Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Историческая проза » Aus dem Nichts ein neues Leben
Aus dem Nichts ein neues Leben - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Aus dem Nichts ein neues Leben

Электронная книга - «Aus dem Nichts ein neues Leben». Краткое содержание книги:

Bei Kriegsende 1945 verschlägt es die Kurowskis nach der Flucht aus Ostpreußen in den» westlichen Teil<. Man hat alles zurücklassen müssen: die Heimat, den gesamten Besitz, die Familie mußte sich eine neue Existenz schaffen, die Schuhwerkstatt hatte zu Hause die Familie gut ernährt. Vater Kurowski ist noch vermißt, die Mutter hat drei Kinder zu versorgen. Man hält zusammen: der Schwager Paskuleit, der Großvater, der Geselle Busko und auch der Pfarrer des Heimatdorfes sind mit von der Partie. So ist da, in der neuen Welt, noch eine kleine Gemeinschaft von Freunden, auf die man sich verlassen kann. Menschen, mit denen man ein gemeinsames Schicksal hat.»Organisieren hieß die Devise damals. Man organisierte das Notwendigste. Das hält fürs erste die Familie über Wasser. Schließlich, ein paar Jahre später, floriert die neue Werkstatt und das Schuhgeschäft. Endlich kommt der Vater aus russischer Gefangenschaft zurück und packt mit an. Politische Schwierigkeiten stellen sich in den Weg und sind mit List und Schläue zu meistern. Busko zieht sogar in den Bundestag ein. Die Kurowskis klettern die Erfolgsleiter empor, bringen es mit Ausdauer und Fleiß zu Haus und Geschäft und schließlich wächst das Familienunternehmen zu einem Schuhkonzern. Fast könnte man sagen, Kurowskis sind des Wirtschaftswunders liebste Kinder. Der Reichtum zeigt freilich auch seine Kehrseite: am Ende erfüllen nicht alle Kinder die hochfliegenden Pläne ihrer Eltern.
1 ... 15 16 17 18 19 20 21 22 23 ... 42
Перейти на страницу:

«Und wo wollen wir schlafen?«fragte Erna.

«Jedes Haus hat einen Keller, Schwester.«

«Wenn er nicht von Bomben eingedrückt ist.«

«Das sehen wir ja! Wir fangen wie normale Menschen an… von unten nach oben! Franz!«

«Meester?«

«In den Keller!«

Es zeigte sich, daß nicht alles so trostlos war, wie es von außen zunächst ausgesehen hatte. Der Keller war unversehrt, hier hatte der Hausbesitzer bis vorgestern noch gewohnt, es gab hier Wasser und einen Kanalanschluß, elektrisches Licht und einen Lokus, verputzte Wände und sogar einen Kellerraum mit einer geblümten Tapete. das Wohnzimmer.

«Na also!«sagte Paskuleit, nachdem er Erna und die Kinder in den Keller geführt hatte, als beträten sie einen Palast.»Wasser und Licht… damit hat man die Kultur aufgebaut. Mehr braucht ein Paskuleit auch nicht. In ein paar Wochen.bis zum Winter bestimmt — sind wir wieder aus der Erde heraus. Hast du Angst, Erna?«

Erna Kurowski saß in dem >Wohnzimmer< auf den Koffern, die Kinder um sich wie eine Glucke ihre Küken. Sie hätte heulen können, ganz laut heulen, wenn sie an die schöne Laube in Lübeck dachte, an den blühenden Garten drum herum, an die neuen Freunde, das nahe Meer und das Gefühl der Sicherheit. Alles war nun aufgegeben, verkauft gegen einen Ruinenhaufen, eingetauscht gegen einen weiträumigen, aber muffigen Keller, in den — wenn der Wind herüberkam von den wieder produzierenden Farbwerken Bayer — eine unsichtbare Wolke von Arzneigestank hineinkroch.

«Ich habe keine Angst, Julius«, sagte sie tapfer und lächelte wieder, obwohl ihr die dicken Tränen aus den Augen tropften.»Es… es ist nur alles so fremd.«

«Wir müssen in das Fremde hineinwachsen, Erna. «Paskuleit zog seinen Rock aus und krempelte die Hemdsärmel hoch. Er hatte dicke Armmuskeln und einen breiten Brustkorb. ein ostpreußischer Baum, den kein Sturm umweht.»Nach Adamsverdruß kommen wir nie wieder.«

«Ist das sicher?«

«Für mich ja! Der Krieg ist verloren. der Verlierer muß bezahlen. Das ist natürlich. Wir bezahlen mit Ostpreußen und Schlesien, und wenn man noch so laut schreit von Heimatrecht und Rückkehr. Verdammt, es wird lange dauern, bis man das begreift. aber ich glaube, schon Ludwig, Peter und Inge werden Ostpreußen nur noch als Fleck auf der Landkarte betrachten. Politik ist ein Generationsprozeß. sollen wir uns davon überrollen lassen? Nee, nicht ein Paskuleit. Wir fangen an, die neue Welt zu erobern!«

«Sie sollten in de Politik geh'n, Meester — «sagte Franz Busko beeindruckt.»Reden können Se.«

«Ich bin Schuster!«Paskuleit klatschte in die Hände.»Das ist mehr als Politiker, Franz. Was ist'n Politiker ohne Schuhe? Wie sieht das aus, wenn er Aufstieg verspricht und steht barfuß da. Los, rauf auf die Straße!«

Die Familie Kurowski begann, das Haus Nordstraße 34 aufzubauen.

Auch im zerstörten Deutschland von 1947 hatte alles wieder seine behördliche Ordnung. Zwar zogen ganze Menschenschlangen aufs Land und fuhren auf den Trittbrettern der Züge, in Güterwagen, Bremserhäuschen, mit Holzgasautos und auf Fahrrädern bis nach Bayern und überfielen die entlegensten Bauernhöfe wie Heuschreckenschwärme, nur um ein paar Pfund Kartoffeln, ein Stückchen Speck, ein Glas Schmalz oder eine Welle Butter zu tauschen; Schnellgerichte saßen stundenlang über ausgemergelten Frauen und

Männern Gericht, die man beim Stehlen von Kohlköpfen, Salat und Steckrüben auf den Feldern erwischt hatte, verurteilten sie wegen Mundraub zu Geldstrafen oder ein paar Tagen Haft, bis die Gefängnisse aus den Nähten platzten und Wartezeiten zum Einsitzen bis zwei Jahre hatten… trotz einer immerwährenden Jagd nach Sattsein, dem einzigen großen Gedanken der Deutschen in diesem Jahr, zu dem sich bei fortschreitender Jahreszeit die Angst vor dem Winter gesellte, arbeiteten die Behörden mit einer geradezu perfiden Präzision.

Paskuleit hatte vierzehn Tage zu tun, um sich in Leverkusen behördlich zu etablieren. Er meldete sein Gewerbe an, seinen Umzug, den Hauskauf, die Eröffnung einer Werkstatt mit Ladengeschäft, stand Schlange vor den Bezugsscheinstellen und beantragte Fensterglas, Leder für sein Gewerbe, Nägel, Zwecken, Garne, Farben, Pech, Leim und Gewebe, stritt sich mit den Beamten herum, die der Ansicht waren, die Genehmigung eines Gewerbebetriebs sei nicht gleichbedeutend mit einer Zuteilung rationierter Sachen, erfuhr, daß in der Kreisverwaltung als Oberinspektor ein alter Bekannter aus Passenheim saß, und drang bis zu ihm vor.

«Der Paskuleit!«sagte der Oberinspektor.»Nee, Maanchen, so 'was! In Leverkusen! Komm, trink einen Schnaps, 'n Selbstgebrannten! Was ist eigentlich aus Adamsverdruß geworden?«

Wer damals einen Vetter — oder auch nur einen alten Bekannten mit einem goldenen Herzen — an der richtigen Stelle sitzen hatte, war vom Glück geküßt. Paskuleit verließ den Oberinspektor aus Passenheim mit vielen Zusicherungen, daß Haus und Laden die Förderung der Stadtverwaltung erhalten würden.

Und siehe da… nun lief es. Bis Ende Oktober hatte man das Untergeschoß ausgebaut und die Decke mit Dachpappe so abgedeckt, daß der Winter kommen konnte. Die Schaufenster waren eingesetzt, der Laden geweißt, die Werkstatt eingerichtet, und hinter der Werkstatt war eine kleine Wohnung entstanden.

«Sogar 'nen Garten haste — «, sagte Paskuleit zu Erna Kurowski.»Zwar nur vier mal fünf Meter jroß… aber für Petersilie und Porree reicht's.«

Es war ein trauriger Garten, eingekeilt zwischen Wohntrakt und der hochragenden, zerborstenen Wand des Hauses der Parallelstraße; ein Fleck Erde voller Trümmerschutt, über dem wie ein viereckiges Fenster der blaue Himmel hing. Der jetzt zwölfjährige Ludwig und der siebenjährige Peter sammelten die Steine auf und gruben die Erde um, die vierjährige Inge richtete sich in einer Ecke an der Hauswand einen Sandkasten ein, Erna Kurowski rammte Eisenstangen in den Boden, die Franz Busko nachher weiß lackierte… zum Wäschetrocknen. Die Hauptsorge einer Hausfrau.

Am 9. November.»Ein blöder Tag«, sagte Paskuleit,»aber es geht nicht anders, mit dem Marsch auf die Feldherrnhalle hat das nichts zu tun. «wurden Geschäft und Werkstatt feierlich eröffnet. Über der Ladentür hing jetzt nicht mehr >Schuhbesohlerei Ewald Kurowski<, sondern ein anderes, breites, blaugrundiges Schild mit leuchtenden gelben Buchstaben: >Westschuh<.

Paskuleit erklärte das so:»Für das Rheinland ist Kurowski ein Name, der nicht lockt. Man muß psychologisch vorgehen, Erna. Westschuh. das trifft hier ins Herz! Das ist ein Teil von ihnen. Das ist nun mal so. wir waren damals stolz, Ostpreußen zu sein — wir sind's noch, Erna! — und die hier sind stolz, Rheinländer zu sein. Deutsche sind wir alle, was macht's also, wenn man sich eingliedert? Wie gefällt dir >Westschuh<?«

«Gut, Julius«, sagte Erna Kurowski und starrte auf das große Schild über dem Ladeneingang. Noch waren die Schaufenster leer.»Aber wenn Ewald zurückkommt.«

«Ewald denkt wie ich, verlaß dich drauf. «Paskuleit steckte die Hände zufrieden in die Hosentaschen.»Die >Westschuh< ist eine GmbH. Ewald, du, die Kinder, ich und Franz sind Gesellschafter. Und morgen fahr ich nach Pirmasens.«

«Was willst du denn da?«fragte Erna entgeistert.

«In Pirmasens lebt Heinrich Ellerkrug.«

«Wer ist denn das?«

«Heinrich hatte in Königsberg eine kleine Schuhfabrik. Sein Schwa-ger Fritz Kämper ist Besitzer der >Kämper-Schuhwerke< in Pirmasens. Und im >Zentralblatt für Lederwaren< hab ich gelesen, daß Heinrich Ellerkrug jetzt Prokurist bei Kämper geworden ist. Ahnste was, Erna?«

«Ja, Julius. Und du glaubst — «

«Mädchen, ich weiß! Eine Laus ist harmlos gegen Julius Paskuleit. Ich bohre mich in die >Kämper-Werke< hinein.«

Am 10. November fuhr Paskuleit, von der ganzen Familie zum Bahnhof begleitet, nach Pirmasens. Den Laden übernahm Franz Busko so lange… zu verkaufen gab es nur die zugeteilten Sandaletten mit dicker Holzsohle… aber man hatte ja aus Opas geklauten Autoreifen zweitausend Schuhsohlen auf Lager, ein Kapital, das jetzt ungeheure Zinsen trug. In drei Tagen hatte Busko neunundsiebzig Reparaturen angenommen.er arbeitete von früh um fünf bis nachts um eins und schlief nur vier Stunden. Neben ihm auf dem Sessel hockte Erna und glättete mit Schleifpapier die Sohlenränder.

1 ... 15 16 17 18 19 20 21 22 23 ... 42
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)