Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Год: 1960
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer». Краткое содержание книги:
Als das Essen fertig war, setzte sich Herr Schu Fu Lu Pi Plu seine allergrößte Kochmütze auf, die so groß war wie ein Federbett. Und dann trug er persönlich das Essen in den kaiserlichen Speisesaal.
Den beiden Freunden - Ping Pong schlief noch - schmeckte es so großartig wie niemals zuvor in ihrem Leben, das Erdbeereis von Frau Waas vielleicht ausgenommen. Sie lobten Herrn Schu Fu Lu Pi Plus Kunst gebührend, und der Oberhofkoch wurde ganz rot vor Freude, und sein runder Kopf glänzte wie eine Tomate.
Übrigens gab es diesmal auch richtige Gabeln, Löffel und Messer zum Essen. Das hatten die gelehrten Männer nämlich ebenfalls in ihren Büchern gelesen und hatten dem Kaiserlichen Hofsilberschmied den Auftrag gegeben, ganz schnell Bestecke zu liefern.
Nach der Mahlzeit spazierte der Kaiser mit den beiden Freunden auf eine große Terrasse hinaus. Von hier aus konnte man die ganze Stadt mit ihren tausend goldenen Dächern überblicken.
Sie setzten sich unter einen großen Sonnenschirm und plauderten erst eine Weile über dies und das. Dann lief Jim hinunter und holte aus der Lokomotive das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Beide Freunde erklärten dem Kaiser von China die Regeln, und dann spielten sie miteinander. Der Kaiser war zwar sehr eifrig bei der Sache, aber er verlor oft, und darüber freute er sich außerordentlich. Er dachte nämlich im stillen: Wenn diese Fremden so viel Glück haben, dann gelingt es ihnen vielleicht wirklich, meine kleine Li Si zu befreien!
Später erschien auch Ping Pong, der endlich ausgeschlafen hatte. Und dann gab es nach lummerländischem Rezept Kakao und Kuchen, und Ping Pong und der Kaiser, die so etwas nicht kannten, versuchten beides und fanden, daß es ausgezeichnet schmeckte.
„Wann wollt ihr nach der Drachenstadt aufbrechen, meine Freunde?" fragte der Kaiser, als sie fertig waren.
„Sobald wie möglich", antwortete Lukas. „Wir müßten nur erst mal feststellen, was es mit dieser Drachenstadt eigentlich auf sich hat, wo sie liegt, wie man hinkommt und noch so verschiedenes."
Der Kaiser nickte.
„Heute abend, meine Freunde", versprach er, „werdet ihr alles erfahren, was in China über diese Stadt bekannt ist."
Dann führten der Kaiser und Ping Pong die beiden Freunde in den Garten des kaiserlichen Palastes, um ihnen bis zum Abend die Zeit zu vertreiben. Sie zeigten ihnen alle Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel die wunderbaren chinesischen Wasserspiele und Springbrunnen. Herrliche Pfauen stolzierten umher mit Schweifen wie aus grünem und violettem Gold; blaue Hirsche mit silbernen Geweihen kamen zutraulich heran; sie waren so zahm, daß man auf ihnen reiten konnte; es gab auch chinesische Einhörner, deren Fell wie flüssiges Mondlicht glänzte, Purpurbüffel mit langem, welligem Haar, weiße Elefanten mit diamantenbesetzten Stoßzähnen, kleine Seidenäffchen mit lustigen Gesichtern und tausend andere Seltsamkeiten.
Abends aßen sie gemeinsam auf der Terrasse, und als es dunkel wurde, gingen sie in den Thronsaal zurück. Hier waren inzwischen große Vorbereitungen getroffen worden.
Tausend kleine Ampeln aus bunten Edelsteinen erleuchteten den riesigen Raum. Die einundzwanzig gelehrtesten Männer Chinas waren versammelt und warteten auf Jim und Lukas. Sie hatten Papierrollen und Bücher mitgebracht, aus denen man alles, was über die Drachenstadt bekannt war, ersehen konnte.
… Man kann sich vorstellen, wie gelehrt diese einundzwanzig Männer waren, wenn sie sogar in diesem Land, wo schon die kleinen Kinder so gescheit sind, als die gelehrtesten anerkannt wurden. Man konnte sie einfach alles fragen, zum Beispiel, wieviele Wassertropfen im Meer enthalten sind oder wie weit der Mond entfernt ist oder warum das Rote Meer rot ist oder wie das seltenste Tier heißt oder wann die nächste Sonnenfinsternis sein wird. Das wußten sie alles einfach aus dem Kopf. Der Titel dieser Männer lautete: „Blüte der Gelehrsamkeit". Wie Blüten sahen sie allerdings nicht gerade aus. Vom vielen Studieren und Auswendiglernen waren manche von ihnen ganz zusammengeschrumpft und hatten riesige Stirnen bekommen. Andere waren vom vielen Sitzen und Lesen kurz und dick geworden und hatten große, abgeplattete Hinterteile. Die dritte Sorte war von dem beständigen Recken nach den oberen Bücherregalen so lang und dünn geworden wie Besenstiele. Alle trugen große goldene Brillen auf den Nasen, das war das Zeichen ihrer besonderen Würde.
Nachdem die einundzwanzig „Blüten der Gelehrsamkeit" erst den Kaiser und dann die beiden Freunde durch Niederwerfen auf den Bauch begrüßt hatten, begann Lukas, Fragen zu stellen.
„Vor allem wüßte ich zuerst mal gern eines", sagte er und zündete sich seine Pfeife an. „Woher weiß man eigentlich, daß die Prinzessin sich in der Drachenstadt befindet?"
Darauf trat ein Gelehrter von der besenstielartigen Sorte vor, rückte an seiner Brille und sprach:
„Das, ihr ehrenwerten Fremdlinge, ging folgendermaßen zu: Die wie Morgentau liebliche Prinzessin Li Si weilte vor einem Jahr während der großen Ferien am Meer. Eines Tages war sie plötzlich spurlos verschwunden. Niemand wußte, was mit ihr geschehen war. Die schreckliche Ungewißheit dauerte an, bis vor zwei Wochen Fischer in den Wellen des Gelben Flusses eine Flaschenpost fanden. Der Gelbe Fluß kommt aus dem rot und weiß gestreiften Gebirge und fließt draußen vor den Toren unserer Stadt vorbei. Gefunden wurde eine zierliche Milchflasche für Säuglinge, wie kleine Mädchen sie beim Puppenspiel verwenden. Darin befand sich ein Brief von der Hand unserer blumenblattgleichen Prinzessin."
„Könnten wir diesen Brief vielleicht mal sehen?" fragte Lukas.
Der Gelehrte suchte unter seinen Papieren, und dann überreichte er Lukas einen kleinen, zusammengefalteten Zettel. Lukas entfaltete ihn und las vor:
„Lieber Unbekannter! Wer du auch sein magst, der diese Flaschenpost findet, bitte bringe sie so schnell wie möglich zu meinem Vater Pung Ging, dem erhabenen Kaiser von China. Die 13 haben mich gefangen und an Frau Mahlzahn verkauft. Hier sind auch noch viele andere Kinder. Bitte rettet uns, denn es ist einfach schrecklich in dieser Gefangenschaft. Frau Mahlzahn ist ein Drache, und meine jetzige Adresse lautet:
Prinzessin Li Si bei Frau Mahlzahn
Kummerland
Alte Straße Nummer 133
Dritte Etage links."
Lukas ließ den Zettel sinken und starrte in Gedanken versunken vor sich hin.
„Mahlzahn…?" murmelte er, „… Mahlzahn?… Kummerland?… Das hab' ich doch schon mal irgendwo gehört."
„Kummerland ist der Name der Drachenstadt", erläuterte der Gelehrte. „Das fanden wir in einem alten Buch erwähnt."
Jetzt nahm Lukas seine Pfeife aus dem Mund. Er stieß einen überraschten Pfiff aus und murmelte:
„Die Geschichte fängt an, spannend zu werden!"
„Warum?" fragte Jim verwundert.
„Hör mal zu, Jim Knopf!" sagte Lukas ernst. „Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo du ein großes Geheimnis erfahren mußt, das Geheimnis deiner Ankunft auf Lummerland. Du warst damals noch viel zu klein und kannst dich deswegen nicht mehr daran erinnern. Du bist nämlich in einem Postpaket vom Briefträger zu uns gebracht worden."
Und nun erzählte er Jim, dessen Augen vor Staunen immer größer und größer wurden, was sich damals in Lummerland ereignet hatte. Zum Schluß malte er auf ein Stück Papier, wie die Adresse auf dem Paket ausgesehen hatte.