Der Regenmörder
- Автор: Шелдон Сидни
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Regenmörder». Краткое содержание книги:
„Oh, vielen Dank", hatte Akiko Kanomori daraufhin errötend gesagt. Ihre Arbeit bedeutete ihr alles. Sie wollte aber auch gerne heiraten und Kinder haben, nur war ihr bisher noch kein Mann begegnet, den sie genug liebte, um ihn heiraten zu wollen. Heiratsanträge hatte sie schon mehrere bekommen, aber alle abgelehnt.
„Worauf wartest du denn?" fragte ihr Vater. „Auf den Richtigen", sagte sie.
Auch ihre Mutter bedrängte sie. „Jetzt hast du schon so viele Anträge bekommen, Akiko. Einen Bankier hättest du heiraten können, einen Arzt, oder -"
„Aber ich habe keinen davon wirklich geliebt, Mutter!" „Ja, weil du nur deine Statuen liebst!"
In gewisser Weise stimmte das sogar. Akiko liebte es, schöne Skulpturen zu schaffen. Für sie war das fast wie die Erschaffung von Leben.
Aber ihr Vater beharrte darauf, daß sie lieber einen Mann aus Fleisch und Blut haben sollte.
Ihre Eltern wurden ihr in dieser Hinsicht so lästig, daß sich Akiko schließlich entschloß, zu Hause auszuziehen und allein zu leben. Sie fand eine kleine Wohnung in Whitechapel.
Für sie war es ideal, weil sie dort außer einem kleinen Wohnzimmer und einem Schlafzimmer auch einen großen zusätzlichen Raum hatte, den sie als Atelier benutzen konnte. Weil ihre Arbeiten auch bereits sehr gefragt waren, hatte sie reichlich zu tun.
„Ich kann alles verkaufen, was Sie machen", sagte ihr Kunsthändler. „Können Sie nicht etwas schneller arbeiten?" Aber da sagte Akiko: „Nein. Wenn ich schneller arbeiten würde, wären meine Statuen nicht mehr so gut. Ich muß das beste liefern, das mir möglich ist."
„Natürlich, Sie haben ja recht", entschuldigte sich der Kunsthändler. „Übrigens wünscht sich einer meiner besten Kunden eine Figur für seinen Garten. Es soll die Liebesgöttin Venus sein. Können Sie das machen?" „Ja. Ich fange gleich damit an."
Akiko hatte an dieser Statue zu arbeiten begonnen, wurde darüber aber ganz ruhelos. War es vielleicht eine Vorahnung? Ein Gefühl, daß ihr etwas Schreckliches zustoßen würde? Wie auch immer, sie sah sich jedenfalls außerstande, zu arbeiten. Mir fällt die Decke auf den Kopf, dachte sie, ich muß raus unter die Leute. Sie sah aus dem Fenster. Am Himmel waren Wolken, aber nach Regen sah es nicht aus. Ich werde ein wenig bummeln, dachte sie. Sie verließ ihre Wohnung. Draußen auf der Straße begegnete sie ihrer Nachbarin Mrs. Goodman.
„Guten Morgen", sagte Mrs. Goodman. „Was treibt Sie denn heraus? Normalerweise arbeiten Sie doch den ganzen Tag in Ihrem Atelier?"
„Ja, ja", sagte Akiko. „Aber irgendwie bin ich so unruhig." „Wohin geht es denn?"
Das war eine ganz gute Frage. Es gab so vieles in London, was man aufsuchen konnte. Als Akiko neu in London angekommen war, hatte sie wochenlang erst einmal die Stadt erkundet und zusammen mit ihren Freunden auch die verschiedenen Restaurants ausprobiert:
„Magst du italienisches Essen?"
„O ja, sehr", sagte Akiko.
„Na gut, dann gehen wir zu Cecconi"
Und das Essen dort war großartig.
„Magst du die indische Küche? Dann gehen wir mal in die Brasserie Bombay."
Dort war das Essen scharf gewürzt, aber köstlich.
Auch bei Le Gavroche hatten sie gegessen und bei Wheeler's.
Aber natürlich gab es in London mehr zu tun, als in Restaurants zu essen. Sie sah den Buckingham-Palast und schaute dem malerischen Wachwechsel der berittenen Garde zu.
Und sie besuchte den Tower von London und die Westminster-Abtei. Das war jedoch längst nicht alles Interessante, was man von London wissen und kennen mußte. „Warst du schon im Britischen Museum?" „Nein."
„Dann zeige ich es dir mal in meiner Mittagspause", sagte eine Freundin.
„Ich freue mich sehr darauf."
Aber als sie dann in dem Museum war, begriff sie rasch, daß es völlig unsinnig war, anzunehmen, man könne es in einer einzigen Mittagsstunde schnell einmal im Durchrennen besichtigen. Man brauchte vielmehr eine ganze Woche dazu, ach was, einen Monat, zwei Monate!
Die wunderbarsten Dinge aus alten Zeiten befanden sich dort, und die ganze Geschichte Londons schien darin versammelt zu sein.
An Kunst war sie natürlich noch interessierter. Deshalb wollte sie auch unbedingt die Tate-Galerie besichtigen und das Victoria-and-Albert-Museum, zu dem die Engländer selbst kurz nur V & A sagten.
Es gab ein riesiges Kaufhaus namens Harrod's, etwas ganz Unglaubliches. Als Akiko später einmal versuchte, es jemandem zu beschreiben, und man sie fragte, wie groß es denn sei, sagte sie nur: „Das zieht sich ewig hin." In diesem großen Kaufhaus konnte man praktisch alles kaufen, was es nur zu kaufen gibt: Kleider und Möbel, Schallplatten und Bücher, Gemüse und Bestattungen, Klaviere und Bonbons. Man kam aus dem Staunen und Entzücken gar nicht mehr heraus.
Auch das England außerhalb der Städte fand Akiko einzigartig. Dort sah sie das grünste Grün ihres Lebens, und eines Tages hörte sie von einem wunderschönen kleinen Kurort namens Bath.
„Warum fahren wir nicht mal einen Tag oder zwei hin?" Also fuhren sie nach Bath und wohnten im Hotel Royal Crescent. Dort hatten sie ein Zimmer mit einer privaten Sauna. Akiko besuchte auch das Schloß Windsor, wo die königliche Familie wohnte. Doch ja, England war ein richtiges Wunderland! An diesem speziellen Tag nun, als sie sich so ruhelos fühlte, hatte sie Lust, noch einmal den Tower von London zu besichtigen, wo die britischen Kronjuwelen aufbewahrt werden und ausgestellt sind. Als Mrs. Goodman, die Nachbarin, also fragte, wohin es gehen sollte, antwortete ihr Akiko: „Ich will den Tower besichtigen." „Richtig, tun Sie das nur! Sie arbeiten sowieso viel zu viel. Ein hübsches Mädchen wie Sie sollte eigentlich einen Freund oder Ehemann haben!"
Mrs. Goodman hörte sich für Akiko wie ihre Eltern an. „Ach, damit eilt es mir nicht, wissen Sie."
Sie nahm den Bus zur City und stieg am Tower, der alten großen Stadtburg, aus. Eine lange Schlange von Touristen wartete dort bereits auf Einlaß, und sie stellte sich hinten an. Ein paar Meter vor ihr stand ein hagerer, attraktiver junger Mann mit einem Regenschirm, doch sie beachtete ihn nicht weiter.
Auch Alan Simpson bemerkte seinerseits die junge hübsche Japanerin dicht hinter ihm nicht. Er war mit seinen Gedanken beim Tower.
Er kam oft hierher, und jedes Mal faszinierte es ihn aufs Neue. An diesem Ort hatten die Könige jahrhundertelang ihre Ehefrauen und Mätressen eingesperrt und nicht selten auch enthaupten lassen. Immer wieder stellte er sich lustvoll vor, wie die Köpfe dieser Frauen abgetrennt wurden und zu Boden fielen und dort noch etwas rollten. Das geschah diesen Huren ganz recht, und die Könige wurden niemals dafür zur Rechenschaft gezogen, dachte er. Weil sie schließlich nur Gerechtigkeit übten, genau wie ich.