Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Год: 1960
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer». Краткое содержание книги:
Einmal sahen Jim und Lukas sogar eine Gruppe der scheuen, rosafarbenen Tanzrehe, die auf einer Waldlichtung miteinander tanzten.
Das alles war natürlich ungeheuer interessant, und Jim wäre zu gerne ausgestiegen, um eine Weile im „Tausend-Wunder-Wald" herumzustrolchen. Aber Lukas schüttelte den Kopf. Das müsse man auf später verschieben, meinte er. Für diesmal hätten sie keine Zeit dazu. Erst müßten sie jetzt so rasch wie möglich die kleine Prinzessin befreien.
Drei Tage brauchten sie zur Durchquerung des Dschungels, denn sie kamen nur langsam vorwärts. Aber am dritten Tage öffnete sich plötzlich das Dickicht wie ein farbenprächtiger Vorhang, und ganz nahe vor ihnen erhob sich das rot und weiß gestreifte Gebirge, das den Namen „Die Krone der Welt" trug. Aus der Tatsache, daß Jim und Lukas dieses gewaltige Massiv schon vom Meeresstrand, viele hundert Meilen entfernt, hatten wahrnehmen können, mag man ersehen, wie unvorstellbar hoch diese Gipfel waren.
Die beiden Freunde waren von dem majestätischen Anblick sehr beeindruckt.
Die Berge standen so eng beieinander, daß an ein Durchkommen nicht zu denken war. Hinter der ersten Reihe kam eine zweite und hinter der zweiten eine dritte und dahinter noch eine und immer noch eine. Die Gipfel reichten bis in die Wolken hinauf und zogen sich von Norden quer durch das ganze Land nach Süden.
Jeder einzelne Berg schimmerte rot und weiß gestreift, waagerecht oder schräg, in Wellenlinien oder auch im Zickzack. Manche waren sogar kariert oder mit richtigen Mustern versehen.
Nachdem die beiden Freunde eine Weile lang alles betrachtet und sich gegenseitig auf die Gipfel mit den hübschesten Verzierungen aufmerksam gemacht hatten, zog Lukas die Landkarte hervor und breitete sie aus.
„So", sagte er, „jetzt wollen wir doch mal feststellen, wo eigentlich dieses,Tal der Dämmerung' liegt."
Er hatte es bald entdeckt, was Jim mit ehrfürchtigem Staunen erfüllte, denn er konnte auf dem Papier bloß ein Gewirr von bunten Linien und Punkten erkennen, sonst nichts.
„Schau her", erklärte Lukas und zeigte mit seinem Finger auf die Karte. „Hier stehen wir, und hier ist das,Tal der Dämmerung'. Wir sind also etwas zu weit nördlich aus dem Wald herausgekommen. Deshalb müssen wir jetzt ein Stück nach Süden fahren."
„Ganz wie du meinst, Lukas", sagte Jim vertrauensvoll.
Sie fuhren also ein Stück nach Süden, immer an dem Gebirge entlang, und bald erblickten sie einen schmalen Einschnitt zwischen den hohen Gipfeln und hielten darauf zu.
DREIZEHNTES KAPITEL
in dem die Stimmen im „Tal der Dämmerung" zu reden beginnen
Das „Tal der Dämmerung" war eine düstere Schlucht, ungefähr so breit wie eine Straße. Der Boden bestand aus rotem Gestein und war glatt wie Asphalt. Bis hier herunter drang nie ein Lichtstrahl. Links und rechts stiegen senkrechte Felsentürme bis in Himmelshöhen hinauf. Und weit hinten, ganz am anderen Ende der Schlucht, stand groß die rote Abendsonne und übergoß die zerklüfteten Wände mit ihrem Purpurlicht.
Vor dem Eingang zu der Schlucht hielt Lukas die Lokomotive an, und er und Jim gingen erst einmal ein Stück zu Fuß hinein, um zu sehen, was es mit den unheimlichen Stimmen auf sich hätte.
Aber es war nichts zu hören. Eine feierliche und geheimnisvolle Stille herrschte ringsum. Jims Herz klopfte, und er faßte nach Lukas' Hand. So standen sie eine Weile schweigend. Endlich meinte Jim:
„Es is' doch ganz still!"
Lukas nickte und wollte eben etwas erwidern, da ertönte plötzlich Jims Stimme ganz deutlich rechts in dem Felsen:
„Es is' doch ganz still!"
Und dann von links oben ebenso: „Es is' doch ganz still!"
Und dann ging es in einer Art Gemurmel immer abwechselnd links und rechts das ganze Tal hinunter:
„Es is' doch ganz still! - Es is' doch ganz still! - Es is' doch ganz still!"
„Was is' das?" fragte Jim erschrocken und umklammerte Lukas' Hand fester.
„Was is' das? - Was is' das? - Was is' das?" raunte es die Felswände entlang.
„Keine Angst!" antwortete Lukas beruhigend. „Das ist nur ein Echo."
„Nur ein Echo - nur ein Echo - nur ein Echo" scholl es durch die Schlucht.
Die beiden Freunde gingen zu ihrer Emma zurück und wollten eben einsteigen, als Jim plötzlich flüsterte:
„Pst, Lukas! Hör doch mal!"
Lukas lauschte. Und nun vernahmen sie, wie das Echo vom anderen Ende der Schlucht wieder zurückkam. Erst war es noch ganz leise, dann schwoll es immer mehr an:
„Es is' doch ganz still! - Es is' doch ganz still! - Es is' doch ganz still!"
Aber seltsam, jetzt war es nicht mehr allein die Stimme von Jim, sondern es klang, als ob hundert Jims durcheinander redeten. Das hörte sich natürlich schon um ein beträchtliches lauter an. Nun kehrte das Echo wieder um und wanderte aufs neue das Tal hinunter.
„Na, so was!" raunte Lukas. „Das Echo kommt zurück und hat sich inzwischen vermehrt, wie es scheint."
Jetzt kam das zweite Echo aus der Ferne wieder, immer abwechselnd links und rechts:
„Was is' das? - Was is' das? - Was is' das?" rief es aus den Felsen. Es klang schon wie eine ganze Volksmenge von Jims. Dann kehrte das Echo um und entfernte sich wieder.
„Na", flüsterte Lukas, „das kann ja lustig werden, wenn das so weitergeht."
„Warum meinst du?" fragte Jim ängstlich und leise. Es war ihm gar nicht recht geheuer, wie seine Stimme da auf eigene Faust umhergeisterte und sich vervielfältigte.
„Stell dir doch mal vor", antwortete Lukas gedämpft, „was passieren wird, wenn Emma anfängt, in dem Tal herumzupoltern. Das wird sich anhören wie ein ganzer Hauptbahnhof."
Eben kam das dritte Echo zurück und näherte sich, immer im Zickzack durch die Schlucht hallend:
„Nur ein Echo - nur ein Echo - nur ein Echo" sagten tausend Lukasse aus den Felswänden. Dann machten die Stimmen kehrt und wanderten wieder zum anderen Ende des Tales.
„Wie kommt denn das?" flüsterte Jim.
„Schwer zu sagen", antwortete Lukas. „Man müßte es erforschen."
„Achtung!" raunte Jim. „Da kommt es wieder!"
Jetzt kam das erste Echo zum zweitenmal aus der Ferne zurück und hatte sich inzwischen unheimlich vermehrt.
„Es is' doch ganz still! - Es is' doch ganz still! - Es is' doch ganz still!" riefen zehntausend Jims. Es war ein Getöse, daß den beiden Freunden die Ohren dröhnten.
Als es vorüber war, hauchte Jim:
„Was können wir bloß dagegen unternehmen, Lukas? Das wird ja immer ärger!"
Lukas raunte zurück:
„Ich fürchte, da ist nichts zu machen. Wir können nur versuchen, so schnell wie möglich durch die Schlucht durchzufahren."