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Himmel in Flammen

Электронная книга - «Himmel in Flammen». Краткое содержание книги:

Nur sie würde seinen Schmerz heilen können. Sie allein hatte sich nie wirklich unterworfen. Sie war wild, so wie der eisige Norden, aus dem sie gekommen war: Nandalee. Und nun stand sie in seiner Höhle und zog die Klinge, die er einst selbst erschaffen hatte ...
Mit letzter Kraft flohen die Menschen aus dem ewigen Eis zurück in die südlicheren Gefilde Nangogs - besiegt und gedemütigt von den Kriegern der Daimonen. Erst als ein einzigartiger Wolkensammler mit einer mysteriösen Fracht über Volodis Palast vor Anker geht, schöpfen der Unsterbliche und sein bester Freund Aaron wieder Hoffnung. Es gibt eine Waffe gegen die scheinbar unbesiegbaren Drachen!
Doch auch die mächtigen Himmelsschlangen sind auf diese Waffe aufmerksam geworden. Während sie eine Armee von Zwergen in die Hafenstadt Asugar senden, um die Menschen endgültig zu schlagen, soll einer einzigen Drachenelfe, Nandalee, das Unmögliche gelingen: noch vor den Menschen die Waffe finden und bergen. Aber wird es Nachtatem, ihrem Herrn, wirklich gelingen, die Elfe noch einmal für seine Ziele in den Kampf zu schicken? Dieselbe Elfe, die ihm nahe kam wie niemand sonst und die zugleich sein Ende bedeuten könnte? Als aus dunklen Prophezeiungen Gewissheit wird, zeigt sich: Das Schicksal aller wird sich auf der magischen Welt Nangog entscheiden …
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Der Junge hatte sich gut entwickelt und war groß für sein Alter. Allerdings wirkte er ungewöhnlich ernst, während er den Abfall untersuchte. Erinnerte er sich vielleicht noch daran, unter welch dramatischen Umständen er aus der Tiefen Stadt geflohen war?

Natürlich nicht, dachte Nyr. Frar war viel zu klein gewesen. Der Richtschütze versank ganz und gar in melancholischen Erinnerungen daran, wie er den Jungen mit Drachenblut gesäugt hatte und wie die Frachtnetze von Aalen seine Wiege gewesen waren.

Wie wohl seine Stimme klang? Ob er ein aufgeweckter Junge war?

»Du wirst ihm nichts erzählen!«, riss ihn eine Stimme, die keinen Widerspruch gewohnt war, aus seinen Tagträumen. Amalaswintha stand plötzlich neben ihm. Der Frachtaal war abgetaucht. Er hatte all das gar nicht mitbekommen.

Nyr räusperte sich. »Was soll ich ihm nicht erzählen?«

»Was ihr drei Deppen mit ihm angestellt habt. Und am wenigsten, wie ihr ihn gefunden habt. Er hält mich für seine Mutter und glaubt, dass sein Vater hier in der Tiefen Stadt beim Angriff der Drachen umgekommen ist. Du wirst ihn nicht mit der Wahrheit verwirren, haben wir uns verstanden?«

Nyr schluckte. »Warum hast du das getan?«

»Glaubst du, die Wahrheit hätte ihm geholfen? Bestimmt will er nicht wissen, dass er ein Waise ist. Und dass die drei Trottel, die ihn hier aus der Tiefen Stadt gerettet haben, ihn dann auch verlassen haben. Er hat keinerlei Erinnerung an euch, an die Reisen oder Glamirs Turm. Und so soll es auch bleiben. Wenn du ein wenig nachdenkst, wirst du vielleicht auch darauf kommen, dass die Wahrheit ihm nicht guttun wird.«

»Du meinst, alles, was wir getan haben – das alles zählt nicht? So darf das nicht sein!«

»Was habt ihr denn getan? Ihr wart sieben Jahre verschwunden. Und auch jetzt haben Galar und Hornbori andere Dinge im Kopf als …«

»Aber Hornbori hat Umgang mit ihm!«, begehrte Nyr auf, der diese Ungerechtigkeit nicht länger ertragen konnte. Er hob wütend die Fäuste. »Ich … ich werde …«

»Beruhige dich, er sieht uns zu!«, sagte Amalaswintha gefasst und zischte ihm nun leiser zu: »Glaubst du, das ist der Weg, sein Herz zu erobern? Seiner Mutter mit der Faust zu drohen.«

»Du bist nicht seine Mutter!«, fauchte Nyr, nahm die Fäuste aber herab.

»Ach?« Die Verachtung in ihrem Blick traf ihn wie ein Axthieb. »Hältst du dich etwa für seine Mutter? Ich habe nicht vergessen, wie du dich in Glamirs Turm aufgeführt hast.«

»Aber Hornbori! Du sagst selbst, der Junge bedeutet ihm nichts. Und er darf …«

»Was denkst du denn, du Trottel. Ich habe ihn mir zum Gefährten erwählt. Er ist gut im Bett, und er ist der Herrscher über alle Zwerge. Das heißt, es verbindet sich das Angenehme mit dem Nützlichen.«

»Ihr beide, ihr passt wirklich zusammen. Ihr beide …« Ihm versagte die Stimme.

»Was willst du? Zu mir ins Bett oder Zeit mit dem Jungen verbringen?«

Nyr war perplex. Sie hatte immer schon eine ordinäre Ader gehabt, aber das hier …Sie sah jetzt zu Frar, und Nyr konnte beobachten, wie eine Veränderung in ihr vorging. Sie wirkte nicht mehr so hart, so skrupellos. Es war der Blick einer besorgten Mutter. Sie mochte sich diese Seite an ihr vielleicht nicht eingestehen, aber es gab sie, das wusste Nyr in diesem Augenblick.

»Er braucht Freunde«, wandte sich Amalaswintha in versöhnlicherem Ton an ihn. »Andere Kinder haben Angst vor ihm. Er ist sehr einsam. Sei sein Freund, hier und jetzt, aber lass das Vergangene ruhen.«

»Aber wie soll ich denn …« Er hob hilflos die Hände. »Ich habe keine Ahnung, wie man mit Kindern umgeht.«

»Das hättest du dir früher überlegen sollen!« Mühsam beherrschte Wut lag in ihrem Blick. »Dass du keine Ahnung hast, hat dich nicht davon abgehalten, dich mit dem Säugling einzulassen. Nun bring zu Ende, was du begonnen hast.«

»Ich habe meinen Marschbefehl bekommen«, sagte er zögerlich und rang mit dem Sturm von Gefühlen, der über ihn hereinbrach. Er durfte zu Frar, endlich, wenn es auch anders war, als er sich vorgestellt hatte. Aber Amalaswintha hatte recht. Der Junge konnte ihn nicht kennen, er war ein Fremder für Frar. Also konnte er auch von vorne beginnen.

»Was zögerst du? Ist dein Wunsch doch nicht so stark, wie du gedacht hast? Von der Einberufung weiß ich. Auch Hornbori wird gehen.«

»Dann weißt du auch, dass es diesmal anders ist.«

Sie bedachte ihn mit einem zynischen Lächeln. »Ist es das? Ihr geht, und keiner weiß, ob ihr jemals wiederkommt. Für mich ist es wie immer.«

Nur dass diesmal alles noch geheimnisvoller war. Sie würden sich nicht in dem Tal versammeln, von dem aus sie zu früheren Feldzügen aufgebrochen waren. Es gab auch das Gerücht, dass es zumindest zunächst nicht nach Nangog gehen würde. Nyr hatte ein ungutes Gefühl dabei. Er mochte es nicht, wenn sich Altvertrautes änderte.

»Und, reicht dein Mut für einen neuen Anfang mit ihm?«

Nyr sah zu dem Jungen. Frar sah so verloren aus. Er war ganz in sein Spiel versunken. Nur einmal hatte er aufgesehen. Dabei hatte Nyr das Gefühl, dass es nicht der Schutthaufen war, der den Jungen so fesselte. Frar rechnete einfach nicht damit, dass jemand etwas von ihm wollte.

Statt Amalaswintha zu antworten, ging Nyr. Er umrundete das Hafenbecken und trat hinter den Jungen.

Frar hatte zwischen den Trümmern eine Axt gefunden. Das Blatt war ausgeglüht, der Schaft schwarz verkohlt.

»Wem sie wohl gehört hat«, sagte Nyr, unsicher, ob es weise war, auf diese Art ein Gespräch zu beginnen.

Frar drehte sich zu ihm um. »Er liegt dort unter dem Schutt. Er hat die Axt immer noch festgehalten. Ich habe sie aus seiner Hand gezogen.«

Nyr ging neben ihm in die Hocke. Er sah nur Schutt, keine Knochen. Der Junge hatte wohl sehr viel Vorstellungskraft. »Es war ein schlimmer Tag, als die Drachen gekommen sind.«

Frar nickte ernst. »Ich weiß.«

Er sagte das in einem Ton, als wäre er selbst dabei gewesen. Und das war er ja auch … Aber er konnte sich doch unmöglich erinnern! »Hat Amalaswintha dir davon erzählt?«

»Meine Mutter redet nicht über diesen Tag. Ich weiß nur, dass mein Vater gestorben ist.« Er stockte. »Aber ich weiß nicht einmal, wie.«

»Viele von uns wissen nicht, wie ihre Liebsten an diesem Tag gestorben sind. Es ging alles zu schnell. In einem Moment waren wir noch mitten im Leben, saßen an einer Werkbank oder einem gedeckten Tisch, und im nächsten Augenblick war das Feuer da.«

Frar strich über die alte Axt. »Er hier hat das erste Feuer überlebt. Er kam hierher, weil er darauf hoffte, noch einen Aal besteigen zu können. Dann hat ihn eine weiße Schlange aus dem Hafenbecken angegriffen. Schwer verletzt ist er zu dieser Stelle gekrochen, als ein Teil der Decke einstürzte und ihn unter sich begraben hat. Er hielt noch im Tod seine Axt umklammert. Als Letztes hat er voller Verbitterung daran gedacht, dass es ihm nicht gelungen war, eine der Echsen auch nur zu verwunden.«

Nyr begann zu begreifen, warum der Junge keine Freunde hatte. »Du denkst dir gruselige Geschichten aus.«

»Das ist keine Geschichte.« Frar klang niedergeschlagen. Er senkte den Kopf und ballte die Fäuste. »Ich dachte, du wärst anders … Du warst doch auch hier! Du weißt, wie es war!«

»Ja, und deshalb dulde ich nicht, dass jemand an der Ehre der Toten rührt und einfach irgendwelche Geschichten erzählt. Nicht einmal einem kleinen, traurigen Jungen werde ich das gestatten!«

»Das sind keine Geschichten!«, schluchzte Frar. »Es ist jedes Wort wahr! Ich weiß, ihr anderen könnt das nicht, aber ich … Ich bin eben anders …«

»Wovon redest du?«

»Die Axt!«, sagte er beschwörend. »Wenn ich sie berühre, bin ich bei ihm. Bei Bodir. So hieß er … Ich fühle mit ihm. Ich weiß von seinem Leben. Von so vielen seiner Gedanken. Und ich sehe ganz deutlich, was er gesehen hat, bevor er starb. Das alles ist einfach da, wenn ich die Axt berühre.«

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