sah ihn regungslos an. „Und Sie glauben, Sie können es finden?"

„Das weiß ich nicht, Sir. Aber ich würde es auf jeden Fall gerne versuchen."

„Gut, junger Mann. Meine Sekretärin gibt Ihnen eine Liste aller Opfer. Sie können mit Ihren Ermittlungen sofort beginnen."

Sergeant Sekio Yamada stand auf. „Ja, Sir. Vielen Dank für den Auftrag und Ihr Vertrauen."

„Zwei Dinge müssen Sie wissen", sagte der Inspector.

„Sir?"

„Alle Opfer hatten etwas auf dem Rücken." „Was genau war das?"

„Wir sind uns nicht ganz sicher, was es ist. Sieht aus wie eine Verletzung. Wie eine Art Kratzer oder so."

„Könnte es von einer Injektionsnadel oder dergleichen stammen?"

„Nein, nein. Die Haut ist nicht verletzt. Und dann das zweite." „Sir?"

„Der Würger tötet nur, wenn es regnet."

Einige Meilen entfernt ging zur selben Zeit ein Mann auf einen Zeitungskiosk am Sloane Square zu und besah sich die neueste Schlagzeile:

ACHTEN SIE AUF DEN WETTERBERICHT! WÜRGER SCHLÄGT NUR BEI REGEN ZU

Der Mann lächelte. Das stimmte. Es lag ihm daran, seine Opfer zu erwürgen und ihr Gesicht dann himmelwärts zu drehen, damit Gottes Regen ihre Sünden abwusch. Alle Frauen waren Sünderinnen. Gott wollte, daß sie getötet wurden. Er tat Gottes Werk und befreite die Welt vom Übel. Er konnte nicht verstehen, warum ihn die Polizei suchte und verfolgte; warum sie ihn bestrafen wollte. Eigentlich sollte sie ihn doch dafür belohnen, daß er diese bösen Frauen aus der Welt schaffte!

Der Mörder hieß Alan Simpson. Als kleinen Jungen hatte man ihn immer allein gelassen. Sein Vater arbeitete schwer in einer Seifenfabrik außerhalb Londons und war tagsüber nicht da. Seine Mutter sollte eigentlich zu Hause sein und sich um ihn kümmern, aber immer, wenn er von der Schule nach Hause gekommen war, fand er die Wohnung leer. Seine Mutter war jung und schön gewesen, und er vergötterte sie. Nur etwas mehr Beachtung hätte er sich von ihr gewünscht. „Wirst du da sein, Mama, wenn ich aus der Schule komme?" „Aber natürlich, Schatz." Und er glaubte ihr.

Doch tatsächlich war sie nie da. „Du hast gesagt, du bist da." „Ja, ich weiß. Aber es ist etwas Wichtiges dazwischen gekommen."

Ständig kam etwas Wichtiges dazwischen.

„Aber dafür mache ich dir heute abend etwas ganz Gutes, mein Liebling."

Darauf hatte er sich dann gefreut. Nur war sie auch abends nicht da. Immer ging sie schon frühmorgens Weg und kam zu spät, um noch rechtzeitig Abendessen zu machen, so daß sein Vater und er sich ein paar Konservendosen öffnen und wärmen mußten. Als er ein wenig älter war, bereitete er dann selbst das Abendessen zu.

Er fragte sich, was denn seine Mutter den ganzen Tag über so Wichtiges zu tun hatte. Sie arbeitete ja nicht, und er, als kleiner Junge, konnte sich nicht vorstellen, wozu sie sonst die ganze Zeit weg sein konnte.

Aber als er zwölf Jahre alt war, trieb ihn die Neugierde, es herauszufinden.

Er versteckte sich eines Tages, statt zur Schule zu gehen, auf der anderen Straßenseite vor ihrem Wohnhaus und wartete. Es dauerte nicht lange, da kam seine Mutter heraus und hatte ihr hübschestes Kleid an. Sie ging die Straße entlang, als hätte sie es furchtbar eilig, und er folgte ihr in sicherem Abstand, damit sie ihn nicht entdecken konnte.

Es begann zu regnen, während seine Mutter zwei Häuserblocks weiterging, wo er sie dann in einem Haus verschwinden sah. Wo geht sie denn da hin? fragte er sich. Er konnte sich nicht denken, was sie da zu tun hatte. Er kannte alle ihre Nachbarn, aber von denen wohnte keiner in diesem Haus dort. Er blieb vor dem Haus stehen und beobachtete. Im zweiten Stock sah er an einem Fenster einen Mann, und auf einmal erschien neben ihm seine Mutter. Er starrte ungläubig, als der Mann sie in die Arme nahm und sie sich küßten. „Mama!" schrie er voller Zorn.

Also das war es, was seine Mutter die ganze Zeit tat! Statt sich um ihn zu kümmern und ihn zu versorgen, betrog sie ihren Mann mit einem anderen! Und nicht nur seinen Vater, sondern auch ihn, ihren Sohn, betrog sie damit! Sie war eine Hure! An diesem Tag war Alan Simpson zu der Ansicht gelangt, alle Frauen seien Huren, und daß sie dafür bestraft, nämlich getötet werden müßten.

Er verschwieg seiner Mutter, daß er ihr Geheimnis entdeckt hatte. Aber von diesem Tag an haßte er sie. Er wartete, bis er alt genug war, um das Elternhaus verlassen zu können, trieb sich dann herum und arbeitete alles Mögliche. Weil er die Schule nicht abgeschlossen hatte, fehlte ihm nun eine richtige Erziehung und Ausbildung, und so konnte er auch keine guten Stellungen finden. Er war Page in einem Hotel, Träger in einem Kaufhaus und Verkäufer in einem Schuhgeschäft. Weil er gut aussah und ganz ordentliche Manieren besaß, ging es ihm gar nicht so schlecht. Vor allem schöpfte niemand auch nur den geringsten Verdacht, daß so ein tödlicher Haß auf Frauen in ihm brannte.

Seine brillante Idee kam ihm, als er in einem Lebensmittelgeschäft arbeitete, bei der Beobachtung der Frauen, die dort für das Abendessen einkauften. Er dachte bei sich: Sie kochen Abendessen sowohl für ihre Ehemänner als auch für ihre Liebhaber und tun so, als seien sie gute Ehefrauen und Geliebte, aber die ganze Zeit betrügen sie nur jeden. Und deshalb sollten sie getötet werden. Nur die Angst, erwischt zu werden, hielt ihn vorerst davon ab, selbst etwas in diesem Sinne zu unternehmen.

Noch während er dies dachte, entdeckte er, als er nach draußen sah, daß es zu regnen begann. Viele dieser Frauen hasteten ohne Regenschirm nach draußen mit ihren Einkaufstaschen, und genau da kam Alan Simpson seine Eingebung. Er wußte mit einem Schlag, wie er sie töten konnte, ohne entdeckt zu werden.

2. KAPITEL

Sergeant Sekio Yamada wußte - er wußte es einfach! -, daß es indem Vorgehen des Würgers irgendein Verhaltensmuster geben mußte. Wie suchte er seine Opfer aus? Wie näherte er sich ihnen, um sie töten zu können, ohne daß sie um Hilfe riefen? Es war ihm klar, daß er systematisch vorgehen und ganz von vorne beginnen mußte.

Das erste Opfer war eine Hausfrau gewesen. Sekio ging zu ihrer Wohnung. Ihr Ehemann machte ihm auf. Er sah aus, als habe er seit Tagen nicht geschlafen. Er ließ ihn eintreten. „Was wollen Sie?"

Sekio zeigte ihm seine Polizeimarke. „Ich bin Sergeant Sekio Yamada von der Polizei. Wenn Sie ein paar Minuten Zeit hätten?"

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