Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Год: 1960
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer». Краткое содержание книги:
Einsam und verlassen stand Emma im Mondschein.
„Gut, daß ich daran denke!" sagte Lukas und wandte sich an den Kaiser und Ping Pong. „Emma braucht frisches Wasser. Und den Tender sollten wir mit Kohlen auffüllen. Bei so einer Fahrt ins Ungewisse weiß man nie, ob man so bald wieder anständiges Brennmaterial bekommen kann."
In diesem Augenblick trat gerade der Oberhofkoch Schu Fu Lu Pi Plu aus der Küchentür, um den Mond zu betrachten. Als er die Fremden mit dem Kaiser und Ping Pong bei der Lokomotive stehen sah, wünschte er untertänigst einen recht guten Abend.
„Ach, mein lieber Herr Schu Fu Lu Pi Plu", sprach der Kaiser, Sie können doch sicherlich unseren beiden Freunden mit Wasser und Kohlen aus Ihrer Küche aushelfen, nicht wahr?"
Der Oberhofkoch war gerne bereit, und sie machten sich sofort an die Arbeit. Lukas, Jim und der Oberhofkoch, ja sogar der Kaiser selbst, schleppten Eimer voll Kohlen und Wasser aus der Küche zu der Lokomotive. Auch Ping Pong wollte nicht untätig zusehen und half ebenfalls, obwohl er natürlich nur ein Eimerchen tragen konnte, das kaum größer war als ein Fingerhut.
Endlich war der Tender voll Kohlen und Emmas Kessel voll Wasser.
„So!" sagte Lukas zufrieden. „Schönen Dank! Und jetzt gehen wir schlafen."
„Wollt ihr denn nicht im Palast übernachten?" fragte der Kaiser verwundert.
Aber Lukas und Jim meinten, sie wollten lieber in ihrer Lokomotive schlafen. Da sei es sehr gemütlich, und sie wären das jetzt schon so gewöhnt.
Also verabschiedeten sich alle voneinander und wünschten sich gute Nacht. Der Kaiser, der Oberhofkoch und Ping Pong versprachen, sie wollten am nächsten Morgen ganz früh wiederkommen, um den Freunden Lebewohl zu sagen. Dann trennten sie sich.
Lukas und Jim stiegen in das Führerhäuschen ihrer Lokomotive, Ping Pong und der Oberhofkoch gingen in die Küche, und der Kaiser verschwand in seinem Palast.
Bald darauf schliefen alle.
ZWÖLFTES KAPITEL
in dem die Fahrt ins Ungewisse beginnt und die beiden Freunde die „Krone der Welt" sehen
„He, Jim, wach auf!"
Jim richtete sich auf, rieb sich die Augen und fragte verschlafen:
„Was is' denn?"
„Es ist Zeit", sagte Lukas. „Wir müssen gleich losfahren."
Mit einem Schlag war Jim hellwach. Er schaute zum Fenster des Führerhäuschens hinaus. Der Platz war menschenleer. Es war noch dämmerig. Die Sonne war noch nicht aufgegangen.
Eben öffnete sich die Küchentür, und Herr Schu Fu Lu Pi Plu trat heraus. Er hatte eine große Tüte in der Hand und schritt auf Emma zu. Hinter ihm drein kam der kleine Ping Pong, das winzige Gesicht in kummervolle Falten gelegt. Aber er gab sich sichtlich Mühe, eine würdevolle Haltung zu bewahren.
„Hier", sagte der Oberhofkoch, „ich habe noch ein paar belegte Brote als Reiseproviant für die ehrenwerten Fremdlinge gemacht. Sie sind nach lummerländischer Art gestrichen. Hoffentlich schmecken sie Euch."
„Danke", antwortete Lukas. „Das ist aber nett, daß Sie daran gedacht haben!"
Plötzlich fing Ping Pong an zu weinen. Er konnte seinen Schmerz beim besten Willen nicht mehr unterdrücken.
„Huhuhu, ihr ehrenwerten Lokomotivführer", schluchzte er und wischte sich die Tränen aus dem winzigen Gesicht, „entschuldigt bitte, daß ich weine. Aber kleine Kinder in meinem Alter - huhuhu - weinen eben manchmal, man weiß nicht recht, warum…"
Lukas und Jim lächelten gerührt, und dann schüttelten sie ihm vorsichtig seine kleine Hand, und Lukas sagte:
„Wir wissen es, Ping Pong. Leb wohl, unser kleiner Retter und Freund!"
Schließlich kam auch der Kaiser. Er war noch blasser als gewöhnlich und schien sehr ernst.
„Meine Freunde", sprach er, „möge der Himmel euch beschützen, euch und meine kleine Tochter. Von nun an werde ich mir nicht mehr nur um Li Si Sorgen machen, sondern auch um euch beide. Denn ich habe euch lieb gewonnen."
Lukas stieß dicke Rauchwolken aus seiner Pfeife vor Rührung und brummte:
„Na, es wird schon alles gut gehen, Majestät."
„Hier ist noch etwas heißer Tee für euch", sagte der Kaiser und überreichte Lukas eine goldene Thermosflasche. „Heißer Tee ist immer gut auf einer Reise."
Lukas und Jim bedankten sich, dann stiegen sie ein und schlossen die Türen des Führerhäuschens. Jim ließ das Fenster herunter und rief:
„Auf Wiedersehen!"
„Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen!" antworteten die Zurückbleibenden.
Emma setzte sich in Bewegung, und alle winkten, bis sie einander nicht mehr sehen konnten.
Die Reise nach der Drachenstadt hatte begonnen.
Zuerst ging die Fahrt eine Weile durch die menschenleeren Straßen, dann erreichten sie das flache Land und ließen die goldenen Dächer von Ping hinter sich.
Die Sonne ging auf, und das Wetter war so strahlend schön, wie man es sich für eine Expedition nur wünschen kann.
Sie fuhren den ganzen Tag, ohne eine einzige Unterbrechung, quer durch das Land China immer auf das geheimnisvolle „Tal der Dämmerung" zu.
Am zweiten Tag kamen sie an weiten Gärten und Feldern vorüber und dampften durch Dörfer, wo ihnen die chinesischen Bauern und Bäuerinnen mit ihren Kindern und Kindeskindern zuwinkten. Niemand hatte jetzt mehr Angst vor Emma. Die Nachricht, daß zwei Fremde auf einer Lokomotive auszogen, um die Prinzessin Li Si zu befreien, hatte sich natürlich wie ein Lauffeuer im ganzen Land verbreitet.
Am dritten Tag erblickten die beiden Freunde eines der berühmten chinesischen Schlösser aus weißem Marmorstein. Es lag mitten in einem See. Auf vielen zierlichen Säulen schwebte es über dem Wasser. Dort wohnten junge chinesische Edeldamen. Lukas und Jim konnten die Mädchen mit ihren seidenen Fächern winken sehen und winkten ihnen mit ihren Taschentüchern zurück.
Wo immer sie anhielten, kamen die Leute herbei und brachten große Körbe mit Früchten und Süßigkeiten aller Art für die beiden Freunde und Wasser und Kohlen für die Lokomotive.
Am siebenten Tag ihrer Reise gelangten sie endlich zu dem westlichen Tor in der großen Chinesischen Mauer. Die zwölf Soldaten, die hier Posten stehen mußten, und die ganz ähnlich aussahen wie die Palastwache, schleppten einen riesenhaften Schlüssel herbei, so groß, daß drei Männer ihn kaum halten konnten. Sie steckten ihn in das Schloß und drehten ihn mit äußerster Anstrengung herum. Mit lautem Knarren öffneten sich die gewaltigen Flügel des westlichen Tores. Seit Menschengedenken war das nicht mehr vorgekommen.
Als Emma an ihnen vorüber zum Tore hinausdampfte, salutierten die Wächter und riefen: „Hoch! Hoch! Hoch die Helden aus Lummerland!"
Wenige Minuten später waren die Reisenden schon mitten im „Tausend-Wunder-Wald".
Es war wahrhaftig keine Kleinigkeit, hier einen Weg zu finden, der für eine Lokomotive einigermaßen befahrbar war, und ein Lokomotivführer, der sein Handwerk weniger gut verstanden hätte als Lukas, wäre wohl rettungslos steckengeblieben. Der „Tausend-Wunder-Wald" war ein gewaltiger wilder Dschungel aus farbigen Glasbäumen, Schlingpflanzen und sonderbaren Blumen. Und weil alles durchsichtig war, konnte man eine Menge seltener Tiere sehen, die hier wohnten.
Es gab Schmetterlinge, so groß wie ein Sonnenschirm. Bunte Papageien turnten wie Akrobaten in den Zweigen. Zwischen den Blumen krabbelten große Schildkröten mit langen Schnurrbärten in ihren weisen Gesichtern, und auf den Blättern krochen rote und blaue Schnecken mit Häusern auf dem Rücken, die viele Stockwerke hatten und ganz ähnlich aussahen wie die Häuser in Ping mit ihren goldenen Dächern, nur natürlich in verkleinertem Maßstab. Manchmal zeigten sich zierliche gestreifte Eichhörnchen, die so große Ohren hatten, daß sie tags damit in der Luft herumsegeln konnten, und nachts, wenn sie zu Bett gingen, wickelten sie sich hinein wie in eine warme Decke. Kupferglänzende Riesenschlangen ringelten sich um Baumstämme. Sie waren aber ganz ungefährlich, weil sie nämlich an jedem Ende einen Kopf hatten und dadurch beständig in Meinungsverschiedenheiten mit sich selbst gerieten, wohin sie kriechen wollten. Dabei war natürlich nicht daran zu denken, daß sie jemals ein Tier fingen. Sie mußten sich eben von Gemüse ernähren, das nicht weglaufen konnte.