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Die zwölf Gebote

Электронная книга - «Die zwölf Gebote». Краткое содержание книги:

12 Geschichten vom Sinn und Unsinn der 12 Gebote: von Menschen, die erst durch die Nichtbeachtung der Gebote ihr Glück fanden, zum Beispiel von Tony, dem jungen sizilianischen Bildhauer, der entgegen dem heiligen Gebot ein Ebenbild Gottes fertigt, das ihm zu Reichtum und der Hochzeit mit seiner Geliebten verhilft.
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„Ich muß dieses Weib, die Angela, loswerden", hatte Fred gesagt. „Die treibt mich zum Wahnsinn. Ständig verlangt sie mehr und mehr. Jetzt hat sie schon allen Schmuck und alle Pelze der Welt und immer noch kriegt sie den Hals nicht voll."

„Ja, aber wie soll man sie loswerden, ohne ihre Gefühle zu verletzen"

Doch Fred wußte die Antwort darauf schon. „Dazu benutze ich Joe", sagte er. „Ich ahne nämlich, daß Angela versucht, ihn zu sich ins Bett zu kriegen." „Denkst du denn, er tut es?"

„Spinnst du oder was? Selbstverständlich tut er es. Den Mann, den Angela nicht herumkriegen würde, gibt es nicht. Ich habe ein Auge auf ihre Wohnung, und sobald es passiert, überrasche ich sie beide. Dann zwinge ich ihn, sie zu heiraten und veranlasse seine Frau, sich von ihm scheiden zu lassen, und alles ist in bester Butter. Außerdem habe ich eine neue Freundin, eine tolle Schönheit."

So kam es, daß Joe Smith sich mit der schönen Angela verheiratet und von seiner Frau, die er haßte, geschieden fand. Und das alles, wenn man es sich überlegt, dachte Joe, weil ich das sechste Gebot übertrat: Du sollst nicht ehebrechen.

7. KAPITEL

DAS SIEBTE GEBOT: DU SOLLST NICHT STEHLEN.

Er hieß Tom. Tom Warner. Er arbeitete als Angestellter in einer Bank, und sein Gehalt war hundertfünfzig Dollar die Woche. Wäre er Junggeselle gewesen und hätte allein gelebt, dann hätte das wohl zum Leben gereicht. Aber Tom war verheiratet und hatte drei Jungs. Wie soll man mit so einem Hungerlohn eine Frau und drei Söhne ernähren und kleiden, ihnen Schuhe kaufen und sie auf die Schule schicken? Völlig unmöglich.

Als Tom noch jünger war, dachte er an nichts anderes, als daß er einmal ungeheuer erfolgreich sein wollte und vielleicht sogar eines Tages seine eigene Bank haben würde. Als er dann seine Frau Mary kennenlernte, dachte er an nichts anderes, als daß er ihr ein wunderschönes Zuhause schaffen wollte. Und als seine Jungs auf die Welt kamen, dachte er an nichts anderes, als daß er mit ihnen später auf einer großen Jacht um die Welt reisen wollte.

Nun, mit fünfundvierzig, dachte er an nichts anderes als Geld. Der Stapel seiner unbezahlten Rechnungen wuchs immer weiter an, und es schien ihm, als verginge überhaupt kein Tag mehr, an dem nicht eine Rechnung kam. Wie sehr sie sich auch bemühten zu sparen, Tom und Mary kamen einfach nicht mehr nach mit dem Bezahlen.

Die lronie dabei war, daß Tom bei seiner Arbeit in der Bank jeden Tag mit Millionen umging. Sein Problem war nur, daß es halt nicht seine Millionen waren.

Eines Morgens beim Frühstück sagte Mary: „Liebling, die Kinder brauchen neue Schuhe."

„Wir haben ihnen doch erst vor zwei Monaten neue gekauft." „Ja, ich weiß. Aber sie gehen schnell kaputt. Außerdem ist der Fleischer noch nicht bezahlt. Ich habe versucht, erneut auf Kredit Fleisch von ihm zu bekommen, aber er sagte, es geht nicht mehr."

„Wieviel sind wir ihm denn schuldig?" „Zweihundert Dollar."

Was Tom betraf, hätten ihn auch zweitausend Dollar nicht mehr aus der Ruhe gebracht als zweihundert.

„Wir haben kein Geld, um Ihn zu bezahlen"., sagte er zu seiner Frau.

Es war ihr unangenehm, das auch noch zur Sprache bringen zu müssen, aber sie sagte es dennoch. „Und auch der Bäcker, Liebling, will sein Geld von uns haben."

„Schon wieder?" sagte Tom. Es waren ohnehin nicht nur der Fleischer und der Bäcker. Auch der Mann von der Versicherung wollte Geld haben und der Mechaniker und ein Elektriker, der einiges im Haus gerichtet hatte, und der Zahnarzt der Kinder und der Fernsehreparaturdienst und überhaupt am dringendsten ihr Hausherr. Toms Wohnung kostete dreihundert Dollar Miete im Monat, dabei war es nur eine winzige Wohnung, in der alle lebten. Aber jeden Monat hatte er Schwierigkeiten, die Miete zu bezahlen. Als sie eingezogen waren, hatte er noch geglaubt, er werde in seiner Bank bald befördert und bekomme ein höheres Gehalt. Mary sagte: „Warum gehst du nicht zu Mr. Gable und bittest ihn um Gehaltsaufbesserung?"

Mr. Gable gehörte die Bank, bei der Tom arbeitete. „Er hat sie dir schon seit Jahren versprochen."

„Ich weiß", sagte Tom. „Aber es ist mir unangenehm, ihn immer danach zu fragen."

In Wirklichkeit war es ihm nicht nur unangenehm, sondern er hatte richtig Angst vor Marvin Gable. Gable war hart und autoritär, ein richtiger Diktator, dem es Spaß machte, gemein zu seinen Angestellten zu sein. Er war sehr reich, hielt aber nichts davon, seinen Reichtum mit anderen zu teilen. Im Gegenteil, er bezahlte die schlechtesten Löhne in der ganzen Stadt und prahlte auch noch damit.

„Du hast dir eine Aufbesserung verdient", sagte Mary zu ihrem Mann. „Nun geh auch hin und stell dich auf die Hinterbeine. Kämpfe für dein Recht!"

Mary war stärker als ihr Mann. Tom war ein sehr schüchterner Mensch, der alles mögliche in Kauf nahm, nur um nicht irgend jemandem zu nahe zu treten. Mary liebte ihn sehr, aber sie hätte doch gern gesehen, wenn er etwas mehr Entschlußkraft und Mut besessen hätte.

„Versprich es mir", sagte sie.

„Gut, ich verspreche es", sagte Tom.

„Wann willst du es tun?"

„Gleich heute vormittag." .

Tom ging zu Mr. Gable in dessen Büro und bat um eine Gehaltserhöhung.

„Mr. Gable", sagte er, „ich arbeite jetzt seit zehn Jahren bei Ihnen und habe in dieser ganzen Zeit erst eine einzige Gehaltsaufbesserung bekommen. Ich arbeite sehr hart und fleißig und glaube, daß ich Anspruch auf mehr Gehalt habe." Gable war ein großer, fetter Mann, der nur für Essen und Frauen lebte. Für seine Angestellten hatte er überhaupt nichts übrig.

„Was bezahle ich Ihnen jetzt?"

„Hundertfünfzig die Woche", sagte Tom.

Mr. Gable zeigte sich überrascht. „Was denn, so viel? Da sollten Sie doch froh und glücklich sein, ein solches Gehalt zu beziehen."

„Sir, ich habe eine Frau und drei Kinder. Da habe ich große Schwierigkeiten, damit auszukommen."

Gable sagte: „Ach, wahrscheinlich werfen Sie ja doch das meiste Geld fürs Kino und für Vergnügen hinaus."

In Wirklichkeit war Tom schon seit zehn Jahren nicht mehr im Kino gewesen, und wann er zuletzt auf einer Party war, daran konnte er sich überhaupt nicht mehr erinnern.

„Nein, Sir", sagte er nervös, „so ist das nicht. Ich gehe überaus sparsam mit meinem Geld um, und doch reicht es hinten und vorne nicht."

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